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Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (dieterwunderlich-de):

Johann Wolfgang Goethe wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main
als Sohn des wohlhabenden, hochgebildeten Juristen Johann Caspar Goethe
(1710 - 1782) und der Schultheissentochter Katharina Elisabeth Textor
(1731 - 1808) geboren. Da der Vater zwar kaiserlicher Rat war, aber
keine bestimmten beruflichen Verpflichtungen hatte, unterrichtete er
seinen Sohn vorwiegend selbst.

Mit fuenfzehn verliebte Johann Wolfgang Goethe sich in eine junge
Kellnerin namens Gretchen und geriet durch sie in die Gesellschaft von
Betruegern. Im Oktober 1765 reiste er nach Leipzig, um dort Jura zu
studieren, wie es sein Vater wuenschte. Dort passte sich Goethe der
anspruchsvollen Mode sowie der lockeren Lebensart des Rokoko an und
verliebte sich in Anna Katharina ("Kaethchen") Schoenkopf (1746 - 1810),
die Tochter seiner Wirtsleute.

Schwer krank kehrte er 1768 in seine Heimatstadt zurueck und wurde
dort u. a. von Susanne Katharina von Klettenberg gesund gepflegt, einer
Verwandten seiner Mutter, die ihn mit dem Pietismus vertraut machte.

1770 setzte Goethe sein Studium in Strassburg fort; aber mehr als die
Rechtswissenschaften fesselten ihn Medizin, Botanik, Chemie, Theologie
und Philosophie. Wieder verliebte er sich; diesmal in die Sesenheimer
Pfarrerstochter Friederike Brion (1752 - 1813). Die Achtzehnjaehrige
gab seinem (vermutlich platonischen) Werben nach, aber im Sommer 1771,
nach der Promotion zum "licentitatus juris", verliess Johann Wolfgang
Goethe Strassburg, ohne sich von ihr auch nur zu verabschieden.

Im August 1771 eroeffnete er in Frankfurt am Main eine Anwaltskanzlei
und setzte zugleich seine in Strassburg begonnenen literarischen
Arbeiten fort. Ende Mai 1772 begann Goethe mit einem Praktikum am
Reichskammergericht in Wetzlar.  Dort lernte der Zweiundzwanzigjaehrige
den pfaelzischen Sekretaer Karl Wilhelm Jerusalem kennen und besuchte mit
ihm am 9. Juni einen Ball in Volpertshausen, an dem auch Charlotte Buff
(1753 - 1828) und ihr Verlobter Johann Christian Kestner (1741 - 1800)
teilnahmen. Goethe verliebte sich in die vier Jahre juengere Tochter eines
Amtmanns, befreundete sich mit dem hannoverschen Gesandtschaftssekretaer
Kestner und traf sich haeufig mit den beiden. Als er Charlotte dreist zu
kuessen versuchte, begriff sie, dass sie Klarheit schaffen musste. (Sie
heiratete Kestner.) Daraufhin reiste Goethe am 11. September ueberstuerzt
aus Wetzlar ab.

In Ehrenbreitstein besuchte er die Schriftstellerin Sophie von La
Roche, deren sechzehnjaehrige Tochter Maximiliane ihm besonders gut
gefiel. Maximiliane heiratete den mehr als doppelt so alten Kaufmann Peter
Anton Brentano und zog mit ihm Anfang 1774 nach Frankfurt am Main. Obwohl
die verheiratete Frau fuer Goethe unerreichbar war, umschwaermte er sie,
und es kam zu heftigen Auseinandersetzungen mit ihrem Ehemann.

"Goetz von Berlichingen", Urauffuehrung: 1774 "Die Leiden des jungen
Werther": 1774 "Clavigo", Urauffuehrung: 1774 Im Fruehjahr 1774 schrieb
Johann Wolfgang Goethe "Die Leiden des jungen Werther", ein Roman, der
offenbar den Nerv der Zeit traf und deshalb innerhalb von kurzer Zeit
in mehreren Auflagen erschien.

Johann Wolfgang Goethe verlobte sich Ostern 1775 mit der Frankfurter
Bankierstochter Anna Elisabeth ("Lili") Schoenemann (1758 - 1817), aber
nach seiner ersten Schweiz-Reise von Mai bis Juli 1775 beendete er die
von keiner der beiden Familien gutgeheissene Beziehung.

Herzog Carl August von Sachsen-Weimar (1757 - 1828), der am 3. September
1775 das Erbe seines frueh verstorbenen Vaters uebernahm, reiste kurz
darauf zu den Eltern seiner Braut, Prinzessin Luise von Hessen-Darmstadt,
besuchte bei dieser Gelegenheit auch den Dichter des "Werther" und lud
ihn ein, nach Weimar zu kommen. Die Residenzstadt galt als "Musenhof",
denn seine Mutter Anna Amalia, die Witwe des 1758 verstorbenen Herzogs
Ernst August II. Constantin (eine Nichte Friedrichs des Grossen), hatte
waehrend ihrer Regentschaft bedeutende Persoenlichkeiten des deutschen
Geisteslebens nach Weimar geholt, so zum Beispiel 1772 Christoph Martin
Wieland (1733 - 1813) als Erzieher ihrer Soehne Carl August und Bernhard.

Am 9. November 1775 folgte Johann Wolfgang Goethe der Einladung und zog
in ein Gartenhaus an der Ilm, das ihm Herzog Carl August uebereignete. Er
erhielt das Weimarer Buergerrecht und wurde zum Geheimen Legationsrat
ernannt.

In Weimar befreundete Johann Wolfgang Goethe sich mit der geistvollen
Frau Charlotte von Stein (1742 - 1827), der er im Lauf der Jahre mehr
als achthundert Briefe schrieb.

Charlotte Albertine Ernestine von Schardt hatte als Fuenfzehnjaehrige
eine Anstellung als Hofdame der Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar
erhalten, sieben Jahre spaeter den herzoglichen Stallmeister Friedrich
Josias Freiherr von Stein (1735 - 1793) geheiratet und innerhalb von
zehn Ehejahren sieben Kinder geboren. (Arm und einsam starb sie am
6. Januar 1827.)

Goethes ein Jahr juengere Schwester Cornelia hatte sich am 1. November
1773 mit dem Juristen Johann Georg Schlosser geheiratet, der mit ihrem
Bruder befreundet war. Seit der schweren Geburt ihrer Tochter Maria
Anne Louise ("Lulu") am 28. Oktober 1774 kraenkelte Cornelia. Vier
Wochen nachdem sie mit einer zweiten Tochter - Catharina Elisabeth Julie
("Juliette") - niedergekommen war, am 8. Juni 1777, starb sie. Goethe
trauerte sehr um seine geliebte Schwester.

Ende November 1777 brach Johann Wolfgang Goethe zu einer Winterreise in
den Harz auf. In Wernigerode suchte er Victor Leberecht Plessing auf,
den Sohn des Superintendenten, um den ungluecklichen jungen Mann vor
einem Werther-Schicksal zu bewahren. Dabei trat er allerdings nicht unter
seinem richtigen Namen auf, sondern gab sich als Kuenstler aus Gotha
aus. In Goslar besichtigte er das Bergwerk, um sich fuer die geplante
Erschliessung der Erzvorkommen von Ilmenau kundig zu machen. Und am
10. Dezember bestieg er den tief verschneiten Brocken, was damals eine
unglaubliche Leistung war.

"Iphigenie auf Tauris", Urauffuehrung: 1779

Herzog Carl August von Sachsen-Weimar ernannte Goethe 1779 zum Leiter
der Kriegskommission und des Strassenbauwesens.

Im Herbst desselben Jahres reisten die beiden in die Schweiz. Sie
fuhren zunaechst von Weimar nach Frankfurt am Main zu Goethes Eltern. Am
25. September besuchten sie Friederike Brion in Sesenheim, am naechsten
Tag in Strassburg Lili Schoenemann, die inzwischen verheiratet war
und ein sieben Wochen altes Kind hatte. In Emmendingen machten sie
Goethes verwitwetem Freund und Schwager Johann Georg Schlosser ihre
Aufwartung. Die Schweiz erreichten Goethe und der Herzog am 3. Oktober
bei Basel. Der Mont Blanc bildete das suedwestlichste Zwischenziel ihrer
Reise. Nur begleitet von einem einheimischen Fuehrer und ihrem Reitknecht
Blochberg, der sich um den Maulesel mit dem Gepaeck kuemmerte, wanderten
sie im November ueber den tief verschneiten Furka-Pass. Erschoepft
uebernachteten sie im Kapuzinerdomizil von Realp, bevor sie zwischen den
Maultierkolonnen der Pilger vom Urserental zum Gotthard-Hospiz aufstiegen.

Kaiser Joseph II. erhob Goethe am 10. April 1782 in den Adelsstand. In
diesem Jahr uebernahm er in Weimar die Finanzverwaltung und mietete ein
Haus am Frauenplan, das er zehn Jahre spaeter von Herzog Carl August
geschenkt bekam und bis zu seinem Tod bewohnte.

1783 und 1784 reiste Johann Wolfgang von Goethe noch zweimal in den Harz.

Der Arbeitsbelastung und der entsagungsvollen Beziehung zu der
verheirateten Charlotte von Stein entzog er sich, indem er in der Nacht
zum 3. September 1786 unter dem Namen Johann Philipp Moeller heimlich nach
Italien aufbrach. In Rom besuchte er Johann Heinrich Wilhelm Tischbein
(1751-1829), der eines der beruehmtesten Portraets des Dichters malte:
"Goethe in der Campagna". Auch mit der Malerin Angelica Kauffmann (1741
- 1807) befreundete sich Goethe, der erst am 18. Juni 1788 nach Weimar
zurueckkehrte.

Seinen frueheren Freunden und Bekannten war er inzwischen entfremdet. Ihre
Missbilligung steigerte sich durch sein skandaloeses Zusammenleben mit
Christiane Vulpius (1765 - 1816), einer einfachen Arbeiterin in einer
Manufaktur fuer kuenstliche Blumen, die am 11. Juli 1788 mit einer
Bittschrift fuer ihren Bruder an ihn herangetreten war. Am 25. Dezember
1789 gebar sie den Sohn Julius August Walther, der als einziges ihrer
fuenf Kinder bis 1830 am Leben blieb. (August von Goethe starb in Rom
an Blattern.) Charlotte von Stein war ueber Goethes Verhalten verbittert
und versoehnte sich erst 1801 wieder mit ihm.

"Egmont", Urauffuehrung: 1789

Auf seinen eigenen Wunsch weitgehend von den staatlichen Aufgaben
entbunden, beschaeftigte Johann Wolfgang von Goethe sich v. a. mit
naturwissenschaftlichen Forschungen. 1790 reiste er ein zweites Mal
nach Oberitalien. Im Jahr darauf uebernahm er die Leitung des Weimarer
Hoftheaters (1791 - 1817).

Als Begleiter des Herzogs wurde Johann Wolfgang von Goethe am
20. September 1792 Augenzeuge der Kanonade von Valmy, die im Rahmen
des 1. Koalitionskriegs (1792 - 1797) stattfand, mit der Preussen und
Oesterreich die Ausbreitung der auch von Goethe abgelehnten Franzoesischen
Revolution verhindern wollten. "Von hier und heute geht eine neue Epoche
der Weltgeschichte aus", sagte Goethe zu den Soldaten, "und Ihr koennt
sagen, Ihr seid dabeigewesen." (Tatsaechlich hielten die Franzosen dem
Angriff stand.)

"Reineke Fuchs": 1794

Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller waren sich (abgesehen
von einer gemeinsamen Teilnahme am Stiftungsfest der Hohen Karlsschule
in Stuttgart am 14. Dezember 1779) am 7. September 1788 erstmals
begegnet. Goethe hatte dem zehn Jahre juengeren Dichter zwar eine
Professur am Lehrstuhl fuer Geschichte der Universitaet Jena vermittelt,
aber naeher kamen sich Goethe und Schiller erst sechs Jahre spaeter,
am 20. Juli 1794, nach einer Sitzung der Naturforschenden Gesellschaft
in Jena, wo Goethe einen Vortrag ueber die Urpflanze gehalten hatte.

"Wilhelm Meisters Lehrjahre": 1795/96 "Hermann und Dorothea": 1797

Am 3. Dezember 1799 zog Friedrich Schiller nach Weimar und traf sich
haeufig mit Johann Wolfgang von Goethe zum Gedankenaustausch. Fuer die
Zusammenarbeit der beiden grossen deutschen Dichter praegte Heinrich Laube
1839 den Begriff "Weimarer Klassik". Leider war sie von verhaeltnismaessig
kurzer Dauer, denn Friedrich von Schiller starb am 9. Mai 1805 an den
Folgen einer jahrelang verschleppten Lungenentzuendung. Sein Tod bedeutete
in Goethes Leben eine traurige und schmerzliche Zaesur.

Friedrich Wilhelm Riemer (1774 - 1845) hatte 1803 eine Dachkammer in
Goethes Haus bezogen. Auch als seine Aufgabe als Hauslehrer von August von
Goethe beendet war, blieb er als Vertrauter und Sekretaer bei dem Dichter.

Bei Jena und Auerstedt wurde die preussisch-saechsische Armee am
14. Oktober 1806 von Napoleon (1769 - 1821) besiegt. Die Franzosen nahmen
Johann Wolfgang von Goethe gefangen, aber Christiane Vulpius gelang es,
ihren Lebensgefaehrten rasch wieder freizubekommen. Daraufhin vermaehlte
er sich am 19. Oktober 1806 mit ihr.

Einige Monate spaeter verliebte sich der Siebenundfuenfzigjaehrige
in Wilhelmine Herzlieb (1789 - 1865), die vierzig Jahre juengere
Pflegetochter des Jenaer Buchhaendlers Karl Friedrich Ernst Frommann
(1765 - 1837). (Wilhelmine Herzlieb wurde das Vorbild fuer die Figur
der Ottilie in Goethes Roman "Die Wahlverwandschaften".)

"Torquato Tasso", Urauffuehrung: 1807

Als Napoleon sich anlaesslich des Erfurter Fuerstentags (27. September bis
4. Oktober 1808) in Preussen aufhielt, traf er sich dreimal mit Johann
Wolfgang von Goethe (Erfurt, 2. Oktober; Weimar, 6. und 10. Oktober)
und lud in nach Paris ein.

"Die Wahlverwandtschaften": 1809

1812 begegneten sich Johann Wolfgang von Goethe und Ludwig van Beethoven
(1770 - 1827) bei einem Kuraufenthalt in Karlsbad. Bettina von Arnim
erzaehlt in einem ihrer Briefe, wie sie bei einem gemeinsamen Spaziergang
in Karlsbad Hoeflingen des Kaisers begegneten und der Dichter zur Seite
trat, waehrend der Komponist stur geradeaus schritt und anschliessend
Goethes Unterwuerfigkeit kritisierte.

Die Zeit vom 12. August bis 17. September 1815 verbrachte Johann Wolfgang
von Goethe mit Marianne von Willemer (um 1784 - 1860), die seit September
1814 mit dem fuenfundzwanzig Jahre aelteren Bankier Johann Jakob Willemer
verheiratet war, in Frankfurt am Main. (Marianne war 1798 als Komoediantin
nach Frankfurt gekommen, und der bereits zweimal verwitwete Bankier
hatte das Maedchen als Pflegetochter in sein Haus aufgenommen.)

Goethes Ehefrau Christiane starb am 6. Juni 1816.

"West-oestlicher Divan": 1819 "Wilhelm Meisters Wanderjahre": 1821

Fuenf Jahre spaeter verliebte sich der inzwischen zweiundsiebzigjaehrige
Dichter in die siebzehnjaehrige Ulrike von Levetzow (1804 - 1899),
die ihre Sommerferien mit ihrer Mutter und ihren beiden Schwestern
in Marienbad verbrachte und Goethe dabei erst kennengelernt hatte,
obwohl er bereits seit laengerer Zeit mit ihrer Mutter Amalie befreundet
war. 1823 liess Goethe ihr durch Herzog Carl August einen Heiratsantrag
ueberbringen, aber Ulrike von Levetzow hielt das zuerst fuer einen
schlechten Scherz und blieb zeitlebens unverheiratet. Ihren literarischen
Niederschlag fand Goethes unglueckliche Liebe zu ihr in der "Marienbader
Elegie".

Der junge Schriftsteller Johann Peter Eckermann (1792 - 1854) half seinem
Idol ab 1823 bei der Ausgabe seiner Werke und veroeffentlichte 1836 bis
1848 "Gespraeche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens". Nikolaus
Lenau (1802 - 1850) verglich Goethe und Eckermann spoettisch mit einer
Floete und einem Blasrohr, aber das ist wohl ebenso ueberzeichnet wie
die Annahme, die beiden haetten eine Freundschaft auf gleicher Augenhoehe
gepflegt.

"Faust. Der Tragoedie erster Teil", Urauffuehrung: 1829 [Verfilmung]
"Faust". Zweiter Teil: 1832 (Urauffuehrung: 1854)

Im Alter von zweiundachtzig Jahren starb Johann Wolfgang von Goethe am
22. Maerz 1832 in seinem Haus am Frauenplan in Weimar.

Literatur ueber Johann Wolfgang von Goethe

Peter Boerner: Johann Wolfgang von Goethe (Rowohlt-Bildmonographie)
Sigrid Damm: Christiane und Goethe (Insel Verlag) Anja Hofer: Johann
Wolfgang von Goethe (dtv portrait) Katharina Mommsen: Kein Rettungsmittel
als die Liebe. Schillers und Goethes Buendnis im Spiegel ihrer Dichtungen
Ruediger Safranski: Goethe & Schiller. Geschichte einer Freundschaft (Carl
Hanser Verlag) Astrid Seele: Frauen um Goethe (Rowohlt-Bildmonographie)
Die Beziehung Goethes zu Charlotte von Stein und Christiane Vulpius
wird in einem Kapitel des Buches "Verfuehrerische Frauen. 11 Portraets"
(Piper Verlag, Muenchen 2012) von Dieter Wunderlich dargestellt.

Philipp Stoelzl drehte mit Alexander Fehling in der Titelrolle den Film
"Goethe!", der am 14. Oktober 2010 in die Kinos kommen wird.

Originaltitel: Goethe - Regie: Philipp Stoelzl - Drehbuch: Alexander
Dydyna, Christoph Mueller - Kamera: Kolja Brandt - Schnitt: Sven Budelmann
- Musik: Ingo Frenzel - Darsteller: Alexander Fehling, Miriam Stein,
Moritz Bleibtreu, Volker Bruch, Burghart Klaussner, Henry Huebchen,
Hans-Michael Rehberg, Axel Milberg u.a. - 2010; 100 Minuten
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (frankfurt-interaktiv-de):

Biographie - Johann Wolfgang von Goethe Johann Wolfgang von Goethe
war ein Universalgenie. Er war gleichermassen Dichter, Schriftsteller,
Kunstkritiker, Philosoph, Naturwissenschaftler, Jurist und Staatsmann.

Goethe ist die Lichtgestalt der deutschen Literatur.

Er praegte Sturm und Drang sowie mit Schiller die Weimarer Klassik.

Er verfasste unzaehlige Gedichte, Dramen und Prosawerke.

Mit der Tragoedie Faust schuf Goethe ein Menschheitsdrama von zeitloser
Gueltigkeit und weltliterarischem Rang.

Goethe hat in seinem Leben viele Frauen geliebt. Sie waren ihm immer
auch Inspiration zu neuen Dichtungen.

Weniger bekannt waren seine naturwissenschaftlichen Taetigkeiten, die
ihm zeitweise wichtiger als die literarische Arbeit erschienen. Goethe
entdeckte 1784 den Zwischenkieferknochen beim Menschen.

Biographie Johann Wolfgang Goethe (das "von" wurde ihm erst 1782
verliehen) wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren und
starb am 22. Maerz 1832 in Weimar.

Der Sohn des Kaiserlichen Rates Johann Kaspar Goethe und der Katharina
Elisabeth studierte ab 1765 auf Wunsch seines Vaters in Leipzig und
Strassburg Rechtswissenschaften.

Nach Abschluss seines Studiums im Herbst 1771 arbeitete Goethe als
Rechtsanwalt in Frankfurt.

Doch Goethe widmete sich lieber seinem ersten Drama und schrieb
einige Gedichte. Er arbeitete auch am kritischen Organ der
Sturm-und-Drang-Bewegung, den "Frankfurter gelehrten Anzeigen" mit.

Mit seinem ersten Roman "Die Leiden des jungen Werthers" und dem Drama
"Goetz von Berlichingen" (beide 1774 erschienen) gelang dem 24-jaehrigen
Goethe der literarische Durchbruch.

1775 folgte er dem Ruf des jungen Herzog Carl August an den Weimarer
Hof, wo er politische Aufgaben (im Finanzwesen, Berg- und Wegebau)
uebernahm. Spaeter bekam er die Leitung des Theaters und die Aufsicht
ueber das Bildungswesen angetragen.

In Weimar freundete Goethe sich mit Charlotte von Stein (1742-1827) an,
der er im Lauf der Jahre mehr als achthundert Briefe schrieb.

1776 erfolgte die Ernennung zum Geheimen Legationsrat, 1779 zum Geheimen
Rat und 1782 wurde Goethe durch Kaiser Joseph II. geadelt.

Im September 1786 unternahm er seine erste Italienreise. In Rom besuchte
er die Maler Tischbein (der eines der beruehmtesten Portraets des Dichters
"Goethe in der Campagna" malte) und Kauffmann.

Erst im Juni 1788 kehrte Goethe nach Weimar zurueck, wo er sich mit
Christiane Vulpius verlobte, die er 1806 auch heiratete.

Von den fuenf Kindern aus dieser Verbindung ueberlebte nur der
erstgeborene August (1789-1830).

Goethe gab alle Staatsaemter bis auf die Leitung des Hoftheaters auf. 1790
folgte seine zweite Italienreise.

Die Zeit danach ist gepraegt durch die Zusammenarbeit mit Schiller. Die
beiden entwickelten einen Stil, der als Weimarer Klassik bekannt wurde.

Nach dem Tod Herders, Schillers und Wielands knuepfte Goethe neue
Freundschaften, u.a. zu Humboldt, und beschaeftigte sich mit Fichtes
Transzendentalphilosophie.

1804 wurde Goethe zum Wirklichen Geheimen Rat ernannt.

Auf dem Erfurter Fuerstenkongress lernte Goethe 1808 Napoleon kennen. Im
gleichen Jahr gab er den ersten Teil des Faust heraus.

1812 begegnete er bei einem Kuraufenthalt in Karlsbad den Komponisten
Beethoven.

1815 unternahm Goethe ausgedehnte Reisen ins Rhein-Main-Gebiet. Die Zeit
vom 12. August bis 17. September 1815 verbrachte er mit der verheirateten
Marianne von Willemer in Frankfurt.

Im Dezember 1815 wird Goethe mit dem Amt eines Staatsministers betraut.

Nach dem Tod seiner Frau Christiane (6. Juni 1816) zog sich Goethe vom
Weimarer Gesellschaftsleben zurueck und wendete sich seinen Werken zu.

Das letzte Lebensjahrzehnt verbrachte Goethe mit der Arbeit an "Wilhelm
Meisters Wanderjahren", der "Italienischen Reise", seiner Autobiographie
"Dichtung und Wahrheit", und vor allem an Faust, der Tragoedie zweiter
Teil, welche er 1831 beendete.

Am 22. Maerz 1832 verstarb Johann Wolfgang von Goethe im Alter von 82
Jahren. Seine letzten Worte sollen "Mehr Licht!" gewesen sein.

Am 26. Maerz wurde er neben Schiller in der Weimarer Fuerstengruft
beigesetzt.

Seine bedeutendsten Werke: Goetz von Berlichingen (1774) Die Leiden
des jungen Werther (1774) Iphigenie auf Tauris ((1786) Egmont (1788)
Torquato Tasso (1789) Wilhelm Meisters Lehrjahre (1796) Faust, 1. Teil
(1806) Dichtung und Wahrheit (Erinnerungen Teil 1-3 1811-13, 1830 Teil 4)
Italienische Reise, erster und zweiter Teil (1816) Westoestlicher Divan
(1819) Wilhelm Meisters Wanderjahre (1829) Faust, 2. Teil (1831) Im
Internet unter Projekt Gutenberg sind viele der Werke Goethes zu finden.

Bei amazon.de finden Sie Buecher ueber Goethe und natuerlich seine
Gedichte, Dramen und Prosawerke.
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (gedichte-xbib-de):

Goethe - Biografie & Lebenslauf
 
 Johann Wolfgang von Goethe (*
28. August 1749 in Frankfurt am Main als J. W. Goethe; † 22. Maerz
1832 in Weimar; auch Goethe) ist als Dichter, Theaterleiter,
Naturwissenschaftler, Kunsttheoretiker und Staatsmann der bekannteste
Vertreter der Weimarer Klassik. Als Verfasser von Gedichten, Dramen
und Prosa-Werken gilt er als der groesste deutsche Dichter und ist eine
herausragende Persoenlichkeit der Weltliteratur.
 
 Herkunft und Jugend
(1749-1765)
 
 Goethes Vater, Johann Caspar Goethe (* 1710; † 1782),
war im kaiserlichen Rat vertreten. Er ging zunaechst auf eine der besten
Schulen des Landes, auf das Gymnasium Casimirianum in Coburg, hatte in
Leipzig Rechtswissenschaften studiert, am Reichskammergericht in Wetzlar
gearbeitet, Reisen nach Rom und Paris unternommen, und sich schliesslich
in seiner Vaterstadt Frankfurt niedergelassen, wo die Familie in einem
geraeumigen Haus am Grossen Hirschgraben lebte. Er ging dort seinen
Neigungen und Interessen nach; so widmete er sich der Zusammenstellung
eines Naturalienkabinetts und der Sammlung von Gemaelden.
 
 
  Goethe (Gedichte)
 Reisezehrung
 Maechtiges Ueberraschen
 Sie kann nicht enden
 Reineke
 Fuchs - VII. Gesang
 Reineke Fuchs - X. Gesang 2
Weitere Texte von Goethe "
 
 Goethes Mutter Catharina Elisabeth Goethe
(* 1731; † 1808) war eine geborene Textor. Die Tochter des Frankfurter
Buergermeisters hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe
geheiratet.
 
 Ausser der am 7. Dezember 1750 geborenen Schwester Cornelia
Friderike Christiana starben alle anderen Geschwister frueh. 1758
erkrankte Goethe an den Blattern (Pocken).
 
 Goethe wurde von seinem
Vater und durch Privatlehrer unterrichtet; auch erhielt er Unterricht
im Reiten und Fechten.
 
 Schon frueh interessierte er sich fuer die
Literatur, wobei er sein Augenmerk zunaechst auf Friedrich Gottlieb
Klopstock und Homer richtete. Mit 14 Jahren bewarb er sich bereits um
die Mitgliedschaft in der Arkadischen Gesellschaft zu Phylandria. Auch
begeisterte er sich fuer das Theater - so besuchte er waehrend der
franzoesischen Besetzung 1759 haeufig das franzoesische Theater im
Junghof. 1763 erlebte er ein Konzert des damals 7 Jahre alten Mozart.
 
Am 30. September 1765 verliess er Frankfurt, um in Leipzig das Studium der
Rechte aufzunehmen.
 
 Studium und Geniezeit (1765-1775)
 
 Von 1765 bis
1768 studierte Goethe in Leipzig. Er hoerte dort die Poetikvorlesung von
Christian Fuerchtegott Gellert und nahm an dessen Stiluebungen teil. Auch
nahm er Zeichenunterricht bei Adam Friedrich Oeser, dem Direktor der
Leipziger Akademie. Er verliebte sich in Kaethchen Schoenkopf und besang
diese Liebe in heiter-verspielten Versen in der Tradition des Rokoko
(Gedichtzyklus Annette).
 
 Auerbachs Keller und die dort beheimatete
Sage von Fausts Fassritt 1525 beeindruckten ihn so sehr, dass er spaeter
Auerbachs Keller als einzigen konkret existierenden Ort in sein Drama
Faust I aufnahm. - Ein Blutsturz zwang ihn, das Studium abzubrechen und am
28. August 1768 nach Frankfurt zurueckzukehren.
 
 Frankfurt/Strassburg
(1768-1770)
 
 Eine eineinhalbjaehrige, von manchen Rueckfaellen
unterbrochene Genesungszeit folgte. Waehrend der Rekonvaleszenz wurde er
liebevoll von Mutter und Schwester umsorgt. Eine Freundin der Mutter,
Susanne von Klettenberg, brachte ihn mit pietistischen Vorstellungen
in Beruehrung.
 
 Im April 1770 verliess er Frankfurt, um dem Wunsch
seines Vaters entsprechend in Strassburg sein Studium zu beenden.
 
 In
Strassburg lernte er Friederike Brion, eine Pfarrerstochter, kennen. Ihr
widmete er einige Gedichte, darunter z. B. "Willkommen und Abschied",
"Sessenheimer Lieder" und "Heidenroeslein".
 
 Frankfurt und Darmstadt
(1771) und dann nach Wetzlar (1772)
 
 Am 31. Aug. 1771 wurde Goethe in
Frankfurt als Advokat zugelassen. Damals stand er in Verbindung mit dem
Darmstaedter Hof, der der Empfindsamkeit huldigte; aus diesem Kreis sind
Schlosser und Johann Heinrich Merck hervorzuheben.
 
 Am 10. Mai 1772
ging Goethe zum Abschluss der juristischen Ausbildung als Referendar
an das Reichskammergericht in Wetzlar. Er war vom 25. Mai desselben
Jahres an Rechtspraktikant am Reichskammergericht. Seine Grosstante,
Frau Hofrat Susanne Cornelia Lange, die in Wetzlar lebte, vermittelte
ihm ein Haus, in dem er zusammen mit Jakob Heinrich Born, einem Bekannten
aus der Leipziger Studienzeit und Sohn des Buergermeisters von Leipzig,
wohnte. Nach der ungluecklichen Liebe zu Charlotte Buff verliess
Goethe Wetzlar am 11. September 1772 wieder.
 
 Er hatte gerade sein
Studium der Rechtswissenschaften abgeschlossen und wollte auf Draengen
seines Vaters Kenntnisse im Kameralrecht und in der Prozessfuehrung
sammeln. Goethes Vater hatte grosse Plaene mit seinem einzigen Sohn:
Sein Ziel war es, ihn zum Schultheissen in Frankfurt zu machen. Daher
hatte er seinen Sohn schon frueh mit Rechtsbuechern vertraut gemacht
und ihn viel auswendig lernen lassen.
 
 Es war nicht so, dass Goethe
das Praktikum am Reichskammergericht unwichtig gewesen waere. Er war
durchaus interessiert am Erscheinungsbild des Reichskammergerichtes,
da er hoffte, sich daraus ein Bild ueber die Zustaende im Reich machen
zu koennen. Er nahm Veraenderungen in der Rechtspraxis wahr und konnte
diese als Ganzes ueberschauen, war sich aber der Lueckenhaftigkeit
seiner Fachkenntnisse beim Studienabschluss bewusst. Goethe wollte
im Sinne von fortschrittlicher, humaner Rechtsprechung und Vollzug und
systematisch strukturierten und philosophisch begruendeten Gesetzen unter
Beruecksichtigung von psychischen und sozialen Faktoren arbeiten. Dies
laesst sich aus den erhaltenen 28 Akten des Advokaten Goethe ableiten.

 Dennoch besuchte er das Reichskammergericht sehr selten und nutzte
es kaum als Ausbildungsmoeglichkeit. Denn zum einen war er gegenueber
der Rechtspraxis skeptisch wegen der Korruption, die er als Ausdruck
der zerruetteten Verhaeltnisse in Deutschland sah. Diese hatte sein
Vater schon, als Goethe noch ein Kind war, angeprangert. Zum anderen
misstraute er dem Reichskammergericht und den Visitationen zwischen
1767 und 1776. Er glaubte wie viele andere junge Juristen, mit denen
er sich im Gasthof "Zum Kronprinzen" traf, nicht, dass diese etwas
verbessern koennten. Ausserdem behauptet Goethe spaeter, als er Dichtung
und Wahrheit niederschreibt, es habe sich schon in seiner Kindheit
gezeigt, dass er kaum aus Interesse an den Rechtswissenschaften Jurist
werden wollte, sondern vielmehr aus Reiselust.
 
 Nach dem Suizid des
Gesandtschaftssekretaers Karl Wilhelm Jerusalem Ende Oktober 1772 kehrte
Goethe vom 6. bis 10. November 1772 noch einmal fuer kurze Zeit nach
Wetzlar zurueck. Jerusalem war ein entfernter Bekannter von Goethe. Sein
Suizid war fuer Goethe der Ausloeser, seinen Roman Die Leiden des jungen
Werthers zu schreiben. Darin verbindet er die eigenen Erlebnisse mit
seiner angebeteten Charlotte Buff mit dem Schicksal Jerusalems, das er
in Gespraechen mit Personen, die kurz vor seinem Tod noch mit ihm zu tun
gehabt hatten, ergruendete. Der Roman wird ein grosser Erfolg und gilt
als literarische Initialzuendung der Empfindsamkeit und der Sturm und
Drang-Literatur. 1774 Lahnreise mit seinen Freunden Basedow und Lavater
nach Ehrenbreitstein. Im Anblick der Burg Lahneck: Geistesgruss.

 Weimar (1775-1805)
 
 1775-1776 betreibt Goethe einen intensiven
Briefwechsel mit Graefin Augusta Louise zu Stolberg-Stolberg, die in
dem adeligen Kloster zu Uetersen lebt.
 
 1776 tritt Goethe als Geheimer
Legationsrat in den Staatsdienst des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach
ein und bekam weitere politische Aufgaben. Er wohnte sechs Jahre in seinem
"Gartenhaus" (Goethes Gartenhaus), das der Herzog ihm schenkte und dessen
umliegenden Garten er als Parkgarten selbst plante und gestaltete. Diesen
"Garten am Stern" bezeichnete er spaeter in seinen Tagebuechern als
"untern Garten". Massgeblich beteiligt war er auch an der Planung des
Landschaftsgartens an der Ilm. Wollte, Gott haette mich zum Gaertner oder
Laboranten gemacht, ich koennte gluecklich sein schreibt er in seinem
Tagebuch.
 
 Er lernte die Hofdame Charlotte von Stein kennen. Zehn
Jahre lang verband die beiden eine innige Beziehung.
 
 1779 wird er
zum Geheimrat befoerdert. Die Entscheidung, das Angebot des acht Jahre
juengeren Herzog Carl August in dem Weimarer Mini-Staat ein wichtiges
Amt anzunehmen, war eine fuer politische Reformtaetigkeit. Goethe war
innerhalb des Kabinetts verantwortlich fuer eine wachsende Zahl von
Zustaendigkeiten. Politik blieb - auch nach seinem Ausscheiden aus dem
Staatsdienst - ein Feld, dem er seine stetige Aufmerksamkeit schenkte.

 In diesen Jahren begann er sich intensiv mit der Naturwissenschaft zu
beschaeftigen.
 
 Am 23. Juni 1780 wird er als Lehrling in die Weimarer
Freimaurerloge Anna Amalia zu den drei Rosen aufgenommen. Der Meister vom
Stuhl, Staatsminister Jakob Friedrich Freiherr von Fritsch, sah Goethe mit
Skepsis und uebergab daher den Hammer an Johann Christoph Bode. Er dachte
sogar wegen Goethes Ernennung zum Geheimrat an Ruecktritt von seinem Amt
als Staatsminister. Zum Gesellen wird Goethe am 23. Juni 1781 befoerdert,
am 2. Maerz 1782 zum Meister erhoben. Wenige Wochen nach dieser
Erhebung musste die Loge Amalia ihre Arbeit einstellen, da es in der
Freimaurerei in dieser Zeit zu Zerwuerfnissen kam.
 
 Der Herzog
vermietete ihm 1782 dann ein Haus am Frauenplan, das er ihm 1792
schliesslich schenkte. Hier lebte Goethe bis zu seinem Tod. Auch den
Garten am Frauenplan gestaltete der Dichter selbst. (1885, nach dem
Tod des letzten Enkels und Erben Goethes, wurde das Haus am Frauenplan
zum Nationalmuseum erklaert. Da nach dem Zweiten Weltkrieg sehr viel
zerstoert wurde, kam Karl Foerster nach Weimar und gestaltete den Garten
neu).
 
 Aufnahme in den Illuminatenorden am 11. Februar 1783 unter dem
Namen "Abaris", geworben von Johann Christoph Bode.
 
 1777 Erste Reise
in den Harz Am 10. Dezember ist er auf dem Brocken; dies gilt als die
erste Winterbesteigung dieses Berges. 1783 erfolgt die zweite Reise in
den Harz, im darauffolgenden Jahr 1784 die dritte und letzte Harzreise.

 1784 entdeckte er den Zwischenkieferknochen am menschlichen Schaedel.

 Reise nach Italien (1786-1788)
 
 Am 3. September 1786 verliess Goethe
fluchtartig die heimischen Gefilde. In Weimar war nur seinem vertrauten
Diener und Sekretaer Philipp Seidel sein Reiseziel bekannt. Goethe
gab sich in Italien unter dem Namen "Filippo Miller" aus. Die ersten
Briefe, welche Goethe nach Hause richtete, waren undatiert. Erst von
Rom aus gab er den Naechststehenden Nachricht ueber seine eigentlichen
Entschluesse und die Absicht, laengere Zeit in Italien zu bleiben.

 Seinen Aufenthalt in Italien beschreibt Goethe in der Italienischen
Reise. In Rom freundete er sich 1786 mit Heinrich Tischbein an, mit dem
er 1787 unter anderem nach Neapel reiste. Im selben Jahr entstand auch das
beruehmte Gemaelde Tischbeins, das Goethe als Reisenden in der roemischen
Campagna zeigt (siehe abgebildetes Detail). Auch Angelika Kauffmann lernte
er dort kennen. Goethe beschreibt seinen 15-monatigen Aufenthalt in der
"Hauptstadt der Welt" als Erfuellung eines Lebenstraumes - als "einen
zweiten Geburtstag, eine wahre Wiedergeburt". Er laesst sich als Kuenstler
von der Monumentalitaet der antiken Bauten inspirieren (Pantheon,
Kolosseum, Kaiserthermen u. a.)und studiert antike Skulpturen (Apoll
vom Belvedere, Herkules Farnese, Juno Ludovisi u. a.). Darueber hinaus
beschaeftigt er sich intensiv mit der italienischen Renaissance-Malerei
und bewundert neben Michelangelo vor allem Raffael als den Gipfel
der abendlaendischen Kunst und wahren Erneuerer der Antike. In den
"Roemischen Elegien" (1795) blickt der Begruender der deutschen
Klassik wehmuetig auf sein Rom-Erlebnis zurueck und aeussert den Wunsch
einst an der Pyramide des Cestius begraben zu werden. Damit macht er
deutlich, dass der Aufenthalt in Rom der entscheidende Anstoss fuer die
Entwicklung einer klassischen deutschen Dichtung war, die an die antike
Groesse anknuepft.
 
 1788 bis 1805
 
 Etwa ab dem 40. Lebensjahr muss
Goethe unbeweglich und steif gewesen sein. Er litt, wie sich spaeter
herausstellte, unter schweren Bandscheibenschaeden und Verwachsungen
mehrerer Brustwirbel.
 
 1795 begann seine Freundschaft mit Schiller, der
zuerst als Historieprofessor nach Jena gekommen war. Ihre Freundschaft
dauerte bis zu Schillers Tod 1805.
 
 1798 schrieb er die Elegie "Die
Metamorphose der Pflanzen".
 
 Nach 1805
 
 Im Jahr nach Schillers
Tod heiratete Goethe Christiane Vulpius, mit der er bereits seit 1789
zusammenlebte und mit der er den gemeinsamen Sohn August hatte.
 
 Am
Rande des Erfurter Fuerstenkongresses 1808 wurde Goethe von Napoléon
I. empfangen, der ihm das Kreuz der Ehrenlegion verlieh.
 
 1814
reiste Goethe in die Rhein- und Maingegenden. 1816 starb seine Frau
Christiane. 1817 begann er die "Geschichte seines botanischen Studiums"
"Zeitschrift Zur Naturwissenschaft ueberhaupt, besonders zur Morphologie"
(bis 1824).
 
 Freundschaft mit Kaspar Maria von Sternberg und Karl
Friedrich Zelter.
 
 Goethe starb am 22. Maerz 1832. Seine beruehmten
letzten Worte sollen "Mehr Licht!" gewesen sein. Er wurde am 26. Maerz in
der Fuerstengruft bestattet. Seine Grabrede hielt Johann Friedrich Roehr,
Generalsuperintendent in Weimar. (...)
 
 Naturwissenschaftliche Arbeiten

 
 In der Weimarer Zeit begann Goethe sich auch naturwissenschaftlich
zu beschaeftigen, vor allem auf dem Gebiet der Geologie und Botanik. Vor
allem in Italien suchte er seine "Urpflanze". Sein wissenschaftlicher
Ansatz als Botaniker: Alles ist Blatt und durch diese Einfachheit
wird die groesste Mannigfaltigkeit moeglich scheint heute allerdings
wissenschaftlich widerlegt. Er selbst betrachtete die Farbenlehre als
sein naturwissenschaftliches Hauptwerk. Aus physikalischer Sicht gilt
seine Farbenlehre heute als wenig naturwissenschaftlich; gerade zu diesem
Werk haben sich aber die bedeutendsten Physiker des 20. Jahrhunderts
geaeussert. In der Zoologie wurde er bekannt durch die Entdeckung des
Zwischenkieferknochens beim Menschenembryo, dessen Fehlen bis zu diesem
Zeitpunkt eines der wichtigsten Argumente gegen die Verwandtschaft des
Menschen mit den Affen war.
 
 Zu den naturwissenschaftlichen Spaetwerken
Goethes gehoert die Spiraltendenz der Vegetation (1831), in welcher er
aufzeigt, dass Lebendiges dazu tendiert, sich in Spiralen zu entfalten.
 
Mehr Beachtung als die Einzelergebnisse in Goethes naturwissenschaftlichen
Arbeiten fand die den Naturstudien zugrunde liegende Wissenschaftsmethodik
(Goetheanismus), die sich, anders als die Naturphilosophie der Romantik,
als empirisch (nicht spekulativ) versteht und die im Unterschied zum
positivistischen Empirismus den Menschen nicht als externen Beobachter,
sondern als innerhalb des Beobachteten und als zu diesem gehoerend
behandelt.
 
 aus Diese Biographie basiert auf einem Artikel aus der
freien Enzyklopaedie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz fuer freie
Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfuegbar.
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (gedichtePortal-de):

Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28.August 1749 in Frankfurt/Main als
Sohn desKaiserlichen Rater Dr.jur. Johann Caspar Goethe und Catharina
Elisabeth geboren. Da seine Eltern grossen Wert auf eine gute Ausbildung
legten, bekam Goethe bereits im fruehen Alter Privatunterricht in
Latein, Griechisch, Englisch, Italienisch und Schoenschreiben. Ein
Jahr nach ihm kam seine Schweser Cornelia zur Welt. Im Jahre 1765
schrieb er sich in Leipzig zum Jurastudium ein und hoerte dort noch
zusaetzlich Vorlesungen in Philosophie und Philologie, unter anderem
auch bei Christian Fuerchtegott Gellert. Im Sommer 1768 erlitt er einen
Blutstur, im Winter gleichen Jahres litt er an einer schweren Krankheit
mit einer lebensgefaehrlichen Krise. 1770 wechselte er den Studienort
und siedelte daher nach Strassbur. Dennoch lag sein Interesse weniger im
juristischen Bereich, vielmehr besuchte er in erster Linie medizinische
Vorlesungen. 1771 promovierte er zum Lizentiaten der Rechte und zog
anschliessend nach Frankfurt, wo er als Rechtsanwalt zugelassen wurde. Im
April 1775 verlobte er sich mit Lili Schoenemann, doch nur ein halbes
Jahr spaeter wurde das Verloebnis wieder geloest. Im Juni 1777 starb
seine Schwester Cornelia, zwei Jahre spaeter wurde er zum Geheimen Rat
ernannt. Im April 1782 erhob Kaiser Joseph II. Goethe in den Adelsstand,
nur einen Monat spaeter starb sein Vater. Im Maerz 1784 entdeckte Goehte
in Jena den Zwischenkieferknochen am menschlichen Obergebiss. Im Jahr
darauf begann er ein Studium der Botanik. Im September 1788 kam es
in Rudolstadt zu einer ersten Begegnung zwischen Goethe und Friedrich
Schiller. Ein Jahr spaeter wurde sein Sohn Julius August Walther geboren,
weitere vier Jahre spaeter folgte die Tochter Caroline, die jedoch
nur kurze Zeit lebte.Im Maerz 1798 kreuzten sich die Wege von Goethe
und Novalis. 1801 erkrankte er an Gesichtsrose. Zwei Jahre danach kam
seine Tochter Kathinka zur Welt, doch wie seine erste Tochter lebte auch
sein drittes Kind nur kurze Zeit. 1804 ernannte man ihn zum Wirklichen
Geheimen Rat mit dem Praedikat Exzellenz. Im folgenden Jahr machte ihm
mehrmals eine Nierenkolik sehr zu schaffen. Im Oktober 1806 heiratete er
Christiane Vulpius. 1808 starb Goethes Mutter. Im Dezember 1815 wurde
er zum Staatsminister ernannt. Ein halbes Jahr spaeter starb seine
Frau Christiane nach schwerer Krankheit. Er selbst erkrankte 1823 an
einer Herzbeutel- und Rippenfellentzuendung. Im Oktober 1830 starb sein
Sohn August, Goethe erlitt nur einen Monat spaeter einen Blutsturz. Am
22.Maerz 1832 starb Goethe nach einwoechiger Krankheit.
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (goethezeitportal-de):

Kuenstler- und Denkerenzyklopaedie
 
 Johann Wolfgang von Goethe
(1749-1832)
 
 
 1749-1765: Kindheit in Frankfurt
 
 Johann Wolfgang von
Goethe wird am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren. Die Jahre
1749 bis 1765 sind Zeiten wohlbehueteter Kindheit und vielseitiger
Ausbildung. Goethe wird als Sohn einer wohlhabenden, lutherischen
Familie in eine Welt der Traditionen hineingeboren. Der Vater laesst
seine Kinder reichhaltig, umfassend, vieles aber nur kurz anreissend
ausbilden. Ziel ist eine universale Bildung, die alle Bereiche der
Kuenste und Wissenschaften, mehrere Sprachen und Musikunterricht
fuer Klavier und Cello umfasst. Spaeter kommt noch Tanz-, Fecht-
und Reitunterricht auf die Kinder zu. Aber es gibt auch Theater-
und Konzertbesuche.
 
 
 
 1765-1768: Leipziger Studienjahre
 
 Im
Oktober 1765 kommt Johann Wolfgang von Goethe zum Jura-Studium nach
Leipzig. Das Studium betreibt er halbherzig. Mit einem stattlichen
Budget von 1000 Talern jaehrlich fuehrt er ein gesellschaftliches
Leben. Gottsched und Gellert lehren zu dieser Zeit in Leipzig. Goethe
befasst sich lieber mit Theologie, Naturwissenschaft und Medizin,
geht ins Theater, lernt radieren, kupferstechen und zeichnen bei Adam
Oeser, einem Freund Winckelmanns. Goethe verliebt sich in Anna Katharina
(Kaethchen) Schoenkopf.
 
 
 
 1768-1770: Frankfurter Intermezzo
 
 Nach
einer schwerer Krankheit kehrt Goethe Ende August 1768 nach Frankfurt
zurueck. Erst im Winter 1769 fuehlt er sich wieder einigermassen
gesund. In dieser Zeit ist Goethe auf der Suche, er besitzt keine feste
Orientierung. Sein Studium ist noch nicht beendet und auch der Wunsch des
Vaters nach einer Promotion noch nicht erfuellt. Insofern kann Frankfurt
nur eine Zwischenstation sein. In diesen Monaten pflegt der kranke und
genesende Goethe nicht nur den Umgang mit Pietisten wie Susanna von
Klettenberg (1723-1774), sondern studiert hermetische Schriften und
setzte alchimistische Versuche an. Ausserdem zeichnet und radiert er
weiter.
 
 
 
 1770-1771: Strassburg
 
 Ostern 1770 zieht der wieder
genesene Goethe zur Fortsetzung des Studiums nach Strassburg. Nach
nur einem Semester legt er das Kandidatenexamen ab, das eigentliche
Studium ist damit abgeschlossen. Im Sommer 1771 beginnt er mit der
Promotion. Diese wird jedoch von der Fakultaet abgelehnt. Er darf sich
danach in einer oeffentlichen Disputation von juristischen Thesen um
den Grad eines Lizentiaten bewerben. Dieser Titel galt eben so viel wie
der Titel eines Doktor juris. Goethe erwarb ihn mit dem Praedikat "Cum
applausu". Mehr interessieren ihn in dieser Zeit jedoch medizinische,
botanische, theologische und philosophische Studien. Vor allem die Chemie
ist seine "heimliche Geliebte".
 
 Anfang September 1770 trifft Johann
Gottfried Herder in Strassburg ein. Goethe besucht ihn oft. Der um fuenf
Jahre aeltere Herder erkennt Goethes Begabung und begeistert ihn fuer
Natur- und Volkspoesie, fuer Homer, Ossian und Shakespeare. "Gross und
bedeutend" nennt Goethe rueckblickend Herders Einfluss. Die beiden sollte
eine lebenslange Freundschaft verbinden. Zur gleichen Zeit verkehrt
der Student mit Heinrich Jung-Stilling (1740-1817) und Jakob Michael
Reinhold Lenz (1751-1792). Gepraegt ist die Strassburger Zeit aber durch
seine Liebe zu Friederike Brion (1752-1813). Goethe schrieb fuer sie
Gedichte, beispielsweise das "Mailied" und "Willkommen und Abschied".

 
 
 1771-1775: Wieder in Frankfurt
 
 Wieder in Frankfurt arbeitet
Goethe als Rechtsanwalt am dortigen Schoeffengericht. Im September
1771 legt der junge Anwalt den Advokateneid und auch den Eid als
Frankfurter Buerger ab. Nun stuende ihm eine Laufbahn offen, die auch
in repraesentative oeffentliche Aemter fuehren koennte. Goethe richtet
sich eine Kanzlei im Hause seiner Eltern ein und fuehrt Prozesse. Ende
1771 wird der "Goetz von Berlichingen" fertig, ein fuer den Sturm und
Drang vorbildliches Schauspiel.
 
 1772 beginnt Goethes eigentliche
schriftstellerische Laufbahn als Rezensent der Frankfurter Gelehrten
Anzeigen, dem bedeutenden publizistischen Organ des Sturm und Drang. Im
Mai 1772 schickt ihn der Vater nach Wetzlar ans Reichskammergericht. Auf
einem Ball in Volpertshausen lernt er Charlotte Buff kennen. Spaeter macht
er auch die Bekanntschaft ihres Verlobten Johann Christian Kestner. Das
Verhaeltnis der Drei wird durch Goethes Annaeherungsversuche getruebt
und im September verlaesst er daraufhin Wetzlar. Auf der Rueckreise
besucht er in Ehrenbreitstein Sophie La Roche und trifft dort deren
Tochter Maximiliane.
 
 Goethe schreibt den "Werther" im Februar und
Maerz des Jahres 1774. Es wird sein groesster internationaler Erfolg und
sein aufsehenerregendstes Buch. Darin eingegangen ist der Selbstmord
des Legationssekretaers Karl Wilhelm Jerusalem in Wetzlar. Dieser war
im Herbst 1772 an der Liebe zu einer verheirateten Frau zerbrochen. Mit
dem Erscheinen des "Goetz" und des "Werther" ist Goethe zur Symbolfigur
des Sturm und Drangs geworden. Unmittelbar nach dem "Werther" schreibt
er das Schauspiel "Clavigo". Ausserdem macht er Plaene fuer "Faust" und
"Egmont"
 
 Im Jahr 1775 verlobt er sich mit der Bankierstochter Anna
Elisabeth (Lili) Schoenemann, zu einer Heirat kommt es aber nicht. Im
Mai 1775 macht Goethe mit Friedrich Leopold (Fritz) und Christian Graf
zu Stolberg und Christian Graf von Haugwitz eine Bildungsreise in die
Schweiz. In Zuerich sind sie zu Gast bei dem Theologen Johann Caspar
Lavater, der Goethe seinerseits im Sommer 1774 in Frankfurt besucht
hatte. Nach der Rueckkehr nach Frankfurt loest Goethe die Verlobung mit
Lili.
 
 
 
 1775-1786: Weimar
 
 1774 hat Goethe Erbprinz Carl August von
Sachsen-Weimar-Eisenach (1757-1828) in Frankfurt kennen gelernt. Er laedt
Goethe an den Hof von Weimar ein und am 7. November 1775 kommt Goethe
dort an. Der Herzog stellt ihn in den Staatsdienst ein und bewilligt
ihm ein verhaeltnismaessig hohes Gehalt. Im Juni 1776 beruft der Herzog
Goethe als Geheimen Legationsrat in den Geheimen Conseil, die Zentrale
der Landesregierung. Drei Jahre spaeter uebernimmt Goethe die Weimarer
Kriegskommission und die Direktion des Wegebaus. Als Dreissigjaehriger
wird er zum Geheimen Rat ernannt. 1782 macht ihn der Fuerst zum Leiter
der Finanzkammer.
 
 Goethe beginnt eine Liebesbeziehung mit Charlotte
von Stein (1742-1827). 1782 zieht Goethe vom beruehmten Gartenhaus in
das Haus am Frauenplan in Weimar. Im gleichen Jahr wird er von Kaiser
Joseph II. in den Adelsstand erhoben. Er entdeckt sein Interesse fuer
Geologie und Mineralogie. In dieser Zeit unternimmt Goethe Reisen
nach Duesseldorf, in den Harz, nach Berlin, Frankfurt, ins Elsass,
in die Schweiz, nach Goettingen und Kassel. Auch dienstlich ist er
mit dem Herzog unterwegs. Nach Leipzig, Berlin, in den Harz und an
andere saechsische Hoefe, nach Schlesien, Krakau und Czenstochowa
geht die Fahrt. Er pflegt Kontakte zu Wieland und Herder, der auf
Goethes Wunsch nach Weimar gerufen worden war.
 
 In den ersten elf
Weimarer Jahren veroeffentlicht er kaum etwas. Den "Wilhelm Meister"
faengt der Dichter an, "Egmont", "Iphigenie" und "Tasso" werden nicht
vollendet. Der "Faust" bleibt ein Fragment. Dafuer entstehen einige
seiner bekanntesten und beruehmtesten Gedichte: "Ueber allen Gipfeln
ist Ruh'", "Grenzen der Menschheit" und "Das Goettliche". Fuer das
Weimarer Liebhabertheater schreibt Goethe zahlreiche Stuecke, fuehrt
Regie und schauspielert.
 
 Im Herbst 1779 reist Goethe mit dem Herzog
in die Schweiz. Sie machen vier Tage in Goethes Vaterhaus in Frankfurt
Station. Auf dem weiteren Weg besucht er auch Friederike Brion in
Sesenheim und Lili von Tuerckheim in Strassburg. Goethe beginnt seine
Naturstudien, die alle auf den Menschen bezogen bleiben, so weit sie
sich auch mit den Gebieten der Botanik und Zoologie, Mineralogie und
Geologie, Farbenlehre und Wolkenkunde beschaeftigen. Er liest Linné's
"Philosophie der Botanik" und schreibt dem schwedischen Naturforscher
spaeter den groessten Einfluss nach Shakespeare und Spinoza zu. Im Maerz
1784 gelingt ihm, wie er glaubt, eine anatomische Entdeckung: das os
intermaxillare.
 
 Im Sommer 1785 begibt sich Goethe zum ersten Mal zur
Kur ins boehmische Karlsbad. Bis 1823 wiederholt er die Fahrt dorthin
sechszehnmal. Waehrend der zweiten Badereise plant Goethe bereits seine
"Flucht" nach Italien. Am 3. September 1786 setzt er den Plan in die
Tat um.
 
 
 
 1786-1788: Italien
 
 Die "Flucht" nach Italien fuehrte
Goethe ueber den Brenner, Trient, den Gardasee nach Verona, dann nach
Venedig, Padua und schliesslich Rom. Dort findet er Kontakt zu deutschen
Kuenstlern wie Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829), Angelika
Kauffmann (1741-1807) und Karl Philipp Moritz (1756-1793). Von Tischbein,
der auch Goethe-Tischbein genannt wird, stammt das Gemaelde "Goethe
in der Campagna" (1786-1788). Vier Monate dauert der erste Aufenthalt
in Rom. Dann reist Goethe am 22. Februar 1787 zusammen mit Tischbein
weiter nach Neapel. Bald darauf geht die Fahrt mit dem Landschaftsmaler
Christoph Heinrich Kniep weiter bis nach Sizilien. Im Mai kehren sie
ueber Neapel nach Rom zurueck. Hier beginnt am 7. Juni 1787 Goethes
zweiter Aufenthalt in Rom, der fast noch ein Jahr dauert. Er studiert die
alte Baukunst und die Bildende Kunst in Museen und Sammlungen. Goethe
ist in Italien aber nicht nur Kunstbetrachter, sondern er versucht,
sich selbst als Kuenstler weiterzubilden. Er zeichnet, aquarelliert und
lernt das Modellieren. Rund 850 Zeichnungen sind aus seiner italienischen
Zeit erhalten.
 
 Ebenfalls in dieser Zeit schreibt er die "Iphigenie"
in Verse um und bringt den "Egmont" zu Ende, arbeitet am "Tasso" und am
"Faust". Am 23. April 1788 bricht er mit Christoph Kayser zur Rueckreise
in den Norden auf. Sie reisen bis Juni ueber Siena, Florenz, Bologna,
Parma und Mailand. Durch die Schweiz und Konstanz, Nuernberg, Erlangen,
Bamberg, Coburg. Seine Darstellung der "Italienischen Reise" verfasst
er erst dreissig Jahre spaeter. Sie basiert auf dem "Reise-Tagebuch"
fuer Charlotte von Stein und auf Originalbriefen und -notizen.
 

 
 1788-1832: Weimar
 
 1788 kommt Goethe wieder in Weimar an. Der
Herzog, nicht boese ueber die Abwesenheit, gibt Goethes Neigungen nach,
entbindet ihn von den Regierungsgeschaeften, laesst ihm aber den Sitz
im Ministerrat und die Bezuege. Goethe ist nun eine Art Kulturminister
mit der Oberaufsicht ueber die Anstalten ueber Wissenschaft und Kunst,
beispielsweise die Universitaet Jena. Ab 1791 leitet Goethe dann auch
das neue Weimarer Hoftheater, ein Amt, das er bis 1817 inne hat.
 
Die Liaison mit Charlotte von Stein wird nicht wieder aufgenommen,
sondern Goethe beginnt ein Verhaeltnis mit Christiane Vulpius.
 
 Der
Minister Goethe verfolgt die Geschehnisse der Franzoesischen Revolution
mit Interesse und setzt sich beispielsweise in den "Revolutionsdramen",
der Novellensammlung "Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten" (1795)
und dem Versepos "Hermann und Dorothea" (1797) damit
auseinander. Zunehmend beschaeftigt sich Goethe mit den
Naturwissenschaften. Sein Interesse gilt der Anatomie, Botanik,
Mineralogie, Optik und der Farbentheorie.
 
 1790 besucht Goethe zum
zweiten Mal Italien. Er reist bis Venedig der Herzogenmutter entgegen,
doch seine Begeisterung fuer das Land ist verflogen. 1792 zieht er mit
Carl August nach Frankreich, um am Krieg Oesterreichs und Preussens
gegen die Revolutionsregierung teilzunehmen. Das Erlebnis wird in der
Schrift "Die Kampagne in Frankreich" erlaeutert.
 
 1794 beginnt die
Freundschaft mit Friedrich Schiller, die beide zu produktiver Arbeit
anregt. 1805 erkranken sowohl Goethe als auch Schiller schwer. Am 9. Mai
des gleichen Jahres stirbt Schiller, Goethe, der selbst unter heftigen
Nierenkoliken leidet, ist erschuettert. Am 13. April 1806 protokollierte
er dann im Tagebuch: "Schluss von Fausts I. teil". Damit erfuellt er
noch einen Wunsch Schillers. Im Januar 1795 kommt der erste Band von
"Wilhelm Meisters Lehrjahre" heraus.
 
 Auf der dritten Schweizer Reise
1797 machte Goethe in seiner alten Heimatstadt Frankfurt Station und
liess auch Christiane und seinen Sohn nachkommen, um sie der Mutter
vorzustellen. Immerhin hat er vor der Reise seine Familie testamentarisch
abgesichert. Diese Reise in die Schweiz war die letzte groessere Reise
Goethes.
 
 Goethe hielt sich nun oft in Jena auf. Dort verliebte er sich
im Winter 1807 ungluecklich in Wilhelmine (Minchen) Herzlieb (1789-1865),
Pflegetochter des Buchhaendlers Frommann. In diese Zeit fallen die
"Sonette", die "Wahlverwandtschaften" und seine "Farbenlehre". Im Oktober
1808 wird Goethe waehrend des Erfurter Fuerstenkongresses von Napoleon
empfangen. Spaeter erhaelt er das Kreuz der Ehrenlegion.
 
 1811 beginnt
er mit der Niederschrift seiner Kindheitserinnerungen, die er "Dichtung
und Wahrheit" nennt. Dazu faehrt er im Sommer 1814 und im Fruehjahr 1815
noch einmal in die Gegenden rund um Rhein und Main, in denen er seine
Kindheit und Jugend verbracht hat. Auf einer dieser Reisen verliebt er
sich in Marianne Jung (1784-1860), die spaeter den Bankier und Geheimen
Rat in Frankfurt, Johann Jakob von Willemer, heiratet. Diese Begegnung
inspiriert Goethe zu den Liebesgedichten im "West-oestlichen Diwan".

 1815 wird das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach durch Beschluss des
Wiener Kongresses Grossherzogtum. Goethe bekleidet damit das Amt eines
Staatsministers. Im Sommer 1821 faehrt Goethe zur Kur nach Marienbad und
lernt dort die 17-jaehrige Ulrike von Levetzow kennen. 1817 verzichtet
Goethe auf das Frankfurter Buergerrecht. Seit dem Wiener Kongress
durfte das Vermoegen bei Aufgabe des Buergerrechts ausgefuehrt werden,
ohne den "Zehnten Pfennig" zu zahlen. Goethe entgeht zudem der gerade
beschlossenen Einkommenssteuer. Zuvor hat er auch ein Stellenangebot aus
Frankfurt ausgeschlagen: Nach dem Tod seines Onkels, des Schoeffen Textor,
wollte man ihm dort die Stelle eines Ratsherrn anbieten.
 
 In den letzen
beiden Lebensjahrzehnten beschaeftigt Goethe die Sekretaere Friedrich
Wilhelm Riemer (1774-1845) ab 1814 und ab 1823 Johann Peter Eckermann
(1792-1854). Dieser spornt Goethe zur Arbeit am zweiten Teil des "Faust"
an, den der Dichter daraufhin zwischen 1825 und 1831 vollendet. Aber
er moechte das Werk zu seinen Lebzeiten nicht mehr veroeffentlichen,
sondern uebergibt es seinen Nachlassverwaltern. In seinem Haus am
Frauenplan kuemmert sich Schwiegertochter Ottilie bis zu seinem Tod um
ihn.
 
 Am 22. Maerz 1832 stirbt der grosse deutsche Dichter und wird
in der Fuerstengruft zu Weimar beigesetzt.
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (johann-wolfgang-goethe-de):

KINDHEIT, JUGEND UND STUDIUM
 
 1749
 Johann Wolfgang Goethe wird
am 28. August in Frankfurt am Main geboren. Mutter Catharina
Elisabeth stammt aus der Juristenfamilie Textor, die ebenfalls
in Frankfurt ansaessig ist. Sein Vater Johann Caspar ist der Sohn
eines vermoegenden Modeschneiders und unterrichtet Goethe spaeter in
Eigenregie. Der als streng geltende Jurist und Privatier besitzt ueber
2.000 Buchbaende und sammelt Kunstwerke und Naturalien, darunter auch
italienische Stiche. Goethes Italien-Faszination laesst sich auch darauf
zurueckfuehren.
 Goethe hat fuenf Geschwister, doch nur Schwester Cornelia
und er ueberleben das Kindesalter. Cornelia stirbt mit 26 Jahren als
Ehefrau des Juristen Johann Georg Schlosser. Goethes Familie ist fromm und
praktiziert den christlichen Glauben.
 1756 - 1763
 Siebenjaehriger Krieg:
Frankfurt wird von den Franzosen besetzt, der ranghoechste Offizier wird
in Goethes Elternhaus einquartiert. Daher hat Goethe sein Faible fuer
den Typus des gebildeten Offiziers.
 
 
 
 1765 - 1767
 Goethe studiert
auf Wunsch des Vaters Jura in Leipzig, damals "Klein Paris” genannt. Er
trifft Adam Friedrich Oeser, Maler und Leiter der "Zeichnung- Malerey-
und Architectur-Academie”, bei dem er Zeichenunterricht nimmt und ueber
den er die Schriften Johann Joachim Winckelmanns kennen lernt, die Goethes
Aesthetik stark beeinflussen.
 1767
 Erste grosse Veroeffentlichung:
"Annette” mit 19 Gedichten ueber die damals 19-jaehrige Anna Katharina
Schoenkopf ("Kaethchen”) mit der er 2 Jahre bis 1768 zusammen war. In
einer psychischen sowie gesundheitlichen Krise verbrennt Goethe einen
Grossteil seiner bisherigen Dichtungen, weil er an seinem dichterischen
Talent zweifelt.
 1767/1768
 "Die Laune des Verliebten”, ein Schaeferspiel
in Versen, entsteht.
 1768
 Im Juli erleidet Goethe einen Blutsturz und
eine Lungenaffektion. An seinem 19. Geburtstag verlaesst Goethe Leipzig
und kehrt nach Frankfurt zurueck, im Dezember wird Goethe sterbenskrank
aufgrund seiner in Leipzig ausgebrochenen Krankheit. Er vertieft sich
in die Religion (auch alchemistische Schriften).
 Zeitgleich entstehen
das erste seiner Mondgedichte namens "An den Mond” (spaeter: "An Luna”)
sowie sein erstes Lustspiel "Die Mitschuldigen”.
 1770
 Goethe setzt
Anfang April sein Jura-Studium in Strassbourg fort und erhaelt den
dem Doktortitel fast ebenbuertigen Grad des Licentiatus Juris. Weil
er in seiner Doktorarbeit ketzerische Aussagen getroffen haben soll,
bleibt ihm der echte Doktortitel versagt.
 Im September lernt er Johann
Gottfried Herder - Kunst- und Literaturtheoretiker - kennen, der ihn stark
beeinflusst.
 Im Herbst lernt Goethe im Elsass in Sesenheim Friederike
kennen, die Tochter des Landgeistlichen Brion, und verliebt sich in
sie. Er verfasst die Sesenheimer Lieder.
 
 STURM UND DRANG
 
 1771
Kurz vor seinem 22. Geburtstag kehrt Goethe nach Frankfurt zurueck und
richtet im Elternhaus eine Kanzlei ein. Vier Jahre lang arbeitet er aktiv
als Jurist, betreut dabei aber nur wenige Faelle.
 Im November/Dezember
schreibt er innerhalb von sechs Wochen das Drama "Goetz von Berlichigen”
(urspr. "Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand”),
ein Werk, das die Normen des Klassizismus sprengt. Unter Ruecksicht
auf die Konventionen entschaerft Goethe die Fassung, die trotzdem als
Revolution empfunden wird. Das gefaellt in erster Linie den juengeren
Poeten, das Stueck gilt somit als dramatisches Gruendungsdokument des
Sturm und Drang.
 1772
 Goethe macht auf Draengen seines Vaters hin ein
Praktikum am Reichskammergericht in Wetzlar und lernt das Paar Charlotte
Buff und Johann Christian Kestner kennen. Er verliebt sich in Charlotte
und verlaesst Wetzlar nach einigen Monaten. Die Liebe zu der Verlobten
seines Kollegen Kestner und andere Erfahrungen sind die Grundlage fuer
Goethes Briefroman "Die Leiden des jungen Werther”.
 Goethe kehrt nach
Frankfurt zurueck und erlebt dort eine kreative Hochphase, in der er
unter anderem "Prometheus” verfasst.
 
 
 
 1773
 Entstehungsphase des
sogenannten "Urfaust”, der von Goethe selbst nicht veroeffentlicht wird.
1774
 Veroeffentlichung des innerhalb von vier Wochen geschriebenen
Briefromans "Die Leiden des jungen Werther”, der als Sinnbild fuer den
durch eine unerfuellte Liebe in den Selbstmord getriebenen, in seinem
Gefuehlsueberschwang an einer widerstaendigen Umwelt zerbrechenden
Schwaermer steht. Der Roman kommt bei der Bevoelkerung sehr gut an,
man kann sich mit Werther identifizieren.
 Im Mai: Veroeffentlichung von
"Clavigo”, "Stella” und "Schauspiel fuer Liebende”. In der urspruenglichen
Fassung von Stella geht die Hauptfigur Fernando ein Dreiecksverhaeltnis
mit Stella und Caecilie ein, was das Publikum so schockiert, dass Goethe
spaeter den Schluss durch ein tragisches Ende ersetzt. "Clavigo” stellt
Goethes erstes zeitgenoessisches Theaterstueck dar.
 
 MINISTERZEIT IN
WEIMAR
 
 1775
 Goethe erschafft die Singspiele "Erwin und Elmire” und
"Claudine von Villa” als Adaption auslaendischer Opernformen.
 Herzog Carl
August von Sachsen-Weimar-Eisenach laedt Goethe nach Weimar ein.
 1776
im Juni wird Goethe gegen den Widerstand von Seiten des Adels Mitglied
des obersten Regierungsgremiums des Herzogs, dem "Conseil” (1815 wird
dies durch das Grossherzogliche Staatsministerium ersetzt) und danach,
um weiteren Schwierigkeiten vorzubeugen, in den Adelsstand erhoben.
Goethe versucht, auf den Herzog einzuwirken, die Staatsausgaben unter
die -einnahmen zu druecken, zum Beispiel durch Reduzierung der Truppen
um die Haelfte.
 
 
 
 1777
 Veroeffentlichung des Gedichts "Harzreise im
Winter”, in dem sich Goethes Spaltung zwischen Dichterberuf und amtlicher
Praxis widerspiegelt.
 In diesem Jahr begegnet Goethe ausserdem Charlotte
von Stein. In der Beziehung zu ihr sieht Goethe das Streben nach in der
Liebe erfahrener Wahrheit.
 1779
 Goethe veroeffentlicht die Prosafassung
der "Iphigenie auf Tauris”, in deren Theaterauffuehrung er selbst den
Orest spielte.
 1780
 Er beginnt seine Naturforschungen, auf die spaeter
Goethes Abhandlungen ueber die Natur folgen.
 1782
 Goethe wird vom Herzog
zum Kammerpraesidenten (Finanzminister) ernannt, in der Hoffnung, den
Staatshaushalt weiter zu konsolidieren. Er foerdert die Landwirtschaft,
ist in der Kriegskommission, der Wege- und Wasserbaudirektion sowie der
Bergwerkskommission taetig.
 1783
 Goethe trifft Herder wieder, eine
Freundschaft entwickelt sich.
 Im Gedicht "Ilmenau” beschreibt Goethe das
Leben des Herzogs Carl August - vom zuegellosen Jugendtreiben zum jetzigen
Wirken im Interesse des Landes.
 1784
 In diesem Jahr entsteht der Aufsatz
"Ueber den Granit in Verbundenheit” zu seinen naturwissenschaftlichen
Forschungen.
 
 GOETHE IN ITALIEN
 
 1786
 Goethe konzentriert sich
mehr auf den kulturpolitischen Bereich, bleibt jedoch Berater fuer den
Herzog. Er beaufsichtigt die Universitaet Jena.
 Goethe resigniert
in Anbetracht des Nichterreichens der gesteckten Ziele in Weimar,
sieht die Preisgabe seines poetischen Talents zugunsten der amtlichen
Taetigkeit als fragwuerdig und fluechtet am 3. September in Absprache
mit dem Herzog nach Rom. Damit leitet Goethe die Weimarer Klassik ein.
1787
 Im Februar 1787 zieht Goethe weiter nach Neapel, setzt im Maerz
nach Sizilien ueber und kehrt im Juni nach Rom zurueck.
 Waehrend seiner
Italien-Reise trifft er Johann Heinrich Meyer und Karl Philipp Moritz,
es entstehen nur wenige neue Werke. Goethe arbeitet an vorher in Weimar
angefangenen Werken, z.B. der Versform der "Iphigenie auf Tauris”,
"Torquato Tasso” sowie "Faust” und schliesst "Iphigenie auf Tauris” und
"Egmont” (Prosa, 12 Jahre der Entstehung) ab. In "Iphigenie auf Tauris”
kommt Goethes Grundueberzeugung zum Ausdruck, dass allein Wahrheit
Friede sei und beides im Weiblichen begruendet sei.
 
 
 
 1788
 Im
Juni kommt Goethe nach zweimonatiger Reise wieder in Weimar an und
erklaert dem Herzog, er haette sich selbst als Kuenstler, als Dichter
wiedergefunden, waere wiedergeboren. Nach seiner Rueckkehr nach Weimar
wird er seiner bisherigen Aemter enthoben.
 Goethe lernt die buergerliche
Christiane Vulpius kennen, Schwester des Schriftstellers Christian August
Vulpius. Aufgrund von Goethes Adelsstand wird die Verbindung von Goethe
zu Christiane Vulpius als Missstand angesehen. In dieser Zeit entstehen
auch die "Erotica Romana”, deren Freizuegigkeit auch von engen Freunden
Goethes wie Charlotte von Stein und Herder kritisiert wird.
 1789
 Im
Sommer 1789, kurz vor Ausbruch der Franzoesischen Revolution, vollendet
Goethe "Torquato Tasso” (klassisches Drama, erstes echtes Dichterdrama).
1790
 1790 folgt eine weitere unfreiwillige Italienreise, bei der Goethe
der aus Italien zurueckkehrenden Herzogin Anna Amalia entgegenreist. Es
entstehen die 1795 publizierten "Venetianischen Epigramme”. Diese
beschreiben im Gegensatz zur ersten Italienreise die Schattenseiten
Italiens und beschaeftigen sich mit der Franzoesischen Revolution.
 Goethe
widmet sich wieder verstaerkt den Naturwissenschaften und schreibt den
"Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren”.
 Goethe glaubt,
die Farbenlehre Newtons widerlegt zu sehen, weil er beim Blick durch
ein Prisma keine Zerlegung in Farben erkennen kann, wie Newton es
beschrieben hatte. Er uebersieht, dass diese Farben sich allerdings auf
weissem Papier wieder zu weiss vereinen. Goethe sieht das Licht als das
Goettlich-Eine, Farben entstuenden durch das Zusammenspiel von hell und
dunkel. Er konzentriert sich auf die subjektive Wahrnehmung der Farben
und beeinflusst mit seinen Theorien die romantischen Poeten sowie
die Maler seiner Zeit.
 1791
 Goethe wird Direktor des Hoftheaters
(bis 1817), Leiter des Freien Zeicheninstituts sowie Mitglied
in verschiedenen Kulturkommissionen.
 
 WEIMARER KLASSIK
 
 1794
Goethe lernt Friedrich Schiller kennen. Beide verbindet die Ablehnung
der Franzoesischen Revolution, beide arbeiten an der literarischen
Zeitschrift "Die Horen”. Sie beeinflussen sich gegenseitig in ihren
Werken (Schiller: "Wallenstein”, Goethe: "Wilhelm Meisters Lehrjahre”,
die er seit 1775 in Bearbeitung hat).
 1795
 In diesem Jahr erscheinen
die "Roemischen Eligien” (auch "Erotica Romana”), die bereits um 1790 als
Gedichtzyklus entstanden waren.
 Durch den Vertrag von Basel erhaelt das
Grossherzogtum fuer 10 Jahre einen neutralen Status bzw. Friedensstatus
- auch aufgrund des Mitwirkens Goethes und Schillers.
 1796
 Der erste
Teil des Musenalmanach erscheint, an dem Goethe und Schiller gemeinsam
gearbeitet haben und in dem sie ihre Kritiker aufs Korn nehmen.
 
 

 1797
 Entstehungsjahr von Goethes Gedicht "Der Zauberlehrling”.
1800
 Erstes Festspiel Palaeophron und Neoterpe anlaesslich des
Geburtstags der Herzogin-Mutter Anna Amalia.
 1803
 Entstehung von
"Die natuerliche Tochter” als einzig vollendeter Teil einer Trilogie zum
Thema Franzoesische Revolution
 Schiller und Goethe arbeiten gemeinsam an
Theaterstuecken, wovon 1803 "Die Braut von Messina” erstmals aufgefuehrt
wurde.
 1805
 Schiller stirbt am 9. Mai, womit die praegende Periode
der Weimarer Klassik zu Ende geht. Goethe wendet sich mehr der Romantik
zu und versucht, Klassik und Romantik in seinen Werken zu vereinen.
 
AUTOBIOGRAPHISCHE ARBEITEN
 
 1806
 Goethe heiratet Christiane Vulpius,
die sich den durch die Stadt ziehenden und pluendernden franzoesischen
Soldaten nach einer verlorenen Schlacht entgegenstellte und Goethe
vor Schlimmerem bewahrte.
 1808
 Zweites Festspiel: "Pandora” (nur
Fragmente).
 "Faust, der Tragoedie erster Teil” erscheint.
 
 
 
 1809

 Goethe beginnt mit seinen autobiographischen Arbeiten "Dichtung und
Wahrheit”, die Teile von Goethes Biographie zwischen zwischen 1749 und
1775 aufgreift. Auch vor dem Hintergrund von Schillers Tod hegt er den
Wunsch, das Gewesene fuer die Nachwelt zu fixieren. Ausserdem erfolgt
die Veroeffentlichung von "Wahlverwandtschaften”.
 1810
 "Opus zur
Farbenlehre”
 1814
 1814 erscheint der dritte und letzte vollstaendige
Teil von "Dichtung und Wahrheit”, der 4. Teil wird unterbrochen durch
"Faust II” und vor Goethes Tod nicht mehr ganz fertig gestellt.
 Die
Franzoesische Revolution endet, Goethe reist danach zu den Orten von
Goethes Kindheit und Jugend im Rhein-Main-Gebiet.
 
 ALTER IN WEIMAR

 1815
 Goethe nimmt seine politischen Arbeiten wieder auf und  wird
zum Staatsminister und Ressortleiter der "Anstalten fuer Wissenschaft
und Kunst" in Weimar und Jena ernannt.
 In seinen letzten Lebensjahren
festigt sich bei Goethe die Vorstellung einer Weltliteratur im Zuge
der Internationalisierung, die Erzeugnisse einzelner Nationen werden
Gemeingut.
 Premiere des Festspiels "Des Epimenides Erwachen” anlaesslich
des Sieges Napoleons und des Endes der Befreiungskriege.
 1816
 Tod von
Goethes Ehefrau Christiane.
 1818
 "Um Mitternacht”
 
 
 
 1819
 Von
1819 bis 1825 schreibt er die "Annalen meines Lebens”. In dieser Zeit
veroeffentlicht er ausserdem den "West-oestlichen Divan”, in dem die
Faszination Goethes an der altpersischen Dichtung zum Ausdruck kommt.
1821
 Goethe lernt als 74jaehriger die 17jaehrige Ulrike von Levetzow
kennen und verliebt sich zwei Jahre spaeter in sie. Ulrikes Mutter lehnt
Goethes Antrag ab, woraufhin die Liebesklagen "Eligie” entstehen.
Der erste Teil des Goethe-Romans "Wilhelm Meisters Wanderjahre”
wird veroeffentlicht.
 1823/24
 "Trilogie der Leidenschaft”
 1824
"Der Braeutigam”
 1825
 Die Arbeiten an "Faust II” beginnen.
 1827

 Goethe veroeffentlicht die "Ausgabe letzter Hand”, eine Sammlung
von Gedichtbaenden, das wichtigste Gedicht ist dabei "Urworte:
Orphisch”.
 1828
 Herzog Carl August stirbt.
 Veroeffentlichung von
"Novelle” (Prosadichtung).
 1829
 In "Ausgabe letzter Hand” (Band
21-23) veroeffentlicht Goethe die Neufassung von "Wilhelm Meisters
Wanderjahre”. "Faust” wird in Braunschweig uraufgefuehrt, wobei Goethe
nicht anwesend ist, weil er das Stueck nicht als fuer die Buehne
geschaffen sieht.
 1830
 Goethes Sohn August stirbt.
 1832
 Goethe
stirbt am 22. Maerz vermutlich an einem Katarrhfieber mit folgendem
Herzinfarkt. Bis heute haelt sich das Geruecht, seine letzten Worte
lauteten "Mehr Licht!”. Goethe wird neben Carl August und Friedrich
Schiller in Weimar begraben.
 In den "Nachgelassenen Werken” erscheint
"Faust. Der Tragoedie zweiter Teil”. Goethe verfuegte, dass diese zu
seinen Lebzeiten nicht veroeffentlicht werden sollte.
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (literaturwelt-com):

Leben
 
 Kindheit, Jugend und Studienzeit
 
 Johann Wolfgang Goethe
wurde am 28. August 1749 als Sohn des kaiserlichen Rates Johann
Caspar Goethe und seiner Frau Catharina Elisabeth in Frankfurt am Main
geboren. Von seinen fuenf Geschwistern ueberlebt nur Cornelia (geb. am
7. Dezember 1750), mit der er seine Kindheit gemeinsam verbringt und ein
enges Verhaeltnis aufbaut. Ab 1752 besucht Goethe drei Jahre lang die
Frankfurter Spielschule. Mit dem Umbau des Elternhauses 1755 erhaelt der
junge Goethe Privatunterricht. In seiner Jugend wird er Zeuge bedeutender
historischer Ereignisse, u.a. die Besetzung Frankfurts durch die Franzosen
1759 oder die Kroenung Josephs des Zweiten 1764. Im Oktober 1765 nahm er
auf Wunsch seines Vaters ein Jurastudium in Leipzig auf. Nebenher besuchte
Goethe auch philosophische und literaturgeschichtliche Vorlesungen,
u. a. bei Gellert und Gottsched. Er beschaeftigte sich ausserdem in
dieser Zeit mit Lessing und der Aufklaerung sowie mit Klopstock und der
Empfindsamkeit. Bei Adam F. Oeser nahm er Zeichenunterricht. Im August
1768 muss er das Studium wegen schwerer Krankheit abbrechen. Goethe
kehrte daraufhin wieder ins Elternhaus zurueck. Seine Genesung verzoegerte
sich durch einige Rueckfaelle bis Maerz 1770. In dieser Zeit wird Goethe
vor allem von religioeser Lektuere beeinflusst, angeregt durch Susanna
Katharina von Klettenberg. Von April 1770 bis August 1771 setzt Goethe
in Strassburg sein Jurastudium fort. Auch Herder hielt sich um diese
Zeit in Strassburg auf. Goethe knuepfte in Strassburg Kontakte zu Jakob
Michael Reinhold Lenz, und Gottfried von Herder und machte Bekanntschaft
mit Friedericke Brion. Ihr widmete er zahlreiche Gedichte, darunter
das Heidenroeslen, Mailied und Willkommen und Abschied. Im August 1771
promoviert Goethe zum Lizentiaten der Rechte.
 Der Stuermer und Draenger

 
 Nach seiner Promotion in Strassburg kehrt Goethe nach Frankfurt
zurueck. Er nimmt seine Arbeit als Rechtsanwalt auf, wandte sich aber
nebenher verstaerkt der Dichtung zu. So konnte er die Urfassung von Goetz
von Berchlingen vollenden, die Geschichte Gottfriedens von Berlichingen
mit der eisernen Hand. 1772 macht Goethe Bekanntschaft mit Charlotte
Buff, als er Praktikant im Reichskammergericht in Wetzlar ist. Ausserdem
arbeitet er an den Frankfurter Gelehrten Anzeigen mit, das den Beginn
seiner schriftstellerischen Karriere markiert. Die unerfuellte Liebe zu
Charlotte Buff regt Goethe zu seinem Briefroman Die Leiden des jungen
Werthers an, der ihn schlagartig beruehmt machte. Es entstanden auch
einige Hymnen, darunter Ganymed, Prometheus und Wanderers Sturmlied. In
der Zeit zwischen 1773 und 1775 arbeitet Goethe an ersten Fassungen seiner
Dramen Urfaust, Prometheus und Mahomet. Dabei orientiert er sich besonders
an den Werken Shakespeares. Auf seinen Reisen im Jahr 1774 nimmt Goethe
Kontakt zu Johann Caspar Lavater, den Bruedern Jacobi und Karl August von
Sachsen-Weimar-Eisenach auf. Im April 1775 kommt es zur Verlobung mit Lili
Schoenemann, die aber ein halbes Jahr spaeter wieder geloest wird.
 Das
erste Weimarer Jahrzehnt
 
 Goethe wird gegen Ende des Jahres 1775 von
Karl August nach Weimar eingeladen. Dort macht er erste Bekanntschaft mit
Charlotte von Stein. Im November siedelt er schliesslich ganz ueber. In
Weimar war die einflussreiche Herzogin Anna Amalia ansaessig, die
bedeutende Persoenlichkeiten des deutschen Schriftstellerlebens um sich
versammelte. Darunter befand sich auch Christoph Martin Wieland. Mit der
Ankunft Goethes nahmen die kulturelle Aktivitaet der Stadt Weimar enorm
zu. 1776 bis 1782 wohnte Goethe in einem Gartenhaus an den Ilmwiesen. Er
wird Beamter der Stadt Weimar und zum Geheimen Legationsrat ernannt. 1776
kommt auch Herder, als Generalsuperintendent, nach Weimar. Mit der
Oberaufsicht ueber den Illmenauer Bergbau und der engen Beziehung
mit Charlotte von Stein verstaerkt sich Goethes gefasster Entschluss,
in Weimar zu bleiben. 1777 stirbt seine Schwester Cornelia. Waehrend
sein Schauspiel Stella (1776) noch vom Sturm und Drang gepraegt war,
setzt sich jetzt der Humanismus-Gedanke in Goethes Werken allmaehlich
durch. 1779 entsteht die Prosafassung von Iphigenie auf Tauris, die
1786 in Blankverse umgeschrieben wurde. Im Januar 1779 wird Goethe die
Leitung der Kriegs- und Wegebaukommission uebertragen, durch die er
viele Dienstreisen mit dem Herzog unternahm. Im September wird Goethe
zum Geheimen Rat ernannt. Die Aufsicht ueber den Bergbau in Illmenau
veranlasst Goethe sich mit mineralogischen Studien zu beschaeftigen. 1782
stirbt sein Vater. Goethe bezieht des Haus am Frauenplan. 1784 entdeckt
er den Zwischenkieferknochen des Menschen. 1785 sind die Arbeiten
an Wilhelm Meisters theatralischer Sendung abgeschlossen. Goethe
haelt sich nun oefters in Karlsbad auf.
 Italienreise und Rueckkehr
nach Weimar
 
 Im Herbst des Jahres 1786 bricht Goethe heimlich in
Karlsbad auf und begab sich auf eine Erholungs- und Bildungsreise
nach Italien. Zu diesem Entschluss brachte ihn die immer drueckender
empfundenen hoefischen und dienstlichen Verpflichtungen. Goethe gab
sich dabei als "Maler Moeller" aus. Am 29. Oktober erreichte er Rom,
das eigentliche Ziel seiner Reise. Dort machte er Bekanntschaft mit
dem Maler Tischbein und dem Dichter Karl Philipp Moritz. Neben der
Beschaeftigung mit antiker Bildhauerkunst und der Malerei arbeitete
Goethe auch an seinen literarischen Projekten Iphigenie, Egmont, Tasso
und Faust weiter. Bereits 1786 konnte Iphigenie auf Tauris in Versform
fertiggestellt werden, 1788 dann Egmont. Am 23. April 1788 brach Goethe
in Rom auf und trat seine Heimreise an. Am 18. Juni traf er in Weimar
wieder ein.
 Goethe wird in Weimar auf eignen Wunsch von den meisten der
hoefischen und dienstlichen Pflichten entbunden. Er wird stattdessen
mit der Leitung kuenstlerischer Anstalten des Herzogtums betraut,
darunter z. B. das "Freie-Zeichen-Institut". Im Juli lernt Goethe
seine zukuenftige Lebensgefaehrtin, Christiane Vulpius, kennen. Noch
im gleichen Jahr kommt es in Rudolstadt zur ersten Begegnung zwischen
Goethe und Friedrich Schiller. Goethe verhalf Schiller zu einer Professur
in Jena. 1789 wird Goethes Sohn August geboren. Die Arbeit am Tasso
sind abgeschlossen. Zur Franzoesischen Revolution verhaelt sich Goethe
ablehnend. 1790 erscheinen Die Metamorphose der Pflanzen und Faust,
ein Fragment. 1791 wird Goethe zum Leiter des Weimarer Hoftheaters. 1792
begleitet Goethe Herzog Karl-August im 1. Koalitionskrieg Preussens und
Oesterreichs gegen Frankreich. Er selbst wird Augenzeuge der Kanonade
von Valmy, am 20. September 1792. Das Schauspiel Der Gross-Koptha
entsteht. 1793 ist Goethe Beobachter bei der Belagerung von Mainz. Der
Buergergeneral und Reineke Fuchs werden veroeffentlicht. Goethe
beschaeftigt sich seit 1793 bis 1798 intensiv mit Studien zu Homer.
Das Jahrzehnt mit Schiller
 
 1794 kann Schiller Goethe zur Mitarbeit
an seiner Zeitschrift Die Horen gewinnen. Daraus entwickelte sich eine
intensive Freundschaft zwischen den beiden, die zunaechst nur aus einem
staendigen Briefwechsel bestand. Seit der Tagung der "Naturforschenden
Gesellschaft" in Jena 1794 ist Schiller haeufiger Gast bei Goethe in
Weimar. 1796 entstehen die Xenien. 1797 erhaelt Goethe die Aufsicht
ueber die Weimarer Bibliothek. Das Jahr 1797 ging als das "Balladenjahr"
in die Geschichte ein, da aus einem Dichterwettstreit zwischen Goethe
und Schiller zahlreiche Balladen hervorgingen, darunter Der Gott und die
Bajadere, Der Schatzgraeber, Der Zauberlehrling, Die Braut von Korinth
und Legende. Beide befassten sich auch intensiv mit der Theorie der
literarischen Gattungen, dessen Ergebnis 1797 in der Schrift Ueber
epische und dramatische Dichtung festgehalten wurde. Goethe setzte
in dieser Zeit auch seine Arbeiten am Faust fort. 1798 erschien die
periodische Kunstzeitschrift Propylaeen, unter der Mitarbeit Schillers
und Humboldts. Im Dezember 1799 uebersiedelt Schiller nach Weimar. Er
draengte Goethe zur Vollendung des Fausts. Aus der Zusammenarbeit der
beiden Dichter ging der Stil der Weimarer Klassik hervor, der sich an
Antike und Renaissance orientierte. 1803 erhaelt Goethe die Oberaufsicht
ueber die naturwissenschaftlichen Institute der Universitaet Jena. 1804
wird er zum Wirklichen Geheimen Rat ernannt. Am 9. Mai 1805 stirbt sein
engster Freund, Schiller. Dieses Ereignis nimmt einen tiefen Einschnitt
in das Leben Goethes, das bis dahin von einer intensiven Freundschaft
und geistigen Beziehung der beiden gepraegt war. Im Epilog zu Schillers
Glocke setze er ihm ein Denkmal.
 Das Jahrzehnt nach Schillers Tod
 
 In
der Zeit nach Schiller, zaehlten Ludwig von Knebel, Carl Friedrich Zelter
und Wilhelm von Humboldt zu Goethes engsten Freunden. Goethe setze sich
ab 1806 intensiv mit der Romantik auseinander. Die Sammlung Des Knaben
Wunderhorn (1806-1808) von Achim von Arnim und Clemens Brentano regten
Goethe an, sich mit dem deutschen Mittelalter und der Volkspoesie zu
beschaeftigen. Im April 1806 wurde Faust, erster Teil abgeschlossen. Im
Oktober kam es zur Schlacht bei Jena und zur Besetzung Weimars. Goethe
heiratete in diesem Jahr Christiane Vulpus. 1807 macht er Bekanntschaft
mit Bettina Brentano, der spaeteren Frau A. v. Arnims. Goethe beginnt die
Arbeit an Wilhelm Meisters Wanderjahre. 1808 stirbt Goethes Mutter. Auf
dem Erfurter Fuerstenkongress kam es zur Begegnung zwischen Goethe
und Napoleon I. 1809 erscheinen Die Wahlverwandtschaften. 1810 kam
es zum Abschluss der Arbeit an der Farbenlehre. Der erste Teil seiner
Autobiographie Dichtung und Wahrheit, erster Teil. erschien 1811. In
Karlsbad kam es 1812 zur Begegnung mit Ludwig van Beethoven, der einige
Gedichte Goethes vertonte. Dichtung und Wahrheit, zweiter Teil. wurde
fertiggestellt. 1813 verlor die Kuenstler-Stadt Weimar einen weiteren
wichtigen Geist, den Dichter Christoph Martin Wieland. Im gleichen Jahr
fand zwischen dem 16. und 19. Oktober die Voelkerschlacht bei Leipzig
statt. Der dritte Teil seiner Autobiographie erschien. 1814 kommt es
zur Begegnung mit Marianne von Willemer und den Bruedern Boisserée.
Die letzten Lebensjahre
 
 1815 unternimmt Goethe ausgedehnte Reisen ins
Rhein- und Maingebiet. Sachsen-Weimar-Eisenach wird durch einen Beschluss
des Wiener Kongresses zum Grossherzogtum. Im September findet die letzte
Begegnung mit Marianne von Willemer statt. Im Dezember wird Goethe mit
dem Amt eines Staatsministers betraut. Am 6. Juni 1816 stirbt seine
Frau, Christiane. 1817 haelt sich Goethe oefters in Jena auf. Von der
Leitung des Hoftheaters wird er entbunden. Mit zunehmenden Alter zog
sich Goethe vom Weimarer Gesellschaftsleben zurueck und wendete sich
nun hauptsaechlich seinen Werken zu. 1819 ist der West-oestliche Divan
abgeschlossen. 1820 beginnt die Arbeit an Wilhelm Meisters Wanderjahren,
die 1829 vollendet wurde. 1821 kommt es zur ersten Begegnung mit
Ulrike von Levetzow, seiner letzten Liebe. 1825 nimmt er seine Arbeit
am Faust, zweiter Teil. wieder auf. Im Januar 1827 stirbt Charlotte von
Stein, im Juni des darauffolgenden Jahres Grossherzog Karl August. 1830
erscheint der letzte Teil seiner Autobiographie, Dichtung und Wahrheit,
vierter Teil. Im November erfaehrt er vom Tode seines Sohnes, der schon
Ende Oktober verstarb. Goethe erlitt einen Blutsturz. 1831 wird Faust,
zweiter Teil. vollendet. Am 22. Maerz 1832 stirbt Goethe in seinem Haus
am Frauenplan. Er wurde neben Schiller in der Weimarer Fuerstengruft
beigesetzt.
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.<ref>Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2ref> Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u.&nbsp;a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.<ref>Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S.&nbsp;38.ref>
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"<ref>Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S.&nbsp;39.ref> Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u.&nbsp;a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".<ref>Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0ref>

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0ref> nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0ref>

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].<ref>Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2ref>

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0ref>

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u.&nbsp;a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u.&nbsp;a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.<ref>Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne.ref> Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.<ref>Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2ref>

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11.&nbsp;Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.<ref name="ndbadb">Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17ref>
Er schreibt am 14.&nbsp;Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:<ref>Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de'']ref> Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.<ref name="ndbadb" /><ref>Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de'']ref> Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z.&nbsp;B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.<ref>Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de'']ref> Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."<ref>In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348.ref> Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.<ref name="ndbadb" />
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de'']ref> Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784).<ref name="ndbadb" /> [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23.&nbsp;Juni 1780 trat er
der Loge bei.<ref>Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23
ref>

 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']ref><ref>Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
ref>  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10.&nbsp;April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte.<ref name="ndbadb" /> Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de'']ref> Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.<ref name="borchmeyer80">Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de'']ref> Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden.<ref name="ndbadb" /> Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.<ref name="borchmeyer80" />

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0ref> so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.<ref>Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9ref> Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z.&nbsp;B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u.&nbsp;a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung)<ref name="Seehafer180"
/> des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.<ref>Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4ref>
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]<ref>Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8ref> vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0ref> Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.<ref>Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3ref> Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u.&nbsp;a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]<ref>Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet.ref> und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.<ref>Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3ref>

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Anciengime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825ref> 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)<ref>Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798ref>]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0ref>

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.<ref>Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798ref>

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.<ref>Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0ref>

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30&nbsp;Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65&nbsp;Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:<ref>Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0ref>

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51&nbsp;Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].<ref>Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2ref> Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.<ref>Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833)ref> Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.<ref>Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2ref> Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u.&nbsp;a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.<ref>Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S.&nbsp;38.ref>
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"<ref>Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S.&nbsp;39.ref> Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u.&nbsp;a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".<ref>Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0ref>

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0ref> nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0ref>

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].<ref>Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2ref>

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0ref>

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u.&nbsp;a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u.&nbsp;a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.<ref>Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne.ref> Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.<ref>Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2ref>

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11.&nbsp;Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.<ref name="ndbadb">Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17ref>
Er schreibt am 14.&nbsp;Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:<ref>Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de'']ref> Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.<ref name="ndbadb" /><ref>Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de'']ref> Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z.&nbsp;B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.<ref>Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de'']ref> Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."<ref>In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348.ref> Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.<ref name="ndbadb" />
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de'']ref> Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784).<ref name="ndbadb" /> [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23.&nbsp;Juni 1780 trat er
der Loge bei.<ref>Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23
ref>

 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']ref><ref>Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
ref>  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10.&nbsp;April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte.<ref name="ndbadb" /> Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de'']ref> Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.<ref name="borchmeyer80">Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de'']ref> Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden.<ref name="ndbadb" /> Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.<ref name="borchmeyer80" />

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0ref> so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.<ref>Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9ref> Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z.&nbsp;B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u.&nbsp;a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung)<ref name="Seehafer180"
/> des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.<ref>Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4ref>
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]<ref>Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8ref> vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0ref> Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.<ref>Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3ref> Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u.&nbsp;a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]<ref>Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet.ref> und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.<ref>Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3ref>

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Anciengime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825ref> 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)<ref>Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798ref>]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0ref>

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.<ref>Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798ref>

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.<ref>Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0ref>

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30&nbsp;Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65&nbsp;Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:<ref>Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0ref>

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51&nbsp;Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].<ref>Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2ref> Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.<ref>Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833)ref> Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Local summary for ‘Random fingerprinting’:

dieterwunderlich-de frankfurt-interaktiv-de gedichte-xbib-de gedichtePortal-de goethezeitportal-de johann-wolfgang-goethe-de literaturwelt-com wikipedia
0.022485 0.012229 0.021302 0.008679 0.018935 0.022485 0.021302 1.000000

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (dieterwunderlich-de):

Johann Wolfgang Goethe wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main
als Sohn des wohlhabenden, hochgebildeten Juristen Johann Caspar Goethe
(1710 - 1782) und der Schultheissentochter Katharina Elisabeth Textor
(1731 - 1808) geboren. Da der Vater zwar kaiserlicher Rat war, aber
keine bestimmten beruflichen Verpflichtungen hatte, unterrichtete er
seinen Sohn vorwiegend selbst.

Mit fuenfzehn verliebte Johann Wolfgang Goethe sich in eine junge
Kellnerin namens Gretchen und geriet durch sie in die Gesellschaft von
Betruegern. Im Oktober 1765 reiste er nach Leipzig, um dort Jura zu
studieren, wie es sein Vater wuenschte. Dort passte sich Goethe der
anspruchsvollen Mode sowie der lockeren Lebensart des Rokoko an und
verliebte sich in Anna Katharina ("Kaethchen") Schoenkopf (1746 - 1810),
die Tochter seiner Wirtsleute.

Schwer krank kehrte er 1768 in seine Heimatstadt zurueck und wurde
dort u. a. von Susanne Katharina von Klettenberg gesund gepflegt, einer
Verwandten seiner Mutter, die ihn mit dem Pietismus vertraut machte.

1770 setzte Goethe sein Studium in Strassburg fort; aber mehr als die
Rechtswissenschaften fesselten ihn Medizin, Botanik, Chemie, Theologie
und Philosophie. Wieder verliebte er sich; diesmal in die Sesenheimer
Pfarrerstochter Friederike Brion (1752 - 1813). Die Achtzehnjaehrige
gab seinem (vermutlich platonischen) Werben nach, aber im Sommer 1771,
nach der Promotion zum "licentitatus juris", verliess Johann Wolfgang
Goethe Strassburg, ohne sich von ihr auch nur zu verabschieden.

Im August 1771 eroeffnete er in Frankfurt am Main eine Anwaltskanzlei
und setzte zugleich seine in Strassburg begonnenen literarischen
Arbeiten fort. Ende Mai 1772 begann Goethe mit einem Praktikum am
Reichskammergericht in Wetzlar.  Dort lernte der Zweiundzwanzigjaehrige
den pfaelzischen Sekretaer Karl Wilhelm Jerusalem kennen und besuchte mit
ihm am 9. Juni einen Ball in Volpertshausen, an dem auch Charlotte Buff
(1753 - 1828) und ihr Verlobter Johann Christian Kestner (1741 - 1800)
teilnahmen. Goethe verliebte sich in die vier Jahre juengere Tochter eines
Amtmanns, befreundete sich mit dem hannoverschen Gesandtschaftssekretaer
Kestner und traf sich haeufig mit den beiden. Als er Charlotte dreist zu
kuessen versuchte, begriff sie, dass sie Klarheit schaffen musste. (Sie
heiratete Kestner.) Daraufhin reiste Goethe am 11. September ueberstuerzt
aus Wetzlar ab.

In Ehrenbreitstein besuchte er die Schriftstellerin Sophie von La
Roche, deren sechzehnjaehrige Tochter Maximiliane ihm besonders gut
gefiel. Maximiliane heiratete den mehr als doppelt so alten Kaufmann Peter
Anton Brentano und zog mit ihm Anfang 1774 nach Frankfurt am Main. Obwohl
die verheiratete Frau fuer Goethe unerreichbar war, umschwaermte er sie,
und es kam zu heftigen Auseinandersetzungen mit ihrem Ehemann.

"Goetz von Berlichingen", Urauffuehrung: 1774 "Die Leiden des jungen
Werther": 1774 "Clavigo", Urauffuehrung: 1774 Im Fruehjahr 1774 schrieb
Johann Wolfgang Goethe "Die Leiden des jungen Werther", ein Roman, der
offenbar den Nerv der Zeit traf und deshalb innerhalb von kurzer Zeit
in mehreren Auflagen erschien.

Johann Wolfgang Goethe verlobte sich Ostern 1775 mit der Frankfurter
Bankierstochter Anna Elisabeth ("Lili") Schoenemann (1758 - 1817), aber
nach seiner ersten Schweiz-Reise von Mai bis Juli 1775 beendete er die
von keiner der beiden Familien gutgeheissene Beziehung.

Herzog Carl August von Sachsen-Weimar (1757 - 1828), der am 3. September
1775 das Erbe seines frueh verstorbenen Vaters uebernahm, reiste kurz
darauf zu den Eltern seiner Braut, Prinzessin Luise von Hessen-Darmstadt,
besuchte bei dieser Gelegenheit auch den Dichter des "Werther" und lud
ihn ein, nach Weimar zu kommen. Die Residenzstadt galt als "Musenhof",
denn seine Mutter Anna Amalia, die Witwe des 1758 verstorbenen Herzogs
Ernst August II. Constantin (eine Nichte Friedrichs des Grossen), hatte
waehrend ihrer Regentschaft bedeutende Persoenlichkeiten des deutschen
Geisteslebens nach Weimar geholt, so zum Beispiel 1772 Christoph Martin
Wieland (1733 - 1813) als Erzieher ihrer Soehne Carl August und Bernhard.

Am 9. November 1775 folgte Johann Wolfgang Goethe der Einladung und zog
in ein Gartenhaus an der Ilm, das ihm Herzog Carl August uebereignete. Er
erhielt das Weimarer Buergerrecht und wurde zum Geheimen Legationsrat
ernannt.

In Weimar befreundete Johann Wolfgang Goethe sich mit der geistvollen
Frau Charlotte von Stein (1742 - 1827), der er im Lauf der Jahre mehr
als achthundert Briefe schrieb.

Charlotte Albertine Ernestine von Schardt hatte als Fuenfzehnjaehrige
eine Anstellung als Hofdame der Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar
erhalten, sieben Jahre spaeter den herzoglichen Stallmeister Friedrich
Josias Freiherr von Stein (1735 - 1793) geheiratet und innerhalb von
zehn Ehejahren sieben Kinder geboren. (Arm und einsam starb sie am
6. Januar 1827.)

Goethes ein Jahr juengere Schwester Cornelia hatte sich am 1. November
1773 mit dem Juristen Johann Georg Schlosser geheiratet, der mit ihrem
Bruder befreundet war. Seit der schweren Geburt ihrer Tochter Maria
Anne Louise ("Lulu") am 28. Oktober 1774 kraenkelte Cornelia. Vier
Wochen nachdem sie mit einer zweiten Tochter - Catharina Elisabeth Julie
("Juliette") - niedergekommen war, am 8. Juni 1777, starb sie. Goethe
trauerte sehr um seine geliebte Schwester.

Ende November 1777 brach Johann Wolfgang Goethe zu einer Winterreise in
den Harz auf. In Wernigerode suchte er Victor Leberecht Plessing auf,
den Sohn des Superintendenten, um den ungluecklichen jungen Mann vor
einem Werther-Schicksal zu bewahren. Dabei trat er allerdings nicht unter
seinem richtigen Namen auf, sondern gab sich als Kuenstler aus Gotha
aus. In Goslar besichtigte er das Bergwerk, um sich fuer die geplante
Erschliessung der Erzvorkommen von Ilmenau kundig zu machen. Und am
10. Dezember bestieg er den tief verschneiten Brocken, was damals eine
unglaubliche Leistung war.

"Iphigenie auf Tauris", Urauffuehrung: 1779

Herzog Carl August von Sachsen-Weimar ernannte Goethe 1779 zum Leiter
der Kriegskommission und des Strassenbauwesens.

Im Herbst desselben Jahres reisten die beiden in die Schweiz. Sie
fuhren zunaechst von Weimar nach Frankfurt am Main zu Goethes Eltern. Am
25. September besuchten sie Friederike Brion in Sesenheim, am naechsten
Tag in Strassburg Lili Schoenemann, die inzwischen verheiratet war
und ein sieben Wochen altes Kind hatte. In Emmendingen machten sie
Goethes verwitwetem Freund und Schwager Johann Georg Schlosser ihre
Aufwartung. Die Schweiz erreichten Goethe und der Herzog am 3. Oktober
bei Basel. Der Mont Blanc bildete das suedwestlichste Zwischenziel ihrer
Reise. Nur begleitet von einem einheimischen Fuehrer und ihrem Reitknecht
Blochberg, der sich um den Maulesel mit dem Gepaeck kuemmerte, wanderten
sie im November ueber den tief verschneiten Furka-Pass. Erschoepft
uebernachteten sie im Kapuzinerdomizil von Realp, bevor sie zwischen den
Maultierkolonnen der Pilger vom Urserental zum Gotthard-Hospiz aufstiegen.

Kaiser Joseph II. erhob Goethe am 10. April 1782 in den Adelsstand. In
diesem Jahr uebernahm er in Weimar die Finanzverwaltung und mietete ein
Haus am Frauenplan, das er zehn Jahre spaeter von Herzog Carl August
geschenkt bekam und bis zu seinem Tod bewohnte.

1783 und 1784 reiste Johann Wolfgang von Goethe noch zweimal in den Harz.

Der Arbeitsbelastung und der entsagungsvollen Beziehung zu der
verheirateten Charlotte von Stein entzog er sich, indem er in der Nacht
zum 3. September 1786 unter dem Namen Johann Philipp Moeller heimlich nach
Italien aufbrach. In Rom besuchte er Johann Heinrich Wilhelm Tischbein
(1751-1829), der eines der beruehmtesten Portraets des Dichters malte:
"Goethe in der Campagna". Auch mit der Malerin Angelica Kauffmann (1741
- 1807) befreundete sich Goethe, der erst am 18. Juni 1788 nach Weimar
zurueckkehrte.

Seinen frueheren Freunden und Bekannten war er inzwischen entfremdet. Ihre
Missbilligung steigerte sich durch sein skandaloeses Zusammenleben mit
Christiane Vulpius (1765 - 1816), einer einfachen Arbeiterin in einer
Manufaktur fuer kuenstliche Blumen, die am 11. Juli 1788 mit einer
Bittschrift fuer ihren Bruder an ihn herangetreten war. Am 25. Dezember
1789 gebar sie den Sohn Julius August Walther, der als einziges ihrer
fuenf Kinder bis 1830 am Leben blieb. (August von Goethe starb in Rom
an Blattern.) Charlotte von Stein war ueber Goethes Verhalten verbittert
und versoehnte sich erst 1801 wieder mit ihm.

"Egmont", Urauffuehrung: 1789

Auf seinen eigenen Wunsch weitgehend von den staatlichen Aufgaben
entbunden, beschaeftigte Johann Wolfgang von Goethe sich v. a. mit
naturwissenschaftlichen Forschungen. 1790 reiste er ein zweites Mal
nach Oberitalien. Im Jahr darauf uebernahm er die Leitung des Weimarer
Hoftheaters (1791 - 1817).

Als Begleiter des Herzogs wurde Johann Wolfgang von Goethe am
20. September 1792 Augenzeuge der Kanonade von Valmy, die im Rahmen
des 1. Koalitionskriegs (1792 - 1797) stattfand, mit der Preussen und
Oesterreich die Ausbreitung der auch von Goethe abgelehnten Franzoesischen
Revolution verhindern wollten. "Von hier und heute geht eine neue Epoche
der Weltgeschichte aus", sagte Goethe zu den Soldaten, "und Ihr koennt
sagen, Ihr seid dabeigewesen." (Tatsaechlich hielten die Franzosen dem
Angriff stand.)

"Reineke Fuchs": 1794

Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller waren sich (abgesehen
von einer gemeinsamen Teilnahme am Stiftungsfest der Hohen Karlsschule
in Stuttgart am 14. Dezember 1779) am 7. September 1788 erstmals
begegnet. Goethe hatte dem zehn Jahre juengeren Dichter zwar eine
Professur am Lehrstuhl fuer Geschichte der Universitaet Jena vermittelt,
aber naeher kamen sich Goethe und Schiller erst sechs Jahre spaeter,
am 20. Juli 1794, nach einer Sitzung der Naturforschenden Gesellschaft
in Jena, wo Goethe einen Vortrag ueber die Urpflanze gehalten hatte.

"Wilhelm Meisters Lehrjahre": 1795/96 "Hermann und Dorothea": 1797

Am 3. Dezember 1799 zog Friedrich Schiller nach Weimar und traf sich
haeufig mit Johann Wolfgang von Goethe zum Gedankenaustausch. Fuer die
Zusammenarbeit der beiden grossen deutschen Dichter praegte Heinrich Laube
1839 den Begriff "Weimarer Klassik". Leider war sie von verhaeltnismaessig
kurzer Dauer, denn Friedrich von Schiller starb am 9. Mai 1805 an den
Folgen einer jahrelang verschleppten Lungenentzuendung. Sein Tod bedeutete
in Goethes Leben eine traurige und schmerzliche Zaesur.

Friedrich Wilhelm Riemer (1774 - 1845) hatte 1803 eine Dachkammer in
Goethes Haus bezogen. Auch als seine Aufgabe als Hauslehrer von August von
Goethe beendet war, blieb er als Vertrauter und Sekretaer bei dem Dichter.

Bei Jena und Auerstedt wurde die preussisch-saechsische Armee am
14. Oktober 1806 von Napoleon (1769 - 1821) besiegt. Die Franzosen nahmen
Johann Wolfgang von Goethe gefangen, aber Christiane Vulpius gelang es,
ihren Lebensgefaehrten rasch wieder freizubekommen. Daraufhin vermaehlte
er sich am 19. Oktober 1806 mit ihr.

Einige Monate spaeter verliebte sich der Siebenundfuenfzigjaehrige
in Wilhelmine Herzlieb (1789 - 1865), die vierzig Jahre juengere
Pflegetochter des Jenaer Buchhaendlers Karl Friedrich Ernst Frommann
(1765 - 1837). (Wilhelmine Herzlieb wurde das Vorbild fuer die Figur
der Ottilie in Goethes Roman "Die Wahlverwandschaften".)

"Torquato Tasso", Urauffuehrung: 1807

Als Napoleon sich anlaesslich des Erfurter Fuerstentags (27. September bis
4. Oktober 1808) in Preussen aufhielt, traf er sich dreimal mit Johann
Wolfgang von Goethe (Erfurt, 2. Oktober; Weimar, 6. und 10. Oktober)
und lud in nach Paris ein.

"Die Wahlverwandtschaften": 1809

1812 begegneten sich Johann Wolfgang von Goethe und Ludwig van Beethoven
(1770 - 1827) bei einem Kuraufenthalt in Karlsbad. Bettina von Arnim
erzaehlt in einem ihrer Briefe, wie sie bei einem gemeinsamen Spaziergang
in Karlsbad Hoeflingen des Kaisers begegneten und der Dichter zur Seite
trat, waehrend der Komponist stur geradeaus schritt und anschliessend
Goethes Unterwuerfigkeit kritisierte.

Die Zeit vom 12. August bis 17. September 1815 verbrachte Johann Wolfgang
von Goethe mit Marianne von Willemer (um 1784 - 1860), die seit September
1814 mit dem fuenfundzwanzig Jahre aelteren Bankier Johann Jakob Willemer
verheiratet war, in Frankfurt am Main. (Marianne war 1798 als Komoediantin
nach Frankfurt gekommen, und der bereits zweimal verwitwete Bankier
hatte das Maedchen als Pflegetochter in sein Haus aufgenommen.)

Goethes Ehefrau Christiane starb am 6. Juni 1816.

"West-oestlicher Divan": 1819 "Wilhelm Meisters Wanderjahre": 1821

Fuenf Jahre spaeter verliebte sich der inzwischen zweiundsiebzigjaehrige
Dichter in die siebzehnjaehrige Ulrike von Levetzow (1804 - 1899),
die ihre Sommerferien mit ihrer Mutter und ihren beiden Schwestern
in Marienbad verbrachte und Goethe dabei erst kennengelernt hatte,
obwohl er bereits seit laengerer Zeit mit ihrer Mutter Amalie befreundet
war. 1823 liess Goethe ihr durch Herzog Carl August einen Heiratsantrag
ueberbringen, aber Ulrike von Levetzow hielt das zuerst fuer einen
schlechten Scherz und blieb zeitlebens unverheiratet. Ihren literarischen
Niederschlag fand Goethes unglueckliche Liebe zu ihr in der "Marienbader
Elegie".

Der junge Schriftsteller Johann Peter Eckermann (1792 - 1854) half seinem
Idol ab 1823 bei der Ausgabe seiner Werke und veroeffentlichte 1836 bis
1848 "Gespraeche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens". Nikolaus
Lenau (1802 - 1850) verglich Goethe und Eckermann spoettisch mit einer
Floete und einem Blasrohr, aber das ist wohl ebenso ueberzeichnet wie
die Annahme, die beiden haetten eine Freundschaft auf gleicher Augenhoehe
gepflegt.

"Faust. Der Tragoedie erster Teil", Urauffuehrung: 1829 [Verfilmung]
"Faust". Zweiter Teil: 1832 (Urauffuehrung: 1854)

Im Alter von zweiundachtzig Jahren starb Johann Wolfgang von Goethe am
22. Maerz 1832 in seinem Haus am Frauenplan in Weimar.

Literatur ueber Johann Wolfgang von Goethe

Peter Boerner: Johann Wolfgang von Goethe (Rowohlt-Bildmonographie)
Sigrid Damm: Christiane und Goethe (Insel Verlag) Anja Hofer: Johann
Wolfgang von Goethe (dtv portrait) Katharina Mommsen: Kein Rettungsmittel
als die Liebe. Schillers und Goethes Buendnis im Spiegel ihrer Dichtungen
Ruediger Safranski: Goethe & Schiller. Geschichte einer Freundschaft (Carl
Hanser Verlag) Astrid Seele: Frauen um Goethe (Rowohlt-Bildmonographie)
Die Beziehung Goethes zu Charlotte von Stein und Christiane Vulpius
wird in einem Kapitel des Buches "Verfuehrerische Frauen. 11 Portraets"
(Piper Verlag, Muenchen 2012) von Dieter Wunderlich dargestellt.

Philipp Stoelzl drehte mit Alexander Fehling in der Titelrolle den Film
"Goethe!", der am 14. Oktober 2010 in die Kinos kommen wird.

Originaltitel: Goethe - Regie: Philipp Stoelzl - Drehbuch: Alexander
Dydyna, Christoph Mueller - Kamera: Kolja Brandt - Schnitt: Sven Budelmann
- Musik: Ingo Frenzel - Darsteller: Alexander Fehling, Miriam Stein,
Moritz Bleibtreu, Volker Bruch, Burghart Klaussner, Henry Huebchen,
Hans-Michael Rehberg, Axel Milberg u.a. - 2010; 100 Minuten
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (frankfurt-interaktiv-de):

Biographie - Johann Wolfgang von Goethe Johann Wolfgang von Goethe
war ein Universalgenie. Er war gleichermassen Dichter, Schriftsteller,
Kunstkritiker, Philosoph, Naturwissenschaftler, Jurist und Staatsmann.

Goethe ist die Lichtgestalt der deutschen Literatur.

Er praegte Sturm und Drang sowie mit Schiller die Weimarer Klassik.

Er verfasste unzaehlige Gedichte, Dramen und Prosawerke.

Mit der Tragoedie Faust schuf Goethe ein Menschheitsdrama von zeitloser
Gueltigkeit und weltliterarischem Rang.

Goethe hat in seinem Leben viele Frauen geliebt. Sie waren ihm immer
auch Inspiration zu neuen Dichtungen.

Weniger bekannt waren seine naturwissenschaftlichen Taetigkeiten, die
ihm zeitweise wichtiger als die literarische Arbeit erschienen. Goethe
entdeckte 1784 den Zwischenkieferknochen beim Menschen.

Biographie Johann Wolfgang Goethe (das "von" wurde ihm erst 1782
verliehen) wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren und
starb am 22. Maerz 1832 in Weimar.

Der Sohn des Kaiserlichen Rates Johann Kaspar Goethe und der Katharina
Elisabeth studierte ab 1765 auf Wunsch seines Vaters in Leipzig und
Strassburg Rechtswissenschaften.

Nach Abschluss seines Studiums im Herbst 1771 arbeitete Goethe als
Rechtsanwalt in Frankfurt.

Doch Goethe widmete sich lieber seinem ersten Drama und schrieb
einige Gedichte. Er arbeitete auch am kritischen Organ der
Sturm-und-Drang-Bewegung, den "Frankfurter gelehrten Anzeigen" mit.

Mit seinem ersten Roman "Die Leiden des jungen Werthers" und dem Drama
"Goetz von Berlichingen" (beide 1774 erschienen) gelang dem 24-jaehrigen
Goethe der literarische Durchbruch.

1775 folgte er dem Ruf des jungen Herzog Carl August an den Weimarer
Hof, wo er politische Aufgaben (im Finanzwesen, Berg- und Wegebau)
uebernahm. Spaeter bekam er die Leitung des Theaters und die Aufsicht
ueber das Bildungswesen angetragen.

In Weimar freundete Goethe sich mit Charlotte von Stein (1742-1827) an,
der er im Lauf der Jahre mehr als achthundert Briefe schrieb.

1776 erfolgte die Ernennung zum Geheimen Legationsrat, 1779 zum Geheimen
Rat und 1782 wurde Goethe durch Kaiser Joseph II. geadelt.

Im September 1786 unternahm er seine erste Italienreise. In Rom besuchte
er die Maler Tischbein (der eines der beruehmtesten Portraets des Dichters
"Goethe in der Campagna" malte) und Kauffmann.

Erst im Juni 1788 kehrte Goethe nach Weimar zurueck, wo er sich mit
Christiane Vulpius verlobte, die er 1806 auch heiratete.

Von den fuenf Kindern aus dieser Verbindung ueberlebte nur der
erstgeborene August (1789-1830).

Goethe gab alle Staatsaemter bis auf die Leitung des Hoftheaters auf. 1790
folgte seine zweite Italienreise.

Die Zeit danach ist gepraegt durch die Zusammenarbeit mit Schiller. Die
beiden entwickelten einen Stil, der als Weimarer Klassik bekannt wurde.

Nach dem Tod Herders, Schillers und Wielands knuepfte Goethe neue
Freundschaften, u.a. zu Humboldt, und beschaeftigte sich mit Fichtes
Transzendentalphilosophie.

1804 wurde Goethe zum Wirklichen Geheimen Rat ernannt.

Auf dem Erfurter Fuerstenkongress lernte Goethe 1808 Napoleon kennen. Im
gleichen Jahr gab er den ersten Teil des Faust heraus.

1812 begegnete er bei einem Kuraufenthalt in Karlsbad den Komponisten
Beethoven.

1815 unternahm Goethe ausgedehnte Reisen ins Rhein-Main-Gebiet. Die Zeit
vom 12. August bis 17. September 1815 verbrachte er mit der verheirateten
Marianne von Willemer in Frankfurt.

Im Dezember 1815 wird Goethe mit dem Amt eines Staatsministers betraut.

Nach dem Tod seiner Frau Christiane (6. Juni 1816) zog sich Goethe vom
Weimarer Gesellschaftsleben zurueck und wendete sich seinen Werken zu.

Das letzte Lebensjahrzehnt verbrachte Goethe mit der Arbeit an "Wilhelm
Meisters Wanderjahren", der "Italienischen Reise", seiner Autobiographie
"Dichtung und Wahrheit", und vor allem an Faust, der Tragoedie zweiter
Teil, welche er 1831 beendete.

Am 22. Maerz 1832 verstarb Johann Wolfgang von Goethe im Alter von 82
Jahren. Seine letzten Worte sollen "Mehr Licht!" gewesen sein.

Am 26. Maerz wurde er neben Schiller in der Weimarer Fuerstengruft
beigesetzt.

Seine bedeutendsten Werke: Goetz von Berlichingen (1774) Die Leiden
des jungen Werther (1774) Iphigenie auf Tauris ((1786) Egmont (1788)
Torquato Tasso (1789) Wilhelm Meisters Lehrjahre (1796) Faust, 1. Teil
(1806) Dichtung und Wahrheit (Erinnerungen Teil 1-3 1811-13, 1830 Teil 4)
Italienische Reise, erster und zweiter Teil (1816) Westoestlicher Divan
(1819) Wilhelm Meisters Wanderjahre (1829) Faust, 2. Teil (1831) Im
Internet unter Projekt Gutenberg sind viele der Werke Goethes zu finden.

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Gedichte, Dramen und Prosawerke.
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (gedichte-xbib-de):

Goethe - Biografie & Lebenslauf
 
 Johann Wolfgang von Goethe (*
28. August 1749 in Frankfurt am Main als J. W. Goethe; † 22. Maerz
1832 in Weimar; auch Goethe) ist als Dichter, Theaterleiter,
Naturwissenschaftler, Kunsttheoretiker und Staatsmann der bekannteste
Vertreter der Weimarer Klassik. Als Verfasser von Gedichten, Dramen
und Prosa-Werken gilt er als der groesste deutsche Dichter und ist eine
herausragende Persoenlichkeit der Weltliteratur.
 
 Herkunft und Jugend
(1749-1765)
 
 Goethes Vater, Johann Caspar Goethe (* 1710; † 1782),
war im kaiserlichen Rat vertreten. Er ging zunaechst auf eine der besten
Schulen des Landes, auf das Gymnasium Casimirianum in Coburg, hatte in
Leipzig Rechtswissenschaften studiert, am Reichskammergericht in Wetzlar
gearbeitet, Reisen nach Rom und Paris unternommen, und sich schliesslich
in seiner Vaterstadt Frankfurt niedergelassen, wo die Familie in einem
geraeumigen Haus am Grossen Hirschgraben lebte. Er ging dort seinen
Neigungen und Interessen nach; so widmete er sich der Zusammenstellung
eines Naturalienkabinetts und der Sammlung von Gemaelden.
 
 
  Goethe (Gedichte)
 Reisezehrung
 Maechtiges Ueberraschen
 Sie kann nicht enden
 Reineke
 Fuchs - VII. Gesang
 Reineke Fuchs - X. Gesang 2
Weitere Texte von Goethe "
 
 Goethes Mutter Catharina Elisabeth Goethe
(* 1731; † 1808) war eine geborene Textor. Die Tochter des Frankfurter
Buergermeisters hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe
geheiratet.
 
 Ausser der am 7. Dezember 1750 geborenen Schwester Cornelia
Friderike Christiana starben alle anderen Geschwister frueh. 1758
erkrankte Goethe an den Blattern (Pocken).
 
 Goethe wurde von seinem
Vater und durch Privatlehrer unterrichtet; auch erhielt er Unterricht
im Reiten und Fechten.
 
 Schon frueh interessierte er sich fuer die
Literatur, wobei er sein Augenmerk zunaechst auf Friedrich Gottlieb
Klopstock und Homer richtete. Mit 14 Jahren bewarb er sich bereits um
die Mitgliedschaft in der Arkadischen Gesellschaft zu Phylandria. Auch
begeisterte er sich fuer das Theater - so besuchte er waehrend der
franzoesischen Besetzung 1759 haeufig das franzoesische Theater im
Junghof. 1763 erlebte er ein Konzert des damals 7 Jahre alten Mozart.
 
Am 30. September 1765 verliess er Frankfurt, um in Leipzig das Studium der
Rechte aufzunehmen.
 
 Studium und Geniezeit (1765-1775)
 
 Von 1765 bis
1768 studierte Goethe in Leipzig. Er hoerte dort die Poetikvorlesung von
Christian Fuerchtegott Gellert und nahm an dessen Stiluebungen teil. Auch
nahm er Zeichenunterricht bei Adam Friedrich Oeser, dem Direktor der
Leipziger Akademie. Er verliebte sich in Kaethchen Schoenkopf und besang
diese Liebe in heiter-verspielten Versen in der Tradition des Rokoko
(Gedichtzyklus Annette).
 
 Auerbachs Keller und die dort beheimatete
Sage von Fausts Fassritt 1525 beeindruckten ihn so sehr, dass er spaeter
Auerbachs Keller als einzigen konkret existierenden Ort in sein Drama
Faust I aufnahm. - Ein Blutsturz zwang ihn, das Studium abzubrechen und am
28. August 1768 nach Frankfurt zurueckzukehren.
 
 Frankfurt/Strassburg
(1768-1770)
 
 Eine eineinhalbjaehrige, von manchen Rueckfaellen
unterbrochene Genesungszeit folgte. Waehrend der Rekonvaleszenz wurde er
liebevoll von Mutter und Schwester umsorgt. Eine Freundin der Mutter,
Susanne von Klettenberg, brachte ihn mit pietistischen Vorstellungen
in Beruehrung.
 
 Im April 1770 verliess er Frankfurt, um dem Wunsch
seines Vaters entsprechend in Strassburg sein Studium zu beenden.
 
 In
Strassburg lernte er Friederike Brion, eine Pfarrerstochter, kennen. Ihr
widmete er einige Gedichte, darunter z. B. "Willkommen und Abschied",
"Sessenheimer Lieder" und "Heidenroeslein".
 
 Frankfurt und Darmstadt
(1771) und dann nach Wetzlar (1772)
 
 Am 31. Aug. 1771 wurde Goethe in
Frankfurt als Advokat zugelassen. Damals stand er in Verbindung mit dem
Darmstaedter Hof, der der Empfindsamkeit huldigte; aus diesem Kreis sind
Schlosser und Johann Heinrich Merck hervorzuheben.
 
 Am 10. Mai 1772
ging Goethe zum Abschluss der juristischen Ausbildung als Referendar
an das Reichskammergericht in Wetzlar. Er war vom 25. Mai desselben
Jahres an Rechtspraktikant am Reichskammergericht. Seine Grosstante,
Frau Hofrat Susanne Cornelia Lange, die in Wetzlar lebte, vermittelte
ihm ein Haus, in dem er zusammen mit Jakob Heinrich Born, einem Bekannten
aus der Leipziger Studienzeit und Sohn des Buergermeisters von Leipzig,
wohnte. Nach der ungluecklichen Liebe zu Charlotte Buff verliess
Goethe Wetzlar am 11. September 1772 wieder.
 
 Er hatte gerade sein
Studium der Rechtswissenschaften abgeschlossen und wollte auf Draengen
seines Vaters Kenntnisse im Kameralrecht und in der Prozessfuehrung
sammeln. Goethes Vater hatte grosse Plaene mit seinem einzigen Sohn:
Sein Ziel war es, ihn zum Schultheissen in Frankfurt zu machen. Daher
hatte er seinen Sohn schon frueh mit Rechtsbuechern vertraut gemacht
und ihn viel auswendig lernen lassen.
 
 Es war nicht so, dass Goethe
das Praktikum am Reichskammergericht unwichtig gewesen waere. Er war
durchaus interessiert am Erscheinungsbild des Reichskammergerichtes,
da er hoffte, sich daraus ein Bild ueber die Zustaende im Reich machen
zu koennen. Er nahm Veraenderungen in der Rechtspraxis wahr und konnte
diese als Ganzes ueberschauen, war sich aber der Lueckenhaftigkeit
seiner Fachkenntnisse beim Studienabschluss bewusst. Goethe wollte
im Sinne von fortschrittlicher, humaner Rechtsprechung und Vollzug und
systematisch strukturierten und philosophisch begruendeten Gesetzen unter
Beruecksichtigung von psychischen und sozialen Faktoren arbeiten. Dies
laesst sich aus den erhaltenen 28 Akten des Advokaten Goethe ableiten.

 Dennoch besuchte er das Reichskammergericht sehr selten und nutzte
es kaum als Ausbildungsmoeglichkeit. Denn zum einen war er gegenueber
der Rechtspraxis skeptisch wegen der Korruption, die er als Ausdruck
der zerruetteten Verhaeltnisse in Deutschland sah. Diese hatte sein
Vater schon, als Goethe noch ein Kind war, angeprangert. Zum anderen
misstraute er dem Reichskammergericht und den Visitationen zwischen
1767 und 1776. Er glaubte wie viele andere junge Juristen, mit denen
er sich im Gasthof "Zum Kronprinzen" traf, nicht, dass diese etwas
verbessern koennten. Ausserdem behauptet Goethe spaeter, als er Dichtung
und Wahrheit niederschreibt, es habe sich schon in seiner Kindheit
gezeigt, dass er kaum aus Interesse an den Rechtswissenschaften Jurist
werden wollte, sondern vielmehr aus Reiselust.
 
 Nach dem Suizid des
Gesandtschaftssekretaers Karl Wilhelm Jerusalem Ende Oktober 1772 kehrte
Goethe vom 6. bis 10. November 1772 noch einmal fuer kurze Zeit nach
Wetzlar zurueck. Jerusalem war ein entfernter Bekannter von Goethe. Sein
Suizid war fuer Goethe der Ausloeser, seinen Roman Die Leiden des jungen
Werthers zu schreiben. Darin verbindet er die eigenen Erlebnisse mit
seiner angebeteten Charlotte Buff mit dem Schicksal Jerusalems, das er
in Gespraechen mit Personen, die kurz vor seinem Tod noch mit ihm zu tun
gehabt hatten, ergruendete. Der Roman wird ein grosser Erfolg und gilt
als literarische Initialzuendung der Empfindsamkeit und der Sturm und
Drang-Literatur. 1774 Lahnreise mit seinen Freunden Basedow und Lavater
nach Ehrenbreitstein. Im Anblick der Burg Lahneck: Geistesgruss.

 Weimar (1775-1805)
 
 1775-1776 betreibt Goethe einen intensiven
Briefwechsel mit Graefin Augusta Louise zu Stolberg-Stolberg, die in
dem adeligen Kloster zu Uetersen lebt.
 
 1776 tritt Goethe als Geheimer
Legationsrat in den Staatsdienst des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach
ein und bekam weitere politische Aufgaben. Er wohnte sechs Jahre in seinem
"Gartenhaus" (Goethes Gartenhaus), das der Herzog ihm schenkte und dessen
umliegenden Garten er als Parkgarten selbst plante und gestaltete. Diesen
"Garten am Stern" bezeichnete er spaeter in seinen Tagebuechern als
"untern Garten". Massgeblich beteiligt war er auch an der Planung des
Landschaftsgartens an der Ilm. Wollte, Gott haette mich zum Gaertner oder
Laboranten gemacht, ich koennte gluecklich sein schreibt er in seinem
Tagebuch.
 
 Er lernte die Hofdame Charlotte von Stein kennen. Zehn
Jahre lang verband die beiden eine innige Beziehung.
 
 1779 wird er
zum Geheimrat befoerdert. Die Entscheidung, das Angebot des acht Jahre
juengeren Herzog Carl August in dem Weimarer Mini-Staat ein wichtiges
Amt anzunehmen, war eine fuer politische Reformtaetigkeit. Goethe war
innerhalb des Kabinetts verantwortlich fuer eine wachsende Zahl von
Zustaendigkeiten. Politik blieb - auch nach seinem Ausscheiden aus dem
Staatsdienst - ein Feld, dem er seine stetige Aufmerksamkeit schenkte.

 In diesen Jahren begann er sich intensiv mit der Naturwissenschaft zu
beschaeftigen.
 
 Am 23. Juni 1780 wird er als Lehrling in die Weimarer
Freimaurerloge Anna Amalia zu den drei Rosen aufgenommen. Der Meister vom
Stuhl, Staatsminister Jakob Friedrich Freiherr von Fritsch, sah Goethe mit
Skepsis und uebergab daher den Hammer an Johann Christoph Bode. Er dachte
sogar wegen Goethes Ernennung zum Geheimrat an Ruecktritt von seinem Amt
als Staatsminister. Zum Gesellen wird Goethe am 23. Juni 1781 befoerdert,
am 2. Maerz 1782 zum Meister erhoben. Wenige Wochen nach dieser
Erhebung musste die Loge Amalia ihre Arbeit einstellen, da es in der
Freimaurerei in dieser Zeit zu Zerwuerfnissen kam.
 
 Der Herzog
vermietete ihm 1782 dann ein Haus am Frauenplan, das er ihm 1792
schliesslich schenkte. Hier lebte Goethe bis zu seinem Tod. Auch den
Garten am Frauenplan gestaltete der Dichter selbst. (1885, nach dem
Tod des letzten Enkels und Erben Goethes, wurde das Haus am Frauenplan
zum Nationalmuseum erklaert. Da nach dem Zweiten Weltkrieg sehr viel
zerstoert wurde, kam Karl Foerster nach Weimar und gestaltete den Garten
neu).
 
 Aufnahme in den Illuminatenorden am 11. Februar 1783 unter dem
Namen "Abaris", geworben von Johann Christoph Bode.
 
 1777 Erste Reise
in den Harz Am 10. Dezember ist er auf dem Brocken; dies gilt als die
erste Winterbesteigung dieses Berges. 1783 erfolgt die zweite Reise in
den Harz, im darauffolgenden Jahr 1784 die dritte und letzte Harzreise.

 1784 entdeckte er den Zwischenkieferknochen am menschlichen Schaedel.

 Reise nach Italien (1786-1788)
 
 Am 3. September 1786 verliess Goethe
fluchtartig die heimischen Gefilde. In Weimar war nur seinem vertrauten
Diener und Sekretaer Philipp Seidel sein Reiseziel bekannt. Goethe
gab sich in Italien unter dem Namen "Filippo Miller" aus. Die ersten
Briefe, welche Goethe nach Hause richtete, waren undatiert. Erst von
Rom aus gab er den Naechststehenden Nachricht ueber seine eigentlichen
Entschluesse und die Absicht, laengere Zeit in Italien zu bleiben.

 Seinen Aufenthalt in Italien beschreibt Goethe in der Italienischen
Reise. In Rom freundete er sich 1786 mit Heinrich Tischbein an, mit dem
er 1787 unter anderem nach Neapel reiste. Im selben Jahr entstand auch das
beruehmte Gemaelde Tischbeins, das Goethe als Reisenden in der roemischen
Campagna zeigt (siehe abgebildetes Detail). Auch Angelika Kauffmann lernte
er dort kennen. Goethe beschreibt seinen 15-monatigen Aufenthalt in der
"Hauptstadt der Welt" als Erfuellung eines Lebenstraumes - als "einen
zweiten Geburtstag, eine wahre Wiedergeburt". Er laesst sich als Kuenstler
von der Monumentalitaet der antiken Bauten inspirieren (Pantheon,
Kolosseum, Kaiserthermen u. a.)und studiert antike Skulpturen (Apoll
vom Belvedere, Herkules Farnese, Juno Ludovisi u. a.). Darueber hinaus
beschaeftigt er sich intensiv mit der italienischen Renaissance-Malerei
und bewundert neben Michelangelo vor allem Raffael als den Gipfel
der abendlaendischen Kunst und wahren Erneuerer der Antike. In den
"Roemischen Elegien" (1795) blickt der Begruender der deutschen
Klassik wehmuetig auf sein Rom-Erlebnis zurueck und aeussert den Wunsch
einst an der Pyramide des Cestius begraben zu werden. Damit macht er
deutlich, dass der Aufenthalt in Rom der entscheidende Anstoss fuer die
Entwicklung einer klassischen deutschen Dichtung war, die an die antike
Groesse anknuepft.
 
 1788 bis 1805
 
 Etwa ab dem 40. Lebensjahr muss
Goethe unbeweglich und steif gewesen sein. Er litt, wie sich spaeter
herausstellte, unter schweren Bandscheibenschaeden und Verwachsungen
mehrerer Brustwirbel.
 
 1795 begann seine Freundschaft mit Schiller, der
zuerst als Historieprofessor nach Jena gekommen war. Ihre Freundschaft
dauerte bis zu Schillers Tod 1805.
 
 1798 schrieb er die Elegie "Die
Metamorphose der Pflanzen".
 
 Nach 1805
 
 Im Jahr nach Schillers
Tod heiratete Goethe Christiane Vulpius, mit der er bereits seit 1789
zusammenlebte und mit der er den gemeinsamen Sohn August hatte.
 
 Am
Rande des Erfurter Fuerstenkongresses 1808 wurde Goethe von Napoléon
I. empfangen, der ihm das Kreuz der Ehrenlegion verlieh.
 
 1814
reiste Goethe in die Rhein- und Maingegenden. 1816 starb seine Frau
Christiane. 1817 begann er die "Geschichte seines botanischen Studiums"
"Zeitschrift Zur Naturwissenschaft ueberhaupt, besonders zur Morphologie"
(bis 1824).
 
 Freundschaft mit Kaspar Maria von Sternberg und Karl
Friedrich Zelter.
 
 Goethe starb am 22. Maerz 1832. Seine beruehmten
letzten Worte sollen "Mehr Licht!" gewesen sein. Er wurde am 26. Maerz in
der Fuerstengruft bestattet. Seine Grabrede hielt Johann Friedrich Roehr,
Generalsuperintendent in Weimar. (...)
 
 Naturwissenschaftliche Arbeiten

 
 In der Weimarer Zeit begann Goethe sich auch naturwissenschaftlich
zu beschaeftigen, vor allem auf dem Gebiet der Geologie und Botanik. Vor
allem in Italien suchte er seine "Urpflanze". Sein wissenschaftlicher
Ansatz als Botaniker: Alles ist Blatt und durch diese Einfachheit
wird die groesste Mannigfaltigkeit moeglich scheint heute allerdings
wissenschaftlich widerlegt. Er selbst betrachtete die Farbenlehre als
sein naturwissenschaftliches Hauptwerk. Aus physikalischer Sicht gilt
seine Farbenlehre heute als wenig naturwissenschaftlich; gerade zu diesem
Werk haben sich aber die bedeutendsten Physiker des 20. Jahrhunderts
geaeussert. In der Zoologie wurde er bekannt durch die Entdeckung des
Zwischenkieferknochens beim Menschenembryo, dessen Fehlen bis zu diesem
Zeitpunkt eines der wichtigsten Argumente gegen die Verwandtschaft des
Menschen mit den Affen war.
 
 Zu den naturwissenschaftlichen Spaetwerken
Goethes gehoert die Spiraltendenz der Vegetation (1831), in welcher er
aufzeigt, dass Lebendiges dazu tendiert, sich in Spiralen zu entfalten.
 
Mehr Beachtung als die Einzelergebnisse in Goethes naturwissenschaftlichen
Arbeiten fand die den Naturstudien zugrunde liegende Wissenschaftsmethodik
(Goetheanismus), die sich, anders als die Naturphilosophie der Romantik,
als empirisch (nicht spekulativ) versteht und die im Unterschied zum
positivistischen Empirismus den Menschen nicht als externen Beobachter,
sondern als innerhalb des Beobachteten und als zu diesem gehoerend
behandelt.
 
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Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfuegbar.
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (gedichtePortal-de):

Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28.August 1749 in Frankfurt/Main als
Sohn desKaiserlichen Rater Dr.jur. Johann Caspar Goethe und Catharina
Elisabeth geboren. Da seine Eltern grossen Wert auf eine gute Ausbildung
legten, bekam Goethe bereits im fruehen Alter Privatunterricht in
Latein, Griechisch, Englisch, Italienisch und Schoenschreiben. Ein
Jahr nach ihm kam seine Schweser Cornelia zur Welt. Im Jahre 1765
schrieb er sich in Leipzig zum Jurastudium ein und hoerte dort noch
zusaetzlich Vorlesungen in Philosophie und Philologie, unter anderem
auch bei Christian Fuerchtegott Gellert. Im Sommer 1768 erlitt er einen
Blutstur, im Winter gleichen Jahres litt er an einer schweren Krankheit
mit einer lebensgefaehrlichen Krise. 1770 wechselte er den Studienort
und siedelte daher nach Strassbur. Dennoch lag sein Interesse weniger im
juristischen Bereich, vielmehr besuchte er in erster Linie medizinische
Vorlesungen. 1771 promovierte er zum Lizentiaten der Rechte und zog
anschliessend nach Frankfurt, wo er als Rechtsanwalt zugelassen wurde. Im
April 1775 verlobte er sich mit Lili Schoenemann, doch nur ein halbes
Jahr spaeter wurde das Verloebnis wieder geloest. Im Juni 1777 starb
seine Schwester Cornelia, zwei Jahre spaeter wurde er zum Geheimen Rat
ernannt. Im April 1782 erhob Kaiser Joseph II. Goethe in den Adelsstand,
nur einen Monat spaeter starb sein Vater. Im Maerz 1784 entdeckte Goehte
in Jena den Zwischenkieferknochen am menschlichen Obergebiss. Im Jahr
darauf begann er ein Studium der Botanik. Im September 1788 kam es
in Rudolstadt zu einer ersten Begegnung zwischen Goethe und Friedrich
Schiller. Ein Jahr spaeter wurde sein Sohn Julius August Walther geboren,
weitere vier Jahre spaeter folgte die Tochter Caroline, die jedoch
nur kurze Zeit lebte.Im Maerz 1798 kreuzten sich die Wege von Goethe
und Novalis. 1801 erkrankte er an Gesichtsrose. Zwei Jahre danach kam
seine Tochter Kathinka zur Welt, doch wie seine erste Tochter lebte auch
sein drittes Kind nur kurze Zeit. 1804 ernannte man ihn zum Wirklichen
Geheimen Rat mit dem Praedikat Exzellenz. Im folgenden Jahr machte ihm
mehrmals eine Nierenkolik sehr zu schaffen. Im Oktober 1806 heiratete er
Christiane Vulpius. 1808 starb Goethes Mutter. Im Dezember 1815 wurde
er zum Staatsminister ernannt. Ein halbes Jahr spaeter starb seine
Frau Christiane nach schwerer Krankheit. Er selbst erkrankte 1823 an
einer Herzbeutel- und Rippenfellentzuendung. Im Oktober 1830 starb sein
Sohn August, Goethe erlitt nur einen Monat spaeter einen Blutsturz. Am
22.Maerz 1832 starb Goethe nach einwoechiger Krankheit.
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (goethezeitportal-de):

Kuenstler- und Denkerenzyklopaedie
 
 Johann Wolfgang von Goethe
(1749-1832)
 
 
 1749-1765: Kindheit in Frankfurt
 
 Johann Wolfgang von
Goethe wird am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren. Die Jahre
1749 bis 1765 sind Zeiten wohlbehueteter Kindheit und vielseitiger
Ausbildung. Goethe wird als Sohn einer wohlhabenden, lutherischen
Familie in eine Welt der Traditionen hineingeboren. Der Vater laesst
seine Kinder reichhaltig, umfassend, vieles aber nur kurz anreissend
ausbilden. Ziel ist eine universale Bildung, die alle Bereiche der
Kuenste und Wissenschaften, mehrere Sprachen und Musikunterricht
fuer Klavier und Cello umfasst. Spaeter kommt noch Tanz-, Fecht-
und Reitunterricht auf die Kinder zu. Aber es gibt auch Theater-
und Konzertbesuche.
 
 
 
 1765-1768: Leipziger Studienjahre
 
 Im
Oktober 1765 kommt Johann Wolfgang von Goethe zum Jura-Studium nach
Leipzig. Das Studium betreibt er halbherzig. Mit einem stattlichen
Budget von 1000 Talern jaehrlich fuehrt er ein gesellschaftliches
Leben. Gottsched und Gellert lehren zu dieser Zeit in Leipzig. Goethe
befasst sich lieber mit Theologie, Naturwissenschaft und Medizin,
geht ins Theater, lernt radieren, kupferstechen und zeichnen bei Adam
Oeser, einem Freund Winckelmanns. Goethe verliebt sich in Anna Katharina
(Kaethchen) Schoenkopf.
 
 
 
 1768-1770: Frankfurter Intermezzo
 
 Nach
einer schwerer Krankheit kehrt Goethe Ende August 1768 nach Frankfurt
zurueck. Erst im Winter 1769 fuehlt er sich wieder einigermassen
gesund. In dieser Zeit ist Goethe auf der Suche, er besitzt keine feste
Orientierung. Sein Studium ist noch nicht beendet und auch der Wunsch des
Vaters nach einer Promotion noch nicht erfuellt. Insofern kann Frankfurt
nur eine Zwischenstation sein. In diesen Monaten pflegt der kranke und
genesende Goethe nicht nur den Umgang mit Pietisten wie Susanna von
Klettenberg (1723-1774), sondern studiert hermetische Schriften und
setzte alchimistische Versuche an. Ausserdem zeichnet und radiert er
weiter.
 
 
 
 1770-1771: Strassburg
 
 Ostern 1770 zieht der wieder
genesene Goethe zur Fortsetzung des Studiums nach Strassburg. Nach
nur einem Semester legt er das Kandidatenexamen ab, das eigentliche
Studium ist damit abgeschlossen. Im Sommer 1771 beginnt er mit der
Promotion. Diese wird jedoch von der Fakultaet abgelehnt. Er darf sich
danach in einer oeffentlichen Disputation von juristischen Thesen um
den Grad eines Lizentiaten bewerben. Dieser Titel galt eben so viel wie
der Titel eines Doktor juris. Goethe erwarb ihn mit dem Praedikat "Cum
applausu". Mehr interessieren ihn in dieser Zeit jedoch medizinische,
botanische, theologische und philosophische Studien. Vor allem die Chemie
ist seine "heimliche Geliebte".
 
 Anfang September 1770 trifft Johann
Gottfried Herder in Strassburg ein. Goethe besucht ihn oft. Der um fuenf
Jahre aeltere Herder erkennt Goethes Begabung und begeistert ihn fuer
Natur- und Volkspoesie, fuer Homer, Ossian und Shakespeare. "Gross und
bedeutend" nennt Goethe rueckblickend Herders Einfluss. Die beiden sollte
eine lebenslange Freundschaft verbinden. Zur gleichen Zeit verkehrt
der Student mit Heinrich Jung-Stilling (1740-1817) und Jakob Michael
Reinhold Lenz (1751-1792). Gepraegt ist die Strassburger Zeit aber durch
seine Liebe zu Friederike Brion (1752-1813). Goethe schrieb fuer sie
Gedichte, beispielsweise das "Mailied" und "Willkommen und Abschied".

 
 
 1771-1775: Wieder in Frankfurt
 
 Wieder in Frankfurt arbeitet
Goethe als Rechtsanwalt am dortigen Schoeffengericht. Im September
1771 legt der junge Anwalt den Advokateneid und auch den Eid als
Frankfurter Buerger ab. Nun stuende ihm eine Laufbahn offen, die auch
in repraesentative oeffentliche Aemter fuehren koennte. Goethe richtet
sich eine Kanzlei im Hause seiner Eltern ein und fuehrt Prozesse. Ende
1771 wird der "Goetz von Berlichingen" fertig, ein fuer den Sturm und
Drang vorbildliches Schauspiel.
 
 1772 beginnt Goethes eigentliche
schriftstellerische Laufbahn als Rezensent der Frankfurter Gelehrten
Anzeigen, dem bedeutenden publizistischen Organ des Sturm und Drang. Im
Mai 1772 schickt ihn der Vater nach Wetzlar ans Reichskammergericht. Auf
einem Ball in Volpertshausen lernt er Charlotte Buff kennen. Spaeter macht
er auch die Bekanntschaft ihres Verlobten Johann Christian Kestner. Das
Verhaeltnis der Drei wird durch Goethes Annaeherungsversuche getruebt
und im September verlaesst er daraufhin Wetzlar. Auf der Rueckreise
besucht er in Ehrenbreitstein Sophie La Roche und trifft dort deren
Tochter Maximiliane.
 
 Goethe schreibt den "Werther" im Februar und
Maerz des Jahres 1774. Es wird sein groesster internationaler Erfolg und
sein aufsehenerregendstes Buch. Darin eingegangen ist der Selbstmord
des Legationssekretaers Karl Wilhelm Jerusalem in Wetzlar. Dieser war
im Herbst 1772 an der Liebe zu einer verheirateten Frau zerbrochen. Mit
dem Erscheinen des "Goetz" und des "Werther" ist Goethe zur Symbolfigur
des Sturm und Drangs geworden. Unmittelbar nach dem "Werther" schreibt
er das Schauspiel "Clavigo". Ausserdem macht er Plaene fuer "Faust" und
"Egmont"
 
 Im Jahr 1775 verlobt er sich mit der Bankierstochter Anna
Elisabeth (Lili) Schoenemann, zu einer Heirat kommt es aber nicht. Im
Mai 1775 macht Goethe mit Friedrich Leopold (Fritz) und Christian Graf
zu Stolberg und Christian Graf von Haugwitz eine Bildungsreise in die
Schweiz. In Zuerich sind sie zu Gast bei dem Theologen Johann Caspar
Lavater, der Goethe seinerseits im Sommer 1774 in Frankfurt besucht
hatte. Nach der Rueckkehr nach Frankfurt loest Goethe die Verlobung mit
Lili.
 
 
 
 1775-1786: Weimar
 
 1774 hat Goethe Erbprinz Carl August von
Sachsen-Weimar-Eisenach (1757-1828) in Frankfurt kennen gelernt. Er laedt
Goethe an den Hof von Weimar ein und am 7. November 1775 kommt Goethe
dort an. Der Herzog stellt ihn in den Staatsdienst ein und bewilligt
ihm ein verhaeltnismaessig hohes Gehalt. Im Juni 1776 beruft der Herzog
Goethe als Geheimen Legationsrat in den Geheimen Conseil, die Zentrale
der Landesregierung. Drei Jahre spaeter uebernimmt Goethe die Weimarer
Kriegskommission und die Direktion des Wegebaus. Als Dreissigjaehriger
wird er zum Geheimen Rat ernannt. 1782 macht ihn der Fuerst zum Leiter
der Finanzkammer.
 
 Goethe beginnt eine Liebesbeziehung mit Charlotte
von Stein (1742-1827). 1782 zieht Goethe vom beruehmten Gartenhaus in
das Haus am Frauenplan in Weimar. Im gleichen Jahr wird er von Kaiser
Joseph II. in den Adelsstand erhoben. Er entdeckt sein Interesse fuer
Geologie und Mineralogie. In dieser Zeit unternimmt Goethe Reisen
nach Duesseldorf, in den Harz, nach Berlin, Frankfurt, ins Elsass,
in die Schweiz, nach Goettingen und Kassel. Auch dienstlich ist er
mit dem Herzog unterwegs. Nach Leipzig, Berlin, in den Harz und an
andere saechsische Hoefe, nach Schlesien, Krakau und Czenstochowa
geht die Fahrt. Er pflegt Kontakte zu Wieland und Herder, der auf
Goethes Wunsch nach Weimar gerufen worden war.
 
 In den ersten elf
Weimarer Jahren veroeffentlicht er kaum etwas. Den "Wilhelm Meister"
faengt der Dichter an, "Egmont", "Iphigenie" und "Tasso" werden nicht
vollendet. Der "Faust" bleibt ein Fragment. Dafuer entstehen einige
seiner bekanntesten und beruehmtesten Gedichte: "Ueber allen Gipfeln
ist Ruh'", "Grenzen der Menschheit" und "Das Goettliche". Fuer das
Weimarer Liebhabertheater schreibt Goethe zahlreiche Stuecke, fuehrt
Regie und schauspielert.
 
 Im Herbst 1779 reist Goethe mit dem Herzog
in die Schweiz. Sie machen vier Tage in Goethes Vaterhaus in Frankfurt
Station. Auf dem weiteren Weg besucht er auch Friederike Brion in
Sesenheim und Lili von Tuerckheim in Strassburg. Goethe beginnt seine
Naturstudien, die alle auf den Menschen bezogen bleiben, so weit sie
sich auch mit den Gebieten der Botanik und Zoologie, Mineralogie und
Geologie, Farbenlehre und Wolkenkunde beschaeftigen. Er liest Linné's
"Philosophie der Botanik" und schreibt dem schwedischen Naturforscher
spaeter den groessten Einfluss nach Shakespeare und Spinoza zu. Im Maerz
1784 gelingt ihm, wie er glaubt, eine anatomische Entdeckung: das os
intermaxillare.
 
 Im Sommer 1785 begibt sich Goethe zum ersten Mal zur
Kur ins boehmische Karlsbad. Bis 1823 wiederholt er die Fahrt dorthin
sechszehnmal. Waehrend der zweiten Badereise plant Goethe bereits seine
"Flucht" nach Italien. Am 3. September 1786 setzt er den Plan in die
Tat um.
 
 
 
 1786-1788: Italien
 
 Die "Flucht" nach Italien fuehrte
Goethe ueber den Brenner, Trient, den Gardasee nach Verona, dann nach
Venedig, Padua und schliesslich Rom. Dort findet er Kontakt zu deutschen
Kuenstlern wie Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829), Angelika
Kauffmann (1741-1807) und Karl Philipp Moritz (1756-1793). Von Tischbein,
der auch Goethe-Tischbein genannt wird, stammt das Gemaelde "Goethe
in der Campagna" (1786-1788). Vier Monate dauert der erste Aufenthalt
in Rom. Dann reist Goethe am 22. Februar 1787 zusammen mit Tischbein
weiter nach Neapel. Bald darauf geht die Fahrt mit dem Landschaftsmaler
Christoph Heinrich Kniep weiter bis nach Sizilien. Im Mai kehren sie
ueber Neapel nach Rom zurueck. Hier beginnt am 7. Juni 1787 Goethes
zweiter Aufenthalt in Rom, der fast noch ein Jahr dauert. Er studiert die
alte Baukunst und die Bildende Kunst in Museen und Sammlungen. Goethe
ist in Italien aber nicht nur Kunstbetrachter, sondern er versucht,
sich selbst als Kuenstler weiterzubilden. Er zeichnet, aquarelliert und
lernt das Modellieren. Rund 850 Zeichnungen sind aus seiner italienischen
Zeit erhalten.
 
 Ebenfalls in dieser Zeit schreibt er die "Iphigenie"
in Verse um und bringt den "Egmont" zu Ende, arbeitet am "Tasso" und am
"Faust". Am 23. April 1788 bricht er mit Christoph Kayser zur Rueckreise
in den Norden auf. Sie reisen bis Juni ueber Siena, Florenz, Bologna,
Parma und Mailand. Durch die Schweiz und Konstanz, Nuernberg, Erlangen,
Bamberg, Coburg. Seine Darstellung der "Italienischen Reise" verfasst
er erst dreissig Jahre spaeter. Sie basiert auf dem "Reise-Tagebuch"
fuer Charlotte von Stein und auf Originalbriefen und -notizen.
 

 
 1788-1832: Weimar
 
 1788 kommt Goethe wieder in Weimar an. Der
Herzog, nicht boese ueber die Abwesenheit, gibt Goethes Neigungen nach,
entbindet ihn von den Regierungsgeschaeften, laesst ihm aber den Sitz
im Ministerrat und die Bezuege. Goethe ist nun eine Art Kulturminister
mit der Oberaufsicht ueber die Anstalten ueber Wissenschaft und Kunst,
beispielsweise die Universitaet Jena. Ab 1791 leitet Goethe dann auch
das neue Weimarer Hoftheater, ein Amt, das er bis 1817 inne hat.
 
Die Liaison mit Charlotte von Stein wird nicht wieder aufgenommen,
sondern Goethe beginnt ein Verhaeltnis mit Christiane Vulpius.
 
 Der
Minister Goethe verfolgt die Geschehnisse der Franzoesischen Revolution
mit Interesse und setzt sich beispielsweise in den "Revolutionsdramen",
der Novellensammlung "Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten" (1795)
und dem Versepos "Hermann und Dorothea" (1797) damit
auseinander. Zunehmend beschaeftigt sich Goethe mit den
Naturwissenschaften. Sein Interesse gilt der Anatomie, Botanik,
Mineralogie, Optik und der Farbentheorie.
 
 1790 besucht Goethe zum
zweiten Mal Italien. Er reist bis Venedig der Herzogenmutter entgegen,
doch seine Begeisterung fuer das Land ist verflogen. 1792 zieht er mit
Carl August nach Frankreich, um am Krieg Oesterreichs und Preussens
gegen die Revolutionsregierung teilzunehmen. Das Erlebnis wird in der
Schrift "Die Kampagne in Frankreich" erlaeutert.
 
 1794 beginnt die
Freundschaft mit Friedrich Schiller, die beide zu produktiver Arbeit
anregt. 1805 erkranken sowohl Goethe als auch Schiller schwer. Am 9. Mai
des gleichen Jahres stirbt Schiller, Goethe, der selbst unter heftigen
Nierenkoliken leidet, ist erschuettert. Am 13. April 1806 protokollierte
er dann im Tagebuch: "Schluss von Fausts I. teil". Damit erfuellt er
noch einen Wunsch Schillers. Im Januar 1795 kommt der erste Band von
"Wilhelm Meisters Lehrjahre" heraus.
 
 Auf der dritten Schweizer Reise
1797 machte Goethe in seiner alten Heimatstadt Frankfurt Station und
liess auch Christiane und seinen Sohn nachkommen, um sie der Mutter
vorzustellen. Immerhin hat er vor der Reise seine Familie testamentarisch
abgesichert. Diese Reise in die Schweiz war die letzte groessere Reise
Goethes.
 
 Goethe hielt sich nun oft in Jena auf. Dort verliebte er sich
im Winter 1807 ungluecklich in Wilhelmine (Minchen) Herzlieb (1789-1865),
Pflegetochter des Buchhaendlers Frommann. In diese Zeit fallen die
"Sonette", die "Wahlverwandtschaften" und seine "Farbenlehre". Im Oktober
1808 wird Goethe waehrend des Erfurter Fuerstenkongresses von Napoleon
empfangen. Spaeter erhaelt er das Kreuz der Ehrenlegion.
 
 1811 beginnt
er mit der Niederschrift seiner Kindheitserinnerungen, die er "Dichtung
und Wahrheit" nennt. Dazu faehrt er im Sommer 1814 und im Fruehjahr 1815
noch einmal in die Gegenden rund um Rhein und Main, in denen er seine
Kindheit und Jugend verbracht hat. Auf einer dieser Reisen verliebt er
sich in Marianne Jung (1784-1860), die spaeter den Bankier und Geheimen
Rat in Frankfurt, Johann Jakob von Willemer, heiratet. Diese Begegnung
inspiriert Goethe zu den Liebesgedichten im "West-oestlichen Diwan".

 1815 wird das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach durch Beschluss des
Wiener Kongresses Grossherzogtum. Goethe bekleidet damit das Amt eines
Staatsministers. Im Sommer 1821 faehrt Goethe zur Kur nach Marienbad und
lernt dort die 17-jaehrige Ulrike von Levetzow kennen. 1817 verzichtet
Goethe auf das Frankfurter Buergerrecht. Seit dem Wiener Kongress
durfte das Vermoegen bei Aufgabe des Buergerrechts ausgefuehrt werden,
ohne den "Zehnten Pfennig" zu zahlen. Goethe entgeht zudem der gerade
beschlossenen Einkommenssteuer. Zuvor hat er auch ein Stellenangebot aus
Frankfurt ausgeschlagen: Nach dem Tod seines Onkels, des Schoeffen Textor,
wollte man ihm dort die Stelle eines Ratsherrn anbieten.
 
 In den letzen
beiden Lebensjahrzehnten beschaeftigt Goethe die Sekretaere Friedrich
Wilhelm Riemer (1774-1845) ab 1814 und ab 1823 Johann Peter Eckermann
(1792-1854). Dieser spornt Goethe zur Arbeit am zweiten Teil des "Faust"
an, den der Dichter daraufhin zwischen 1825 und 1831 vollendet. Aber
er moechte das Werk zu seinen Lebzeiten nicht mehr veroeffentlichen,
sondern uebergibt es seinen Nachlassverwaltern. In seinem Haus am
Frauenplan kuemmert sich Schwiegertochter Ottilie bis zu seinem Tod um
ihn.
 
 Am 22. Maerz 1832 stirbt der grosse deutsche Dichter und wird
in der Fuerstengruft zu Weimar beigesetzt.
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (johann-wolfgang-goethe-de):

KINDHEIT, JUGEND UND STUDIUM
 
 1749
 Johann Wolfgang Goethe wird
am 28. August in Frankfurt am Main geboren. Mutter Catharina
Elisabeth stammt aus der Juristenfamilie Textor, die ebenfalls
in Frankfurt ansaessig ist. Sein Vater Johann Caspar ist der Sohn
eines vermoegenden Modeschneiders und unterrichtet Goethe spaeter in
Eigenregie. Der als streng geltende Jurist und Privatier besitzt ueber
2.000 Buchbaende und sammelt Kunstwerke und Naturalien, darunter auch
italienische Stiche. Goethes Italien-Faszination laesst sich auch darauf
zurueckfuehren.
 Goethe hat fuenf Geschwister, doch nur Schwester Cornelia
und er ueberleben das Kindesalter. Cornelia stirbt mit 26 Jahren als
Ehefrau des Juristen Johann Georg Schlosser. Goethes Familie ist fromm und
praktiziert den christlichen Glauben.
 1756 - 1763
 Siebenjaehriger Krieg:
Frankfurt wird von den Franzosen besetzt, der ranghoechste Offizier wird
in Goethes Elternhaus einquartiert. Daher hat Goethe sein Faible fuer
den Typus des gebildeten Offiziers.
 
 
 
 1765 - 1767
 Goethe studiert
auf Wunsch des Vaters Jura in Leipzig, damals "Klein Paris” genannt. Er
trifft Adam Friedrich Oeser, Maler und Leiter der "Zeichnung- Malerey-
und Architectur-Academie”, bei dem er Zeichenunterricht nimmt und ueber
den er die Schriften Johann Joachim Winckelmanns kennen lernt, die Goethes
Aesthetik stark beeinflussen.
 1767
 Erste grosse Veroeffentlichung:
"Annette” mit 19 Gedichten ueber die damals 19-jaehrige Anna Katharina
Schoenkopf ("Kaethchen”) mit der er 2 Jahre bis 1768 zusammen war. In
einer psychischen sowie gesundheitlichen Krise verbrennt Goethe einen
Grossteil seiner bisherigen Dichtungen, weil er an seinem dichterischen
Talent zweifelt.
 1767/1768
 "Die Laune des Verliebten”, ein Schaeferspiel
in Versen, entsteht.
 1768
 Im Juli erleidet Goethe einen Blutsturz und
eine Lungenaffektion. An seinem 19. Geburtstag verlaesst Goethe Leipzig
und kehrt nach Frankfurt zurueck, im Dezember wird Goethe sterbenskrank
aufgrund seiner in Leipzig ausgebrochenen Krankheit. Er vertieft sich
in die Religion (auch alchemistische Schriften).
 Zeitgleich entstehen
das erste seiner Mondgedichte namens "An den Mond” (spaeter: "An Luna”)
sowie sein erstes Lustspiel "Die Mitschuldigen”.
 1770
 Goethe setzt
Anfang April sein Jura-Studium in Strassbourg fort und erhaelt den
dem Doktortitel fast ebenbuertigen Grad des Licentiatus Juris. Weil
er in seiner Doktorarbeit ketzerische Aussagen getroffen haben soll,
bleibt ihm der echte Doktortitel versagt.
 Im September lernt er Johann
Gottfried Herder - Kunst- und Literaturtheoretiker - kennen, der ihn stark
beeinflusst.
 Im Herbst lernt Goethe im Elsass in Sesenheim Friederike
kennen, die Tochter des Landgeistlichen Brion, und verliebt sich in
sie. Er verfasst die Sesenheimer Lieder.
 
 STURM UND DRANG
 
 1771
Kurz vor seinem 22. Geburtstag kehrt Goethe nach Frankfurt zurueck und
richtet im Elternhaus eine Kanzlei ein. Vier Jahre lang arbeitet er aktiv
als Jurist, betreut dabei aber nur wenige Faelle.
 Im November/Dezember
schreibt er innerhalb von sechs Wochen das Drama "Goetz von Berlichigen”
(urspr. "Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand”),
ein Werk, das die Normen des Klassizismus sprengt. Unter Ruecksicht
auf die Konventionen entschaerft Goethe die Fassung, die trotzdem als
Revolution empfunden wird. Das gefaellt in erster Linie den juengeren
Poeten, das Stueck gilt somit als dramatisches Gruendungsdokument des
Sturm und Drang.
 1772
 Goethe macht auf Draengen seines Vaters hin ein
Praktikum am Reichskammergericht in Wetzlar und lernt das Paar Charlotte
Buff und Johann Christian Kestner kennen. Er verliebt sich in Charlotte
und verlaesst Wetzlar nach einigen Monaten. Die Liebe zu der Verlobten
seines Kollegen Kestner und andere Erfahrungen sind die Grundlage fuer
Goethes Briefroman "Die Leiden des jungen Werther”.
 Goethe kehrt nach
Frankfurt zurueck und erlebt dort eine kreative Hochphase, in der er
unter anderem "Prometheus” verfasst.
 
 
 
 1773
 Entstehungsphase des
sogenannten "Urfaust”, der von Goethe selbst nicht veroeffentlicht wird.
1774
 Veroeffentlichung des innerhalb von vier Wochen geschriebenen
Briefromans "Die Leiden des jungen Werther”, der als Sinnbild fuer den
durch eine unerfuellte Liebe in den Selbstmord getriebenen, in seinem
Gefuehlsueberschwang an einer widerstaendigen Umwelt zerbrechenden
Schwaermer steht. Der Roman kommt bei der Bevoelkerung sehr gut an,
man kann sich mit Werther identifizieren.
 Im Mai: Veroeffentlichung von
"Clavigo”, "Stella” und "Schauspiel fuer Liebende”. In der urspruenglichen
Fassung von Stella geht die Hauptfigur Fernando ein Dreiecksverhaeltnis
mit Stella und Caecilie ein, was das Publikum so schockiert, dass Goethe
spaeter den Schluss durch ein tragisches Ende ersetzt. "Clavigo” stellt
Goethes erstes zeitgenoessisches Theaterstueck dar.
 
 MINISTERZEIT IN
WEIMAR
 
 1775
 Goethe erschafft die Singspiele "Erwin und Elmire” und
"Claudine von Villa” als Adaption auslaendischer Opernformen.
 Herzog Carl
August von Sachsen-Weimar-Eisenach laedt Goethe nach Weimar ein.
 1776
im Juni wird Goethe gegen den Widerstand von Seiten des Adels Mitglied
des obersten Regierungsgremiums des Herzogs, dem "Conseil” (1815 wird
dies durch das Grossherzogliche Staatsministerium ersetzt) und danach,
um weiteren Schwierigkeiten vorzubeugen, in den Adelsstand erhoben.
Goethe versucht, auf den Herzog einzuwirken, die Staatsausgaben unter
die -einnahmen zu druecken, zum Beispiel durch Reduzierung der Truppen
um die Haelfte.
 
 
 
 1777
 Veroeffentlichung des Gedichts "Harzreise im
Winter”, in dem sich Goethes Spaltung zwischen Dichterberuf und amtlicher
Praxis widerspiegelt.
 In diesem Jahr begegnet Goethe ausserdem Charlotte
von Stein. In der Beziehung zu ihr sieht Goethe das Streben nach in der
Liebe erfahrener Wahrheit.
 1779
 Goethe veroeffentlicht die Prosafassung
der "Iphigenie auf Tauris”, in deren Theaterauffuehrung er selbst den
Orest spielte.
 1780
 Er beginnt seine Naturforschungen, auf die spaeter
Goethes Abhandlungen ueber die Natur folgen.
 1782
 Goethe wird vom Herzog
zum Kammerpraesidenten (Finanzminister) ernannt, in der Hoffnung, den
Staatshaushalt weiter zu konsolidieren. Er foerdert die Landwirtschaft,
ist in der Kriegskommission, der Wege- und Wasserbaudirektion sowie der
Bergwerkskommission taetig.
 1783
 Goethe trifft Herder wieder, eine
Freundschaft entwickelt sich.
 Im Gedicht "Ilmenau” beschreibt Goethe das
Leben des Herzogs Carl August - vom zuegellosen Jugendtreiben zum jetzigen
Wirken im Interesse des Landes.
 1784
 In diesem Jahr entsteht der Aufsatz
"Ueber den Granit in Verbundenheit” zu seinen naturwissenschaftlichen
Forschungen.
 
 GOETHE IN ITALIEN
 
 1786
 Goethe konzentriert sich
mehr auf den kulturpolitischen Bereich, bleibt jedoch Berater fuer den
Herzog. Er beaufsichtigt die Universitaet Jena.
 Goethe resigniert
in Anbetracht des Nichterreichens der gesteckten Ziele in Weimar,
sieht die Preisgabe seines poetischen Talents zugunsten der amtlichen
Taetigkeit als fragwuerdig und fluechtet am 3. September in Absprache
mit dem Herzog nach Rom. Damit leitet Goethe die Weimarer Klassik ein.
1787
 Im Februar 1787 zieht Goethe weiter nach Neapel, setzt im Maerz
nach Sizilien ueber und kehrt im Juni nach Rom zurueck.
 Waehrend seiner
Italien-Reise trifft er Johann Heinrich Meyer und Karl Philipp Moritz,
es entstehen nur wenige neue Werke. Goethe arbeitet an vorher in Weimar
angefangenen Werken, z.B. der Versform der "Iphigenie auf Tauris”,
"Torquato Tasso” sowie "Faust” und schliesst "Iphigenie auf Tauris” und
"Egmont” (Prosa, 12 Jahre der Entstehung) ab. In "Iphigenie auf Tauris”
kommt Goethes Grundueberzeugung zum Ausdruck, dass allein Wahrheit
Friede sei und beides im Weiblichen begruendet sei.
 
 
 
 1788
 Im
Juni kommt Goethe nach zweimonatiger Reise wieder in Weimar an und
erklaert dem Herzog, er haette sich selbst als Kuenstler, als Dichter
wiedergefunden, waere wiedergeboren. Nach seiner Rueckkehr nach Weimar
wird er seiner bisherigen Aemter enthoben.
 Goethe lernt die buergerliche
Christiane Vulpius kennen, Schwester des Schriftstellers Christian August
Vulpius. Aufgrund von Goethes Adelsstand wird die Verbindung von Goethe
zu Christiane Vulpius als Missstand angesehen. In dieser Zeit entstehen
auch die "Erotica Romana”, deren Freizuegigkeit auch von engen Freunden
Goethes wie Charlotte von Stein und Herder kritisiert wird.
 1789
 Im
Sommer 1789, kurz vor Ausbruch der Franzoesischen Revolution, vollendet
Goethe "Torquato Tasso” (klassisches Drama, erstes echtes Dichterdrama).
1790
 1790 folgt eine weitere unfreiwillige Italienreise, bei der Goethe
der aus Italien zurueckkehrenden Herzogin Anna Amalia entgegenreist. Es
entstehen die 1795 publizierten "Venetianischen Epigramme”. Diese
beschreiben im Gegensatz zur ersten Italienreise die Schattenseiten
Italiens und beschaeftigen sich mit der Franzoesischen Revolution.
 Goethe
widmet sich wieder verstaerkt den Naturwissenschaften und schreibt den
"Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren”.
 Goethe glaubt,
die Farbenlehre Newtons widerlegt zu sehen, weil er beim Blick durch
ein Prisma keine Zerlegung in Farben erkennen kann, wie Newton es
beschrieben hatte. Er uebersieht, dass diese Farben sich allerdings auf
weissem Papier wieder zu weiss vereinen. Goethe sieht das Licht als das
Goettlich-Eine, Farben entstuenden durch das Zusammenspiel von hell und
dunkel. Er konzentriert sich auf die subjektive Wahrnehmung der Farben
und beeinflusst mit seinen Theorien die romantischen Poeten sowie
die Maler seiner Zeit.
 1791
 Goethe wird Direktor des Hoftheaters
(bis 1817), Leiter des Freien Zeicheninstituts sowie Mitglied
in verschiedenen Kulturkommissionen.
 
 WEIMARER KLASSIK
 
 1794
Goethe lernt Friedrich Schiller kennen. Beide verbindet die Ablehnung
der Franzoesischen Revolution, beide arbeiten an der literarischen
Zeitschrift "Die Horen”. Sie beeinflussen sich gegenseitig in ihren
Werken (Schiller: "Wallenstein”, Goethe: "Wilhelm Meisters Lehrjahre”,
die er seit 1775 in Bearbeitung hat).
 1795
 In diesem Jahr erscheinen
die "Roemischen Eligien” (auch "Erotica Romana”), die bereits um 1790 als
Gedichtzyklus entstanden waren.
 Durch den Vertrag von Basel erhaelt das
Grossherzogtum fuer 10 Jahre einen neutralen Status bzw. Friedensstatus
- auch aufgrund des Mitwirkens Goethes und Schillers.
 1796
 Der erste
Teil des Musenalmanach erscheint, an dem Goethe und Schiller gemeinsam
gearbeitet haben und in dem sie ihre Kritiker aufs Korn nehmen.
 
 

 1797
 Entstehungsjahr von Goethes Gedicht "Der Zauberlehrling”.
1800
 Erstes Festspiel Palaeophron und Neoterpe anlaesslich des
Geburtstags der Herzogin-Mutter Anna Amalia.
 1803
 Entstehung von
"Die natuerliche Tochter” als einzig vollendeter Teil einer Trilogie zum
Thema Franzoesische Revolution
 Schiller und Goethe arbeiten gemeinsam an
Theaterstuecken, wovon 1803 "Die Braut von Messina” erstmals aufgefuehrt
wurde.
 1805
 Schiller stirbt am 9. Mai, womit die praegende Periode
der Weimarer Klassik zu Ende geht. Goethe wendet sich mehr der Romantik
zu und versucht, Klassik und Romantik in seinen Werken zu vereinen.
 
AUTOBIOGRAPHISCHE ARBEITEN
 
 1806
 Goethe heiratet Christiane Vulpius,
die sich den durch die Stadt ziehenden und pluendernden franzoesischen
Soldaten nach einer verlorenen Schlacht entgegenstellte und Goethe
vor Schlimmerem bewahrte.
 1808
 Zweites Festspiel: "Pandora” (nur
Fragmente).
 "Faust, der Tragoedie erster Teil” erscheint.
 
 
 
 1809

 Goethe beginnt mit seinen autobiographischen Arbeiten "Dichtung und
Wahrheit”, die Teile von Goethes Biographie zwischen zwischen 1749 und
1775 aufgreift. Auch vor dem Hintergrund von Schillers Tod hegt er den
Wunsch, das Gewesene fuer die Nachwelt zu fixieren. Ausserdem erfolgt
die Veroeffentlichung von "Wahlverwandtschaften”.
 1810
 "Opus zur
Farbenlehre”
 1814
 1814 erscheint der dritte und letzte vollstaendige
Teil von "Dichtung und Wahrheit”, der 4. Teil wird unterbrochen durch
"Faust II” und vor Goethes Tod nicht mehr ganz fertig gestellt.
 Die
Franzoesische Revolution endet, Goethe reist danach zu den Orten von
Goethes Kindheit und Jugend im Rhein-Main-Gebiet.
 
 ALTER IN WEIMAR

 1815
 Goethe nimmt seine politischen Arbeiten wieder auf und  wird
zum Staatsminister und Ressortleiter der "Anstalten fuer Wissenschaft
und Kunst" in Weimar und Jena ernannt.
 In seinen letzten Lebensjahren
festigt sich bei Goethe die Vorstellung einer Weltliteratur im Zuge
der Internationalisierung, die Erzeugnisse einzelner Nationen werden
Gemeingut.
 Premiere des Festspiels "Des Epimenides Erwachen” anlaesslich
des Sieges Napoleons und des Endes der Befreiungskriege.
 1816
 Tod von
Goethes Ehefrau Christiane.
 1818
 "Um Mitternacht”
 
 
 
 1819
 Von
1819 bis 1825 schreibt er die "Annalen meines Lebens”. In dieser Zeit
veroeffentlicht er ausserdem den "West-oestlichen Divan”, in dem die
Faszination Goethes an der altpersischen Dichtung zum Ausdruck kommt.
1821
 Goethe lernt als 74jaehriger die 17jaehrige Ulrike von Levetzow
kennen und verliebt sich zwei Jahre spaeter in sie. Ulrikes Mutter lehnt
Goethes Antrag ab, woraufhin die Liebesklagen "Eligie” entstehen.
Der erste Teil des Goethe-Romans "Wilhelm Meisters Wanderjahre”
wird veroeffentlicht.
 1823/24
 "Trilogie der Leidenschaft”
 1824
"Der Braeutigam”
 1825
 Die Arbeiten an "Faust II” beginnen.
 1827

 Goethe veroeffentlicht die "Ausgabe letzter Hand”, eine Sammlung
von Gedichtbaenden, das wichtigste Gedicht ist dabei "Urworte:
Orphisch”.
 1828
 Herzog Carl August stirbt.
 Veroeffentlichung von
"Novelle” (Prosadichtung).
 1829
 In "Ausgabe letzter Hand” (Band
21-23) veroeffentlicht Goethe die Neufassung von "Wilhelm Meisters
Wanderjahre”. "Faust” wird in Braunschweig uraufgefuehrt, wobei Goethe
nicht anwesend ist, weil er das Stueck nicht als fuer die Buehne
geschaffen sieht.
 1830
 Goethes Sohn August stirbt.
 1832
 Goethe
stirbt am 22. Maerz vermutlich an einem Katarrhfieber mit folgendem
Herzinfarkt. Bis heute haelt sich das Geruecht, seine letzten Worte
lauteten "Mehr Licht!”. Goethe wird neben Carl August und Friedrich
Schiller in Weimar begraben.
 In den "Nachgelassenen Werken” erscheint
"Faust. Der Tragoedie zweiter Teil”. Goethe verfuegte, dass diese zu
seinen Lebzeiten nicht veroeffentlicht werden sollte.
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (literaturwelt-com):

Leben
 
 Kindheit, Jugend und Studienzeit
 
 Johann Wolfgang Goethe
wurde am 28. August 1749 als Sohn des kaiserlichen Rates Johann
Caspar Goethe und seiner Frau Catharina Elisabeth in Frankfurt am Main
geboren. Von seinen fuenf Geschwistern ueberlebt nur Cornelia (geb. am
7. Dezember 1750), mit der er seine Kindheit gemeinsam verbringt und ein
enges Verhaeltnis aufbaut. Ab 1752 besucht Goethe drei Jahre lang die
Frankfurter Spielschule. Mit dem Umbau des Elternhauses 1755 erhaelt der
junge Goethe Privatunterricht. In seiner Jugend wird er Zeuge bedeutender
historischer Ereignisse, u.a. die Besetzung Frankfurts durch die Franzosen
1759 oder die Kroenung Josephs des Zweiten 1764. Im Oktober 1765 nahm er
auf Wunsch seines Vaters ein Jurastudium in Leipzig auf. Nebenher besuchte
Goethe auch philosophische und literaturgeschichtliche Vorlesungen,
u. a. bei Gellert und Gottsched. Er beschaeftigte sich ausserdem in
dieser Zeit mit Lessing und der Aufklaerung sowie mit Klopstock und der
Empfindsamkeit. Bei Adam F. Oeser nahm er Zeichenunterricht. Im August
1768 muss er das Studium wegen schwerer Krankheit abbrechen. Goethe
kehrte daraufhin wieder ins Elternhaus zurueck. Seine Genesung verzoegerte
sich durch einige Rueckfaelle bis Maerz 1770. In dieser Zeit wird Goethe
vor allem von religioeser Lektuere beeinflusst, angeregt durch Susanna
Katharina von Klettenberg. Von April 1770 bis August 1771 setzt Goethe
in Strassburg sein Jurastudium fort. Auch Herder hielt sich um diese
Zeit in Strassburg auf. Goethe knuepfte in Strassburg Kontakte zu Jakob
Michael Reinhold Lenz, und Gottfried von Herder und machte Bekanntschaft
mit Friedericke Brion. Ihr widmete er zahlreiche Gedichte, darunter
das Heidenroeslen, Mailied und Willkommen und Abschied. Im August 1771
promoviert Goethe zum Lizentiaten der Rechte.
 Der Stuermer und Draenger

 
 Nach seiner Promotion in Strassburg kehrt Goethe nach Frankfurt
zurueck. Er nimmt seine Arbeit als Rechtsanwalt auf, wandte sich aber
nebenher verstaerkt der Dichtung zu. So konnte er die Urfassung von Goetz
von Berchlingen vollenden, die Geschichte Gottfriedens von Berlichingen
mit der eisernen Hand. 1772 macht Goethe Bekanntschaft mit Charlotte
Buff, als er Praktikant im Reichskammergericht in Wetzlar ist. Ausserdem
arbeitet er an den Frankfurter Gelehrten Anzeigen mit, das den Beginn
seiner schriftstellerischen Karriere markiert. Die unerfuellte Liebe zu
Charlotte Buff regt Goethe zu seinem Briefroman Die Leiden des jungen
Werthers an, der ihn schlagartig beruehmt machte. Es entstanden auch
einige Hymnen, darunter Ganymed, Prometheus und Wanderers Sturmlied. In
der Zeit zwischen 1773 und 1775 arbeitet Goethe an ersten Fassungen seiner
Dramen Urfaust, Prometheus und Mahomet. Dabei orientiert er sich besonders
an den Werken Shakespeares. Auf seinen Reisen im Jahr 1774 nimmt Goethe
Kontakt zu Johann Caspar Lavater, den Bruedern Jacobi und Karl August von
Sachsen-Weimar-Eisenach auf. Im April 1775 kommt es zur Verlobung mit Lili
Schoenemann, die aber ein halbes Jahr spaeter wieder geloest wird.
 Das
erste Weimarer Jahrzehnt
 
 Goethe wird gegen Ende des Jahres 1775 von
Karl August nach Weimar eingeladen. Dort macht er erste Bekanntschaft mit
Charlotte von Stein. Im November siedelt er schliesslich ganz ueber. In
Weimar war die einflussreiche Herzogin Anna Amalia ansaessig, die
bedeutende Persoenlichkeiten des deutschen Schriftstellerlebens um sich
versammelte. Darunter befand sich auch Christoph Martin Wieland. Mit der
Ankunft Goethes nahmen die kulturelle Aktivitaet der Stadt Weimar enorm
zu. 1776 bis 1782 wohnte Goethe in einem Gartenhaus an den Ilmwiesen. Er
wird Beamter der Stadt Weimar und zum Geheimen Legationsrat ernannt. 1776
kommt auch Herder, als Generalsuperintendent, nach Weimar. Mit der
Oberaufsicht ueber den Illmenauer Bergbau und der engen Beziehung
mit Charlotte von Stein verstaerkt sich Goethes gefasster Entschluss,
in Weimar zu bleiben. 1777 stirbt seine Schwester Cornelia. Waehrend
sein Schauspiel Stella (1776) noch vom Sturm und Drang gepraegt war,
setzt sich jetzt der Humanismus-Gedanke in Goethes Werken allmaehlich
durch. 1779 entsteht die Prosafassung von Iphigenie auf Tauris, die
1786 in Blankverse umgeschrieben wurde. Im Januar 1779 wird Goethe die
Leitung der Kriegs- und Wegebaukommission uebertragen, durch die er
viele Dienstreisen mit dem Herzog unternahm. Im September wird Goethe
zum Geheimen Rat ernannt. Die Aufsicht ueber den Bergbau in Illmenau
veranlasst Goethe sich mit mineralogischen Studien zu beschaeftigen. 1782
stirbt sein Vater. Goethe bezieht des Haus am Frauenplan. 1784 entdeckt
er den Zwischenkieferknochen des Menschen. 1785 sind die Arbeiten
an Wilhelm Meisters theatralischer Sendung abgeschlossen. Goethe
haelt sich nun oefters in Karlsbad auf.
 Italienreise und Rueckkehr
nach Weimar
 
 Im Herbst des Jahres 1786 bricht Goethe heimlich in
Karlsbad auf und begab sich auf eine Erholungs- und Bildungsreise
nach Italien. Zu diesem Entschluss brachte ihn die immer drueckender
empfundenen hoefischen und dienstlichen Verpflichtungen. Goethe gab
sich dabei als "Maler Moeller" aus. Am 29. Oktober erreichte er Rom,
das eigentliche Ziel seiner Reise. Dort machte er Bekanntschaft mit
dem Maler Tischbein und dem Dichter Karl Philipp Moritz. Neben der
Beschaeftigung mit antiker Bildhauerkunst und der Malerei arbeitete
Goethe auch an seinen literarischen Projekten Iphigenie, Egmont, Tasso
und Faust weiter. Bereits 1786 konnte Iphigenie auf Tauris in Versform
fertiggestellt werden, 1788 dann Egmont. Am 23. April 1788 brach Goethe
in Rom auf und trat seine Heimreise an. Am 18. Juni traf er in Weimar
wieder ein.
 Goethe wird in Weimar auf eignen Wunsch von den meisten der
hoefischen und dienstlichen Pflichten entbunden. Er wird stattdessen
mit der Leitung kuenstlerischer Anstalten des Herzogtums betraut,
darunter z. B. das "Freie-Zeichen-Institut". Im Juli lernt Goethe
seine zukuenftige Lebensgefaehrtin, Christiane Vulpius, kennen. Noch
im gleichen Jahr kommt es in Rudolstadt zur ersten Begegnung zwischen
Goethe und Friedrich Schiller. Goethe verhalf Schiller zu einer Professur
in Jena. 1789 wird Goethes Sohn August geboren. Die Arbeit am Tasso
sind abgeschlossen. Zur Franzoesischen Revolution verhaelt sich Goethe
ablehnend. 1790 erscheinen Die Metamorphose der Pflanzen und Faust,
ein Fragment. 1791 wird Goethe zum Leiter des Weimarer Hoftheaters. 1792
begleitet Goethe Herzog Karl-August im 1. Koalitionskrieg Preussens und
Oesterreichs gegen Frankreich. Er selbst wird Augenzeuge der Kanonade
von Valmy, am 20. September 1792. Das Schauspiel Der Gross-Koptha
entsteht. 1793 ist Goethe Beobachter bei der Belagerung von Mainz. Der
Buergergeneral und Reineke Fuchs werden veroeffentlicht. Goethe
beschaeftigt sich seit 1793 bis 1798 intensiv mit Studien zu Homer.
Das Jahrzehnt mit Schiller
 
 1794 kann Schiller Goethe zur Mitarbeit
an seiner Zeitschrift Die Horen gewinnen. Daraus entwickelte sich eine
intensive Freundschaft zwischen den beiden, die zunaechst nur aus einem
staendigen Briefwechsel bestand. Seit der Tagung der "Naturforschenden
Gesellschaft" in Jena 1794 ist Schiller haeufiger Gast bei Goethe in
Weimar. 1796 entstehen die Xenien. 1797 erhaelt Goethe die Aufsicht
ueber die Weimarer Bibliothek. Das Jahr 1797 ging als das "Balladenjahr"
in die Geschichte ein, da aus einem Dichterwettstreit zwischen Goethe
und Schiller zahlreiche Balladen hervorgingen, darunter Der Gott und die
Bajadere, Der Schatzgraeber, Der Zauberlehrling, Die Braut von Korinth
und Legende. Beide befassten sich auch intensiv mit der Theorie der
literarischen Gattungen, dessen Ergebnis 1797 in der Schrift Ueber
epische und dramatische Dichtung festgehalten wurde. Goethe setzte
in dieser Zeit auch seine Arbeiten am Faust fort. 1798 erschien die
periodische Kunstzeitschrift Propylaeen, unter der Mitarbeit Schillers
und Humboldts. Im Dezember 1799 uebersiedelt Schiller nach Weimar. Er
draengte Goethe zur Vollendung des Fausts. Aus der Zusammenarbeit der
beiden Dichter ging der Stil der Weimarer Klassik hervor, der sich an
Antike und Renaissance orientierte. 1803 erhaelt Goethe die Oberaufsicht
ueber die naturwissenschaftlichen Institute der Universitaet Jena. 1804
wird er zum Wirklichen Geheimen Rat ernannt. Am 9. Mai 1805 stirbt sein
engster Freund, Schiller. Dieses Ereignis nimmt einen tiefen Einschnitt
in das Leben Goethes, das bis dahin von einer intensiven Freundschaft
und geistigen Beziehung der beiden gepraegt war. Im Epilog zu Schillers
Glocke setze er ihm ein Denkmal.
 Das Jahrzehnt nach Schillers Tod
 
 In
der Zeit nach Schiller, zaehlten Ludwig von Knebel, Carl Friedrich Zelter
und Wilhelm von Humboldt zu Goethes engsten Freunden. Goethe setze sich
ab 1806 intensiv mit der Romantik auseinander. Die Sammlung Des Knaben
Wunderhorn (1806-1808) von Achim von Arnim und Clemens Brentano regten
Goethe an, sich mit dem deutschen Mittelalter und der Volkspoesie zu
beschaeftigen. Im April 1806 wurde Faust, erster Teil abgeschlossen. Im
Oktober kam es zur Schlacht bei Jena und zur Besetzung Weimars. Goethe
heiratete in diesem Jahr Christiane Vulpus. 1807 macht er Bekanntschaft
mit Bettina Brentano, der spaeteren Frau A. v. Arnims. Goethe beginnt die
Arbeit an Wilhelm Meisters Wanderjahre. 1808 stirbt Goethes Mutter. Auf
dem Erfurter Fuerstenkongress kam es zur Begegnung zwischen Goethe
und Napoleon I. 1809 erscheinen Die Wahlverwandtschaften. 1810 kam
es zum Abschluss der Arbeit an der Farbenlehre. Der erste Teil seiner
Autobiographie Dichtung und Wahrheit, erster Teil. erschien 1811. In
Karlsbad kam es 1812 zur Begegnung mit Ludwig van Beethoven, der einige
Gedichte Goethes vertonte. Dichtung und Wahrheit, zweiter Teil. wurde
fertiggestellt. 1813 verlor die Kuenstler-Stadt Weimar einen weiteren
wichtigen Geist, den Dichter Christoph Martin Wieland. Im gleichen Jahr
fand zwischen dem 16. und 19. Oktober die Voelkerschlacht bei Leipzig
statt. Der dritte Teil seiner Autobiographie erschien. 1814 kommt es
zur Begegnung mit Marianne von Willemer und den Bruedern Boisserée.
Die letzten Lebensjahre
 
 1815 unternimmt Goethe ausgedehnte Reisen ins
Rhein- und Maingebiet. Sachsen-Weimar-Eisenach wird durch einen Beschluss
des Wiener Kongresses zum Grossherzogtum. Im September findet die letzte
Begegnung mit Marianne von Willemer statt. Im Dezember wird Goethe mit
dem Amt eines Staatsministers betraut. Am 6. Juni 1816 stirbt seine
Frau, Christiane. 1817 haelt sich Goethe oefters in Jena auf. Von der
Leitung des Hoftheaters wird er entbunden. Mit zunehmenden Alter zog
sich Goethe vom Weimarer Gesellschaftsleben zurueck und wendete sich
nun hauptsaechlich seinen Werken zu. 1819 ist der West-oestliche Divan
abgeschlossen. 1820 beginnt die Arbeit an Wilhelm Meisters Wanderjahren,
die 1829 vollendet wurde. 1821 kommt es zur ersten Begegnung mit
Ulrike von Levetzow, seiner letzten Liebe. 1825 nimmt er seine Arbeit
am Faust, zweiter Teil. wieder auf. Im Januar 1827 stirbt Charlotte von
Stein, im Juni des darauffolgenden Jahres Grossherzog Karl August. 1830
erscheint der letzte Teil seiner Autobiographie, Dichtung und Wahrheit,
vierter Teil. Im November erfaehrt er vom Tode seines Sohnes, der schon
Ende Oktober verstarb. Goethe erlitt einen Blutsturz. 1831 wird Faust,
zweiter Teil. vollendet. Am 22. Maerz 1832 stirbt Goethe in seinem Haus
am Frauenplan. Er wurde neben Schiller in der Weimarer Fuerstengruft
beigesetzt.
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.<ref>Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2ref> Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u.&nbsp;a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.>Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. ;38.>
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden">Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. ;39.> Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. ;a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".<ref>Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0ref>

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0ref> nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0ref>

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].<ref>Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2ref>

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0ref>

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u.&nbsp;a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u.&nbsp;a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.<ref>Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne.ref> Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.<ref>Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2ref>

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.<ref name="ndbadb">Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17ref>
Er schreibt am 14.&nbsp;Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:<ref>Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de'']ref> Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte. name="ndbadb" /><ref>Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de'']> Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. ;B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de'']ref> Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."<ref>In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348.ref> Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.<ref name="ndbadb" />
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de'']ref> Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784).<ref name="ndbadb" /> [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23;Juni 1780 trat er
der Loge bei.<ref>Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23
ref>

 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']ref><ref>Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
ref>  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10.&nbsp;April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. name="ndbadb" /> Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de'']ref> Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.<ref name="borchmeyer80">Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de'']ref> Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. name="ndbadb" /> Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.<ref name="borchmeyer80" />

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0ref> so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9ref> Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z.&nbsp;B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung)<ref name="Seehafer180"
/> des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4ref>
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]<ref>Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8> vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0> Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.>Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3ref> Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u.&nbsp;a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]<ref>Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet.ref> und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.<ref>Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3ref>

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Anciengime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825ref> 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)<ref>Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798>]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0>

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.<ref>Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798ref>

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.<ref>Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0ref>

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 ;Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65&nbsp;Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:<ref>Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0>

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2> Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.<ref>Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.<ref>Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2ref> Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u.&nbsp;a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.>Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. ;38.>
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden">Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. ;39.> Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. ;a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".<ref>Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0ref>

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0ref> nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0ref>

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].<ref>Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2ref>

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0ref>

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u.&nbsp;a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u.&nbsp;a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.<ref>Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne.ref> Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.<ref>Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2ref>

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.<ref name="ndbadb">Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17ref>
Er schreibt am 14.&nbsp;Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:<ref>Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de'']ref> Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte. name="ndbadb" /><ref>Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de'']> Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. ;B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de'']ref> Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."<ref>In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348.ref> Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.<ref name="ndbadb" />
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de'']ref> Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784).<ref name="ndbadb" /> [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23;Juni 1780 trat er
der Loge bei.<ref>Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23
ref>

 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']ref><ref>Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
ref>  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10.&nbsp;April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. name="ndbadb" /> Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de'']ref> Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.<ref name="borchmeyer80">Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de'']ref> Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. name="ndbadb" /> Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.<ref name="borchmeyer80" />

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0ref> so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9ref> Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z.&nbsp;B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung)<ref name="Seehafer180"
/> des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4ref>
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]<ref>Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8> vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0> Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.>Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3ref> Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u.&nbsp;a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]<ref>Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet.ref> und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.<ref>Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3ref>

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Anciengime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825ref> 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)<ref>Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798>]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0>

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.<ref>Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798ref>

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.<ref>Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0ref>

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 ;Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65&nbsp;Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:<ref>Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0>

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2> Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.<ref>Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

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Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (dieterwunderlich-de):

Johann Wolfgang Goethe wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main
als Sohn des wohlhabenden, hochgebildeten Juristen Johann Caspar Goethe
(1710 - 1782) und der Schultheissentochter Katharina Elisabeth Textor
(1731 - 1808) geboren. Da der Vater zwar kaiserlicher Rat war, aber
keine bestimmten beruflichen Verpflichtungen hatte, unterrichtete er
seinen Sohn vorwiegend selbst.

Mit fuenfzehn verliebte Johann Wolfgang Goethe sich in eine junge
Kellnerin namens Gretchen und geriet durch sie in die Gesellschaft von
Betruegern. Im Oktober 1765 reiste er nach Leipzig, um dort Jura zu
studieren, wie es sein Vater wuenschte. Dort passte sich Goethe der
anspruchsvollen Mode sowie der lockeren Lebensart des Rokoko an und
verliebte sich in Anna Katharina ("Kaethchen") Schoenkopf (1746 - 1810),
die Tochter seiner Wirtsleute.

Schwer krank kehrte er 1768 in seine Heimatstadt zurueck und wurde
dort u. a. von Susanne Katharina von Klettenberg gesund gepflegt, einer
Verwandten seiner Mutter, die ihn mit dem Pietismus vertraut machte.

1770 setzte Goethe sein Studium in Strassburg fort; aber mehr als die
Rechtswissenschaften fesselten ihn Medizin, Botanik, Chemie, Theologie
und Philosophie. Wieder verliebte er sich; diesmal in die Sesenheimer
Pfarrerstochter Friederike Brion (1752 - 1813). Die Achtzehnjaehrige
gab seinem (vermutlich platonischen) Werben nach, aber im Sommer 1771,
nach der Promotion zum "licentitatus juris", verliess Johann Wolfgang
Goethe Strassburg, ohne sich von ihr auch nur zu verabschieden.

Im August 1771 eroeffnete er in Frankfurt am Main eine Anwaltskanzlei
und setzte zugleich seine in Strassburg begonnenen literarischen
Arbeiten fort. Ende Mai 1772 begann Goethe mit einem Praktikum am
Reichskammergericht in Wetzlar.  Dort lernte der Zweiundzwanzigjaehrige
den pfaelzischen Sekretaer Karl Wilhelm Jerusalem kennen und besuchte mit
ihm am 9. Juni einen Ball in Volpertshausen, an dem auch Charlotte Buff
(1753 - 1828) und ihr Verlobter Johann Christian Kestner (1741 - 1800)
teilnahmen. Goethe verliebte sich in die vier Jahre juengere Tochter eines
Amtmanns, befreundete sich mit dem hannoverschen Gesandtschaftssekretaer
Kestner und traf sich haeufig mit den beiden. Als er Charlotte dreist zu
kuessen versuchte, begriff sie, dass sie Klarheit schaffen musste. (Sie
heiratete Kestner.) Daraufhin reiste Goethe am 11. September ueberstuerzt
aus Wetzlar ab.

In Ehrenbreitstein besuchte er die Schriftstellerin Sophie von La
Roche, deren sechzehnjaehrige Tochter Maximiliane ihm besonders gut
gefiel. Maximiliane heiratete den mehr als doppelt so alten Kaufmann Peter
Anton Brentano und zog mit ihm Anfang 1774 nach Frankfurt am Main. Obwohl
die verheiratete Frau fuer Goethe unerreichbar war, umschwaermte er sie,
und es kam zu heftigen Auseinandersetzungen mit ihrem Ehemann.

"Goetz von Berlichingen", Urauffuehrung: 1774 "Die Leiden des jungen
Werther": 1774 "Clavigo", Urauffuehrung: 1774 Im Fruehjahr 1774 schrieb
Johann Wolfgang Goethe "Die Leiden des jungen Werther", ein Roman, der
offenbar den Nerv der Zeit traf und deshalb innerhalb von kurzer Zeit
in mehreren Auflagen erschien.

Johann Wolfgang Goethe verlobte sich Ostern 1775 mit der Frankfurter
Bankierstochter Anna Elisabeth ("Lili") Schoenemann (1758 - 1817), aber
nach seiner ersten Schweiz-Reise von Mai bis Juli 1775 beendete er die
von keiner der beiden Familien gutgeheissene Beziehung.

Herzog Carl August von Sachsen-Weimar (1757 - 1828), der am 3. September
1775 das Erbe seines frueh verstorbenen Vaters uebernahm, reiste kurz
darauf zu den Eltern seiner Braut, Prinzessin Luise von Hessen-Darmstadt,
besuchte bei dieser Gelegenheit auch den Dichter des "Werther" und lud
ihn ein, nach Weimar zu kommen. Die Residenzstadt galt als "Musenhof",
denn seine Mutter Anna Amalia, die Witwe des 1758 verstorbenen Herzogs
Ernst August II. Constantin (eine Nichte Friedrichs des Grossen), hatte
waehrend ihrer Regentschaft bedeutende Persoenlichkeiten des deutschen
Geisteslebens nach Weimar geholt, so zum Beispiel 1772 Christoph Martin
Wieland (1733 - 1813) als Erzieher ihrer Soehne Carl August und Bernhard.

Am 9. November 1775 folgte Johann Wolfgang Goethe der Einladung und zog
in ein Gartenhaus an der Ilm, das ihm Herzog Carl August uebereignete. Er
erhielt das Weimarer Buergerrecht und wurde zum Geheimen Legationsrat
ernannt.

In Weimar befreundete Johann Wolfgang Goethe sich mit der geistvollen
Frau Charlotte von Stein (1742 - 1827), der er im Lauf der Jahre mehr
als achthundert Briefe schrieb.

Charlotte Albertine Ernestine von Schardt hatte als Fuenfzehnjaehrige
eine Anstellung als Hofdame der Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar
erhalten, sieben Jahre spaeter den herzoglichen Stallmeister Friedrich
Josias Freiherr von Stein (1735 - 1793) geheiratet und innerhalb von
zehn Ehejahren sieben Kinder geboren. (Arm und einsam starb sie am
6. Januar 1827.)

Goethes ein Jahr juengere Schwester Cornelia hatte sich am 1. November
1773 mit dem Juristen Johann Georg Schlosser geheiratet, der mit ihrem
Bruder befreundet war. Seit der schweren Geburt ihrer Tochter Maria
Anne Louise ("Lulu") am 28. Oktober 1774 kraenkelte Cornelia. Vier
Wochen nachdem sie mit einer zweiten Tochter - Catharina Elisabeth Julie
("Juliette") - niedergekommen war, am 8. Juni 1777, starb sie. Goethe
trauerte sehr um seine geliebte Schwester.

Ende November 1777 brach Johann Wolfgang Goethe zu einer Winterreise in
den Harz auf. In Wernigerode suchte er Victor Leberecht Plessing auf,
den Sohn des Superintendenten, um den ungluecklichen jungen Mann vor
einem Werther-Schicksal zu bewahren. Dabei trat er allerdings nicht unter
seinem richtigen Namen auf, sondern gab sich als Kuenstler aus Gotha
aus. In Goslar besichtigte er das Bergwerk, um sich fuer die geplante
Erschliessung der Erzvorkommen von Ilmenau kundig zu machen. Und am
10. Dezember bestieg er den tief verschneiten Brocken, was damals eine
unglaubliche Leistung war.

"Iphigenie auf Tauris", Urauffuehrung: 1779

Herzog Carl August von Sachsen-Weimar ernannte Goethe 1779 zum Leiter
der Kriegskommission und des Strassenbauwesens.

Im Herbst desselben Jahres reisten die beiden in die Schweiz. Sie
fuhren zunaechst von Weimar nach Frankfurt am Main zu Goethes Eltern. Am
25. September besuchten sie Friederike Brion in Sesenheim, am naechsten
Tag in Strassburg Lili Schoenemann, die inzwischen verheiratet war
und ein sieben Wochen altes Kind hatte. In Emmendingen machten sie
Goethes verwitwetem Freund und Schwager Johann Georg Schlosser ihre
Aufwartung. Die Schweiz erreichten Goethe und der Herzog am 3. Oktober
bei Basel. Der Mont Blanc bildete das suedwestlichste Zwischenziel ihrer
Reise. Nur begleitet von einem einheimischen Fuehrer und ihrem Reitknecht
Blochberg, der sich um den Maulesel mit dem Gepaeck kuemmerte, wanderten
sie im November ueber den tief verschneiten Furka-Pass. Erschoepft
uebernachteten sie im Kapuzinerdomizil von Realp, bevor sie zwischen den
Maultierkolonnen der Pilger vom Urserental zum Gotthard-Hospiz aufstiegen.

Kaiser Joseph II. erhob Goethe am 10. April 1782 in den Adelsstand. In
diesem Jahr uebernahm er in Weimar die Finanzverwaltung und mietete ein
Haus am Frauenplan, das er zehn Jahre spaeter von Herzog Carl August
geschenkt bekam und bis zu seinem Tod bewohnte.

1783 und 1784 reiste Johann Wolfgang von Goethe noch zweimal in den Harz.

Der Arbeitsbelastung und der entsagungsvollen Beziehung zu der
verheirateten Charlotte von Stein entzog er sich, indem er in der Nacht
zum 3. September 1786 unter dem Namen Johann Philipp Moeller heimlich nach
Italien aufbrach. In Rom besuchte er Johann Heinrich Wilhelm Tischbein
(1751-1829), der eines der beruehmtesten Portraets des Dichters malte:
"Goethe in der Campagna". Auch mit der Malerin Angelica Kauffmann (1741
- 1807) befreundete sich Goethe, der erst am 18. Juni 1788 nach Weimar
zurueckkehrte.

Seinen frueheren Freunden und Bekannten war er inzwischen entfremdet. Ihre
Missbilligung steigerte sich durch sein skandaloeses Zusammenleben mit
Christiane Vulpius (1765 - 1816), einer einfachen Arbeiterin in einer
Manufaktur fuer kuenstliche Blumen, die am 11. Juli 1788 mit einer
Bittschrift fuer ihren Bruder an ihn herangetreten war. Am 25. Dezember
1789 gebar sie den Sohn Julius August Walther, der als einziges ihrer
fuenf Kinder bis 1830 am Leben blieb. (August von Goethe starb in Rom
an Blattern.) Charlotte von Stein war ueber Goethes Verhalten verbittert
und versoehnte sich erst 1801 wieder mit ihm.

"Egmont", Urauffuehrung: 1789

Auf seinen eigenen Wunsch weitgehend von den staatlichen Aufgaben
entbunden, beschaeftigte Johann Wolfgang von Goethe sich v. a. mit
naturwissenschaftlichen Forschungen. 1790 reiste er ein zweites Mal
nach Oberitalien. Im Jahr darauf uebernahm er die Leitung des Weimarer
Hoftheaters (1791 - 1817).

Als Begleiter des Herzogs wurde Johann Wolfgang von Goethe am
20. September 1792 Augenzeuge der Kanonade von Valmy, die im Rahmen
des 1. Koalitionskriegs (1792 - 1797) stattfand, mit der Preussen und
Oesterreich die Ausbreitung der auch von Goethe abgelehnten Franzoesischen
Revolution verhindern wollten. "Von hier und heute geht eine neue Epoche
der Weltgeschichte aus", sagte Goethe zu den Soldaten, "und Ihr koennt
sagen, Ihr seid dabeigewesen." (Tatsaechlich hielten die Franzosen dem
Angriff stand.)

"Reineke Fuchs": 1794

Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller waren sich (abgesehen
von einer gemeinsamen Teilnahme am Stiftungsfest der Hohen Karlsschule
in Stuttgart am 14. Dezember 1779) am 7. September 1788 erstmals
begegnet. Goethe hatte dem zehn Jahre juengeren Dichter zwar eine
Professur am Lehrstuhl fuer Geschichte der Universitaet Jena vermittelt,
aber naeher kamen sich Goethe und Schiller erst sechs Jahre spaeter,
am 20. Juli 1794, nach einer Sitzung der Naturforschenden Gesellschaft
in Jena, wo Goethe einen Vortrag ueber die Urpflanze gehalten hatte.

"Wilhelm Meisters Lehrjahre": 1795/96 "Hermann und Dorothea": 1797

Am 3. Dezember 1799 zog Friedrich Schiller nach Weimar und traf sich
haeufig mit Johann Wolfgang von Goethe zum Gedankenaustausch. Fuer die
Zusammenarbeit der beiden grossen deutschen Dichter praegte Heinrich Laube
1839 den Begriff "Weimarer Klassik". Leider war sie von verhaeltnismaessig
kurzer Dauer, denn Friedrich von Schiller starb am 9. Mai 1805 an den
Folgen einer jahrelang verschleppten Lungenentzuendung. Sein Tod bedeutete
in Goethes Leben eine traurige und schmerzliche Zaesur.

Friedrich Wilhelm Riemer (1774 - 1845) hatte 1803 eine Dachkammer in
Goethes Haus bezogen. Auch als seine Aufgabe als Hauslehrer von August von
Goethe beendet war, blieb er als Vertrauter und Sekretaer bei dem Dichter.

Bei Jena und Auerstedt wurde die preussisch-saechsische Armee am
14. Oktober 1806 von Napoleon (1769 - 1821) besiegt. Die Franzosen nahmen
Johann Wolfgang von Goethe gefangen, aber Christiane Vulpius gelang es,
ihren Lebensgefaehrten rasch wieder freizubekommen. Daraufhin vermaehlte
er sich am 19. Oktober 1806 mit ihr.

Einige Monate spaeter verliebte sich der Siebenundfuenfzigjaehrige
in Wilhelmine Herzlieb (1789 - 1865), die vierzig Jahre juengere
Pflegetochter des Jenaer Buchhaendlers Karl Friedrich Ernst Frommann
(1765 - 1837). (Wilhelmine Herzlieb wurde das Vorbild fuer die Figur
der Ottilie in Goethes Roman "Die Wahlverwandschaften".)

"Torquato Tasso", Urauffuehrung: 1807

Als Napoleon sich anlaesslich des Erfurter Fuerstentags (27. September bis
4. Oktober 1808) in Preussen aufhielt, traf er sich dreimal mit Johann
Wolfgang von Goethe (Erfurt, 2. Oktober; Weimar, 6. und 10. Oktober)
und lud in nach Paris ein.

"Die Wahlverwandtschaften": 1809

1812 begegneten sich Johann Wolfgang von Goethe und Ludwig van Beethoven
(1770 - 1827) bei einem Kuraufenthalt in Karlsbad. Bettina von Arnim
erzaehlt in einem ihrer Briefe, wie sie bei einem gemeinsamen Spaziergang
in Karlsbad Hoeflingen des Kaisers begegneten und der Dichter zur Seite
trat, waehrend der Komponist stur geradeaus schritt und anschliessend
Goethes Unterwuerfigkeit kritisierte.

Die Zeit vom 12. August bis 17. September 1815 verbrachte Johann Wolfgang
von Goethe mit Marianne von Willemer (um 1784 - 1860), die seit September
1814 mit dem fuenfundzwanzig Jahre aelteren Bankier Johann Jakob Willemer
verheiratet war, in Frankfurt am Main. (Marianne war 1798 als Komoediantin
nach Frankfurt gekommen, und der bereits zweimal verwitwete Bankier
hatte das Maedchen als Pflegetochter in sein Haus aufgenommen.)

Goethes Ehefrau Christiane starb am 6. Juni 1816.

"West-oestlicher Divan": 1819 "Wilhelm Meisters Wanderjahre": 1821

Fuenf Jahre spaeter verliebte sich der inzwischen zweiundsiebzigjaehrige
Dichter in die siebzehnjaehrige Ulrike von Levetzow (1804 - 1899),
die ihre Sommerferien mit ihrer Mutter und ihren beiden Schwestern
in Marienbad verbrachte und Goethe dabei erst kennengelernt hatte,
obwohl er bereits seit laengerer Zeit mit ihrer Mutter Amalie befreundet
war. 1823 liess Goethe ihr durch Herzog Carl August einen Heiratsantrag
ueberbringen, aber Ulrike von Levetzow hielt das zuerst fuer einen
schlechten Scherz und blieb zeitlebens unverheiratet. Ihren literarischen
Niederschlag fand Goethes unglueckliche Liebe zu ihr in der "Marienbader
Elegie".

Der junge Schriftsteller Johann Peter Eckermann (1792 - 1854) half seinem
Idol ab 1823 bei der Ausgabe seiner Werke und veroeffentlichte 1836 bis
1848 "Gespraeche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens". Nikolaus
Lenau (1802 - 1850) verglich Goethe und Eckermann spoettisch mit einer
Floete und einem Blasrohr, aber das ist wohl ebenso ueberzeichnet wie
die Annahme, die beiden haetten eine Freundschaft auf gleicher Augenhoehe
gepflegt.

"Faust. Der Tragoedie erster Teil", Urauffuehrung: 1829 [Verfilmung]
"Faust". Zweiter Teil: 1832 (Urauffuehrung: 1854)

Im Alter von zweiundachtzig Jahren starb Johann Wolfgang von Goethe am
22. Maerz 1832 in seinem Haus am Frauenplan in Weimar.

Literatur ueber Johann Wolfgang von Goethe

Peter Boerner: Johann Wolfgang von Goethe (Rowohlt-Bildmonographie)
Sigrid Damm: Christiane und Goethe (Insel Verlag) Anja Hofer: Johann
Wolfgang von Goethe (dtv portrait) Katharina Mommsen: Kein Rettungsmittel
als die Liebe. Schillers und Goethes Buendnis im Spiegel ihrer Dichtungen
Ruediger Safranski: Goethe & Schiller. Geschichte einer Freundschaft (Carl
Hanser Verlag) Astrid Seele: Frauen um Goethe (Rowohlt-Bildmonographie)
Die Beziehung Goethes zu Charlotte von Stein und Christiane Vulpius
wird in einem Kapitel des Buches "Verfuehrerische Frauen. 11 Portraets"
(Piper Verlag, Muenchen 2012) von Dieter Wunderlich dargestellt.

Philipp Stoelzl drehte mit Alexander Fehling in der Titelrolle den Film
"Goethe!", der am 14. Oktober 2010 in die Kinos kommen wird.

Originaltitel: Goethe - Regie: Philipp Stoelzl - Drehbuch: Alexander
Dydyna, Christoph Mueller - Kamera: Kolja Brandt - Schnitt: Sven Budelmann
- Musik: Ingo Frenzel - Darsteller: Alexander Fehling, Miriam Stein,
Moritz Bleibtreu, Volker Bruch, Burghart Klaussner, Henry Huebchen,
Hans-Michael Rehberg, Axel Milberg u.a. - 2010; 100 Minuten
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (frankfurt-interaktiv-de):

Biographie - Johann Wolfgang von Goethe Johann Wolfgang von Goethe
war ein Universalgenie. Er war gleichermassen Dichter, Schriftsteller,
Kunstkritiker, Philosoph, Naturwissenschaftler, Jurist und Staatsmann.

Goethe ist die Lichtgestalt der deutschen Literatur.

Er praegte Sturm und Drang sowie mit Schiller die Weimarer Klassik.

Er verfasste unzaehlige Gedichte, Dramen und Prosawerke.

Mit der Tragoedie Faust schuf Goethe ein Menschheitsdrama von zeitloser
Gueltigkeit und weltliterarischem Rang.

Goethe hat in seinem Leben viele Frauen geliebt. Sie waren ihm immer
auch Inspiration zu neuen Dichtungen.

Weniger bekannt waren seine naturwissenschaftlichen Taetigkeiten, die
ihm zeitweise wichtiger als die literarische Arbeit erschienen. Goethe
entdeckte 1784 den Zwischenkieferknochen beim Menschen.

Biographie Johann Wolfgang Goethe (das "von" wurde ihm erst 1782
verliehen) wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren und
starb am 22. Maerz 1832 in Weimar.

Der Sohn des Kaiserlichen Rates Johann Kaspar Goethe und der Katharina
Elisabeth studierte ab 1765 auf Wunsch seines Vaters in Leipzig und
Strassburg Rechtswissenschaften.

Nach Abschluss seines Studiums im Herbst 1771 arbeitete Goethe als
Rechtsanwalt in Frankfurt.

Doch Goethe widmete sich lieber seinem ersten Drama und schrieb
einige Gedichte. Er arbeitete auch am kritischen Organ der
Sturm-und-Drang-Bewegung, den "Frankfurter gelehrten Anzeigen" mit.

Mit seinem ersten Roman "Die Leiden des jungen Werthers" und dem Drama
"Goetz von Berlichingen" (beide 1774 erschienen) gelang dem 24-jaehrigen
Goethe der literarische Durchbruch.

1775 folgte er dem Ruf des jungen Herzog Carl August an den Weimarer
Hof, wo er politische Aufgaben (im Finanzwesen, Berg- und Wegebau)
uebernahm. Spaeter bekam er die Leitung des Theaters und die Aufsicht
ueber das Bildungswesen angetragen.

In Weimar freundete Goethe sich mit Charlotte von Stein (1742-1827) an,
der er im Lauf der Jahre mehr als achthundert Briefe schrieb.

1776 erfolgte die Ernennung zum Geheimen Legationsrat, 1779 zum Geheimen
Rat und 1782 wurde Goethe durch Kaiser Joseph II. geadelt.

Im September 1786 unternahm er seine erste Italienreise. In Rom besuchte
er die Maler Tischbein (der eines der beruehmtesten Portraets des Dichters
"Goethe in der Campagna" malte) und Kauffmann.

Erst im Juni 1788 kehrte Goethe nach Weimar zurueck, wo er sich mit
Christiane Vulpius verlobte, die er 1806 auch heiratete.

Von den fuenf Kindern aus dieser Verbindung ueberlebte nur der
erstgeborene August (1789-1830).

Goethe gab alle Staatsaemter bis auf die Leitung des Hoftheaters auf. 1790
folgte seine zweite Italienreise.

Die Zeit danach ist gepraegt durch die Zusammenarbeit mit Schiller. Die
beiden entwickelten einen Stil, der als Weimarer Klassik bekannt wurde.

Nach dem Tod Herders, Schillers und Wielands knuepfte Goethe neue
Freundschaften, u.a. zu Humboldt, und beschaeftigte sich mit Fichtes
Transzendentalphilosophie.

1804 wurde Goethe zum Wirklichen Geheimen Rat ernannt.

Auf dem Erfurter Fuerstenkongress lernte Goethe 1808 Napoleon kennen. Im
gleichen Jahr gab er den ersten Teil des Faust heraus.

1812 begegnete er bei einem Kuraufenthalt in Karlsbad den Komponisten
Beethoven.

1815 unternahm Goethe ausgedehnte Reisen ins Rhein-Main-Gebiet. Die Zeit
vom 12. August bis 17. September 1815 verbrachte er mit der verheirateten
Marianne von Willemer in Frankfurt.

Im Dezember 1815 wird Goethe mit dem Amt eines Staatsministers betraut.

Nach dem Tod seiner Frau Christiane (6. Juni 1816) zog sich Goethe vom
Weimarer Gesellschaftsleben zurueck und wendete sich seinen Werken zu.

Das letzte Lebensjahrzehnt verbrachte Goethe mit der Arbeit an "Wilhelm
Meisters Wanderjahren", der "Italienischen Reise", seiner Autobiographie
"Dichtung und Wahrheit", und vor allem an Faust, der Tragoedie zweiter
Teil, welche er 1831 beendete.

Am 22. Maerz 1832 verstarb Johann Wolfgang von Goethe im Alter von 82
Jahren. Seine letzten Worte sollen "Mehr Licht!" gewesen sein.

Am 26. Maerz wurde er neben Schiller in der Weimarer Fuerstengruft
beigesetzt.

Seine bedeutendsten Werke: Goetz von Berlichingen (1774) Die Leiden
des jungen Werther (1774) Iphigenie auf Tauris ((1786) Egmont (1788)
Torquato Tasso (1789) Wilhelm Meisters Lehrjahre (1796) Faust, 1. Teil
(1806) Dichtung und Wahrheit (Erinnerungen Teil 1-3 1811-13, 1830 Teil 4)
Italienische Reise, erster und zweiter Teil (1816) Westoestlicher Divan
(1819) Wilhelm Meisters Wanderjahre (1829) Faust, 2. Teil (1831) Im
Internet unter Projekt Gutenberg sind viele der Werke Goethes zu finden.

Bei amazon.de finden Sie Buecher ueber Goethe und natuerlich seine
Gedichte, Dramen und Prosawerke.
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (gedichte-xbib-de):

Goethe - Biografie & Lebenslauf
 
 Johann Wolfgang von Goethe (*
28. August 1749 in Frankfurt am Main als J. W. Goethe; † 22. Maerz
1832 in Weimar; auch Goethe) ist als Dichter, Theaterleiter,
Naturwissenschaftler, Kunsttheoretiker und Staatsmann der bekannteste
Vertreter der Weimarer Klassik. Als Verfasser von Gedichten, Dramen
und Prosa-Werken gilt er als der groesste deutsche Dichter und ist eine
herausragende Persoenlichkeit der Weltliteratur.
 
 Herkunft und Jugend
(1749-1765)
 
 Goethes Vater, Johann Caspar Goethe (* 1710; † 1782),
war im kaiserlichen Rat vertreten. Er ging zunaechst auf eine der besten
Schulen des Landes, auf das Gymnasium Casimirianum in Coburg, hatte in
Leipzig Rechtswissenschaften studiert, am Reichskammergericht in Wetzlar
gearbeitet, Reisen nach Rom und Paris unternommen, und sich schliesslich
in seiner Vaterstadt Frankfurt niedergelassen, wo die Familie in einem
geraeumigen Haus am Grossen Hirschgraben lebte. Er ging dort seinen
Neigungen und Interessen nach; so widmete er sich der Zusammenstellung
eines Naturalienkabinetts und der Sammlung von Gemaelden.
 
 
  Goethe (Gedichte)
 Reisezehrung
 Maechtiges Ueberraschen
 Sie kann nicht enden
 Reineke
 Fuchs - VII. Gesang
 Reineke Fuchs - X. Gesang 2
Weitere Texte von Goethe "
 
 Goethes Mutter Catharina Elisabeth Goethe
(* 1731; † 1808) war eine geborene Textor. Die Tochter des Frankfurter
Buergermeisters hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe
geheiratet.
 
 Ausser der am 7. Dezember 1750 geborenen Schwester Cornelia
Friderike Christiana starben alle anderen Geschwister frueh. 1758
erkrankte Goethe an den Blattern (Pocken).
 
 Goethe wurde von seinem
Vater und durch Privatlehrer unterrichtet; auch erhielt er Unterricht
im Reiten und Fechten.
 
 Schon frueh interessierte er sich fuer die
Literatur, wobei er sein Augenmerk zunaechst auf Friedrich Gottlieb
Klopstock und Homer richtete. Mit 14 Jahren bewarb er sich bereits um
die Mitgliedschaft in der Arkadischen Gesellschaft zu Phylandria. Auch
begeisterte er sich fuer das Theater - so besuchte er waehrend der
franzoesischen Besetzung 1759 haeufig das franzoesische Theater im
Junghof. 1763 erlebte er ein Konzert des damals 7 Jahre alten Mozart.
 
Am 30. September 1765 verliess er Frankfurt, um in Leipzig das Studium der
Rechte aufzunehmen.
 
 Studium und Geniezeit (1765-1775)
 
 Von 1765 bis
1768 studierte Goethe in Leipzig. Er hoerte dort die Poetikvorlesung von
Christian Fuerchtegott Gellert und nahm an dessen Stiluebungen teil. Auch
nahm er Zeichenunterricht bei Adam Friedrich Oeser, dem Direktor der
Leipziger Akademie. Er verliebte sich in Kaethchen Schoenkopf und besang
diese Liebe in heiter-verspielten Versen in der Tradition des Rokoko
(Gedichtzyklus Annette).
 
 Auerbachs Keller und die dort beheimatete
Sage von Fausts Fassritt 1525 beeindruckten ihn so sehr, dass er spaeter
Auerbachs Keller als einzigen konkret existierenden Ort in sein Drama
Faust I aufnahm. - Ein Blutsturz zwang ihn, das Studium abzubrechen und am
28. August 1768 nach Frankfurt zurueckzukehren.
 
 Frankfurt/Strassburg
(1768-1770)
 
 Eine eineinhalbjaehrige, von manchen Rueckfaellen
unterbrochene Genesungszeit folgte. Waehrend der Rekonvaleszenz wurde er
liebevoll von Mutter und Schwester umsorgt. Eine Freundin der Mutter,
Susanne von Klettenberg, brachte ihn mit pietistischen Vorstellungen
in Beruehrung.
 
 Im April 1770 verliess er Frankfurt, um dem Wunsch
seines Vaters entsprechend in Strassburg sein Studium zu beenden.
 
 In
Strassburg lernte er Friederike Brion, eine Pfarrerstochter, kennen. Ihr
widmete er einige Gedichte, darunter z. B. "Willkommen und Abschied",
"Sessenheimer Lieder" und "Heidenroeslein".
 
 Frankfurt und Darmstadt
(1771) und dann nach Wetzlar (1772)
 
 Am 31. Aug. 1771 wurde Goethe in
Frankfurt als Advokat zugelassen. Damals stand er in Verbindung mit dem
Darmstaedter Hof, der der Empfindsamkeit huldigte; aus diesem Kreis sind
Schlosser und Johann Heinrich Merck hervorzuheben.
 
 Am 10. Mai 1772
ging Goethe zum Abschluss der juristischen Ausbildung als Referendar
an das Reichskammergericht in Wetzlar. Er war vom 25. Mai desselben
Jahres an Rechtspraktikant am Reichskammergericht. Seine Grosstante,
Frau Hofrat Susanne Cornelia Lange, die in Wetzlar lebte, vermittelte
ihm ein Haus, in dem er zusammen mit Jakob Heinrich Born, einem Bekannten
aus der Leipziger Studienzeit und Sohn des Buergermeisters von Leipzig,
wohnte. Nach der ungluecklichen Liebe zu Charlotte Buff verliess
Goethe Wetzlar am 11. September 1772 wieder.
 
 Er hatte gerade sein
Studium der Rechtswissenschaften abgeschlossen und wollte auf Draengen
seines Vaters Kenntnisse im Kameralrecht und in der Prozessfuehrung
sammeln. Goethes Vater hatte grosse Plaene mit seinem einzigen Sohn:
Sein Ziel war es, ihn zum Schultheissen in Frankfurt zu machen. Daher
hatte er seinen Sohn schon frueh mit Rechtsbuechern vertraut gemacht
und ihn viel auswendig lernen lassen.
 
 Es war nicht so, dass Goethe
das Praktikum am Reichskammergericht unwichtig gewesen waere. Er war
durchaus interessiert am Erscheinungsbild des Reichskammergerichtes,
da er hoffte, sich daraus ein Bild ueber die Zustaende im Reich machen
zu koennen. Er nahm Veraenderungen in der Rechtspraxis wahr und konnte
diese als Ganzes ueberschauen, war sich aber der Lueckenhaftigkeit
seiner Fachkenntnisse beim Studienabschluss bewusst. Goethe wollte
im Sinne von fortschrittlicher, humaner Rechtsprechung und Vollzug und
systematisch strukturierten und philosophisch begruendeten Gesetzen unter
Beruecksichtigung von psychischen und sozialen Faktoren arbeiten. Dies
laesst sich aus den erhaltenen 28 Akten des Advokaten Goethe ableiten.

 Dennoch besuchte er das Reichskammergericht sehr selten und nutzte
es kaum als Ausbildungsmoeglichkeit. Denn zum einen war er gegenueber
der Rechtspraxis skeptisch wegen der Korruption, die er als Ausdruck
der zerruetteten Verhaeltnisse in Deutschland sah. Diese hatte sein
Vater schon, als Goethe noch ein Kind war, angeprangert. Zum anderen
misstraute er dem Reichskammergericht und den Visitationen zwischen
1767 und 1776. Er glaubte wie viele andere junge Juristen, mit denen
er sich im Gasthof "Zum Kronprinzen" traf, nicht, dass diese etwas
verbessern koennten. Ausserdem behauptet Goethe spaeter, als er Dichtung
und Wahrheit niederschreibt, es habe sich schon in seiner Kindheit
gezeigt, dass er kaum aus Interesse an den Rechtswissenschaften Jurist
werden wollte, sondern vielmehr aus Reiselust.
 
 Nach dem Suizid des
Gesandtschaftssekretaers Karl Wilhelm Jerusalem Ende Oktober 1772 kehrte
Goethe vom 6. bis 10. November 1772 noch einmal fuer kurze Zeit nach
Wetzlar zurueck. Jerusalem war ein entfernter Bekannter von Goethe. Sein
Suizid war fuer Goethe der Ausloeser, seinen Roman Die Leiden des jungen
Werthers zu schreiben. Darin verbindet er die eigenen Erlebnisse mit
seiner angebeteten Charlotte Buff mit dem Schicksal Jerusalems, das er
in Gespraechen mit Personen, die kurz vor seinem Tod noch mit ihm zu tun
gehabt hatten, ergruendete. Der Roman wird ein grosser Erfolg und gilt
als literarische Initialzuendung der Empfindsamkeit und der Sturm und
Drang-Literatur. 1774 Lahnreise mit seinen Freunden Basedow und Lavater
nach Ehrenbreitstein. Im Anblick der Burg Lahneck: Geistesgruss.

 Weimar (1775-1805)
 
 1775-1776 betreibt Goethe einen intensiven
Briefwechsel mit Graefin Augusta Louise zu Stolberg-Stolberg, die in
dem adeligen Kloster zu Uetersen lebt.
 
 1776 tritt Goethe als Geheimer
Legationsrat in den Staatsdienst des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach
ein und bekam weitere politische Aufgaben. Er wohnte sechs Jahre in seinem
"Gartenhaus" (Goethes Gartenhaus), das der Herzog ihm schenkte und dessen
umliegenden Garten er als Parkgarten selbst plante und gestaltete. Diesen
"Garten am Stern" bezeichnete er spaeter in seinen Tagebuechern als
"untern Garten". Massgeblich beteiligt war er auch an der Planung des
Landschaftsgartens an der Ilm. Wollte, Gott haette mich zum Gaertner oder
Laboranten gemacht, ich koennte gluecklich sein schreibt er in seinem
Tagebuch.
 
 Er lernte die Hofdame Charlotte von Stein kennen. Zehn
Jahre lang verband die beiden eine innige Beziehung.
 
 1779 wird er
zum Geheimrat befoerdert. Die Entscheidung, das Angebot des acht Jahre
juengeren Herzog Carl August in dem Weimarer Mini-Staat ein wichtiges
Amt anzunehmen, war eine fuer politische Reformtaetigkeit. Goethe war
innerhalb des Kabinetts verantwortlich fuer eine wachsende Zahl von
Zustaendigkeiten. Politik blieb - auch nach seinem Ausscheiden aus dem
Staatsdienst - ein Feld, dem er seine stetige Aufmerksamkeit schenkte.

 In diesen Jahren begann er sich intensiv mit der Naturwissenschaft zu
beschaeftigen.
 
 Am 23. Juni 1780 wird er als Lehrling in die Weimarer
Freimaurerloge Anna Amalia zu den drei Rosen aufgenommen. Der Meister vom
Stuhl, Staatsminister Jakob Friedrich Freiherr von Fritsch, sah Goethe mit
Skepsis und uebergab daher den Hammer an Johann Christoph Bode. Er dachte
sogar wegen Goethes Ernennung zum Geheimrat an Ruecktritt von seinem Amt
als Staatsminister. Zum Gesellen wird Goethe am 23. Juni 1781 befoerdert,
am 2. Maerz 1782 zum Meister erhoben. Wenige Wochen nach dieser
Erhebung musste die Loge Amalia ihre Arbeit einstellen, da es in der
Freimaurerei in dieser Zeit zu Zerwuerfnissen kam.
 
 Der Herzog
vermietete ihm 1782 dann ein Haus am Frauenplan, das er ihm 1792
schliesslich schenkte. Hier lebte Goethe bis zu seinem Tod. Auch den
Garten am Frauenplan gestaltete der Dichter selbst. (1885, nach dem
Tod des letzten Enkels und Erben Goethes, wurde das Haus am Frauenplan
zum Nationalmuseum erklaert. Da nach dem Zweiten Weltkrieg sehr viel
zerstoert wurde, kam Karl Foerster nach Weimar und gestaltete den Garten
neu).
 
 Aufnahme in den Illuminatenorden am 11. Februar 1783 unter dem
Namen "Abaris", geworben von Johann Christoph Bode.
 
 1777 Erste Reise
in den Harz Am 10. Dezember ist er auf dem Brocken; dies gilt als die
erste Winterbesteigung dieses Berges. 1783 erfolgt die zweite Reise in
den Harz, im darauffolgenden Jahr 1784 die dritte und letzte Harzreise.

 1784 entdeckte er den Zwischenkieferknochen am menschlichen Schaedel.

 Reise nach Italien (1786-1788)
 
 Am 3. September 1786 verliess Goethe
fluchtartig die heimischen Gefilde. In Weimar war nur seinem vertrauten
Diener und Sekretaer Philipp Seidel sein Reiseziel bekannt. Goethe
gab sich in Italien unter dem Namen "Filippo Miller" aus. Die ersten
Briefe, welche Goethe nach Hause richtete, waren undatiert. Erst von
Rom aus gab er den Naechststehenden Nachricht ueber seine eigentlichen
Entschluesse und die Absicht, laengere Zeit in Italien zu bleiben.

 Seinen Aufenthalt in Italien beschreibt Goethe in der Italienischen
Reise. In Rom freundete er sich 1786 mit Heinrich Tischbein an, mit dem
er 1787 unter anderem nach Neapel reiste. Im selben Jahr entstand auch das
beruehmte Gemaelde Tischbeins, das Goethe als Reisenden in der roemischen
Campagna zeigt (siehe abgebildetes Detail). Auch Angelika Kauffmann lernte
er dort kennen. Goethe beschreibt seinen 15-monatigen Aufenthalt in der
"Hauptstadt der Welt" als Erfuellung eines Lebenstraumes - als "einen
zweiten Geburtstag, eine wahre Wiedergeburt". Er laesst sich als Kuenstler
von der Monumentalitaet der antiken Bauten inspirieren (Pantheon,
Kolosseum, Kaiserthermen u. a.)und studiert antike Skulpturen (Apoll
vom Belvedere, Herkules Farnese, Juno Ludovisi u. a.). Darueber hinaus
beschaeftigt er sich intensiv mit der italienischen Renaissance-Malerei
und bewundert neben Michelangelo vor allem Raffael als den Gipfel
der abendlaendischen Kunst und wahren Erneuerer der Antike. In den
"Roemischen Elegien" (1795) blickt der Begruender der deutschen
Klassik wehmuetig auf sein Rom-Erlebnis zurueck und aeussert den Wunsch
einst an der Pyramide des Cestius begraben zu werden. Damit macht er
deutlich, dass der Aufenthalt in Rom der entscheidende Anstoss fuer die
Entwicklung einer klassischen deutschen Dichtung war, die an die antike
Groesse anknuepft.
 
 1788 bis 1805
 
 Etwa ab dem 40. Lebensjahr muss
Goethe unbeweglich und steif gewesen sein. Er litt, wie sich spaeter
herausstellte, unter schweren Bandscheibenschaeden und Verwachsungen
mehrerer Brustwirbel.
 
 1795 begann seine Freundschaft mit Schiller, der
zuerst als Historieprofessor nach Jena gekommen war. Ihre Freundschaft
dauerte bis zu Schillers Tod 1805.
 
 1798 schrieb er die Elegie "Die
Metamorphose der Pflanzen".
 
 Nach 1805
 
 Im Jahr nach Schillers
Tod heiratete Goethe Christiane Vulpius, mit der er bereits seit 1789
zusammenlebte und mit der er den gemeinsamen Sohn August hatte.
 
 Am
Rande des Erfurter Fuerstenkongresses 1808 wurde Goethe von Napoléon
I. empfangen, der ihm das Kreuz der Ehrenlegion verlieh.
 
 1814
reiste Goethe in die Rhein- und Maingegenden. 1816 starb seine Frau
Christiane. 1817 begann er die "Geschichte seines botanischen Studiums"
"Zeitschrift Zur Naturwissenschaft ueberhaupt, besonders zur Morphologie"
(bis 1824).
 
 Freundschaft mit Kaspar Maria von Sternberg und Karl
Friedrich Zelter.
 
 Goethe starb am 22. Maerz 1832. Seine beruehmten
letzten Worte sollen "Mehr Licht!" gewesen sein. Er wurde am 26. Maerz in
der Fuerstengruft bestattet. Seine Grabrede hielt Johann Friedrich Roehr,
Generalsuperintendent in Weimar. (...)
 
 Naturwissenschaftliche Arbeiten

 
 In der Weimarer Zeit begann Goethe sich auch naturwissenschaftlich
zu beschaeftigen, vor allem auf dem Gebiet der Geologie und Botanik. Vor
allem in Italien suchte er seine "Urpflanze". Sein wissenschaftlicher
Ansatz als Botaniker: Alles ist Blatt und durch diese Einfachheit
wird die groesste Mannigfaltigkeit moeglich scheint heute allerdings
wissenschaftlich widerlegt. Er selbst betrachtete die Farbenlehre als
sein naturwissenschaftliches Hauptwerk. Aus physikalischer Sicht gilt
seine Farbenlehre heute als wenig naturwissenschaftlich; gerade zu diesem
Werk haben sich aber die bedeutendsten Physiker des 20. Jahrhunderts
geaeussert. In der Zoologie wurde er bekannt durch die Entdeckung des
Zwischenkieferknochens beim Menschenembryo, dessen Fehlen bis zu diesem
Zeitpunkt eines der wichtigsten Argumente gegen die Verwandtschaft des
Menschen mit den Affen war.
 
 Zu den naturwissenschaftlichen Spaetwerken
Goethes gehoert die Spiraltendenz der Vegetation (1831), in welcher er
aufzeigt, dass Lebendiges dazu tendiert, sich in Spiralen zu entfalten.
 
Mehr Beachtung als die Einzelergebnisse in Goethes naturwissenschaftlichen
Arbeiten fand die den Naturstudien zugrunde liegende Wissenschaftsmethodik
(Goetheanismus), die sich, anders als die Naturphilosophie der Romantik,
als empirisch (nicht spekulativ) versteht und die im Unterschied zum
positivistischen Empirismus den Menschen nicht als externen Beobachter,
sondern als innerhalb des Beobachteten und als zu diesem gehoerend
behandelt.
 
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freien Enzyklopaedie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz fuer freie
Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfuegbar.
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (gedichtePortal-de):

Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28.August 1749 in Frankfurt/Main als
Sohn desKaiserlichen Rater Dr.jur. Johann Caspar Goethe und Catharina
Elisabeth geboren. Da seine Eltern grossen Wert auf eine gute Ausbildung
legten, bekam Goethe bereits im fruehen Alter Privatunterricht in
Latein, Griechisch, Englisch, Italienisch und Schoenschreiben. Ein
Jahr nach ihm kam seine Schweser Cornelia zur Welt. Im Jahre 1765
schrieb er sich in Leipzig zum Jurastudium ein und hoerte dort noch
zusaetzlich Vorlesungen in Philosophie und Philologie, unter anderem
auch bei Christian Fuerchtegott Gellert. Im Sommer 1768 erlitt er einen
Blutstur, im Winter gleichen Jahres litt er an einer schweren Krankheit
mit einer lebensgefaehrlichen Krise. 1770 wechselte er den Studienort
und siedelte daher nach Strassbur. Dennoch lag sein Interesse weniger im
juristischen Bereich, vielmehr besuchte er in erster Linie medizinische
Vorlesungen. 1771 promovierte er zum Lizentiaten der Rechte und zog
anschliessend nach Frankfurt, wo er als Rechtsanwalt zugelassen wurde. Im
April 1775 verlobte er sich mit Lili Schoenemann, doch nur ein halbes
Jahr spaeter wurde das Verloebnis wieder geloest. Im Juni 1777 starb
seine Schwester Cornelia, zwei Jahre spaeter wurde er zum Geheimen Rat
ernannt. Im April 1782 erhob Kaiser Joseph II. Goethe in den Adelsstand,
nur einen Monat spaeter starb sein Vater. Im Maerz 1784 entdeckte Goehte
in Jena den Zwischenkieferknochen am menschlichen Obergebiss. Im Jahr
darauf begann er ein Studium der Botanik. Im September 1788 kam es
in Rudolstadt zu einer ersten Begegnung zwischen Goethe und Friedrich
Schiller. Ein Jahr spaeter wurde sein Sohn Julius August Walther geboren,
weitere vier Jahre spaeter folgte die Tochter Caroline, die jedoch
nur kurze Zeit lebte.Im Maerz 1798 kreuzten sich die Wege von Goethe
und Novalis. 1801 erkrankte er an Gesichtsrose. Zwei Jahre danach kam
seine Tochter Kathinka zur Welt, doch wie seine erste Tochter lebte auch
sein drittes Kind nur kurze Zeit. 1804 ernannte man ihn zum Wirklichen
Geheimen Rat mit dem Praedikat Exzellenz. Im folgenden Jahr machte ihm
mehrmals eine Nierenkolik sehr zu schaffen. Im Oktober 1806 heiratete er
Christiane Vulpius. 1808 starb Goethes Mutter. Im Dezember 1815 wurde
er zum Staatsminister ernannt. Ein halbes Jahr spaeter starb seine
Frau Christiane nach schwerer Krankheit. Er selbst erkrankte 1823 an
einer Herzbeutel- und Rippenfellentzuendung. Im Oktober 1830 starb sein
Sohn August, Goethe erlitt nur einen Monat spaeter einen Blutsturz. Am
22.Maerz 1832 starb Goethe nach einwoechiger Krankheit.
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (goethezeitportal-de):

Kuenstler- und Denkerenzyklopaedie
 
 Johann Wolfgang von Goethe
(1749-1832)
 
 
 1749-1765: Kindheit in Frankfurt
 
 Johann Wolfgang von
Goethe wird am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren. Die Jahre
1749 bis 1765 sind Zeiten wohlbehueteter Kindheit und vielseitiger
Ausbildung. Goethe wird als Sohn einer wohlhabenden, lutherischen
Familie in eine Welt der Traditionen hineingeboren. Der Vater laesst
seine Kinder reichhaltig, umfassend, vieles aber nur kurz anreissend
ausbilden. Ziel ist eine universale Bildung, die alle Bereiche der
Kuenste und Wissenschaften, mehrere Sprachen und Musikunterricht
fuer Klavier und Cello umfasst. Spaeter kommt noch Tanz-, Fecht-
und Reitunterricht auf die Kinder zu. Aber es gibt auch Theater-
und Konzertbesuche.
 
 
 
 1765-1768: Leipziger Studienjahre
 
 Im
Oktober 1765 kommt Johann Wolfgang von Goethe zum Jura-Studium nach
Leipzig. Das Studium betreibt er halbherzig. Mit einem stattlichen
Budget von 1000 Talern jaehrlich fuehrt er ein gesellschaftliches
Leben. Gottsched und Gellert lehren zu dieser Zeit in Leipzig. Goethe
befasst sich lieber mit Theologie, Naturwissenschaft und Medizin,
geht ins Theater, lernt radieren, kupferstechen und zeichnen bei Adam
Oeser, einem Freund Winckelmanns. Goethe verliebt sich in Anna Katharina
(Kaethchen) Schoenkopf.
 
 
 
 1768-1770: Frankfurter Intermezzo
 
 Nach
einer schwerer Krankheit kehrt Goethe Ende August 1768 nach Frankfurt
zurueck. Erst im Winter 1769 fuehlt er sich wieder einigermassen
gesund. In dieser Zeit ist Goethe auf der Suche, er besitzt keine feste
Orientierung. Sein Studium ist noch nicht beendet und auch der Wunsch des
Vaters nach einer Promotion noch nicht erfuellt. Insofern kann Frankfurt
nur eine Zwischenstation sein. In diesen Monaten pflegt der kranke und
genesende Goethe nicht nur den Umgang mit Pietisten wie Susanna von
Klettenberg (1723-1774), sondern studiert hermetische Schriften und
setzte alchimistische Versuche an. Ausserdem zeichnet und radiert er
weiter.
 
 
 
 1770-1771: Strassburg
 
 Ostern 1770 zieht der wieder
genesene Goethe zur Fortsetzung des Studiums nach Strassburg. Nach
nur einem Semester legt er das Kandidatenexamen ab, das eigentliche
Studium ist damit abgeschlossen. Im Sommer 1771 beginnt er mit der
Promotion. Diese wird jedoch von der Fakultaet abgelehnt. Er darf sich
danach in einer oeffentlichen Disputation von juristischen Thesen um
den Grad eines Lizentiaten bewerben. Dieser Titel galt eben so viel wie
der Titel eines Doktor juris. Goethe erwarb ihn mit dem Praedikat "Cum
applausu". Mehr interessieren ihn in dieser Zeit jedoch medizinische,
botanische, theologische und philosophische Studien. Vor allem die Chemie
ist seine "heimliche Geliebte".
 
 Anfang September 1770 trifft Johann
Gottfried Herder in Strassburg ein. Goethe besucht ihn oft. Der um fuenf
Jahre aeltere Herder erkennt Goethes Begabung und begeistert ihn fuer
Natur- und Volkspoesie, fuer Homer, Ossian und Shakespeare. "Gross und
bedeutend" nennt Goethe rueckblickend Herders Einfluss. Die beiden sollte
eine lebenslange Freundschaft verbinden. Zur gleichen Zeit verkehrt
der Student mit Heinrich Jung-Stilling (1740-1817) und Jakob Michael
Reinhold Lenz (1751-1792). Gepraegt ist die Strassburger Zeit aber durch
seine Liebe zu Friederike Brion (1752-1813). Goethe schrieb fuer sie
Gedichte, beispielsweise das "Mailied" und "Willkommen und Abschied".

 
 
 1771-1775: Wieder in Frankfurt
 
 Wieder in Frankfurt arbeitet
Goethe als Rechtsanwalt am dortigen Schoeffengericht. Im September
1771 legt der junge Anwalt den Advokateneid und auch den Eid als
Frankfurter Buerger ab. Nun stuende ihm eine Laufbahn offen, die auch
in repraesentative oeffentliche Aemter fuehren koennte. Goethe richtet
sich eine Kanzlei im Hause seiner Eltern ein und fuehrt Prozesse. Ende
1771 wird der "Goetz von Berlichingen" fertig, ein fuer den Sturm und
Drang vorbildliches Schauspiel.
 
 1772 beginnt Goethes eigentliche
schriftstellerische Laufbahn als Rezensent der Frankfurter Gelehrten
Anzeigen, dem bedeutenden publizistischen Organ des Sturm und Drang. Im
Mai 1772 schickt ihn der Vater nach Wetzlar ans Reichskammergericht. Auf
einem Ball in Volpertshausen lernt er Charlotte Buff kennen. Spaeter macht
er auch die Bekanntschaft ihres Verlobten Johann Christian Kestner. Das
Verhaeltnis der Drei wird durch Goethes Annaeherungsversuche getruebt
und im September verlaesst er daraufhin Wetzlar. Auf der Rueckreise
besucht er in Ehrenbreitstein Sophie La Roche und trifft dort deren
Tochter Maximiliane.
 
 Goethe schreibt den "Werther" im Februar und
Maerz des Jahres 1774. Es wird sein groesster internationaler Erfolg und
sein aufsehenerregendstes Buch. Darin eingegangen ist der Selbstmord
des Legationssekretaers Karl Wilhelm Jerusalem in Wetzlar. Dieser war
im Herbst 1772 an der Liebe zu einer verheirateten Frau zerbrochen. Mit
dem Erscheinen des "Goetz" und des "Werther" ist Goethe zur Symbolfigur
des Sturm und Drangs geworden. Unmittelbar nach dem "Werther" schreibt
er das Schauspiel "Clavigo". Ausserdem macht er Plaene fuer "Faust" und
"Egmont"
 
 Im Jahr 1775 verlobt er sich mit der Bankierstochter Anna
Elisabeth (Lili) Schoenemann, zu einer Heirat kommt es aber nicht. Im
Mai 1775 macht Goethe mit Friedrich Leopold (Fritz) und Christian Graf
zu Stolberg und Christian Graf von Haugwitz eine Bildungsreise in die
Schweiz. In Zuerich sind sie zu Gast bei dem Theologen Johann Caspar
Lavater, der Goethe seinerseits im Sommer 1774 in Frankfurt besucht
hatte. Nach der Rueckkehr nach Frankfurt loest Goethe die Verlobung mit
Lili.
 
 
 
 1775-1786: Weimar
 
 1774 hat Goethe Erbprinz Carl August von
Sachsen-Weimar-Eisenach (1757-1828) in Frankfurt kennen gelernt. Er laedt
Goethe an den Hof von Weimar ein und am 7. November 1775 kommt Goethe
dort an. Der Herzog stellt ihn in den Staatsdienst ein und bewilligt
ihm ein verhaeltnismaessig hohes Gehalt. Im Juni 1776 beruft der Herzog
Goethe als Geheimen Legationsrat in den Geheimen Conseil, die Zentrale
der Landesregierung. Drei Jahre spaeter uebernimmt Goethe die Weimarer
Kriegskommission und die Direktion des Wegebaus. Als Dreissigjaehriger
wird er zum Geheimen Rat ernannt. 1782 macht ihn der Fuerst zum Leiter
der Finanzkammer.
 
 Goethe beginnt eine Liebesbeziehung mit Charlotte
von Stein (1742-1827). 1782 zieht Goethe vom beruehmten Gartenhaus in
das Haus am Frauenplan in Weimar. Im gleichen Jahr wird er von Kaiser
Joseph II. in den Adelsstand erhoben. Er entdeckt sein Interesse fuer
Geologie und Mineralogie. In dieser Zeit unternimmt Goethe Reisen
nach Duesseldorf, in den Harz, nach Berlin, Frankfurt, ins Elsass,
in die Schweiz, nach Goettingen und Kassel. Auch dienstlich ist er
mit dem Herzog unterwegs. Nach Leipzig, Berlin, in den Harz und an
andere saechsische Hoefe, nach Schlesien, Krakau und Czenstochowa
geht die Fahrt. Er pflegt Kontakte zu Wieland und Herder, der auf
Goethes Wunsch nach Weimar gerufen worden war.
 
 In den ersten elf
Weimarer Jahren veroeffentlicht er kaum etwas. Den "Wilhelm Meister"
faengt der Dichter an, "Egmont", "Iphigenie" und "Tasso" werden nicht
vollendet. Der "Faust" bleibt ein Fragment. Dafuer entstehen einige
seiner bekanntesten und beruehmtesten Gedichte: "Ueber allen Gipfeln
ist Ruh'", "Grenzen der Menschheit" und "Das Goettliche". Fuer das
Weimarer Liebhabertheater schreibt Goethe zahlreiche Stuecke, fuehrt
Regie und schauspielert.
 
 Im Herbst 1779 reist Goethe mit dem Herzog
in die Schweiz. Sie machen vier Tage in Goethes Vaterhaus in Frankfurt
Station. Auf dem weiteren Weg besucht er auch Friederike Brion in
Sesenheim und Lili von Tuerckheim in Strassburg. Goethe beginnt seine
Naturstudien, die alle auf den Menschen bezogen bleiben, so weit sie
sich auch mit den Gebieten der Botanik und Zoologie, Mineralogie und
Geologie, Farbenlehre und Wolkenkunde beschaeftigen. Er liest Linné's
"Philosophie der Botanik" und schreibt dem schwedischen Naturforscher
spaeter den groessten Einfluss nach Shakespeare und Spinoza zu. Im Maerz
1784 gelingt ihm, wie er glaubt, eine anatomische Entdeckung: das os
intermaxillare.
 
 Im Sommer 1785 begibt sich Goethe zum ersten Mal zur
Kur ins boehmische Karlsbad. Bis 1823 wiederholt er die Fahrt dorthin
sechszehnmal. Waehrend der zweiten Badereise plant Goethe bereits seine
"Flucht" nach Italien. Am 3. September 1786 setzt er den Plan in die
Tat um.
 
 
 
 1786-1788: Italien
 
 Die "Flucht" nach Italien fuehrte
Goethe ueber den Brenner, Trient, den Gardasee nach Verona, dann nach
Venedig, Padua und schliesslich Rom. Dort findet er Kontakt zu deutschen
Kuenstlern wie Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829), Angelika
Kauffmann (1741-1807) und Karl Philipp Moritz (1756-1793). Von Tischbein,
der auch Goethe-Tischbein genannt wird, stammt das Gemaelde "Goethe
in der Campagna" (1786-1788). Vier Monate dauert der erste Aufenthalt
in Rom. Dann reist Goethe am 22. Februar 1787 zusammen mit Tischbein
weiter nach Neapel. Bald darauf geht die Fahrt mit dem Landschaftsmaler
Christoph Heinrich Kniep weiter bis nach Sizilien. Im Mai kehren sie
ueber Neapel nach Rom zurueck. Hier beginnt am 7. Juni 1787 Goethes
zweiter Aufenthalt in Rom, der fast noch ein Jahr dauert. Er studiert die
alte Baukunst und die Bildende Kunst in Museen und Sammlungen. Goethe
ist in Italien aber nicht nur Kunstbetrachter, sondern er versucht,
sich selbst als Kuenstler weiterzubilden. Er zeichnet, aquarelliert und
lernt das Modellieren. Rund 850 Zeichnungen sind aus seiner italienischen
Zeit erhalten.
 
 Ebenfalls in dieser Zeit schreibt er die "Iphigenie"
in Verse um und bringt den "Egmont" zu Ende, arbeitet am "Tasso" und am
"Faust". Am 23. April 1788 bricht er mit Christoph Kayser zur Rueckreise
in den Norden auf. Sie reisen bis Juni ueber Siena, Florenz, Bologna,
Parma und Mailand. Durch die Schweiz und Konstanz, Nuernberg, Erlangen,
Bamberg, Coburg. Seine Darstellung der "Italienischen Reise" verfasst
er erst dreissig Jahre spaeter. Sie basiert auf dem "Reise-Tagebuch"
fuer Charlotte von Stein und auf Originalbriefen und -notizen.
 

 
 1788-1832: Weimar
 
 1788 kommt Goethe wieder in Weimar an. Der
Herzog, nicht boese ueber die Abwesenheit, gibt Goethes Neigungen nach,
entbindet ihn von den Regierungsgeschaeften, laesst ihm aber den Sitz
im Ministerrat und die Bezuege. Goethe ist nun eine Art Kulturminister
mit der Oberaufsicht ueber die Anstalten ueber Wissenschaft und Kunst,
beispielsweise die Universitaet Jena. Ab 1791 leitet Goethe dann auch
das neue Weimarer Hoftheater, ein Amt, das er bis 1817 inne hat.
 
Die Liaison mit Charlotte von Stein wird nicht wieder aufgenommen,
sondern Goethe beginnt ein Verhaeltnis mit Christiane Vulpius.
 
 Der
Minister Goethe verfolgt die Geschehnisse der Franzoesischen Revolution
mit Interesse und setzt sich beispielsweise in den "Revolutionsdramen",
der Novellensammlung "Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten" (1795)
und dem Versepos "Hermann und Dorothea" (1797) damit
auseinander. Zunehmend beschaeftigt sich Goethe mit den
Naturwissenschaften. Sein Interesse gilt der Anatomie, Botanik,
Mineralogie, Optik und der Farbentheorie.
 
 1790 besucht Goethe zum
zweiten Mal Italien. Er reist bis Venedig der Herzogenmutter entgegen,
doch seine Begeisterung fuer das Land ist verflogen. 1792 zieht er mit
Carl August nach Frankreich, um am Krieg Oesterreichs und Preussens
gegen die Revolutionsregierung teilzunehmen. Das Erlebnis wird in der
Schrift "Die Kampagne in Frankreich" erlaeutert.
 
 1794 beginnt die
Freundschaft mit Friedrich Schiller, die beide zu produktiver Arbeit
anregt. 1805 erkranken sowohl Goethe als auch Schiller schwer. Am 9. Mai
des gleichen Jahres stirbt Schiller, Goethe, der selbst unter heftigen
Nierenkoliken leidet, ist erschuettert. Am 13. April 1806 protokollierte
er dann im Tagebuch: "Schluss von Fausts I. teil". Damit erfuellt er
noch einen Wunsch Schillers. Im Januar 1795 kommt der erste Band von
"Wilhelm Meisters Lehrjahre" heraus.
 
 Auf der dritten Schweizer Reise
1797 machte Goethe in seiner alten Heimatstadt Frankfurt Station und
liess auch Christiane und seinen Sohn nachkommen, um sie der Mutter
vorzustellen. Immerhin hat er vor der Reise seine Familie testamentarisch
abgesichert. Diese Reise in die Schweiz war die letzte groessere Reise
Goethes.
 
 Goethe hielt sich nun oft in Jena auf. Dort verliebte er sich
im Winter 1807 ungluecklich in Wilhelmine (Minchen) Herzlieb (1789-1865),
Pflegetochter des Buchhaendlers Frommann. In diese Zeit fallen die
"Sonette", die "Wahlverwandtschaften" und seine "Farbenlehre". Im Oktober
1808 wird Goethe waehrend des Erfurter Fuerstenkongresses von Napoleon
empfangen. Spaeter erhaelt er das Kreuz der Ehrenlegion.
 
 1811 beginnt
er mit der Niederschrift seiner Kindheitserinnerungen, die er "Dichtung
und Wahrheit" nennt. Dazu faehrt er im Sommer 1814 und im Fruehjahr 1815
noch einmal in die Gegenden rund um Rhein und Main, in denen er seine
Kindheit und Jugend verbracht hat. Auf einer dieser Reisen verliebt er
sich in Marianne Jung (1784-1860), die spaeter den Bankier und Geheimen
Rat in Frankfurt, Johann Jakob von Willemer, heiratet. Diese Begegnung
inspiriert Goethe zu den Liebesgedichten im "West-oestlichen Diwan".

 1815 wird das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach durch Beschluss des
Wiener Kongresses Grossherzogtum. Goethe bekleidet damit das Amt eines
Staatsministers. Im Sommer 1821 faehrt Goethe zur Kur nach Marienbad und
lernt dort die 17-jaehrige Ulrike von Levetzow kennen. 1817 verzichtet
Goethe auf das Frankfurter Buergerrecht. Seit dem Wiener Kongress
durfte das Vermoegen bei Aufgabe des Buergerrechts ausgefuehrt werden,
ohne den "Zehnten Pfennig" zu zahlen. Goethe entgeht zudem der gerade
beschlossenen Einkommenssteuer. Zuvor hat er auch ein Stellenangebot aus
Frankfurt ausgeschlagen: Nach dem Tod seines Onkels, des Schoeffen Textor,
wollte man ihm dort die Stelle eines Ratsherrn anbieten.
 
 In den letzen
beiden Lebensjahrzehnten beschaeftigt Goethe die Sekretaere Friedrich
Wilhelm Riemer (1774-1845) ab 1814 und ab 1823 Johann Peter Eckermann
(1792-1854). Dieser spornt Goethe zur Arbeit am zweiten Teil des "Faust"
an, den der Dichter daraufhin zwischen 1825 und 1831 vollendet. Aber
er moechte das Werk zu seinen Lebzeiten nicht mehr veroeffentlichen,
sondern uebergibt es seinen Nachlassverwaltern. In seinem Haus am
Frauenplan kuemmert sich Schwiegertochter Ottilie bis zu seinem Tod um
ihn.
 
 Am 22. Maerz 1832 stirbt der grosse deutsche Dichter und wird
in der Fuerstengruft zu Weimar beigesetzt.
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (johann-wolfgang-goethe-de):

KINDHEIT, JUGEND UND STUDIUM
 
 1749
 Johann Wolfgang Goethe wird
am 28. August in Frankfurt am Main geboren. Mutter Catharina
Elisabeth stammt aus der Juristenfamilie Textor, die ebenfalls
in Frankfurt ansaessig ist. Sein Vater Johann Caspar ist der Sohn
eines vermoegenden Modeschneiders und unterrichtet Goethe spaeter in
Eigenregie. Der als streng geltende Jurist und Privatier besitzt ueber
2.000 Buchbaende und sammelt Kunstwerke und Naturalien, darunter auch
italienische Stiche. Goethes Italien-Faszination laesst sich auch darauf
zurueckfuehren.
 Goethe hat fuenf Geschwister, doch nur Schwester Cornelia
und er ueberleben das Kindesalter. Cornelia stirbt mit 26 Jahren als
Ehefrau des Juristen Johann Georg Schlosser. Goethes Familie ist fromm und
praktiziert den christlichen Glauben.
 1756 - 1763
 Siebenjaehriger Krieg:
Frankfurt wird von den Franzosen besetzt, der ranghoechste Offizier wird
in Goethes Elternhaus einquartiert. Daher hat Goethe sein Faible fuer
den Typus des gebildeten Offiziers.
 
 
 
 1765 - 1767
 Goethe studiert
auf Wunsch des Vaters Jura in Leipzig, damals "Klein Paris” genannt. Er
trifft Adam Friedrich Oeser, Maler und Leiter der "Zeichnung- Malerey-
und Architectur-Academie”, bei dem er Zeichenunterricht nimmt und ueber
den er die Schriften Johann Joachim Winckelmanns kennen lernt, die Goethes
Aesthetik stark beeinflussen.
 1767
 Erste grosse Veroeffentlichung:
"Annette” mit 19 Gedichten ueber die damals 19-jaehrige Anna Katharina
Schoenkopf ("Kaethchen”) mit der er 2 Jahre bis 1768 zusammen war. In
einer psychischen sowie gesundheitlichen Krise verbrennt Goethe einen
Grossteil seiner bisherigen Dichtungen, weil er an seinem dichterischen
Talent zweifelt.
 1767/1768
 "Die Laune des Verliebten”, ein Schaeferspiel
in Versen, entsteht.
 1768
 Im Juli erleidet Goethe einen Blutsturz und
eine Lungenaffektion. An seinem 19. Geburtstag verlaesst Goethe Leipzig
und kehrt nach Frankfurt zurueck, im Dezember wird Goethe sterbenskrank
aufgrund seiner in Leipzig ausgebrochenen Krankheit. Er vertieft sich
in die Religion (auch alchemistische Schriften).
 Zeitgleich entstehen
das erste seiner Mondgedichte namens "An den Mond” (spaeter: "An Luna”)
sowie sein erstes Lustspiel "Die Mitschuldigen”.
 1770
 Goethe setzt
Anfang April sein Jura-Studium in Strassbourg fort und erhaelt den
dem Doktortitel fast ebenbuertigen Grad des Licentiatus Juris. Weil
er in seiner Doktorarbeit ketzerische Aussagen getroffen haben soll,
bleibt ihm der echte Doktortitel versagt.
 Im September lernt er Johann
Gottfried Herder - Kunst- und Literaturtheoretiker - kennen, der ihn stark
beeinflusst.
 Im Herbst lernt Goethe im Elsass in Sesenheim Friederike
kennen, die Tochter des Landgeistlichen Brion, und verliebt sich in
sie. Er verfasst die Sesenheimer Lieder.
 
 STURM UND DRANG
 
 1771
Kurz vor seinem 22. Geburtstag kehrt Goethe nach Frankfurt zurueck und
richtet im Elternhaus eine Kanzlei ein. Vier Jahre lang arbeitet er aktiv
als Jurist, betreut dabei aber nur wenige Faelle.
 Im November/Dezember
schreibt er innerhalb von sechs Wochen das Drama "Goetz von Berlichigen”
(urspr. "Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand”),
ein Werk, das die Normen des Klassizismus sprengt. Unter Ruecksicht
auf die Konventionen entschaerft Goethe die Fassung, die trotzdem als
Revolution empfunden wird. Das gefaellt in erster Linie den juengeren
Poeten, das Stueck gilt somit als dramatisches Gruendungsdokument des
Sturm und Drang.
 1772
 Goethe macht auf Draengen seines Vaters hin ein
Praktikum am Reichskammergericht in Wetzlar und lernt das Paar Charlotte
Buff und Johann Christian Kestner kennen. Er verliebt sich in Charlotte
und verlaesst Wetzlar nach einigen Monaten. Die Liebe zu der Verlobten
seines Kollegen Kestner und andere Erfahrungen sind die Grundlage fuer
Goethes Briefroman "Die Leiden des jungen Werther”.
 Goethe kehrt nach
Frankfurt zurueck und erlebt dort eine kreative Hochphase, in der er
unter anderem "Prometheus” verfasst.
 
 
 
 1773
 Entstehungsphase des
sogenannten "Urfaust”, der von Goethe selbst nicht veroeffentlicht wird.
1774
 Veroeffentlichung des innerhalb von vier Wochen geschriebenen
Briefromans "Die Leiden des jungen Werther”, der als Sinnbild fuer den
durch eine unerfuellte Liebe in den Selbstmord getriebenen, in seinem
Gefuehlsueberschwang an einer widerstaendigen Umwelt zerbrechenden
Schwaermer steht. Der Roman kommt bei der Bevoelkerung sehr gut an,
man kann sich mit Werther identifizieren.
 Im Mai: Veroeffentlichung von
"Clavigo”, "Stella” und "Schauspiel fuer Liebende”. In der urspruenglichen
Fassung von Stella geht die Hauptfigur Fernando ein Dreiecksverhaeltnis
mit Stella und Caecilie ein, was das Publikum so schockiert, dass Goethe
spaeter den Schluss durch ein tragisches Ende ersetzt. "Clavigo” stellt
Goethes erstes zeitgenoessisches Theaterstueck dar.
 
 MINISTERZEIT IN
WEIMAR
 
 1775
 Goethe erschafft die Singspiele "Erwin und Elmire” und
"Claudine von Villa” als Adaption auslaendischer Opernformen.
 Herzog Carl
August von Sachsen-Weimar-Eisenach laedt Goethe nach Weimar ein.
 1776
im Juni wird Goethe gegen den Widerstand von Seiten des Adels Mitglied
des obersten Regierungsgremiums des Herzogs, dem "Conseil” (1815 wird
dies durch das Grossherzogliche Staatsministerium ersetzt) und danach,
um weiteren Schwierigkeiten vorzubeugen, in den Adelsstand erhoben.
Goethe versucht, auf den Herzog einzuwirken, die Staatsausgaben unter
die -einnahmen zu druecken, zum Beispiel durch Reduzierung der Truppen
um die Haelfte.
 
 
 
 1777
 Veroeffentlichung des Gedichts "Harzreise im
Winter”, in dem sich Goethes Spaltung zwischen Dichterberuf und amtlicher
Praxis widerspiegelt.
 In diesem Jahr begegnet Goethe ausserdem Charlotte
von Stein. In der Beziehung zu ihr sieht Goethe das Streben nach in der
Liebe erfahrener Wahrheit.
 1779
 Goethe veroeffentlicht die Prosafassung
der "Iphigenie auf Tauris”, in deren Theaterauffuehrung er selbst den
Orest spielte.
 1780
 Er beginnt seine Naturforschungen, auf die spaeter
Goethes Abhandlungen ueber die Natur folgen.
 1782
 Goethe wird vom Herzog
zum Kammerpraesidenten (Finanzminister) ernannt, in der Hoffnung, den
Staatshaushalt weiter zu konsolidieren. Er foerdert die Landwirtschaft,
ist in der Kriegskommission, der Wege- und Wasserbaudirektion sowie der
Bergwerkskommission taetig.
 1783
 Goethe trifft Herder wieder, eine
Freundschaft entwickelt sich.
 Im Gedicht "Ilmenau” beschreibt Goethe das
Leben des Herzogs Carl August - vom zuegellosen Jugendtreiben zum jetzigen
Wirken im Interesse des Landes.
 1784
 In diesem Jahr entsteht der Aufsatz
"Ueber den Granit in Verbundenheit” zu seinen naturwissenschaftlichen
Forschungen.
 
 GOETHE IN ITALIEN
 
 1786
 Goethe konzentriert sich
mehr auf den kulturpolitischen Bereich, bleibt jedoch Berater fuer den
Herzog. Er beaufsichtigt die Universitaet Jena.
 Goethe resigniert
in Anbetracht des Nichterreichens der gesteckten Ziele in Weimar,
sieht die Preisgabe seines poetischen Talents zugunsten der amtlichen
Taetigkeit als fragwuerdig und fluechtet am 3. September in Absprache
mit dem Herzog nach Rom. Damit leitet Goethe die Weimarer Klassik ein.
1787
 Im Februar 1787 zieht Goethe weiter nach Neapel, setzt im Maerz
nach Sizilien ueber und kehrt im Juni nach Rom zurueck.
 Waehrend seiner
Italien-Reise trifft er Johann Heinrich Meyer und Karl Philipp Moritz,
es entstehen nur wenige neue Werke. Goethe arbeitet an vorher in Weimar
angefangenen Werken, z.B. der Versform der "Iphigenie auf Tauris”,
"Torquato Tasso” sowie "Faust” und schliesst "Iphigenie auf Tauris” und
"Egmont” (Prosa, 12 Jahre der Entstehung) ab. In "Iphigenie auf Tauris”
kommt Goethes Grundueberzeugung zum Ausdruck, dass allein Wahrheit
Friede sei und beides im Weiblichen begruendet sei.
 
 
 
 1788
 Im
Juni kommt Goethe nach zweimonatiger Reise wieder in Weimar an und
erklaert dem Herzog, er haette sich selbst als Kuenstler, als Dichter
wiedergefunden, waere wiedergeboren. Nach seiner Rueckkehr nach Weimar
wird er seiner bisherigen Aemter enthoben.
 Goethe lernt die buergerliche
Christiane Vulpius kennen, Schwester des Schriftstellers Christian August
Vulpius. Aufgrund von Goethes Adelsstand wird die Verbindung von Goethe
zu Christiane Vulpius als Missstand angesehen. In dieser Zeit entstehen
auch die "Erotica Romana”, deren Freizuegigkeit auch von engen Freunden
Goethes wie Charlotte von Stein und Herder kritisiert wird.
 1789
 Im
Sommer 1789, kurz vor Ausbruch der Franzoesischen Revolution, vollendet
Goethe "Torquato Tasso” (klassisches Drama, erstes echtes Dichterdrama).
1790
 1790 folgt eine weitere unfreiwillige Italienreise, bei der Goethe
der aus Italien zurueckkehrenden Herzogin Anna Amalia entgegenreist. Es
entstehen die 1795 publizierten "Venetianischen Epigramme”. Diese
beschreiben im Gegensatz zur ersten Italienreise die Schattenseiten
Italiens und beschaeftigen sich mit der Franzoesischen Revolution.
 Goethe
widmet sich wieder verstaerkt den Naturwissenschaften und schreibt den
"Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren”.
 Goethe glaubt,
die Farbenlehre Newtons widerlegt zu sehen, weil er beim Blick durch
ein Prisma keine Zerlegung in Farben erkennen kann, wie Newton es
beschrieben hatte. Er uebersieht, dass diese Farben sich allerdings auf
weissem Papier wieder zu weiss vereinen. Goethe sieht das Licht als das
Goettlich-Eine, Farben entstuenden durch das Zusammenspiel von hell und
dunkel. Er konzentriert sich auf die subjektive Wahrnehmung der Farben
und beeinflusst mit seinen Theorien die romantischen Poeten sowie
die Maler seiner Zeit.
 1791
 Goethe wird Direktor des Hoftheaters
(bis 1817), Leiter des Freien Zeicheninstituts sowie Mitglied
in verschiedenen Kulturkommissionen.
 
 WEIMARER KLASSIK
 
 1794
Goethe lernt Friedrich Schiller kennen. Beide verbindet die Ablehnung
der Franzoesischen Revolution, beide arbeiten an der literarischen
Zeitschrift "Die Horen”. Sie beeinflussen sich gegenseitig in ihren
Werken (Schiller: "Wallenstein”, Goethe: "Wilhelm Meisters Lehrjahre”,
die er seit 1775 in Bearbeitung hat).
 1795
 In diesem Jahr erscheinen
die "Roemischen Eligien” (auch "Erotica Romana”), die bereits um 1790 als
Gedichtzyklus entstanden waren.
 Durch den Vertrag von Basel erhaelt das
Grossherzogtum fuer 10 Jahre einen neutralen Status bzw. Friedensstatus
- auch aufgrund des Mitwirkens Goethes und Schillers.
 1796
 Der erste
Teil des Musenalmanach erscheint, an dem Goethe und Schiller gemeinsam
gearbeitet haben und in dem sie ihre Kritiker aufs Korn nehmen.
 
 

 1797
 Entstehungsjahr von Goethes Gedicht "Der Zauberlehrling”.
1800
 Erstes Festspiel Palaeophron und Neoterpe anlaesslich des
Geburtstags der Herzogin-Mutter Anna Amalia.
 1803
 Entstehung von
"Die natuerliche Tochter” als einzig vollendeter Teil einer Trilogie zum
Thema Franzoesische Revolution
 Schiller und Goethe arbeiten gemeinsam an
Theaterstuecken, wovon 1803 "Die Braut von Messina” erstmals aufgefuehrt
wurde.
 1805
 Schiller stirbt am 9. Mai, womit die praegende Periode
der Weimarer Klassik zu Ende geht. Goethe wendet sich mehr der Romantik
zu und versucht, Klassik und Romantik in seinen Werken zu vereinen.
 
AUTOBIOGRAPHISCHE ARBEITEN
 
 1806
 Goethe heiratet Christiane Vulpius,
die sich den durch die Stadt ziehenden und pluendernden franzoesischen
Soldaten nach einer verlorenen Schlacht entgegenstellte und Goethe
vor Schlimmerem bewahrte.
 1808
 Zweites Festspiel: "Pandora” (nur
Fragmente).
 "Faust, der Tragoedie erster Teil” erscheint.
 
 
 
 1809

 Goethe beginnt mit seinen autobiographischen Arbeiten "Dichtung und
Wahrheit”, die Teile von Goethes Biographie zwischen zwischen 1749 und
1775 aufgreift. Auch vor dem Hintergrund von Schillers Tod hegt er den
Wunsch, das Gewesene fuer die Nachwelt zu fixieren. Ausserdem erfolgt
die Veroeffentlichung von "Wahlverwandtschaften”.
 1810
 "Opus zur
Farbenlehre”
 1814
 1814 erscheint der dritte und letzte vollstaendige
Teil von "Dichtung und Wahrheit”, der 4. Teil wird unterbrochen durch
"Faust II” und vor Goethes Tod nicht mehr ganz fertig gestellt.
 Die
Franzoesische Revolution endet, Goethe reist danach zu den Orten von
Goethes Kindheit und Jugend im Rhein-Main-Gebiet.
 
 ALTER IN WEIMAR

 1815
 Goethe nimmt seine politischen Arbeiten wieder auf und  wird
zum Staatsminister und Ressortleiter der "Anstalten fuer Wissenschaft
und Kunst" in Weimar und Jena ernannt.
 In seinen letzten Lebensjahren
festigt sich bei Goethe die Vorstellung einer Weltliteratur im Zuge
der Internationalisierung, die Erzeugnisse einzelner Nationen werden
Gemeingut.
 Premiere des Festspiels "Des Epimenides Erwachen” anlaesslich
des Sieges Napoleons und des Endes der Befreiungskriege.
 1816
 Tod von
Goethes Ehefrau Christiane.
 1818
 "Um Mitternacht”
 
 
 
 1819
 Von
1819 bis 1825 schreibt er die "Annalen meines Lebens”. In dieser Zeit
veroeffentlicht er ausserdem den "West-oestlichen Divan”, in dem die
Faszination Goethes an der altpersischen Dichtung zum Ausdruck kommt.
1821
 Goethe lernt als 74jaehriger die 17jaehrige Ulrike von Levetzow
kennen und verliebt sich zwei Jahre spaeter in sie. Ulrikes Mutter lehnt
Goethes Antrag ab, woraufhin die Liebesklagen "Eligie” entstehen.
Der erste Teil des Goethe-Romans "Wilhelm Meisters Wanderjahre”
wird veroeffentlicht.
 1823/24
 "Trilogie der Leidenschaft1824
"Der Braeutigam”
 1825
 Die Arbeiten an "Faust II” beginnen.
 1827

 Goethe veroeffentlicht die "Ausgabe letzter Hand”, eine Sammlung
von Gedichtbaenden, das wichtigste Gedicht ist dabei "Urworte:
Orphisch”.
 1828
 Herzog Carl August stirbt.
 Veroeffentlichung von
"Novelle” (Prosadichtung).
 1829
 In "Ausgabe letzter Hand” (Band
21-23) veroeffentlicht Goethe die Neufassung von "Wilhelm Meisters
Wanderjahre”. "Faust” wird in Braunschweig uraufgefuehrt, wobei Goethe
nicht anwesend ist, weil er das Stueck nicht als fuer die Buehne
geschaffen sieht.
 1830
 Goethes Sohn August stirbt.
 1832
 Goethe
stirbt am 22. Maerz vermutlich an einem Katarrhfieber mit folgendem
Herzinfarkt. Bis heute haelt sich das Geruecht, seine letzten Worte
lauteten "Mehr Licht!”. Goethe wird neben Carl August und Friedrich
Schiller in Weimar begraben.
 In den "Nachgelassenen Werken” erscheint
"Faust. Der Tragoedie zweiter Teil”. Goethe verfuegte, dass diese zu
seinen Lebzeiten nicht veroeffentlicht werden sollte.
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (literaturwelt-com):

Leben
 
 Kindheit, Jugend und Studienzeit
 
 Johann Wolfgang Goethe
wurde am 28. August 1749 als Sohn des kaiserlichen Rates Johann
Caspar Goethe und seiner Frau Catharina Elisabeth in Frankfurt am Main
geboren. Von seinen fuenf Geschwistern ueberlebt nur Cornelia (geb. am
7. Dezember 1750), mit der er seine Kindheit gemeinsam verbringt und ein
enges Verhaeltnis aufbaut. Ab 1752 besucht Goethe drei Jahre lang die
Frankfurter Spielschule. Mit dem Umbau des Elternhauses 1755 erhaelt der
junge Goethe Privatunterricht. In seiner Jugend wird er Zeuge bedeutender
historischer Ereignisse, u.a. die Besetzung Frankfurts durch die Franzosen
1759 oder die Kroenung Josephs des Zweiten 1764. Im Oktober 1765 nahm er
auf Wunsch seines Vaters ein Jurastudium in Leipzig auf. Nebenher besuchte
Goethe auch philosophische und literaturgeschichtliche Vorlesungen,
u. a. bei Gellert und Gottsched. Er beschaeftigte sich ausserdem in
dieser Zeit mit Lessing und der Aufklaerung sowie mit Klopstock und der
Empfindsamkeit. Bei Adam F. Oeser nahm er Zeichenunterricht. Im August
1768 muss er das Studium wegen schwerer Krankheit abbrechen. Goethe
kehrte daraufhin wieder ins Elternhaus zurueck. Seine Genesung verzoegerte
sich durch einige Rueckfaelle bis Maerz 1770. In dieser Zeit wird Goethe
vor allem von religioeser Lektuere beeinflusst, angeregt durch Susanna
Katharina von Klettenberg. Von April 1770 bis August 1771 setzt Goethe
in Strassburg sein Jurastudium fort. Auch Herder hielt sich um diese
Zeit in Strassburg auf. Goethe knuepfte in Strassburg Kontakte zu Jakob
Michael Reinhold Lenz, und Gottfried von Herder und machte Bekanntschaft
mit Friedericke Brion. Ihr widmete er zahlreiche Gedichte, darunter
das Heidenroeslen, Mailied und Willkommen und Abschied. Im August 1771
promoviert Goethe zum Lizentiaten der Rechte.
 Der Stuermer und Draenger

 
 Nach seiner Promotion in Strassburg kehrt Goethe nach Frankfurt
zurueck. Er nimmt seine Arbeit als Rechtsanwalt auf, wandte sich aber
nebenher verstaerkt der Dichtung zu. So konnte er die Urfassung von Goetz
von Berchlingen vollenden, die Geschichte Gottfriedens von Berlichingen
mit der eisernen Hand. 1772 macht Goethe Bekanntschaft mit Charlotte
Buff, als er Praktikant im Reichskammergericht in Wetzlar ist. Ausserdem
arbeitet er an den Frankfurter Gelehrten Anzeigen mit, das den Beginn
seiner schriftstellerischen Karriere markiert. Die unerfuellte Liebe zu
Charlotte Buff regt Goethe zu seinem Briefroman Die Leiden des jungen
Werthers an, der ihn schlagartig beruehmt machte. Es entstanden auch
einige Hymnen, darunter Ganymed, Prometheus und Wanderers Sturmlied. In
der Zeit zwischen 1773 und 1775 arbeitet Goethe an ersten Fassungen seiner
Dramen Urfaust, Prometheus und Mahomet. Dabei orientiert er sich besonders
an den Werken Shakespeares. Auf seinen Reisen im Jahr 1774 nimmt Goethe
Kontakt zu Johann Caspar Lavater, den Bruedern Jacobi und Karl August von
Sachsen-Weimar-Eisenach auf. Im April 1775 kommt es zur Verlobung mit Lili
Schoenemann, die aber ein halbes Jahr spaeter wieder geloest wird.
 Das
erste Weimarer Jahrzehnt
 
 Goethe wird gegen Ende des Jahres 1775 von
Karl August nach Weimar eingeladen. Dort macht er erste Bekanntschaft mit
Charlotte von Stein. Im November siedelt er schliesslich ganz ueber. In
Weimar war die einflussreiche Herzogin Anna Amalia ansaessig, die
bedeutende Persoenlichkeiten des deutschen Schriftstellerlebens um sich
versammelte. Darunter befand sich auch Christoph Martin Wieland. Mit der
Ankunft Goethes nahmen die kulturelle Aktivitaet der Stadt Weimar enorm
zu. 1776 bis 1782 wohnte Goethe in einem Gartenhaus an den Ilmwiesen. Er
wird Beamter der Stadt Weimar und zum Geheimen Legationsrat ernannt. 1776
kommt auch Herder, als Generalsuperintendent, nach Weimar. Mit der
Oberaufsicht ueber den Illmenauer Bergbau und der engen Beziehung
mit Charlotte von Stein verstaerkt sich Goethes gefasster Entschluss,
in Weimar zu bleiben. 1777 stirbt seine Schwester Cornelia. Waehrend
sein Schauspiel Stella (1776) noch vom Sturm und Drang gepraegt war,
setzt sich jetzt der Humanismus-Gedanke in Goethes Werken allmaehlich
durch. 1779 entsteht die Prosafassung von Iphigenie auf Tauris, die
1786 in Blankverse umgeschrieben wurde. Im Januar 1779 wird Goethe die
Leitung der Kriegs- und Wegebaukommission uebertragen, durch die er
viele Dienstreisen mit dem Herzog unternahm. Im September wird Goethe
zum Geheimen Rat ernannt. Die Aufsicht ueber den Bergbau in Illmenau
veranlasst Goethe sich mit mineralogischen Studien zu beschaeftigen. 1782
stirbt sein Vater. Goethe bezieht des Haus am Frauenplan. 1784 entdeckt
er den Zwischenkieferknochen des Menschen. 1785 sind die Arbeiten
an Wilhelm Meisters theatralischer Sendung abgeschlossen. Goethe
haelt sich nun oefters in Karlsbad auf.
 Italienreise und Rueckkehr
nach Weimar
 
 Im Herbst des Jahres 1786 bricht Goethe heimlich in
Karlsbad auf und begab sich auf eine Erholungs- und Bildungsreise
nach Italien. Zu diesem Entschluss brachte ihn die immer drueckender
empfundenen hoefischen und dienstlichen Verpflichtungen. Goethe gab
sich dabei als "Maler Moeller" aus. Am 29. Oktober erreichte er Rom,
das eigentliche Ziel seiner Reise. Dort machte er Bekanntschaft mit
dem Maler Tischbein und dem Dichter Karl Philipp Moritz. Neben der
Beschaeftigung mit antiker Bildhauerkunst und der Malerei arbeitete
Goethe auch an seinen literarischen Projekten Iphigenie, Egmont, Tasso
und Faust weiter. Bereits 1786 konnte Iphigenie auf Tauris in Versform
fertiggestellt werden, 1788 dann Egmont. Am 23. April 1788 brach Goethe
in Rom auf und trat seine Heimreise an. Am 18. Juni traf er in Weimar
wieder ein.
 Goethe wird in Weimar auf eignen Wunsch von den meisten der
hoefischen und dienstlichen Pflichten entbunden. Er wird stattdessen
mit der Leitung kuenstlerischer Anstalten des Herzogtums betraut,
darunter z. B. das "Freie-Zeichen-Institut". Im Juli lernt Goethe
seine zukuenftige Lebensgefaehrtin, Christiane Vulpius, kennen. Noch
im gleichen Jahr kommt es in Rudolstadt zur ersten Begegnung zwischen
Goethe und Friedrich Schiller. Goethe verhalf Schiller zu einer Professur
in Jena. 1789 wird Goethes Sohn August geboren. Die Arbeit am Tasso
sind abgeschlossen. Zur Franzoesischen Revolution verhaelt sich Goethe
ablehnend. 1790 erscheinen Die Metamorphose der Pflanzen und Faust,
ein Fragment. 1791 wird Goethe zum Leiter des Weimarer Hoftheaters. 1792
begleitet Goethe Herzog Karl-August im 1. Koalitionskrieg Preussens und
Oesterreichs gegen Frankreich. Er selbst wird Augenzeuge der Kanonade
von Valmy, am 20. September 1792. Das Schauspiel Der Gross-Koptha
entsteht. 1793 ist Goethe Beobachter bei der Belagerung von Mainz. Der
Buergergeneral und Reineke Fuchs werden veroeffentlicht. Goethe
beschaeftigt sich seit 1793 bis 1798 intensiv mit Studien zu Homer.
Das Jahrzehnt mit Schiller
 
 1794 kann Schiller Goethe zur Mitarbeit
an seiner Zeitschrift Die Horen gewinnen. Daraus entwickelte sich eine
intensive Freundschaft zwischen den beiden, die zunaechst nur aus einem
staendigen Briefwechsel bestand. Seit der Tagung der "Naturforschenden
Gesellschaft" in Jena 1794 ist Schiller haeufiger Gast bei Goethe in
Weimar. 1796 entstehen die Xenien. 1797 erhaelt Goethe die Aufsicht
ueber die Weimarer Bibliothek. Das Jahr 1797 ging als das "Balladenjahr"
in die Geschichte ein, da aus einem Dichterwettstreit zwischen Goethe
und Schiller zahlreiche Balladen hervorgingen, darunter Der Gott und die
Bajadere, Der Schatzgraeber, Der Zauberlehrling, Die Braut von Korinth
und Legende. Beide befassten sich auch intensiv mit der Theorie der
literarischen Gattungen, dessen Ergebnis 1797 in der Schrift Ueber
epische und dramatische Dichtung festgehalten wurde. Goethe setzte
in dieser Zeit auch seine Arbeiten am Faust fort. 1798 erschien die
periodische Kunstzeitschrift Propylaeen, unter der Mitarbeit Schillers
und Humboldts. Im Dezember 1799 uebersiedelt Schiller nach Weimar. Er
draengte Goethe zur Vollendung des Fausts. Aus der Zusammenarbeit der
beiden Dichter ging der Stil der Weimarer Klassik hervor, der sich an
Antike und Renaissance orientierte. 1803 erhaelt Goethe die Oberaufsicht
ueber die naturwissenschaftlichen Institute der Universitaet Jena. 1804
wird er zum Wirklichen Geheimen Rat ernannt. Am 9. Mai 1805 stirbt sein
engster Freund, Schiller. Dieses Ereignis nimmt einen tiefen Einschnitt
in das Leben Goethes, das bis dahin von einer intensiven Freundschaft
und geistigen Beziehung der beiden gepraegt war. Im Epilog zu Schillers
Glocke setze er ihm ein Denkmal.
 Das Jahrzehnt nach Schillers Tod
 
 In
der Zeit nach Schiller, zaehlten Ludwig von Knebel, Carl Friedrich Zelter
und Wilhelm von Humboldt zu Goethes engsten Freunden. Goethe setze sich
ab 1806 intensiv mit der Romantik auseinander. Die Sammlung Des Knaben
Wunderhorn (1806-1808) von Achim von Arnim und Clemens Brentano regten
Goethe an, sich mit dem deutschen Mittelalter und der Volkspoesie zu
beschaeftigen. Im April 1806 wurde Faust, erster Teil abgeschlossen. Im
Oktober kam es zur Schlacht bei Jena und zur Besetzung Weimars. Goethe
heiratete in diesem Jahr Christiane Vulpus. 1807 macht er Bekanntschaft
mit Bettina Brentano, der spaeteren Frau A. v. Arnims. Goethe beginnt die
Arbeit an Wilhelm Meisters Wanderjahre. 1808 stirbt Goethes Mutter. Auf
dem Erfurter Fuerstenkongress kam es zur Begegnung zwischen Goethe
und Napoleon I. 1809 erscheinen Die Wahlverwandtschaften. 1810 kam
es zum Abschluss der Arbeit an der Farbenlehre. Der erste Teil seiner
Autobiographie Dichtung und Wahrheit, erster Teil. erschien 1811. In
Karlsbad kam es 1812 zur Begegnung mit Ludwig van Beethoven, der einige
Gedichte Goethes vertonte. Dichtung und Wahrheit, zweiter Teil. wurde
fertiggestellt. 1813 verlor die Kuenstler-Stadt Weimar einen weiteren
wichtigen Geist, den Dichter Christoph Martin Wieland. Im gleichen Jahr
fand zwischen dem 16. und 19. Oktober die Voelkerschlacht bei Leipzig
statt. Der dritte Teil seiner Autobiographie erschien. 1814 kommt es
zur Begegnung mit Marianne von Willemer und den Bruedern Boisserée.
Die letzten Lebensjahre
 
 1815 unternimmt Goethe ausgedehnte Reisen ins
Rhein- und Maingebiet. Sachsen-Weimar-Eisenach wird durch einen Beschluss
des Wiener Kongresses zum Grossherzogtum. Im September findet die letzte
Begegnung mit Marianne von Willemer statt. Im Dezember wird Goethe mit
dem Amt eines Staatsministers betraut. Am 6. Juni 1816 stirbt seine
Frau, Christiane. 1817 haelt sich Goethe oefters in Jena auf. Von der
Leitung des Hoftheaters wird er entbunden. Mit zunehmenden Alter zog
sich Goethe vom Weimarer Gesellschaftsleben zurueck und wendete sich
nun hauptsaechlich seinen Werken zu. 1819 ist der West-oestliche Divan
abgeschlossen. 1820 beginnt die Arbeit an Wilhelm Meisters Wanderjahren,
die 1829 vollendet wurde. 1821 kommt es zur ersten Begegnung mit
Ulrike von Levetzow, seiner letzten Liebe. 1825 nimmt er seine Arbeit
am Faust, zweiter Teil. wieder auf. Im Januar 1827 stirbt Charlotte von
Stein, im Juni des darauffolgenden Jahres Grossherzog Karl August. 1830
erscheint der letzte Teil seiner Autobiographie, Dichtung und Wahrheit,
vierter Teil. Im November erfaehrt er vom Tode seines Sohnes, der schon
Ende Oktober verstarb. Goethe erlitt einen Blutsturz. 1831 wird Faust,
zweiter Teil. vollendet. Am 22. Maerz 1832 stirbt Goethe in seinem Haus
am Frauenplan. Er wurde neben Schiller in der Weimarer Fuerstengruft
beigesetzt.
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung)Seehafer180"
/> des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Anciengime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung)Seehafer180"
/> des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Anciengime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

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Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (dieterwunderlich-de):

Johann Wolfgang Goethe wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main
als Sohn des wohlhabenden, hochgebildeten Juristen Johann Caspar Goethe
(1710 - 1782) und der Schultheissentochter Katharina Elisabeth Textor
(1731 - 1808) geboren. Da der Vater zwar kaiserlicher Rat war, aber
keine bestimmten beruflichen Verpflichtungen hatte, unterrichtete er
seinen Sohn vorwiegend selbst.

Mit fuenfzehn verliebte Johann Wolfgang Goethe sich in eine junge
Kellnerin namens Gretchen und geriet durch sie in die Gesellschaft von
Betruegern. Im Oktober 1765 reiste er nach Leipzig, um dort Jura zu
studieren, wie es sein Vater wuenschte. Dort passte sich Goethe der
anspruchsvollen Mode sowie der lockeren Lebensart des Rokoko an und
verliebte sich in Anna Katharina ("Kaethchen") Schoenkopf (1746 - 1810),
die Tochter seiner Wirtsleute.

Schwer krank kehrte er 1768 in seine Heimatstadt zurueck und wurde
dort u. a. von Susanne Katharina von Klettenberg gesund gepflegt, einer
Verwandten seiner Mutter, die ihn mit dem Pietismus vertraut machte.

1770 setzte Goethe sein Studium in Strassburg fort; aber mehr als die
Rechtswissenschaften fesselten ihn Medizin, Botanik, Chemie, Theologie
und Philosophie. Wieder verliebte er sich; diesmal in die Sesenheimer
Pfarrerstochter Friederike Brion (1752 - 1813). Die Achtzehnjaehrige
gab seinem (vermutlich platonischen) Werben nach, aber im Sommer 1771,
nach der Promotion zum "licentitatus juris", verliess Johann Wolfgang
Goethe Strassburg, ohne sich von ihr auch nur zu verabschieden.

Im August 1771 eroeffnete er in Frankfurt am Main eine Anwaltskanzlei
und setzte zugleich seine in Strassburg begonnenen literarischen
Arbeiten fort. Ende Mai 1772 begann Goethe mit einem Praktikum am
Reichskammergericht in Wetzlar.  Dort lernte der Zweiundzwanzigjaehrige
den pfaelzischen Sekretaer Karl Wilhelm Jerusalem kennen und besuchte mit
ihm am 9. Juni einen Ball in Volpertshausen, an dem auch Charlotte Buff
(1753 - 1828) und ihr Verlobter Johann Christian Kestner (1741 - 1800)
teilnahmen. Goethe verliebte sich in die vier Jahre juengere Tochter eines
Amtmanns, befreundete sich mit dem hannoverschen Gesandtschaftssekretaer
Kestner und traf sich haeufig mit den beiden. Als er Charlotte dreist zu
kuessen versuchte, begriff sie, dass sie Klarheit schaffen musste. (Sie
heiratete Kestner.) Daraufhin reiste Goethe am 11. September ueberstuerzt
aus Wetzlar ab.

In Ehrenbreitstein besuchte er die Schriftstellerin Sophie von La
Roche, deren sechzehnjaehrige Tochter Maximiliane ihm besonders gut
gefiel. Maximiliane heiratete den mehr als doppelt so alten Kaufmann Peter
Anton Brentano und zog mit ihm Anfang 1774 nach Frankfurt am Main. Obwohl
die verheiratete Frau fuer Goethe unerreichbar war, umschwaermte er sie,
und es kam zu heftigen Auseinandersetzungen mit ihrem Ehemann.

"Goetz von Berlichingen", Urauffuehrung: 1774 "Die Leiden des jungen
Werther": 1774 "Clavigo", Urauffuehrung: 1774 Im Fruehjahr 1774 schrieb
Johann Wolfgang Goethe "Die Leiden des jungen Werther", ein Roman, der
offenbar den Nerv der Zeit traf und deshalb innerhalb von kurzer Zeit
in mehreren Auflagen erschien.

Johann Wolfgang Goethe verlobte sich Ostern 1775 mit der Frankfurter
Bankierstochter Anna Elisabeth ("Lili") Schoenemann (1758 - 1817), aber
nach seiner ersten Schweiz-Reise von Mai bis Juli 1775 beendete er die
von keiner der beiden Familien gutgeheissene Beziehung.

Herzog Carl August von Sachsen-Weimar (1757 - 1828), der am 3. September
1775 das Erbe seines frueh verstorbenen Vaters uebernahm, reiste kurz
darauf zu den Eltern seiner Braut, Prinzessin Luise von Hessen-Darmstadt,
besuchte bei dieser Gelegenheit auch den Dichter des "Werther" und lud
ihn ein, nach Weimar zu kommen. Die Residenzstadt galt als "Musenhof",
denn seine Mutter Anna Amalia, die Witwe des 1758 verstorbenen Herzogs
Ernst August II. Constantin (eine Nichte Friedrichs des Grossen), hatte
waehrend ihrer Regentschaft bedeutende Persoenlichkeiten des deutschen
Geisteslebens nach Weimar geholt, so zum Beispiel 1772 Christoph Martin
Wieland (1733 - 1813) als Erzieher ihrer Soehne Carl August und Bernhard.

Am 9. November 1775 folgte Johann Wolfgang Goethe der Einladung und zog
in ein Gartenhaus an der Ilm, das ihm Herzog Carl August uebereignete. Er
erhielt das Weimarer Buergerrecht und wurde zum Geheimen Legationsrat
ernannt.

In Weimar befreundete Johann Wolfgang Goethe sich mit der geistvollen
Frau Charlotte von Stein (1742 - 1827), der er im Lauf der Jahre mehr
als achthundert Briefe schrieb.

Charlotte Albertine Ernestine von Schardt hatte als Fuenfzehnjaehrige
eine Anstellung als Hofdame der Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar
erhalten, sieben Jahre spaeter den herzoglichen Stallmeister Friedrich
Josias Freiherr von Stein (1735 - 1793) geheiratet und innerhalb von
zehn Ehejahren sieben Kinder geboren. (Arm und einsam starb sie am
6. Januar 1827.)

Goethes ein Jahr juengere Schwester Cornelia hatte sich am 1. November
1773 mit dem Juristen Johann Georg Schlosser geheiratet, der mit ihrem
Bruder befreundet war. Seit der schweren Geburt ihrer Tochter Maria
Anne Louise ("Lulu") am 28. Oktober 1774 kraenkelte Cornelia. Vier
Wochen nachdem sie mit einer zweiten Tochter - Catharina Elisabeth Julie
("Juliette") - niedergekommen war, am 8. Juni 1777, starb sie. Goethe
trauerte sehr um seine geliebte Schwester.

Ende November 1777 brach Johann Wolfgang Goethe zu einer Winterreise in
den Harz auf. In Wernigerode suchte er Victor Leberecht Plessing auf,
den Sohn des Superintendenten, um den ungluecklichen jungen Mann vor
einem Werther-Schicksal zu bewahren. Dabei trat er allerdings nicht unter
seinem richtigen Namen auf, sondern gab sich als Kuenstler aus Gotha
aus. In Goslar besichtigte er das Bergwerk, um sich fuer die geplante
Erschliessung der Erzvorkommen von Ilmenau kundig zu machen. Und am
10. Dezember bestieg er den tief verschneiten Brocken, was damals eine
unglaubliche Leistung war.

"Iphigenie auf Tauris", Urauffuehrung: 1779

Herzog Carl August von Sachsen-Weimar ernannte Goethe 1779 zum Leiter
der Kriegskommission und des Strassenbauwesens.

Im Herbst desselben Jahres reisten die beiden in die Schweiz. Sie
fuhren zunaechst von Weimar nach Frankfurt am Main zu Goethes Eltern. Am
25. September besuchten sie Friederike Brion in Sesenheim, am naechsten
Tag in Strassburg Lili Schoenemann, die inzwischen verheiratet war
und ein sieben Wochen altes Kind hatte. In Emmendingen machten sie
Goethes verwitwetem Freund und Schwager Johann Georg Schlosser ihre
Aufwartung. Die Schweiz erreichten Goethe und der Herzog am 3. Oktober
bei Basel. Der Mont Blanc bildete das suedwestlichste Zwischenziel ihrer
Reise. Nur begleitet von einem einheimischen Fuehrer und ihrem Reitknecht
Blochberg, der sich um den Maulesel mit dem Gepaeck kuemmerte, wanderten
sie im November ueber den tief verschneiten Furka-Pass. Erschoepft
uebernachteten sie im Kapuzinerdomizil von Realp, bevor sie zwischen den
Maultierkolonnen der Pilger vom Urserental zum Gotthard-Hospiz aufstiegen.

Kaiser Joseph II. erhob Goethe am 10. April 1782 in den Adelsstand. In
diesem Jahr uebernahm er in Weimar die Finanzverwaltung und mietete ein
Haus am Frauenplan, das er zehn Jahre spaeter von Herzog Carl August
geschenkt bekam und bis zu seinem Tod bewohnte.

1783 und 1784 reiste Johann Wolfgang von Goethe noch zweimal in den Harz.

Der Arbeitsbelastung und der entsagungsvollen Beziehung zu der
verheirateten Charlotte von Stein entzog er sich, indem er in der Nacht
zum 3. September 1786 unter dem Namen Johann Philipp Moeller heimlich nach
Italien aufbrach. In Rom besuchte er Johann Heinrich Wilhelm Tischbein
(1751-1829), der eines der beruehmtesten Portraets des Dichters malte:
"Goethe in der Campagna". Auch mit der Malerin Angelica Kauffmann (1741
- 1807) befreundete sich Goethe, der erst am 18. Juni 1788 nach Weimar
zurueckkehrte.

Seinen frueheren Freunden und Bekannten war er inzwischen entfremdet. Ihre
Missbilligung steigerte sich durch sein skandaloeses Zusammenleben mit
Christiane Vulpius (1765 - 1816), einer einfachen Arbeiterin in einer
Manufaktur fuer kuenstliche Blumen, die am 11. Juli 1788 mit einer
Bittschrift fuer ihren Bruder an ihn herangetreten war. Am 25. Dezember
1789 gebar sie den Sohn Julius August Walther, der als einziges ihrer
fuenf Kinder bis 1830 am Leben blieb. (August von Goethe starb in Rom
an Blattern.) Charlotte von Stein war ueber Goethes Verhalten verbittert
und versoehnte sich erst 1801 wieder mit ihm.

"Egmont", Urauffuehrung: 1789

Auf seinen eigenen Wunsch weitgehend von den staatlichen Aufgaben
entbunden, beschaeftigte Johann Wolfgang von Goethe sich v. a. mit
naturwissenschaftlichen Forschungen. 1790 reiste er ein zweites Mal
nach Oberitalien. Im Jahr darauf uebernahm er die Leitung des Weimarer
Hoftheaters (1791 - 1817).

Als Begleiter des Herzogs wurde Johann Wolfgang von Goethe am
20. September 1792 Augenzeuge der Kanonade von Valmy, die im Rahmen
des 1. Koalitionskriegs (1792 - 1797) stattfand, mit der Preussen und
Oesterreich die Ausbreitung der auch von Goethe abgelehnten Franzoesischen
Revolution verhindern wollten. "Von hier und heute geht eine neue Epoche
der Weltgeschichte aus", sagte Goethe zu den Soldaten, "und Ihr koennt
sagen, Ihr seid dabeigewesen." (Tatsaechlich hielten die Franzosen dem
Angriff stand.)

"Reineke Fuchs": 1794

Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller waren sich (abgesehen
von einer gemeinsamen Teilnahme am Stiftungsfest der Hohen Karlsschule
in Stuttgart am 14. Dezember 1779) am 7. September 1788 erstmals
begegnet. Goethe hatte dem zehn Jahre juengeren Dichter zwar eine
Professur am Lehrstuhl fuer Geschichte der Universitaet Jena vermittelt,
aber naeher kamen sich Goethe und Schiller erst sechs Jahre spaeter,
am 20. Juli 1794, nach einer Sitzung der Naturforschenden Gesellschaft
in Jena, wo Goethe einen Vortrag ueber die Urpflanze gehalten hatte.

"Wilhelm Meisters Lehrjahre": 1795/96 "Hermann und Dorothea": 1797

Am 3. Dezember 1799 zog Friedrich Schiller nach Weimar und traf sich
haeufig mit Johann Wolfgang von Goethe zum Gedankenaustausch. Fuer die
Zusammenarbeit der beiden grossen deutschen Dichter praegte Heinrich Laube
1839 den Begriff "Weimarer Klassik". Leider war sie von verhaeltnismaessig
kurzer Dauer, denn Friedrich von Schiller starb am 9. Mai 1805 an den
Folgen einer jahrelang verschleppten Lungenentzuendung. Sein Tod bedeutete
in Goethes Leben eine traurige und schmerzliche Zaesur.

Friedrich Wilhelm Riemer (1774 - 1845) hatte 1803 eine Dachkammer in
Goethes Haus bezogen. Auch als seine Aufgabe als Hauslehrer von August von
Goethe beendet war, blieb er als Vertrauter und Sekretaer bei dem Dichter.

Bei Jena und Auerstedt wurde die preussisch-saechsische Armee am
14. Oktober 1806 von Napoleon (1769 - 1821) besiegt. Die Franzosen nahmen
Johann Wolfgang von Goethe gefangen, aber Christiane Vulpius gelang es,
ihren Lebensgefaehrten rasch wieder freizubekommen. Daraufhin vermaehlte
er sich am 19. Oktober 1806 mit ihr.

Einige Monate spaeter verliebte sich der Siebenundfuenfzigjaehrige
in Wilhelmine Herzlieb (1789 - 1865), die vierzig Jahre juengere
Pflegetochter des Jenaer Buchhaendlers Karl Friedrich Ernst Frommann
(1765 - 1837). (Wilhelmine Herzlieb wurde das Vorbild fuer die Figur
der Ottilie in Goethes Roman "Die Wahlverwandschaften".)

"Torquato Tasso", Urauffuehrung: 1807

Als Napoleon sich anlaesslich des Erfurter Fuerstentags (27. September bis
4. Oktober 1808) in Preussen aufhielt, traf er sich dreimal mit Johann
Wolfgang von Goethe (Erfurt, 2. Oktober; Weimar, 6. und 10. Oktober)
und lud in nach Paris ein.

"Die Wahlverwandtschaften": 1809

1812 begegneten sich Johann Wolfgang von Goethe und Ludwig van Beethoven
(1770 - 1827) bei einem Kuraufenthalt in Karlsbad. Bettina von Arnim
erzaehlt in einem ihrer Briefe, wie sie bei einem gemeinsamen Spaziergang
in Karlsbad Hoeflingen des Kaisers begegneten und der Dichter zur Seite
trat, waehrend der Komponist stur geradeaus schritt und anschliessend
Goethes Unterwuerfigkeit kritisierte.

Die Zeit vom 12. August bis 17. September 1815 verbrachte Johann Wolfgang
von Goethe mit Marianne von Willemer (um 1784 - 1860), die seit September
1814 mit dem fuenfundzwanzig Jahre aelteren Bankier Johann Jakob Willemer
verheiratet war, in Frankfurt am Main. (Marianne war 1798 als Komoediantin
nach Frankfurt gekommen, und der bereits zweimal verwitwete Bankier
hatte das Maedchen als Pflegetochter in sein Haus aufgenommen.)

Goethes Ehefrau Christiane starb am 6. Juni 1816.

"West-oestlicher Divan": 1819 "Wilhelm Meisters Wanderjahre": 1821

Fuenf Jahre spaeter verliebte sich der inzwischen zweiundsiebzigjaehrige
Dichter in die siebzehnjaehrige Ulrike von Levetzow (1804 - 1899),
die ihre Sommerferien mit ihrer Mutter und ihren beiden Schwestern
in Marienbad verbrachte und Goethe dabei erst kennengelernt hatte,
obwohl er bereits seit laengerer Zeit mit ihrer Mutter Amalie befreundet
war. 1823 liess Goethe ihr durch Herzog Carl August einen Heiratsantrag
ueberbringen, aber Ulrike von Levetzow hielt das zuerst fuer einen
schlechten Scherz und blieb zeitlebens unverheiratet. Ihren literarischen
Niederschlag fand Goethes unglueckliche Liebe zu ihr in der "Marienbader
Elegie".

Der junge Schriftsteller Johann Peter Eckermann (1792 - 1854) half seinem
Idol ab 1823 bei der Ausgabe seiner Werke und veroeffentlichte 1836 bis
1848 "Gespraeche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens". Nikolaus
Lenau (1802 - 1850) verglich Goethe und Eckermann spoettisch mit einer
Floete und einem Blasrohr, aber das ist wohl ebenso ueberzeichnet wie
die Annahme, die beiden haetten eine Freundschaft auf gleicher Augenhoehe
gepflegt.

"Faust. Der Tragoedie erster Teil", Urauffuehrung: 1829 [Verfilmung]
"Faust". Zweiter Teil: 1832 (Urauffuehrung: 1854)

Im Alter von zweiundachtzig Jahren starb Johann Wolfgang von Goethe am
22. Maerz 1832 in seinem Haus am Frauenplan in Weimar.

Literatur ueber Johann Wolfgang von Goethe

Peter Boerner: Johann Wolfgang von Goethe (Rowohlt-Bildmonographie)
Sigrid Damm: Christiane und Goethe (Insel Verlag) Anja Hofer: Johann
Wolfgang von Goethe (dtv portrait) Katharina Mommsen: Kein Rettungsmittel
als die Liebe. Schillers und Goethes Buendnis im Spiegel ihrer Dichtungen
Ruediger Safranski: Goethe & Schiller. Geschichte einer Freundschaft (Carl
Hanser Verlag) Astrid Seele: Frauen um Goethe (Rowohlt-Bildmonographie)
Die Beziehung Goethes zu Charlotte von Stein und Christiane Vulpius
wird in einem Kapitel des Buches "Verfuehrerische Frauen. 11 Portraets"
(Piper Verlag, Muenchen 2012) von Dieter Wunderlich dargestellt.

Philipp Stoelzl drehte mit Alexander Fehling in der Titelrolle den Film
"Goethe!", der am 14. Oktober 2010 in die Kinos kommen wird.

Originaltitel: Goethe - Regie: Philipp Stoelzl - Drehbuch: Alexander
Dydyna, Christoph Mueller - Kamera: Kolja Brandt - Schnitt: Sven Budelmann
- Musik: Ingo Frenzel - Darsteller: Alexander Fehling, Miriam Stein,
Moritz Bleibtreu, Volker Bruch, Burghart Klaussner, Henry Huebchen,
Hans-Michael Rehberg, Axel Milberg u.a. - 2010; 100 Minuten
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (frankfurt-interaktiv-de):

Biographie - Johann Wolfgang von Goethe Johann Wolfgang von Goethe
war ein Universalgenie. Er war gleichermassen Dichter, Schriftsteller,
Kunstkritiker, Philosoph, Naturwissenschaftler, Jurist und Staatsmann.

Goethe ist die Lichtgestalt der deutschen Literatur.

Er praegte Sturm und Drang sowie mit Schiller die Weimarer Klassik.

Er verfasste unzaehlige Gedichte, Dramen und Prosawerke.

Mit der Tragoedie Faust schuf Goethe ein Menschheitsdrama von zeitloser
Gueltigkeit und weltliterarischem Rang.

Goethe hat in seinem Leben viele Frauen geliebt. Sie waren ihm immer
auch Inspiration zu neuen Dichtungen.

Weniger bekannt waren seine naturwissenschaftlichen Taetigkeiten, die
ihm zeitweise wichtiger als die literarische Arbeit erschienen. Goethe
entdeckte 1784 den Zwischenkieferknochen beim Menschen.

Biographie Johann Wolfgang Goethe (das "von" wurde ihm erst 1782
verliehen) wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren und
starb am 22. Maerz 1832 in Weimar.

Der Sohn des Kaiserlichen Rates Johann Kaspar Goethe und der Katharina
Elisabeth studierte ab 1765 auf Wunsch seines Vaters in Leipzig und
Strassburg Rechtswissenschaften.

Nach Abschluss seines Studiums im Herbst 1771 arbeitete Goethe als
Rechtsanwalt in Frankfurt.

Doch Goethe widmete sich lieber seinem ersten Drama und schrieb
einige Gedichte. Er arbeitete auch am kritischen Organ der
Sturm-und-Drang-Bewegung, den "Frankfurter gelehrten Anzeigen" mit.

Mit seinem ersten Roman "Die Leiden des jungen Werthers" und dem Drama
"Goetz von Berlichingen" (beide 1774 erschienen) gelang dem 24-jaehrigen
Goethe der literarische Durchbruch.

1775 folgte er dem Ruf des jungen Herzog Carl August an den Weimarer
Hof, wo er politische Aufgaben (im Finanzwesen, Berg- und Wegebau)
uebernahm. Spaeter bekam er die Leitung des Theaters und die Aufsicht
ueber das Bildungswesen angetragen.

In Weimar freundete Goethe sich mit Charlotte von Stein (1742-1827) an,
der er im Lauf der Jahre mehr als achthundert Briefe schrieb.

1776 erfolgte die Ernennung zum Geheimen Legationsrat, 1779 zum Geheimen
Rat und 1782 wurde Goethe durch Kaiser Joseph II. geadelt.

Im September 1786 unternahm er seine erste Italienreise. In Rom besuchte
er die Maler Tischbein (der eines der beruehmtesten Portraets des Dichters
"Goethe in der Campagna" malte) und Kauffmann.

Erst im Juni 1788 kehrte Goethe nach Weimar zurueck, wo er sich mit
Christiane Vulpius verlobte, die er 1806 auch heiratete.

Von den fuenf Kindern aus dieser Verbindung ueberlebte nur der
erstgeborene August (1789-1830).

Goethe gab alle Staatsaemter bis auf die Leitung des Hoftheaters auf. 1790
folgte seine zweite Italienreise.

Die Zeit danach ist gepraegt durch die Zusammenarbeit mit Schiller. Die
beiden entwickelten einen Stil, der als Weimarer Klassik bekannt wurde.

Nach dem Tod Herders, Schillers und Wielands knuepfte Goethe neue
Freundschaften, u.a. zu Humboldt, und beschaeftigte sich mit Fichtes
Transzendentalphilosophie.

1804 wurde Goethe zum Wirklichen Geheimen Rat ernannt.

Auf dem Erfurter Fuerstenkongress lernte Goethe 1808 Napoleon kennen. Im
gleichen Jahr gab er den ersten Teil des Faust heraus.

1812 begegnete er bei einem Kuraufenthalt in Karlsbad den Komponisten
Beethoven.

1815 unternahm Goethe ausgedehnte Reisen ins Rhein-Main-Gebiet. Die Zeit
vom 12. August bis 17. September 1815 verbrachte er mit der verheirateten
Marianne von Willemer in Frankfurt.

Im Dezember 1815 wird Goethe mit dem Amt eines Staatsministers betraut.

Nach dem Tod seiner Frau Christiane (6. Juni 1816) zog sich Goethe vom
Weimarer Gesellschaftsleben zurueck und wendete sich seinen Werken zu.

Das letzte Lebensjahrzehnt verbrachte Goethe mit der Arbeit an "Wilhelm
Meisters Wanderjahren", der "Italienischen Reise", seiner Autobiographie
"Dichtung und Wahrheit", und vor allem an Faust, der Tragoedie zweiter
Teil, welche er 1831 beendete.

Am 22. Maerz 1832 verstarb Johann Wolfgang von Goethe im Alter von 82
Jahren. Seine letzten Worte sollen "Mehr Licht!" gewesen sein.

Am 26. Maerz wurde er neben Schiller in der Weimarer Fuerstengruft
beigesetzt.

Seine bedeutendsten Werke: Goetz von Berlichingen (1774) Die Leiden
des jungen Werther (1774) Iphigenie auf Tauris ((1786) Egmont (1788)
Torquato Tasso (1789) Wilhelm Meisters Lehrjahre (1796) Faust, 1. Teil
(1806) Dichtung und Wahrheit (Erinnerungen Teil 1-3 1811-13, 1830 Teil 4)
Italienische Reise, erster und zweiter Teil (1816) Westoestlicher Divan
(1819) Wilhelm Meisters Wanderjahre (1829) Faust, 2. Teil (1831) Im
Internet unter Projekt Gutenberg sind viele der Werke Goethes zu finden.

Bei amazon.de finden Sie Buecher ueber Goethe und natuerlich seine
Gedichte, Dramen und Prosawerke.
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (gedichte-xbib-de):

Goethe - Biografie & Lebenslauf
 
 Johann Wolfgang von Goethe (*
28. August 1749 in Frankfurt am Main als J. W. Goethe; † 22. Maerz
1832 in Weimar; auch Goethe) ist als Dichter, Theaterleiter,
Naturwissenschaftler, Kunsttheoretiker und Staatsmann der bekannteste
Vertreter der Weimarer Klassik. Als Verfasser von Gedichten, Dramen
und Prosa-Werken gilt er als der groesste deutsche Dichter und ist eine
herausragende Persoenlichkeit der Weltliteratur.
 
 Herkunft und Jugend
(1749-1765)
 
 Goethes Vater, Johann Caspar Goethe (* 1710; † 1782),
war im kaiserlichen Rat vertreten. Er ging zunaechst auf eine der besten
Schulen des Landes, auf das Gymnasium Casimirianum in Coburg, hatte in
Leipzig Rechtswissenschaften studiert, am Reichskammergericht in Wetzlar
gearbeitet, Reisen nach Rom und Paris unternommen, und sich schliesslich
in seiner Vaterstadt Frankfurt niedergelassen, wo die Familie in einem
geraeumigen Haus am Grossen Hirschgraben lebte. Er ging dort seinen
Neigungen und Interessen nach; so widmete er sich der Zusammenstellung
eines Naturalienkabinetts und der Sammlung von Gemaelden.
 
 
  Goethe (Gedichte)
 Reisezehrung
 Maechtiges Ueberraschen
 Sie kann nicht enden
 Reineke
 Fuchs - VII. Gesang
 Reineke Fuchs - X. Gesang 2
Weitere Texte von Goethe "
 
 Goethes Mutter Catharina Elisabeth Goethe
(* 1731; † 1808) war eine geborene Textor. Die Tochter des Frankfurter
Buergermeisters hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe
geheiratet.
 
 Ausser der am 7. Dezember 1750 geborenen Schwester Cornelia
Friderike Christiana starben alle anderen Geschwister frueh. 1758
erkrankte Goethe an den Blattern (Pocken).
 
 Goethe wurde von seinem
Vater und durch Privatlehrer unterrichtet; auch erhielt er Unterricht
im Reiten und Fechten.
 
 Schon frueh interessierte er sich fuer die
Literatur, wobei er sein Augenmerk zunaechst auf Friedrich Gottlieb
Klopstock und Homer richtete. Mit 14 Jahren bewarb er sich bereits um
die Mitgliedschaft in der Arkadischen Gesellschaft zu Phylandria. Auch
begeisterte er sich fuer das Theater - so besuchte er waehrend der
franzoesischen Besetzung 1759 haeufig das franzoesische Theater im
Junghof. 1763 erlebte er ein Konzert des damals 7 Jahre alten Mozart.
 
Am 30. September 1765 verliess er Frankfurt, um in Leipzig das Studium der
Rechte aufzunehmen.
 
 Studium und Geniezeit (1765-1775)
 
 Von 1765 bis
1768 studierte Goethe in Leipzig. Er hoerte dort die Poetikvorlesung von
Christian Fuerchtegott Gellert und nahm an dessen Stiluebungen teil. Auch
nahm er Zeichenunterricht bei Adam Friedrich Oeser, dem Direktor der
Leipziger Akademie. Er verliebte sich in Kaethchen Schoenkopf und besang
diese Liebe in heiter-verspielten Versen in der Tradition des Rokoko
(Gedichtzyklus Annette).
 
 Auerbachs Keller und die dort beheimatete
Sage von Fausts Fassritt 1525 beeindruckten ihn so sehr, dass er spaeter
Auerbachs Keller als einzigen konkret existierenden Ort in sein Drama
Faust I aufnahm. - Ein Blutsturz zwang ihn, das Studium abzubrechen und am
28. August 1768 nach Frankfurt zurueckzukehren.
 
 Frankfurt/Strassburg
(1768-1770)
 
 Eine eineinhalbjaehrige, von manchen Rueckfaellen
unterbrochene Genesungszeit folgte. Waehrend der Rekonvaleszenz wurde er
liebevoll von Mutter und Schwester umsorgt. Eine Freundin der Mutter,
Susanne von Klettenberg, brachte ihn mit pietistischen Vorstellungen
in Beruehrung.
 
 Im April 1770 verliess er Frankfurt, um dem Wunsch
seines Vaters entsprechend in Strassburg sein Studium zu beenden.
 
 In
Strassburg lernte er Friederike Brion, eine Pfarrerstochter, kennen. Ihr
widmete er einige Gedichte, darunter z. B. "Willkommen und Abschied",
"Sessenheimer Lieder" und "Heidenroeslein".
 
 Frankfurt und Darmstadt
(1771) und dann nach Wetzlar (1772)
 
 Am 31. Aug. 1771 wurde Goethe in
Frankfurt als Advokat zugelassen. Damals stand er in Verbindung mit dem
Darmstaedter Hof, der der Empfindsamkeit huldigte; aus diesem Kreis sind
Schlosser und Johann Heinrich Merck hervorzuheben.
 
 Am 10. Mai 1772
ging Goethe zum Abschluss der juristischen Ausbildung als Referendar
an das Reichskammergericht in Wetzlar. Er war vom 25. Mai desselben
Jahres an Rechtspraktikant am Reichskammergericht. Seine Grosstante,
Frau Hofrat Susanne Cornelia Lange, die in Wetzlar lebte, vermittelte
ihm ein Haus, in dem er zusammen mit Jakob Heinrich Born, einem Bekannten
aus der Leipziger Studienzeit und Sohn des Buergermeisters von Leipzig,
wohnte. Nach der ungluecklichen Liebe zu Charlotte Buff verliess
Goethe Wetzlar am 11. September 1772 wieder.
 
 Er hatte gerade sein
Studium der Rechtswissenschaften abgeschlossen und wollte auf Draengen
seines Vaters Kenntnisse im Kameralrecht und in der Prozessfuehrung
sammeln. Goethes Vater hatte grosse Plaene mit seinem einzigen Sohn:
Sein Ziel war es, ihn zum Schultheissen in Frankfurt zu machen. Daher
hatte er seinen Sohn schon frueh mit Rechtsbuechern vertraut gemacht
und ihn viel auswendig lernen lassen.
 
 Es war nicht so, dass Goethe
das Praktikum am Reichskammergericht unwichtig gewesen waere. Er war
durchaus interessiert am Erscheinungsbild des Reichskammergerichtes,
da er hoffte, sich daraus ein Bild ueber die Zustaende im Reich machen
zu koennen. Er nahm Veraenderungen in der Rechtspraxis wahr und konnte
diese als Ganzes ueberschauen, war sich aber der Lueckenhaftigkeit
seiner Fachkenntnisse beim Studienabschluss bewusst. Goethe wollte
im Sinne von fortschrittlicher, humaner Rechtsprechung und Vollzug und
systematisch strukturierten und philosophisch begruendeten Gesetzen unter
Beruecksichtigung von psychischen und sozialen Faktoren arbeiten. Dies
laesst sich aus den erhaltenen 28 Akten des Advokaten Goethe ableiten.

 Dennoch besuchte er das Reichskammergericht sehr selten und nutzte
es kaum als Ausbildungsmoeglichkeit. Denn zum einen war er gegenueber
der Rechtspraxis skeptisch wegen der Korruption, die er als Ausdruck
der zerruetteten Verhaeltnisse in Deutschland sah. Diese hatte sein
Vater schon, als Goethe noch ein Kind war, angeprangert. Zum anderen
misstraute er dem Reichskammergericht und den Visitationen zwischen
1767 und 1776. Er glaubte wie viele andere junge Juristen, mit denen
er sich im Gasthof "Zum Kronprinzen" traf, nicht, dass diese etwas
verbessern koennten. Ausserdem behauptet Goethe spaeter, als er Dichtung
und Wahrheit niederschreibt, es habe sich schon in seiner Kindheit
gezeigt, dass er kaum aus Interesse an den Rechtswissenschaften Jurist
werden wollte, sondern vielmehr aus Reiselust.
 
 Nach dem Suizid des
Gesandtschaftssekretaers Karl Wilhelm Jerusalem Ende Oktober 1772 kehrte
Goethe vom 6. bis 10. November 1772 noch einmal fuer kurze Zeit nach
Wetzlar zurueck. Jerusalem war ein entfernter Bekannter von Goethe. Sein
Suizid war fuer Goethe der Ausloeser, seinen Roman Die Leiden des jungen
Werthers zu schreiben. Darin verbindet er die eigenen Erlebnisse mit
seiner angebeteten Charlotte Buff mit dem Schicksal Jerusalems, das er
in Gespraechen mit Personen, die kurz vor seinem Tod noch mit ihm zu tun
gehabt hatten, ergruendete. Der Roman wird ein grosser Erfolg und gilt
als literarische Initialzuendung der Empfindsamkeit und der Sturm und
Drang-Literatur. 1774 Lahnreise mit seinen Freunden Basedow und Lavater
nach Ehrenbreitstein. Im Anblick der Burg Lahneck: Geistesgruss.

 Weimar (1775-1805)
 
 1775-1776 betreibt Goethe einen intensiven
Briefwechsel mit Graefin Augusta Louise zu Stolberg-Stolberg, die in
dem adeligen Kloster zu Uetersen lebt.
 
 1776 tritt Goethe als Geheimer
Legationsrat in den Staatsdienst des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach
ein und bekam weitere politische Aufgaben. Er wohnte sechs Jahre in seinem
"Gartenhaus" (Goethes Gartenhaus), das der Herzog ihm schenkte und dessen
umliegenden Garten er als Parkgarten selbst plante und gestaltete. Diesen
"Garten am Stern" bezeichnete er spaeter in seinen Tagebuechern als
"untern Garten". Massgeblich beteiligt war er auch an der Planung des
Landschaftsgartens an der Ilm. Wollte, Gott haette mich zum Gaertner oder
Laboranten gemacht, ich koennte gluecklich sein schreibt er in seinem
Tagebuch.
 
 Er lernte die Hofdame Charlotte von Stein kennen. Zehn
Jahre lang verband die beiden eine innige Beziehung.
 
 1779 wird er
zum Geheimrat befoerdert. Die Entscheidung, das Angebot des acht Jahre
juengeren Herzog Carl August in dem Weimarer Mini-Staat ein wichtiges
Amt anzunehmen, war eine fuer politische Reformtaetigkeit. Goethe war
innerhalb des Kabinetts verantwortlich fuer eine wachsende Zahl von
Zustaendigkeiten. Politik blieb - auch nach seinem Ausscheiden aus dem
Staatsdienst - ein Feld, dem er seine stetige Aufmerksamkeit schenkte.

 In diesen Jahren begann er sich intensiv mit der Naturwissenschaft zu
beschaeftigen.
 
 Am 23. Juni 1780 wird er als Lehrling in die Weimarer
Freimaurerloge Anna Amalia zu den drei Rosen aufgenommen. Der Meister vom
Stuhl, Staatsminister Jakob Friedrich Freiherr von Fritsch, sah Goethe mit
Skepsis und uebergab daher den Hammer an Johann Christoph Bode. Er dachte
sogar wegen Goethes Ernennung zum Geheimrat an Ruecktritt von seinem Amt
als Staatsminister. Zum Gesellen wird Goethe am 23. Juni 1781 befoerdert,
am 2. Maerz 1782 zum Meister erhoben. Wenige Wochen nach dieser
Erhebung musste die Loge Amalia ihre Arbeit einstellen, da es in der
Freimaurerei in dieser Zeit zu Zerwuerfnissen kam.
 
 Der Herzog
vermietete ihm 1782 dann ein Haus am Frauenplan, das er ihm 1792
schliesslich schenkte. Hier lebte Goethe bis zu seinem Tod. Auch den
Garten am Frauenplan gestaltete der Dichter selbst. (1885, nach dem
Tod des letzten Enkels und Erben Goethes, wurde das Haus am Frauenplan
zum Nationalmuseum erklaert. Da nach dem Zweiten Weltkrieg sehr viel
zerstoert wurde, kam Karl Foerster nach Weimar und gestaltete den Garten
neu).
 
 Aufnahme in den Illuminatenorden am 11. Februar 1783 unter dem
Namen "Abaris", geworben von Johann Christoph Bode.
 
 1777 Erste Reise
in den Harz Am 10. Dezember ist er auf dem Brocken; dies gilt als die
erste Winterbesteigung dieses Berges. 1783 erfolgt die zweite Reise in
den Harz, im darauffolgenden Jahr 1784 die dritte und letzte Harzreise.

 1784 entdeckte er den Zwischenkieferknochen am menschlichen Schaedel.

 Reise nach Italien (1786-1788)
 
 Am 3. September 1786 verliess Goethe
fluchtartig die heimischen Gefilde. In Weimar war nur seinem vertrauten
Diener und Sekretaer Philipp Seidel sein Reiseziel bekannt. Goethe
gab sich in Italien unter dem Namen "Filippo Miller" aus. Die ersten
Briefe, welche Goethe nach Hause richtete, waren undatiert. Erst von
Rom aus gab er den Naechststehenden Nachricht ueber seine eigentlichen
Entschluesse und die Absicht, laengere Zeit in Italien zu bleiben.

 Seinen Aufenthalt in Italien beschreibt Goethe in der Italienischen
Reise. In Rom freundete er sich 1786 mit Heinrich Tischbein an, mit dem
er 1787 unter anderem nach Neapel reiste. Im selben Jahr entstand auch das
beruehmte Gemaelde Tischbeins, das Goethe als Reisenden in der roemischen
Campagna zeigt (siehe abgebildetes Detail). Auch Angelika Kauffmann lernte
er dort kennen. Goethe beschreibt seinen 15-monatigen Aufenthalt in der
"Hauptstadt der Welt" als Erfuellung eines Lebenstraumes - als "einen
zweiten Geburtstag, eine wahre Wiedergeburt". Er laesst sich als Kuenstler
von der Monumentalitaet der antiken Bauten inspirieren (Pantheon,
Kolosseum, Kaiserthermen u. a.)und studiert antike Skulpturen (Apoll
vom Belvedere, Herkules Farnese, Juno Ludovisi u. a.). Darueber hinaus
beschaeftigt er sich intensiv mit der italienischen Renaissance-Malerei
und bewundert neben Michelangelo vor allem Raffael als den Gipfel
der abendlaendischen Kunst und wahren Erneuerer der Antike. In den
"Roemischen Elegien" (1795) blickt der Begruender der deutschen
Klassik wehmuetig auf sein Rom-Erlebnis zurueck und aeussert den Wunsch
einst an der Pyramide des Cestius begraben zu werden. Damit macht er
deutlich, dass der Aufenthalt in Rom der entscheidende Anstoss fuer die
Entwicklung einer klassischen deutschen Dichtung war, die an die antike
Groesse anknuepft.
 
 1788 bis 1805
 
 Etwa ab dem 40. Lebensjahr muss
Goethe unbeweglich und steif gewesen sein. Er litt, wie sich spaeter
herausstellte, unter schweren Bandscheibenschaeden und Verwachsungen
mehrerer Brustwirbel.
 
 1795 begann seine Freundschaft mit Schiller, der
zuerst als Historieprofessor nach Jena gekommen war. Ihre Freundschaft
dauerte bis zu Schillers Tod 1805.
 
 1798 schrieb er die Elegie "Die
Metamorphose der Pflanzen".
 
 Nach 1805
 
 Im Jahr nach Schillers
Tod heiratete Goethe Christiane Vulpius, mit der er bereits seit 1789
zusammenlebte und mit der er den gemeinsamen Sohn August hatte.
 
 Am
Rande des Erfurter Fuerstenkongresses 1808 wurde Goethe von Napoléon
I. empfangen, der ihm das Kreuz der Ehrenlegion verlieh.
 
 1814
reiste Goethe in die Rhein- und Maingegenden. 1816 starb seine Frau
Christiane. 1817 begann er die "Geschichte seines botanischen Studiums"
"Zeitschrift Zur Naturwissenschaft ueberhaupt, besonders zur Morphologie"
(bis 1824).
 
 Freundschaft mit Kaspar Maria von Sternberg und Karl
Friedrich Zelter.
 
 Goethe starb am 22. Maerz 1832. Seine beruehmten
letzten Worte sollen "Mehr Licht!" gewesen sein. Er wurde am 26. Maerz in
der Fuerstengruft bestattet. Seine Grabrede hielt Johann Friedrich Roehr,
Generalsuperintendent in Weimar. (...)
 
 Naturwissenschaftliche Arbeiten

 
 In der Weimarer Zeit begann Goethe sich auch naturwissenschaftlich
zu beschaeftigen, vor allem auf dem Gebiet der Geologie und Botanik. Vor
allem in Italien suchte er seine "Urpflanze". Sein wissenschaftlicher
Ansatz als Botaniker: Alles ist Blatt und durch diese Einfachheit
wird die groesste Mannigfaltigkeit moeglich scheint heute allerdings
wissenschaftlich widerlegt. Er selbst betrachtete die Farbenlehre als
sein naturwissenschaftliches Hauptwerk. Aus physikalischer Sicht gilt
seine Farbenlehre heute als wenig naturwissenschaftlich; gerade zu diesem
Werk haben sich aber die bedeutendsten Physiker des 20. Jahrhunderts
geaeussert. In der Zoologie wurde er bekannt durch die Entdeckung des
Zwischenkieferknochens beim Menschenembryo, dessen Fehlen bis zu diesem
Zeitpunkt eines der wichtigsten Argumente gegen die Verwandtschaft des
Menschen mit den Affen war.
 
 Zu den naturwissenschaftlichen Spaetwerken
Goethes gehoert die Spiraltendenz der Vegetation (1831), in welcher er
aufzeigt, dass Lebendiges dazu tendiert, sich in Spiralen zu entfalten.
 
Mehr Beachtung als die Einzelergebnisse in Goethes naturwissenschaftlichen
Arbeiten fand die den Naturstudien zugrunde liegende Wissenschaftsmethodik
(Goetheanismus), die sich, anders als die Naturphilosophie der Romantik,
als empirisch (nicht spekulativ) versteht und die im Unterschied zum
positivistischen Empirismus den Menschen nicht als externen Beobachter,
sondern als innerhalb des Beobachteten und als zu diesem gehoerend
behandelt.
 
 aus Diese Biographie basiert auf einem Artikel aus der
freien Enzyklopaedie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz fuer freie
Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfuegbar.
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (gedichtePortal-de):

Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28.August 1749 in Frankfurt/Main als
Sohn desKaiserlichen Rater Dr.jur. Johann Caspar Goethe und Catharina
Elisabeth geboren. Da seine Eltern grossen Wert auf eine gute Ausbildung
legten, bekam Goethe bereits im fruehen Alter Privatunterricht in
Latein, Griechisch, Englisch, Italienisch und Schoenschreiben. Ein
Jahr nach ihm kam seine Schweser Cornelia zur Welt. Im Jahre 1765
schrieb er sich in Leipzig zum Jurastudium ein und hoerte dort noch
zusaetzlich Vorlesungen in Philosophie und Philologie, unter anderem
auch bei Christian Fuerchtegott Gellert. Im Sommer 1768 erlitt er einen
Blutstur, im Winter gleichen Jahres litt er an einer schweren Krankheit
mit einer lebensgefaehrlichen Krise. 1770 wechselte er den Studienort
und siedelte daher nach Strassbur. Dennoch lag sein Interesse weniger im
juristischen Bereich, vielmehr besuchte er in erster Linie medizinische
Vorlesungen. 1771 promovierte er zum Lizentiaten der Rechte und zog
anschliessend nach Frankfurt, wo er als Rechtsanwalt zugelassen wurde. Im
April 1775 verlobte er sich mit Lili Schoenemann, doch nur ein halbes
Jahr spaeter wurde das Verloebnis wieder geloest. Im Juni 1777 starb
seine Schwester Cornelia, zwei Jahre spaeter wurde er zum Geheimen Rat
ernannt. Im April 1782 erhob Kaiser Joseph II. Goethe in den Adelsstand,
nur einen Monat spaeter starb sein Vater. Im Maerz 1784 entdeckte Goehte
in Jena den Zwischenkieferknochen am menschlichen Obergebiss. Im Jahr
darauf begann er ein Studium der Botanik. Im September 1788 kam es
in Rudolstadt zu einer ersten Begegnung zwischen Goethe und Friedrich
Schiller. Ein Jahr spaeter wurde sein Sohn Julius August Walther geboren,
weitere vier Jahre spaeter folgte die Tochter Caroline, die jedoch
nur kurze Zeit lebte.Im Maerz 1798 kreuzten sich die Wege von Goethe
und Novalis. 1801 erkrankte er an Gesichtsrose. Zwei Jahre danach kam
seine Tochter Kathinka zur Welt, doch wie seine erste Tochter lebte auch
sein drittes Kind nur kurze Zeit. 1804 ernannte man ihn zum Wirklichen
Geheimen Rat mit dem Praedikat Exzellenz. Im folgenden Jahr machte ihm
mehrmals eine Nierenkolik sehr zu schaffen. Im Oktober 1806 heiratete er
Christiane Vulpius. 1808 starb Goethes Mutter. Im Dezember 1815 wurde
er zum Staatsminister ernannt. Ein halbes Jahr spaeter starb seine
Frau Christiane nach schwerer Krankheit. Er selbst erkrankte 1823 an
einer Herzbeutel- und Rippenfellentzuendung. Im Oktober 1830 starb sein
Sohn August, Goethe erlitt nur einen Monat spaeter einen Blutsturz. Am
22.Maerz 1832 starb Goethe nach einwoechiger Krankheit.
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (goethezeitportal-de):

Kuenstler- und Denkerenzyklopaedie
 
 Johann Wolfgang von Goethe
(1749-1832)
 
 
 1749-1765: Kindheit in Frankfurt
 
 Johann Wolfgang von
Goethe wird am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren. Die Jahre
1749 bis 1765 sind Zeiten wohlbehueteter Kindheit und vielseitiger
Ausbildung. Goethe wird als Sohn einer wohlhabenden, lutherischen
Familie in eine Welt der Traditionen hineingeboren. Der Vater laesst
seine Kinder reichhaltig, umfassend, vieles aber nur kurz anreissend
ausbilden. Ziel ist eine universale Bildung, die alle Bereiche der
Kuenste und Wissenschaften, mehrere Sprachen und Musikunterricht
fuer Klavier und Cello umfasst. Spaeter kommt noch Tanz-, Fecht-
und Reitunterricht auf die Kinder zu. Aber es gibt auch Theater-
und Konzertbesuche.
 
 
 
 1765-1768: Leipziger Studienjahre
 
 Im
Oktober 1765 kommt Johann Wolfgang von Goethe zum Jura-Studium nach
Leipzig. Das Studium betreibt er halbherzig. Mit einem stattlichen
Budget von 1000 Talern jaehrlich fuehrt er ein gesellschaftliches
Leben. Gottsched und Gellert lehren zu dieser Zeit in Leipzig. Goethe
befasst sich lieber mit Theologie, Naturwissenschaft und Medizin,
geht ins Theater, lernt radieren, kupferstechen und zeichnen bei Adam
Oeser, einem Freund Winckelmanns. Goethe verliebt sich in Anna Katharina
(Kaethchen) Schoenkopf.
 
 
 
 1768-1770: Frankfurter Intermezzo
 
 Nach
einer schwerer Krankheit kehrt Goethe Ende August 1768 nach Frankfurt
zurueck. Erst im Winter 1769 fuehlt er sich wieder einigermassen
gesund. In dieser Zeit ist Goethe auf der Suche, er besitzt keine feste
Orientierung. Sein Studium ist noch nicht beendet und auch der Wunsch des
Vaters nach einer Promotion noch nicht erfuellt. Insofern kann Frankfurt
nur eine Zwischenstation sein. In diesen Monaten pflegt der kranke und
genesende Goethe nicht nur den Umgang mit Pietisten wie Susanna von
Klettenberg (1723-1774), sondern studiert hermetische Schriften und
setzte alchimistische Versuche an. Ausserdem zeichnet und radiert er
weiter.
 
 
 
 1770-1771: Strassburg
 
 Ostern 1770 zieht der wieder
genesene Goethe zur Fortsetzung des Studiums nach Strassburg. Nach
nur einem Semester legt er das Kandidatenexamen ab, das eigentliche
Studium ist damit abgeschlossen. Im Sommer 1771 beginnt er mit der
Promotion. Diese wird jedoch von der Fakultaet abgelehnt. Er darf sich
danach in einer oeffentlichen Disputation von juristischen Thesen um
den Grad eines Lizentiaten bewerben. Dieser Titel galt eben so viel wie
der Titel eines Doktor juris. Goethe erwarb ihn mit dem Praedikat "Cum
applausu". Mehr interessieren ihn in dieser Zeit jedoch medizinische,
botanische, theologische und philosophische Studien. Vor allem die Chemie
ist seine "heimliche Geliebte".
 
 Anfang September 1770 trifft Johann
Gottfried Herder in Strassburg ein. Goethe besucht ihn oft. Der um fuenf
Jahre aeltere Herder erkennt Goethes Begabung und begeistert ihn fuer
Natur- und Volkspoesie, fuer Homer, Ossian und Shakespeare. "Gross und
bedeutend" nennt Goethe rueckblickend Herders Einfluss. Die beiden sollte
eine lebenslange Freundschaft verbinden. Zur gleichen Zeit verkehrt
der Student mit Heinrich Jung-Stilling (1740-1817) und Jakob Michael
Reinhold Lenz (1751-1792). Gepraegt ist die Strassburger Zeit aber durch
seine Liebe zu Friederike Brion (1752-1813). Goethe schrieb fuer sie
Gedichte, beispielsweise das "Mailied" und "Willkommen und Abschied".

 
 
 1771-1775: Wieder in Frankfurt
 
 Wieder in Frankfurt arbeitet
Goethe als Rechtsanwalt am dortigen Schoeffengericht. Im September
1771 legt der junge Anwalt den Advokateneid und auch den Eid als
Frankfurter Buerger ab. Nun stuende ihm eine Laufbahn offen, die auch
in repraesentative oeffentliche Aemter fuehren koennte. Goethe richtet
sich eine Kanzlei im Hause seiner Eltern ein und fuehrt Prozesse. Ende
1771 wird der "Goetz von Berlichingen" fertig, ein fuer den Sturm und
Drang vorbildliches Schauspiel.
 
 1772 beginnt Goethes eigentliche
schriftstellerische Laufbahn als Rezensent der Frankfurter Gelehrten
Anzeigen, dem bedeutenden publizistischen Organ des Sturm und Drang. Im
Mai 1772 schickt ihn der Vater nach Wetzlar ans Reichskammergericht. Auf
einem Ball in Volpertshausen lernt er Charlotte Buff kennen. Spaeter macht
er auch die Bekanntschaft ihres Verlobten Johann Christian Kestner. Das
Verhaeltnis der Drei wird durch Goethes Annaeherungsversuche getruebt
und im September verlaesst er daraufhin Wetzlar. Auf der Rueckreise
besucht er in Ehrenbreitstein Sophie La Roche und trifft dort deren
Tochter Maximiliane.
 
 Goethe schreibt den "Werther" im Februar und
Maerz des Jahres 1774. Es wird sein groesster internationaler Erfolg und
sein aufsehenerregendstes Buch. Darin eingegangen ist der Selbstmord
des Legationssekretaers Karl Wilhelm Jerusalem in Wetzlar. Dieser war
im Herbst 1772 an der Liebe zu einer verheirateten Frau zerbrochen. Mit
dem Erscheinen des "Goetz" und des "Werther" ist Goethe zur Symbolfigur
des Sturm und Drangs geworden. Unmittelbar nach dem "Werther" schreibt
er das Schauspiel "Clavigo". Ausserdem macht er Plaene fuer "Faust" und
"Egmont"
 
 Im Jahr 1775 verlobt er sich mit der Bankierstochter Anna
Elisabeth (Lili) Schoenemann, zu einer Heirat kommt es aber nicht. Im
Mai 1775 macht Goethe mit Friedrich Leopold (Fritz) und Christian Graf
zu Stolberg und Christian Graf von Haugwitz eine Bildungsreise in die
Schweiz. In Zuerich sind sie zu Gast bei dem Theologen Johann Caspar
Lavater, der Goethe seinerseits im Sommer 1774 in Frankfurt besucht
hatte. Nach der Rueckkehr nach Frankfurt loest Goethe die Verlobung mit
Lili.
 
 
 
 1775-1786: Weimar
 
 1774 hat Goethe Erbprinz Carl August von
Sachsen-Weimar-Eisenach (1757-1828) in Frankfurt kennen gelernt. Er laedt
Goethe an den Hof von Weimar ein und am 7. November 1775 kommt Goethe
dort an. Der Herzog stellt ihn in den Staatsdienst ein und bewilligt
ihm ein verhaeltnismaessig hohes Gehalt. Im Juni 1776 beruft der Herzog
Goethe als Geheimen Legationsrat in den Geheimen Conseil, die Zentrale
der Landesregierung. Drei Jahre spaeter uebernimmt Goethe die Weimarer
Kriegskommission und die Direktion des Wegebaus. Als Dreissigjaehriger
wird er zum Geheimen Rat ernannt. 1782 macht ihn der Fuerst zum Leiter
der Finanzkammer.
 
 Goethe beginnt eine Liebesbeziehung mit Charlotte
von Stein (1742-1827). 1782 zieht Goethe vom beruehmten Gartenhaus in
das Haus am Frauenplan in Weimar. Im gleichen Jahr wird er von Kaiser
Joseph II. in den Adelsstand erhoben. Er entdeckt sein Interesse fuer
Geologie und Mineralogie. In dieser Zeit unternimmt Goethe Reisen
nach Duesseldorf, in den Harz, nach Berlin, Frankfurt, ins Elsass,
in die Schweiz, nach Goettingen und Kassel. Auch dienstlich ist er
mit dem Herzog unterwegs. Nach Leipzig, Berlin, in den Harz und an
andere saechsische Hoefe, nach Schlesien, Krakau und Czenstochowa
geht die Fahrt. Er pflegt Kontakte zu Wieland und Herder, der auf
Goethes Wunsch nach Weimar gerufen worden war.
 
 In den ersten elf
Weimarer Jahren veroeffentlicht er kaum etwas. Den "Wilhelm Meister"
faengt der Dichter an, "Egmont", "Iphigenie" und "Tasso" werden nicht
vollendet. Der "Faust" bleibt ein Fragment. Dafuer entstehen einige
seiner bekanntesten und beruehmtesten Gedichte: "Ueber allen Gipfeln
ist Ruh'", "Grenzen der Menschheit" und "Das Goettliche". Fuer das
Weimarer Liebhabertheater schreibt Goethe zahlreiche Stuecke, fuehrt
Regie und schauspielert.
 
 Im Herbst 1779 reist Goethe mit dem Herzog
in die Schweiz. Sie machen vier Tage in Goethes Vaterhaus in Frankfurt
Station. Auf dem weiteren Weg besucht er auch Friederike Brion in
Sesenheim und Lili von Tuerckheim in Strassburg. Goethe beginnt seine
Naturstudien, die alle auf den Menschen bezogen bleiben, so weit sie
sich auch mit den Gebieten der Botanik und Zoologie, Mineralogie und
Geologie, Farbenlehre und Wolkenkunde beschaeftigen. Er liest Linné's
"Philosophie der Botanik" und schreibt dem schwedischen Naturforscher
spaeter den groessten Einfluss nach Shakespeare und Spinoza zu. Im Maerz
1784 gelingt ihm, wie er glaubt, eine anatomische Entdeckung: das os
intermaxillare.
 
 Im Sommer 1785 begibt sich Goethe zum ersten Mal zur
Kur ins boehmische Karlsbad. Bis 1823 wiederholt er die Fahrt dorthin
sechszehnmal. Waehrend der zweiten Badereise plant Goethe bereits seine
"Flucht" nach Italien. Am 3. September 1786 setzt er den Plan in die
Tat um.
 
 
 
 1786-1788: Italien
 
 Die "Flucht" nach Italien fuehrte
Goethe ueber den Brenner, Trient, den Gardasee nach Verona, dann nach
Venedig, Padua und schliesslich Rom. Dort findet er Kontakt zu deutschen
Kuenstlern wie Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829), Angelika
Kauffmann (1741-1807) und Karl Philipp Moritz (1756-1793). Von Tischbein,
der auch Goethe-Tischbein genannt wird, stammt das Gemaelde "Goethe
in der Campagna" (1786-1788). Vier Monate dauert der erste Aufenthalt
in Rom. Dann reist Goethe am 22. Februar 1787 zusammen mit Tischbein
weiter nach Neapel. Bald darauf geht die Fahrt mit dem Landschaftsmaler
Christoph Heinrich Kniep weiter bis nach Sizilien. Im Mai kehren sie
ueber Neapel nach Rom zurueck. Hier beginnt am 7. Juni 1787 Goethes
zweiter Aufenthalt in Rom, der fast noch ein Jahr dauert. Er studiert die
alte Baukunst und die Bildende Kunst in Museen und Sammlungen. Goethe
ist in Italien aber nicht nur Kunstbetrachter, sondern er versucht,
sich selbst als Kuenstler weiterzubilden. Er zeichnet, aquarelliert und
lernt das Modellieren. Rund 850 Zeichnungen sind aus seiner italienischen
Zeit erhalten.
 
 Ebenfalls in dieser Zeit schreibt er die "Iphigenie"
in Verse um und bringt den "Egmont" zu Ende, arbeitet am "Tasso" und am
"Faust". Am 23. April 1788 bricht er mit Christoph Kayser zur Rueckreise
in den Norden auf. Sie reisen bis Juni ueber Siena, Florenz, Bologna,
Parma und Mailand. Durch die Schweiz und Konstanz, Nuernberg, Erlangen,
Bamberg, Coburg. Seine Darstellung der "Italienischen Reise" verfasst
er erst dreissig Jahre spaeter. Sie basiert auf dem "Reise-Tagebuch"
fuer Charlotte von Stein und auf Originalbriefen und -notizen.
 

 
 1788-1832: Weimar
 
 1788 kommt Goethe wieder in Weimar an. Der
Herzog, nicht boese ueber die Abwesenheit, gibt Goethes Neigungen nach,
entbindet ihn von den Regierungsgeschaeften, laesst ihm aber den Sitz
im Ministerrat und die Bezuege. Goethe ist nun eine Art Kulturminister
mit der Oberaufsicht ueber die Anstalten ueber Wissenschaft und Kunst,
beispielsweise die Universitaet Jena. Ab 1791 leitet Goethe dann auch
das neue Weimarer Hoftheater, ein Amt, das er bis 1817 inne hat.
 
Die Liaison mit Charlotte von Stein wird nicht wieder aufgenommen,
sondern Goethe beginnt ein Verhaeltnis mit Christiane Vulpius.
 
 Der
Minister Goethe verfolgt die Geschehnisse der Franzoesischen Revolution
mit Interesse und setzt sich beispielsweise in den "Revolutionsdramen",
der Novellensammlung "Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten" (1795)
und dem Versepos "Hermann und Dorothea" (1797) damit
auseinander. Zunehmend beschaeftigt sich Goethe mit den
Naturwissenschaften. Sein Interesse gilt der Anatomie, Botanik,
Mineralogie, Optik und der Farbentheorie.
 
 1790 besucht Goethe zum
zweiten Mal Italien. Er reist bis Venedig der Herzogenmutter entgegen,
doch seine Begeisterung fuer das Land ist verflogen. 1792 zieht er mit
Carl August nach Frankreich, um am Krieg Oesterreichs und Preussens
gegen die Revolutionsregierung teilzunehmen. Das Erlebnis wird in der
Schrift "Die Kampagne in Frankreich" erlaeutert.
 
 1794 beginnt die
Freundschaft mit Friedrich Schiller, die beide zu produktiver Arbeit
anregt. 1805 erkranken sowohl Goethe als auch Schiller schwer. Am 9. Mai
des gleichen Jahres stirbt Schiller, Goethe, der selbst unter heftigen
Nierenkoliken leidet, ist erschuettert. Am 13. April 1806 protokollierte
er dann im Tagebuch: "Schluss von Fausts I. teil". Damit erfuellt er
noch einen Wunsch Schillers. Im Januar 1795 kommt der erste Band von
"Wilhelm Meisters Lehrjahre" heraus.
 
 Auf der dritten Schweizer Reise
1797 machte Goethe in seiner alten Heimatstadt Frankfurt Station und
liess auch Christiane und seinen Sohn nachkommen, um sie der Mutter
vorzustellen. Immerhin hat er vor der Reise seine Familie testamentarisch
abgesichert. Diese Reise in die Schweiz war die letzte groessere Reise
Goethes.
 
 Goethe hielt sich nun oft in Jena auf. Dort verliebte er sich
im Winter 1807 ungluecklich in Wilhelmine (Minchen) Herzlieb (1789-1865),
Pflegetochter des Buchhaendlers Frommann. In diese Zeit fallen die
"Sonette", die "Wahlverwandtschaften" und seine "Farbenlehre". Im Oktober
1808 wird Goethe waehrend des Erfurter Fuerstenkongresses von Napoleon
empfangen. Spaeter erhaelt er das Kreuz der Ehrenlegion.
 
 1811 beginnt
er mit der Niederschrift seiner Kindheitserinnerungen, die er "Dichtung
und Wahrheit" nennt. Dazu faehrt er im Sommer 1814 und im Fruehjahr 1815
noch einmal in die Gegenden rund um Rhein und Main, in denen er seine
Kindheit und Jugend verbracht hat. Auf einer dieser Reisen verliebt er
sich in Marianne Jung (1784-1860), die spaeter den Bankier und Geheimen
Rat in Frankfurt, Johann Jakob von Willemer, heiratet. Diese Begegnung
inspiriert Goethe zu den Liebesgedichten im "West-oestlichen Diwan".

 1815 wird das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach durch Beschluss des
Wiener Kongresses Grossherzogtum. Goethe bekleidet damit das Amt eines
Staatsministers. Im Sommer 1821 faehrt Goethe zur Kur nach Marienbad und
lernt dort die 17-jaehrige Ulrike von Levetzow kennen. 1817 verzichtet
Goethe auf das Frankfurter Buergerrecht. Seit dem Wiener Kongress
durfte das Vermoegen bei Aufgabe des Buergerrechts ausgefuehrt werden,
ohne den "Zehnten Pfennig" zu zahlen. Goethe entgeht zudem der gerade
beschlossenen Einkommenssteuer. Zuvor hat er auch ein Stellenangebot aus
Frankfurt ausgeschlagen: Nach dem Tod seines Onkels, des Schoeffen Textor,
wollte man ihm dort die Stelle eines Ratsherrn anbieten.
 
 In den letzen
beiden Lebensjahrzehnten beschaeftigt Goethe die Sekretaere Friedrich
Wilhelm Riemer (1774-1845) ab 1814 und ab 1823 Johann Peter Eckermann
(1792-1854). Dieser spornt Goethe zur Arbeit am zweiten Teil des "Faust"
an, den der Dichter daraufhin zwischen 1825 und 1831 vollendet. Aber
er moechte das Werk zu seinen Lebzeiten nicht mehr veroeffentlichen,
sondern uebergibt es seinen Nachlassverwaltern. In seinem Haus am
Frauenplan kuemmert sich Schwiegertochter Ottilie bis zu seinem Tod um
ihn.
 
 Am 22. Maerz 1832 stirbt der grosse deutsche Dichter und wird
in der Fuerstengruft zu Weimar beigesetzt.
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (johann-wolfgang-goethe-de):

KINDHEIT, JUGEND UND STUDIUM
 
 1749
 Johann Wolfgang Goethe wird
am 28. August in Frankfurt am Main geboren. Mutter Catharina
Elisabeth stammt aus der Juristenfamilie Textor, die ebenfalls
in Frankfurt ansaessig ist. Sein Vater Johann Caspar ist der Sohn
eines vermoegenden Modeschneiders und unterrichtet Goethe spaeter in
Eigenregie. Der als streng geltende Jurist und Privatier besitzt ueber
2.000 Buchbaende und sammelt Kunstwerke und Naturalien, darunter auch
italienische Stiche. Goethes Italien-Faszination laesst sich auch darauf
zurueckfuehren.
 Goethe hat fuenf Geschwister, doch nur Schwester Cornelia
und er ueberleben das Kindesalter. Cornelia stirbt mit 26 Jahren als
Ehefrau des Juristen Johann Georg Schlosser. Goethes Familie ist fromm und
praktiziert den christlichen Glauben.
 1756 - 1763
 Siebenjaehriger Krieg:
Frankfurt wird von den Franzosen besetzt, der ranghoechste Offizier wird
in Goethes Elternhaus einquartiert. Daher hat Goethe sein Faible fuer
den Typus des gebildeten Offiziers.
 
 
 
 1765 - 1767
 Goethe studiert
auf Wunsch des Vaters Jura in Leipzig, damals "Klein Paris” genannt. Er
trifft Adam Friedrich Oeser, Maler und Leiter der "Zeichnung- Malerey-
und Architectur-Academie”, bei dem er Zeichenunterricht nimmt und ueber
den er die Schriften Johann Joachim Winckelmanns kennen lernt, die Goethes
Aesthetik stark beeinflussen.
 1767
 Erste grosse Veroeffentlichung:
"Annette” mit 19 Gedichten ueber die damals 19-jaehrige Anna Katharina
Schoenkopf ("Kaethchen”) mit der er 2 Jahre bis 1768 zusammen war. In
einer psychischen sowie gesundheitlichen Krise verbrennt Goethe einen
Grossteil seiner bisherigen Dichtungen, weil er an seinem dichterischen
Talent zweifelt.
 1767/1768
 "Die Laune des Verliebten”, ein Schaeferspiel
in Versen, entsteht.
 1768
 Im Juli erleidet Goethe einen Blutsturz und
eine Lungenaffektion. An seinem 19. Geburtstag verlaesst Goethe Leipzig
und kehrt nach Frankfurt zurueck, im Dezember wird Goethe sterbenskrank
aufgrund seiner in Leipzig ausgebrochenen Krankheit. Er vertieft sich
in die Religion (auch alchemistische Schriften).
 Zeitgleich entstehen
das erste seiner Mondgedichte namens "An den Mond” (spaeter: "An Luna”)
sowie sein erstes Lustspiel "Die Mitschuldigen”.
 1770
 Goethe setzt
Anfang April sein Jura-Studium in Strassbourg fort und erhaelt den
dem Doktortitel fast ebenbuertigen Grad des Licentiatus Juris. Weil
er in seiner Doktorarbeit ketzerische Aussagen getroffen haben soll,
bleibt ihm der echte Doktortitel versagt.
 Im September lernt er Johann
Gottfried Herder - Kunst- und Literaturtheoretiker - kennen, der ihn stark
beeinflusst.
 Im Herbst lernt Goethe im Elsass in Sesenheim Friederike
kennen, die Tochter des Landgeistlichen Brion, und verliebt sich in
sie. Er verfasst die Sesenheimer Lieder.
 
 STURM UND DRANG
 
 1771
Kurz vor seinem 22. Geburtstag kehrt Goethe nach Frankfurt zurueck und
richtet im Elternhaus eine Kanzlei ein. Vier Jahre lang arbeitet er aktiv
als Jurist, betreut dabei aber nur wenige Faelle.
 Im November/Dezember
schreibt er innerhalb von sechs Wochen das Drama "Goetz von Berlichigen”
(urspr. "Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand”),
ein Werk, das die Normen des Klassizismus sprengt. Unter Ruecksicht
auf die Konventionen entschaerft Goethe die Fassung, die trotzdem als
Revolution empfunden wird. Das gefaellt in erster Linie den juengeren
Poeten, das Stueck gilt somit als dramatisches Gruendungsdokument des
Sturm und Drang.
 1772
 Goethe macht auf Draengen seines Vaters hin ein
Praktikum am Reichskammergericht in Wetzlar und lernt das Paar Charlotte
Buff und Johann Christian Kestner kennen. Er verliebt sich in Charlotte
und verlaesst Wetzlar nach einigen Monaten. Die Liebe zu der Verlobten
seines Kollegen Kestner und andere Erfahrungen sind die Grundlage fuer
Goethes Briefroman "Die Leiden des jungen Werther”.
 Goethe kehrt nach
Frankfurt zurueck und erlebt dort eine kreative Hochphase, in der er
unter anderem "Prometheusverfasst.
 
 
 
 1773
 Entstehungsphase des
sogenannten "Urfaust”, der von Goethe selbst nicht veroeffentlicht wird.
1774
 Veroeffentlichung des innerhalb von vier Wochen geschriebenen
Briefromans "Die Leiden des jungen Werther”, der als Sinnbild fuer den
durch eine unerfuellte Liebe in den Selbstmord getriebenen, in seinem
Gefuehlsueberschwang an einer widerstaendigen Umwelt zerbrechenden
Schwaermer steht. Der Roman kommt bei der Bevoelkerung sehr gut an,
man kann sich mit Werther identifizieren.
 Im Mai: Veroeffentlichung von
"Clavigo”, "Stella” und "Schauspiel fuer Liebende”. In der urspruenglichen
Fassung von Stella geht die Hauptfigur Fernando ein Dreiecksverhaeltnis
mit Stella und Caecilie ein, was das Publikum so schockiert, dass Goethe
spaeter den Schluss durch ein tragisches Ende ersetzt. "Clavigo” stellt
Goethes erstes zeitgenoessisches Theaterstueck dar.
 
 MINISTERZEIT IN
WEIMAR
 
 1775
 Goethe erschafft die Singspiele "Erwin und Elmire” und
"Claudine von Villa” als Adaption auslaendischer Opernformen.
 Herzog Carl
August von Sachsen-Weimar-Eisenach laedt Goethe nach Weimar ein.
 1776
im Juni wird Goethe gegen den Widerstand von Seiten des Adels Mitglied
des obersten Regierungsgremiums des Herzogs, dem "Conseil” (1815 wird
dies durch das Grossherzogliche Staatsministerium ersetzt) und danach,
um weiteren Schwierigkeiten vorzubeugen, in den Adelsstand erhoben.
Goethe versucht, auf den Herzog einzuwirken, die Staatsausgaben unter
die -einnahmen zu druecken, zum Beispiel durch Reduzierung der Truppen
um die Haelfte.
 
 
 
 1777
 Veroeffentlichung des Gedichts "Harzreise im
Winter”, in dem sich Goethes Spaltung zwischen Dichterberuf und amtlicher
Praxis widerspiegelt.
 In diesem Jahr begegnet Goethe ausserdem Charlotte
von Stein. In der Beziehung zu ihr sieht Goethe das Streben nach in der
Liebe erfahrener Wahrheit.
 1779
 Goethe veroeffentlicht die Prosafassung
der "Iphigenie auf Tauris”, in deren Theaterauffuehrung er selbst den
Orest spielte.
 1780
 Er beginnt seine Naturforschungen, auf die spaeter
Goethes Abhandlungen ueber die Natur folgen.
 1782
 Goethe wird vom Herzog
zum Kammerpraesidenten (Finanzminister) ernannt, in der Hoffnung, den
Staatshaushalt weiter zu konsolidieren. Er foerdert die Landwirtschaft,
ist in der Kriegskommission, der Wege- und Wasserbaudirektion sowie der
Bergwerkskommission taetig.
 1783
 Goethe trifft Herder wieder, eine
Freundschaft entwickelt sich.
 Im Gedicht "Ilmenau” beschreibt Goethe das
Leben des Herzogs Carl August - vom zuegellosen Jugendtreiben zum jetzigen
Wirken im Interesse des Landes.
 1784
 In diesem Jahr entsteht der Aufsatz
"Ueber den Granit in Verbundenheit” zu seinen naturwissenschaftlichen
Forschungen.
 
 GOETHE IN ITALIEN
 
 1786
 Goethe konzentriert sich
mehr auf den kulturpolitischen Bereich, bleibt jedoch Berater fuer den
Herzog. Er beaufsichtigt die Universitaet Jena.
 Goethe resigniert
in Anbetracht des Nichterreichens der gesteckten Ziele in Weimar,
sieht die Preisgabe seines poetischen Talents zugunsten der amtlichen
Taetigkeit als fragwuerdig und fluechtet am 3. September in Absprache
mit dem Herzog nach Rom. Damit leitet Goethe die Weimarer Klassik ein.
1787
 Im Februar 1787 zieht Goethe weiter nach Neapel, setzt im Maerz
nach Sizilien ueber und kehrt im Juni nach Rom zurueck.
 Waehrend seiner
Italien-Reise trifft er Johann Heinrich Meyer und Karl Philipp Moritz,
es entstehen nur wenige neue Werke. Goethe arbeitet an vorher in Weimar
angefangenen Werken, z.B. der Versform der "Iphigenie auf Tauris”,
"Torquato Tasso” sowie "Faust” und schliesst "Iphigenie auf Tauris” und
"Egmont” (Prosa, 12 Jahre der Entstehung) ab. In "Iphigenie auf Tauris”
kommt Goethes Grundueberzeugung zum Ausdruck, dass allein Wahrheit
Friede sei und beides im Weiblichen begruendet sei.
 
 
 
 1788
 Im
Juni kommt Goethe nach zweimonatiger Reise wieder in Weimar an und
erklaert dem Herzog, er haette sich selbst als Kuenstler, als Dichter
wiedergefunden, waere wiedergeboren. Nach seiner Rueckkehr nach Weimar
wird er seiner bisherigen Aemter enthoben.
 Goethe lernt die buergerliche
Christiane Vulpius kennen, Schwester des Schriftstellers Christian August
Vulpius. Aufgrund von Goethes Adelsstand wird die Verbindung von Goethe
zu Christiane Vulpius als Missstand angesehen. In dieser Zeit entstehen
auch die "Erotica Romana”, deren Freizuegigkeit auch von engen Freunden
Goethes wie Charlotte von Stein und Herder kritisiert wird.
 1789
 Im
Sommer 1789, kurz vor Ausbruch der Franzoesischen Revolution, vollendet
Goethe "Torquato Tasso” (klassisches Drama, erstes echtes Dichterdrama).
1790
 1790 folgt eine weitere unfreiwillige Italienreise, bei der Goethe
der aus Italien zurueckkehrenden Herzogin Anna Amalia entgegenreist. Es
entstehen die 1795 publizierten "Venetianischen Epigramme”. Diese
beschreiben im Gegensatz zur ersten Italienreise die Schattenseiten
Italiens und beschaeftigen sich mit der Franzoesischen Revolution.
 Goethe
widmet sich wieder verstaerkt den Naturwissenschaften und schreibt den
"Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren”.
 Goethe glaubt,
die Farbenlehre Newtons widerlegt zu sehen, weil er beim Blick durch
ein Prisma keine Zerlegung in Farben erkennen kann, wie Newton es
beschrieben hatte. Er uebersieht, dass diese Farben sich allerdings auf
weissem Papier wieder zu weiss vereinen. Goethe sieht das Licht als das
Goettlich-Eine, Farben entstuenden durch das Zusammenspiel von hell und
dunkel. Er konzentriert sich auf die subjektive Wahrnehmung der Farben
und beeinflusst mit seinen Theorien die romantischen Poeten sowie
die Maler seiner Zeit.
 1791
 Goethe wird Direktor des Hoftheaters
(bis 1817), Leiter des Freien Zeicheninstituts sowie Mitglied
in verschiedenen Kulturkommissionen.
 
 WEIMARER KLASSIK
 
 1794
Goethe lernt Friedrich Schiller kennen. Beide verbindet die Ablehnung
der Franzoesischen Revolution, beide arbeiten an der literarischen
Zeitschrift "Die Horen”. Sie beeinflussen sich gegenseitig in ihren
Werken (Schiller: "Wallenstein”, Goethe: "Wilhelm Meisters Lehrjahre”,
die er seit 1775 in Bearbeitung hat).
 1795
 In diesem Jahr erscheinen
die "Roemischen Eligien” (auch "Erotica Romana”), die bereits um 1790 als
Gedichtzyklus entstanden waren.
 Durch den Vertrag von Basel erhaelt das
Grossherzogtum fuer 10 Jahre einen neutralen Status bzw. Friedensstatus
- auch aufgrund des Mitwirkens Goethes und Schillers.
 1796
 Der erste
Teil des Musenalmanach erscheint, an dem Goethe und Schiller gemeinsam
gearbeitet haben und in dem sie ihre Kritiker aufs Korn nehmen.
 
 

 1797
 Entstehungsjahr von Goethes Gedicht "Der Zauberlehrling”.
1800
 Erstes Festspiel Palaeophron und Neoterpe anlaesslich des
Geburtstags der Herzogin-Mutter Anna Amalia.
 1803
 Entstehung von
"Die natuerliche Tochter” als einzig vollendeter Teil einer Trilogie zum
Thema Franzoesische Revolution
 Schiller und Goethe arbeiten gemeinsam an
Theaterstuecken, wovon 1803 "Die Braut von Messina” erstmals aufgefuehrt
wurde.
 1805
 Schiller stirbt am 9. Mai, womit die praegende Periode
der Weimarer Klassik zu Ende geht. Goethe wendet sich mehr der Romantik
zu und versucht, Klassik und Romantik in seinen Werken zu vereinen.
 
AUTOBIOGRAPHISCHE ARBEITEN
 
 1806
 Goethe heiratet Christiane Vulpius,
die sich den durch die Stadt ziehenden und pluendernden franzoesischen
Soldaten nach einer verlorenen Schlacht entgegenstellte und Goethe
vor Schlimmerem bewahrte.
 1808
 Zweites Festspiel: "Pandora” (nur
Fragmente).
 "Faust, der Tragoedie erster Teil” erscheint.
 
 
 
 1809

 Goethe beginnt mit seinen autobiographischen Arbeiten "Dichtung und
Wahrheit”, die Teile von Goethes Biographie zwischen zwischen 1749 und
1775 aufgreift. Auch vor dem Hintergrund von Schillers Tod hegt er den
Wunsch, das Gewesene fuer die Nachwelt zu fixieren. Ausserdem erfolgt
die Veroeffentlichung von "Wahlverwandtschaften”.
 1810
 "Opus zur
Farbenlehre”
 1814
 1814 erscheint der dritte und letzte vollstaendige
Teil von "Dichtung und Wahrheit”, der 4. Teil wird unterbrochen durch
"Faust II” und vor Goethes Tod nicht mehr ganz fertig gestellt.
 Die
Franzoesische Revolution endet, Goethe reist danach zu den Orten von
Goethes Kindheit und Jugend im Rhein-Main-Gebiet.
 
 ALTER IN WEIMAR

 1815
 Goethe nimmt seine politischen Arbeiten wieder auf und  wird
zum Staatsminister und Ressortleiter der "Anstalten fuer Wissenschaft
und Kunst" in Weimar und Jena ernannt.
 In seinen letzten Lebensjahren
festigt sich bei Goethe die Vorstellung einer Weltliteratur im Zuge
der Internationalisierung, die Erzeugnisse einzelner Nationen werden
Gemeingut.
 Premiere des Festspiels "Des Epimenides Erwachen” anlaesslich
des Sieges Napoleons und des Endes der Befreiungskriege.
 1816
 Tod von
Goethes Ehefrau Christiane.
 1818
 "Um Mitternacht”
 
 
 
 1819
 Von
1819 bis 1825 schreibt er die "Annalen meines Lebens”. In dieser Zeit
veroeffentlicht er ausserdem den "West-oestlichen Divan”, in dem die
Faszination Goethes an der altpersischen Dichtung zum Ausdruck kommt.
1821
 Goethe lernt als 74jaehriger die 17jaehrige Ulrike von Levetzow
kennen und verliebt sich zwei Jahre spaeter in sie. Ulrikes Mutter lehnt
Goethes Antrag ab, woraufhin die Liebesklagen "Eligie” entstehen.
Der erste Teil des Goethe-Romans "Wilhelm Meisters Wanderjahre”
wird veroeffentlicht.
 1823/24
 "Trilogie der Leidenschaft1824
"Der Braeutigam”
 1825
 Die Arbeiten an "Faust II” beginnen.
 1827

 Goethe veroeffentlicht die "Ausgabe letzter Hand”, eine Sammlung
von Gedichtbaenden, das wichtigste Gedicht ist dabei "Urworte:
Orphisch”.
 1828
 Herzog Carl August stirbt.
 Veroeffentlichung von
"Novelle” (Prosadichtung).
 1829
 In "Ausgabe letzter Hand” (Band
21-23) veroeffentlicht Goethe die Neufassung von "Wilhelm Meisters
Wanderjahre”. "Faust” wird in Braunschweig uraufgefuehrt, wobei Goethe
nicht anwesend ist, weil er das Stueck nicht als fuer die Buehne
geschaffen sieht.
 1830
 Goethes Sohn August stirbt.
 1832
 Goethe
stirbt am 22. Maerz vermutlich an einem Katarrhfieber mit folgendem
Herzinfarkt. Bis heute haelt sich das Geruecht, seine letzten Worte
lauteten "Mehr Licht!”. Goethe wird neben Carl August und Friedrich
Schiller in Weimar begraben.
 In den "Nachgelassenen Werken” erscheint
"Faust. Der Tragoedie zweiter Teil”. Goethe verfuegte, dass diese zu
seinen Lebzeiten nicht veroeffentlicht werden sollte.
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (literaturwelt-com):

Leben
 
 Kindheit, Jugend und Studienzeit
 
 Johann Wolfgang Goethe
wurde am 28. August 1749 als Sohn des kaiserlichen Rates Johann
Caspar Goethe und seiner Frau Catharina Elisabeth in Frankfurt am Main
geboren. Von seinen fuenf Geschwistern ueberlebt nur Cornelia (geb. am
7. Dezember 1750), mit der er seine Kindheit gemeinsam verbringt und ein
enges Verhaeltnis aufbaut. Ab 1752 besucht Goethe drei Jahre lang die
Frankfurter Spielschule. Mit dem Umbau des Elternhauses 1755 erhaelt der
junge Goethe Privatunterricht. In seiner Jugend wird er Zeuge bedeutender
historischer Ereignisse, u.a. die Besetzung Frankfurts durch die Franzosen
1759 oder die Kroenung Josephs des Zweiten 1764. Im Oktober 1765 nahm er
auf Wunsch seines Vaters ein Jurastudium in Leipzig auf. Nebenher besuchte
Goethe auch philosophische und literaturgeschichtliche Vorlesungen,
u. a. bei Gellert und Gottsched. Er beschaeftigte sich ausserdem in
dieser Zeit mit Lessing und der Aufklaerung sowie mit Klopstock und der
Empfindsamkeit. Bei Adam F. Oeser nahm er Zeichenunterricht. Im August
1768 muss er das Studium wegen schwerer Krankheit abbrechen. Goethe
kehrte daraufhin wieder ins Elternhaus zurueck. Seine Genesung verzoegerte
sich durch einige Rueckfaelle bis Maerz 1770. In dieser Zeit wird Goethe
vor allem von religioeser Lektuere beeinflusst, angeregt durch Susanna
Katharina von Klettenberg. Von April 1770 bis August 1771 setzt Goethe
in Strassburg sein Jurastudium fort. Auch Herder hielt sich um diese
Zeit in Strassburg auf. Goethe knuepfte in Strassburg Kontakte zu Jakob
Michael Reinhold Lenz, und Gottfried von Herder und machte Bekanntschaft
mit Friedericke Brion. Ihr widmete er zahlreiche Gedichte, darunter
das Heidenroeslen, Mailied und Willkommen und Abschied. Im August 1771
promoviert Goethe zum Lizentiaten der Rechte.
 Der Stuermer und Draenger

 
 Nach seiner Promotion in Strassburg kehrt Goethe nach Frankfurt
zurueck. Er nimmt seine Arbeit als Rechtsanwalt auf, wandte sich aber
nebenher verstaerkt der Dichtung zu. So konnte er die Urfassung von Goetz
von Berchlingen vollenden, die Geschichte Gottfriedens von Berlichingen
mit der eisernen Hand. 1772 macht Goethe Bekanntschaft mit Charlotte
Buff, als er Praktikant im Reichskammergericht in Wetzlar ist. Ausserdem
arbeitet er an den Frankfurter Gelehrten Anzeigen mit, das den Beginn
seiner schriftstellerischen Karriere markiert. Die unerfuellte Liebe zu
Charlotte Buff regt Goethe zu seinem Briefroman Die Leiden des jungen
Werthers an, der ihn schlagartig beruehmt machte. Es entstanden auch
einige Hymnen, darunter Ganymed, Prometheus und Wanderers Sturmlied. In
der Zeit zwischen 1773 und 1775 arbeitet Goethe an ersten Fassungen seiner
Dramen Urfaust, Prometheus und Mahomet. Dabei orientiert er sich besonders
an den Werken Shakespeares. Auf seinen Reisen im Jahr 1774 nimmt Goethe
Kontakt zu Johann Caspar Lavater, den Bruedern Jacobi und Karl August von
Sachsen-Weimar-Eisenach auf. Im April 1775 kommt es zur Verlobung mit Lili
Schoenemann, die aber ein halbes Jahr spaeter wieder geloest wird.
 Das
erste Weimarer Jahrzehnt
 
 Goethe wird gegen Ende des Jahres 1775 von
Karl August nach Weimar eingeladen. Dort macht er erste Bekanntschaft mit
Charlotte von Stein. Im November siedelt er schliesslich ganz ueber. In
Weimar war die einflussreiche Herzogin Anna Amalia ansaessig, die
bedeutende Persoenlichkeiten des deutschen Schriftstellerlebens um sich
versammelte. Darunter befand sich auch Christoph Martin Wieland. Mit der
Ankunft Goethes nahmen die kulturelle Aktivitaet der Stadt Weimar enorm
zu. 1776 bis 1782 wohnte Goethe in einem Gartenhaus an den Ilmwiesen. Er
wird Beamter der Stadt Weimar und zum Geheimen Legationsrat ernannt. 1776
kommt auch Herder, als Generalsuperintendent, nach Weimar. Mit der
Oberaufsicht ueber den Illmenauer Bergbau und der engen Beziehung
mit Charlotte von Stein verstaerkt sich Goethes gefasster Entschluss,
in Weimar zu bleiben. 1777 stirbt seine Schwester Cornelia. Waehrend
sein Schauspiel Stella (1776) noch vom Sturm und Drang gepraegt war,
setzt sich jetzt der Humanismus-Gedanke in Goethes Werken allmaehlich
durch. 1779 entsteht die Prosafassung von Iphigenie auf Tauris, die
1786 in Blankverse umgeschrieben wurde. Im Januar 1779 wird Goethe die
Leitung der Kriegs- und Wegebaukommission uebertragen, durch die er
viele Dienstreisen mit dem Herzog unternahm. Im September wird Goethe
zum Geheimen Rat ernannt. Die Aufsicht ueber den Bergbau in Illmenau
veranlasst Goethe sich mit mineralogischen Studien zu beschaeftigen. 1782
stirbt sein Vater. Goethe bezieht des Haus am Frauenplan. 1784 entdeckt
er den Zwischenkieferknochen des Menschen. 1785 sind die Arbeiten
an Wilhelm Meisters theatralischer Sendung abgeschlossen. Goethe
haelt sich nun oefters in Karlsbad auf.
 Italienreise und Rueckkehr
nach Weimar
 
 Im Herbst des Jahres 1786 bricht Goethe heimlich in
Karlsbad auf und begab sich auf eine Erholungs- und Bildungsreise
nach Italien. Zu diesem Entschluss brachte ihn die immer drueckender
empfundenen hoefischen und dienstlichen Verpflichtungen. Goethe gab
sich dabei als "Maler Moeller" aus. Am 29. Oktober erreichte er Rom,
das eigentliche Ziel seiner Reise. Dort machte er Bekanntschaft mit
dem Maler Tischbein und dem Dichter Karl Philipp Moritz. Neben der
Beschaeftigung mit antiker Bildhauerkunst und der Malerei arbeitete
Goethe auch an seinen literarischen Projekten Iphigenie, Egmont, Tasso
und Faust weiter. Bereits 1786 konnte Iphigenie auf Tauris in Versform
fertiggestellt werden, 1788 dann Egmont. Am 23. April 1788 brach Goethe
in Rom auf und trat seine Heimreise an. Am 18. Juni traf er in Weimar
wieder ein.
 Goethe wird in Weimar auf eignen Wunsch von den meisten der
hoefischen und dienstlichen Pflichten entbunden. Er wird stattdessen
mit der Leitung kuenstlerischer Anstalten des Herzogtums betraut,
darunter z. B. das "Freie-Zeichen-Institut". Im Juli lernt Goethe
seine zukuenftige Lebensgefaehrtin, Christiane Vulpius, kennen. Noch
im gleichen Jahr kommt es in Rudolstadt zur ersten Begegnung zwischen
Goethe und Friedrich Schiller. Goethe verhalf Schiller zu einer Professur
in Jena. 1789 wird Goethes Sohn August geboren. Die Arbeit am Tasso
sind abgeschlossen. Zur Franzoesischen Revolution verhaelt sich Goethe
ablehnend. 1790 erscheinen Die Metamorphose der Pflanzen und Faust,
ein Fragment. 1791 wird Goethe zum Leiter des Weimarer Hoftheaters. 1792
begleitet Goethe Herzog Karl-August im 1. Koalitionskrieg Preussens und
Oesterreichs gegen Frankreich. Er selbst wird Augenzeuge der Kanonade
von Valmy, am 20. September 1792. Das Schauspiel Der Gross-Koptha
entsteht. 1793 ist Goethe Beobachter bei der Belagerung von Mainz. Der
Buergergeneral und Reineke Fuchs werden veroeffentlicht. Goethe
beschaeftigt sich seit 1793 bis 1798 intensiv mit Studien zu Homer.
Das Jahrzehnt mit Schiller
 
 1794 kann Schiller Goethe zur Mitarbeit
an seiner Zeitschrift Die Horen gewinnen. Daraus entwickelte sich eine
intensive Freundschaft zwischen den beiden, die zunaechst nur aus einem
staendigen Briefwechsel bestand. Seit der Tagung der "Naturforschenden
Gesellschaft" in Jena 1794 ist Schiller haeufiger Gast bei Goethe in
Weimar. 1796 entstehen die Xenien. 1797 erhaelt Goethe die Aufsicht
ueber die Weimarer Bibliothek. Das Jahr 1797 ging als das "Balladenjahr"
in die Geschichte ein, da aus einem Dichterwettstreit zwischen Goethe
und Schiller zahlreiche Balladen hervorgingen, darunter Der Gott und die
Bajadere, Der Schatzgraeber, Der Zauberlehrling, Die Braut von Korinth
und Legende. Beide befassten sich auch intensiv mit der Theorie der
literarischen Gattungen, dessen Ergebnis 1797 in der Schrift Ueber
epische und dramatische Dichtung festgehalten wurde. Goethe setzte
in dieser Zeit auch seine Arbeiten am Faust fort. 1798 erschien die
periodische Kunstzeitschrift Propylaeen, unter der Mitarbeit Schillers
und Humboldts. Im Dezember 1799 uebersiedelt Schiller nach Weimar. Er
draengte Goethe zur Vollendung des Fausts. Aus der Zusammenarbeit der
beiden Dichter ging der Stil der Weimarer Klassik hervor, der sich an
Antike und Renaissance orientierte. 1803 erhaelt Goethe die Oberaufsicht
ueber die naturwissenschaftlichen Institute der Universitaet Jena. 1804
wird er zum Wirklichen Geheimen Rat ernannt. Am 9. Mai 1805 stirbt sein
engster Freund, Schiller. Dieses Ereignis nimmt einen tiefen Einschnitt
in das Leben Goethes, das bis dahin von einer intensiven Freundschaft
und geistigen Beziehung der beiden gepraegt war. Im Epilog zu Schillers
Glocke setze er ihm ein Denkmal.
 Das Jahrzehnt nach Schillers Tod
 
 In
der Zeit nach Schiller, zaehlten Ludwig von Knebel, Carl Friedrich Zelter
und Wilhelm von Humboldt zu Goethes engsten Freunden. Goethe setze sich
ab 1806 intensiv mit der Romantik auseinander. Die Sammlung Des Knaben
Wunderhorn (1806-1808) von Achim von Arnim und Clemens Brentano regten
Goethe an, sich mit dem deutschen Mittelalter und der Volkspoesie zu
beschaeftigen. Im April 1806 wurde Faust, erster Teil abgeschlossen. Im
Oktober kam es zur Schlacht bei Jena und zur Besetzung Weimars. Goethe
heiratete in diesem Jahr Christiane Vulpus. 1807 macht er Bekanntschaft
mit Bettina Brentano, der spaeteren Frau A. v. Arnims. Goethe beginnt die
Arbeit an Wilhelm Meisters Wanderjahre. 1808 stirbt Goethes Mutter. Auf
dem Erfurter Fuerstenkongress kam es zur Begegnung zwischen Goethe
und Napoleon I. 1809 erscheinen Die Wahlverwandtschaften. 1810 kam
es zum Abschluss der Arbeit an der Farbenlehre. Der erste Teil seiner
Autobiographie Dichtung und Wahrheit, erster Teil. erschien 1811. In
Karlsbad kam es 1812 zur Begegnung mit Ludwig van Beethoven, der einige
Gedichte Goethes vertonte. Dichtung und Wahrheit, zweiter Teil. wurde
fertiggestellt. 1813 verlor die Kuenstler-Stadt Weimar einen weiteren
wichtigen Geist, den Dichter Christoph Martin Wieland. Im gleichen Jahr
fand zwischen dem 16. und 19. Oktober die Voelkerschlacht bei Leipzig
statt. Der dritte Teil seiner Autobiographie erschien. 1814 kommt es
zur Begegnung mit Marianne von Willemer und den Bruedern Boisserée.
Die letzten Lebensjahre
 
 1815 unternimmt Goethe ausgedehnte Reisen ins
Rhein- und Maingebiet. Sachsen-Weimar-Eisenach wird durch einen Beschluss
des Wiener Kongresses zum Grossherzogtum. Im September findet die letzte
Begegnung mit Marianne von Willemer statt. Im Dezember wird Goethe mit
dem Amt eines Staatsministers betraut. Am 6. Juni 1816 stirbt seine
Frau, Christiane. 1817 haelt sich Goethe oefters in Jena auf. Von der
Leitung des Hoftheaters wird er entbunden. Mit zunehmenden Alter zog
sich Goethe vom Weimarer Gesellschaftsleben zurueck und wendete sich
nun hauptsaechlich seinen Werken zu. 1819 ist der West-oestliche Divan
abgeschlossen. 1820 beginnt die Arbeit an Wilhelm Meisters Wanderjahren,
die 1829 vollendet wurde. 1821 kommt es zur ersten Begegnung mit
Ulrike von Levetzow, seiner letzten Liebe. 1825 nimmt er seine Arbeit
am Faust, zweiter Teil. wieder auf. Im Januar 1827 stirbt Charlotte von
Stein, im Juni des darauffolgenden Jahres Grossherzog Karl August. 1830
erscheint der letzte Teil seiner Autobiographie, Dichtung und Wahrheit,
vierter Teil. Im November erfaehrt er vom Tode seines Sohnes, der schon
Ende Oktober verstarb. Goethe erlitt einen Blutsturz. 1831 wird Faust,
zweiter Teil. vollendet. Am 22. Maerz 1832 stirbt Goethe in seinem Haus
am Frauenplan. Er wurde neben Schiller in der Weimarer Fuerstengruft
beigesetzt.
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.<ref>Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2ref> Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u.&nbsp;a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.<ref>Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S.&nbsp;38.ref>
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"<ref>Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S.&nbsp;39.ref> Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u.&nbsp;a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".<ref>Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0ref>

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0ref> nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0ref>

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].<ref>Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2ref>

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0ref>

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u.&nbsp;a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u.&nbsp;a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.<ref>Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne.ref> Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.<ref>Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2ref>

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11.&nbsp;Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.<ref name="ndbadb">Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17ref>
Er schreibt am 14.&nbsp;Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:<ref>Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de'']ref> Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.<ref name="ndbadb" /><ref>Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de'']ref> Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z.&nbsp;B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.<ref>Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de'']ref> Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."<ref>In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348.ref> Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.<ref name="ndbadb" />
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de'']ref> Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784).<ref name="ndbadb" /> [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23.&nbsp;Juni 1780 trat er
der Loge bei.<ref>Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23
ref>

 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']ref><ref>Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
ref>  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10.&nbsp;April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte.<ref name="ndbadb" /> Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de'']ref> Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.<ref name="borchmeyer80">Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de'']ref> Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden.<ref name="ndbadb" /> Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.<ref name="borchmeyer80" />

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0ref> so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.<ref>Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9ref> Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z.&nbsp;B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u.&nbsp;a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung)<ref name="Seehafer180"
/> des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.<ref>Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4ref>
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]<ref>Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8ref> vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0ref> Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.<ref>Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3ref> Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u.&nbsp;a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]<ref>Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet.ref> und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.<ref>Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3ref>

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Anciengime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825ref> 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)<ref>Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798ref>]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0ref>

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.<ref>Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798ref>

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.<ref>Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0ref>

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30&nbsp;Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65&nbsp;Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:<ref>Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0ref>

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51&nbsp;Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].<ref>Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2ref> Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.<ref>Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833)ref> Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.<ref>Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2ref> Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u.&nbsp;a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.<ref>Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S.&nbsp;38.ref>
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"<ref>Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S.&nbsp;39.ref> Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u.&nbsp;a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".<ref>Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0ref>

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0ref> nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0ref>

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].<ref>Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2ref>

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0ref>

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u.&nbsp;a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u.&nbsp;a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.<ref>Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne.ref> Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.<ref>Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2ref>

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11.&nbsp;Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.<ref name="ndbadb">Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17ref>
Er schreibt am 14.&nbsp;Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:<ref>Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de'']ref> Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.<ref name="ndbadb" /><ref>Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de'']ref> Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z.&nbsp;B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.<ref>Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de'']ref> Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."<ref>In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348.ref> Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.<ref name="ndbadb" />
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de'']ref> Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784).<ref name="ndbadb" /> [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23.&nbsp;Juni 1780 trat er
der Loge bei.<ref>Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23
ref>

 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']ref><ref>Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
ref>  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10.&nbsp;April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte.<ref name="ndbadb" /> Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de'']ref> Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.<ref name="borchmeyer80">Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de'']ref> Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden.<ref name="ndbadb" /> Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.<ref name="borchmeyer80" />

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0ref> so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.<ref>Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9ref> Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z.&nbsp;B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u.&nbsp;a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung)<ref name="Seehafer180"
/> des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.<ref>Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4ref>
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]<ref>Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8ref> vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0ref> Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.<ref>Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3ref> Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u.&nbsp;a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]<ref>Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet.ref> und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.<ref>Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3ref>

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Anciengime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825ref> 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)<ref>Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798ref>]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0ref>

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.<ref>Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798ref>

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.<ref>Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0ref>

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30&nbsp;Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65&nbsp;Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:<ref>Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0ref>

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51&nbsp;Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].<ref>Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2ref> Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.<ref>Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833)ref> Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

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dieterwunderlich-de frankfurt-interaktiv-de gedichte-xbib-de gedichtePortal-de goethezeitportal-de johann-wolfgang-goethe-de literaturwelt-com wikipedia
0.037001 0.013077 0.045319 0.007844 0.042453 0.039257 0.032174 1.000000

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (dieterwunderlich-de):

Johann Wolfgang Goethe wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main
als Sohn des wohlhabenden, hochgebildeten Juristen Johann Caspar Goethe
(1710 - 1782) und der Schultheissentochter Katharina Elisabeth Textor
(1731 - 1808) geboren. Da der Vater zwar kaiserlicher Rat war, aber
keine bestimmten beruflichen Verpflichtungen hatte, unterrichtete er
seinen Sohn vorwiegend selbst.

Mit fuenfzehn verliebte Johann Wolfgang Goethe sich in eine junge
Kellnerin namens Gretchen und geriet durch sie in die Gesellschaft von
Betruegern. Im Oktober 1765 reiste er nach Leipzig, um dort Jura zu
studieren, wie es sein Vater wuenschte. Dort passte sich Goethe der
anspruchsvollen Mode sowie der lockeren Lebensart des Rokoko an und
verliebte sich in Anna Katharina ("Kaethchen") Schoenkopf (1746 - 1810),
die Tochter seiner Wirtsleute.

Schwer krank kehrte er 1768 in seine Heimatstadt zurueck und wurde
dort u. a. von Susanne Katharina von Klettenberg gesund gepflegt, einer
Verwandten seiner Mutter, die ihn mit dem Pietismus vertraut machte.

1770 setzte Goethe sein Studium in Strassburg fort; aber mehr als die
Rechtswissenschaften fesselten ihn Medizin, Botanik, Chemie, Theologie
und Philosophie. Wieder verliebte er sich; diesmal in die Sesenheimer
Pfarrerstochter Friederike Brion (1752 - 1813). Die Achtzehnjaehrige
gab seinem (vermutlich platonischen) Werben nach, aber im Sommer 1771,
nach der Promotion zum "licentitatus juris", verliess Johann Wolfgang
Goethe Strassburg, ohne sich von ihr auch nur zu verabschieden.

Im August 1771 eroeffnete er in Frankfurt am Main eine Anwaltskanzlei
und setzte zugleich seine in Strassburg begonnenen literarischen
Arbeiten fort. Ende Mai 1772 begann Goethe mit einem Praktikum am
Reichskammergericht in Wetzlar.  Dort lernte der Zweiundzwanzigjaehrige
den pfaelzischen Sekretaer Karl Wilhelm Jerusalem kennen und besuchte mit
ihm am 9. Juni einen Ball in Volpertshausen, an dem auch Charlotte Buff
(1753 - 1828) und ihr Verlobter Johann Christian Kestner (1741 - 1800)
teilnahmen. Goethe verliebte sich in die vier Jahre juengere Tochter eines
Amtmanns, befreundete sich mit dem hannoverschen Gesandtschaftssekretaer
Kestner und traf sich haeufig mit den beiden. Als er Charlotte dreist zu
kuessen versuchte, begriff sie, dass sie Klarheit schaffen musste. (Sie
heiratete Kestner.) Daraufhin reiste Goethe am 11. September ueberstuerzt
aus Wetzlar ab.

In Ehrenbreitstein besuchte er die Schriftstellerin Sophie von La
Roche, deren sechzehnjaehrige Tochter Maximiliane ihm besonders gut
gefiel. Maximiliane heiratete den mehr als doppelt so alten Kaufmann Peter
Anton Brentano und zog mit ihm Anfang 1774 nach Frankfurt am Main. Obwohl
die verheiratete Frau fuer Goethe unerreichbar war, umschwaermte er sie,
und es kam zu heftigen Auseinandersetzungen mit ihrem Ehemann.

"Goetz von Berlichingen", Urauffuehrung: 1774 "Die Leiden des jungen
Werther": 1774 "Clavigo", Urauffuehrung: 1774 Im Fruehjahr 1774 schrieb
Johann Wolfgang Goethe "Die Leiden des jungen Werther", ein Roman, der
offenbar den Nerv der Zeit traf und deshalb innerhalb von kurzer Zeit
in mehreren Auflagen erschien.

Johann Wolfgang Goethe verlobte sich Ostern 1775 mit der Frankfurter
Bankierstochter Anna Elisabeth ("Lili") Schoenemann (1758 - 1817), aber
nach seiner ersten Schweiz-Reise von Mai bis Juli 1775 beendete er die
von keiner der beiden Familien gutgeheissene Beziehung.

Herzog Carl August von Sachsen-Weimar (1757 - 1828), der am 3. September
1775 das Erbe seines frueh verstorbenen Vaters uebernahm, reiste kurz
darauf zu den Eltern seiner Braut, Prinzessin Luise von Hessen-Darmstadt,
besuchte bei dieser Gelegenheit auch den Dichter des "Werther" und lud
ihn ein, nach Weimar zu kommen. Die Residenzstadt galt als "Musenhof",
denn seine Mutter Anna Amalia, die Witwe des 1758 verstorbenen Herzogs
Ernst August II. Constantin (eine Nichte Friedrichs des Grossen), hatte
waehrend ihrer Regentschaft bedeutende Persoenlichkeiten des deutschen
Geisteslebens nach Weimar geholt, so zum Beispiel 1772 Christoph Martin
Wieland (1733 - 1813) als Erzieher ihrer Soehne Carl August und Bernhard.

Am 9. November 1775 folgte Johann Wolfgang Goethe der Einladung und zog
in ein Gartenhaus an der Ilm, das ihm Herzog Carl August uebereignete. Er
erhielt das Weimarer Buergerrecht und wurde zum Geheimen Legationsrat
ernannt.

In Weimar befreundete Johann Wolfgang Goethe sich mit der geistvollen
Frau Charlotte von Stein (1742 - 1827), der er im Lauf der Jahre mehr
als achthundert Briefe schrieb.

Charlotte Albertine Ernestine von Schardt hatte als Fuenfzehnjaehrige
eine Anstellung als Hofdame der Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar
erhalten, sieben Jahre spaeter den herzoglichen Stallmeister Friedrich
Josias Freiherr von Stein (1735 - 1793) geheiratet und innerhalb von
zehn Ehejahren sieben Kinder geboren. (Arm und einsam starb sie am
6. Januar 1827.)

Goethes ein Jahr juengere Schwester Cornelia hatte sich am 1. November
1773 mit dem Juristen Johann Georg Schlosser geheiratet, der mit ihrem
Bruder befreundet war. Seit der schweren Geburt ihrer Tochter Maria
Anne Louise ("Lulu") am 28. Oktober 1774 kraenkelte Cornelia. Vier
Wochen nachdem sie mit einer zweiten Tochter - Catharina Elisabeth Julie
("Juliette") - niedergekommen war, am 8. Juni 1777, starb sie. Goethe
trauerte sehr um seine geliebte Schwester.

Ende November 1777 brach Johann Wolfgang Goethe zu einer Winterreise in
den Harz auf. In Wernigerode suchte er Victor Leberecht Plessing auf,
den Sohn des Superintendenten, um den ungluecklichen jungen Mann vor
einem Werther-Schicksal zu bewahren. Dabei trat er allerdings nicht unter
seinem richtigen Namen auf, sondern gab sich als Kuenstler aus Gotha
aus. In Goslar besichtigte er das Bergwerk, um sich fuer die geplante
Erschliessung der Erzvorkommen von Ilmenau kundig zu machen. Und am
10. Dezember bestieg er den tief verschneiten Brocken, was damals eine
unglaubliche Leistung war.

"Iphigenie auf Tauris", Urauffuehrung: 1779

Herzog Carl August von Sachsen-Weimar ernannte Goethe 1779 zum Leiter
der Kriegskommission und des Strassenbauwesens.

Im Herbst desselben Jahres reisten die beiden in die Schweiz. Sie
fuhren zunaechst von Weimar nach Frankfurt am Main zu Goethes Eltern. Am
25. September besuchten sie Friederike Brion in Sesenheim, am naechsten
Tag in Strassburg Lili Schoenemann, die inzwischen verheiratet war
und ein sieben Wochen altes Kind hatte. In Emmendingen machten sie
Goethes verwitwetem Freund und Schwager Johann Georg Schlosser ihre
Aufwartung. Die Schweiz erreichten Goethe und der Herzog am 3. Oktober
bei Basel. Der Mont Blanc bildete das suedwestlichste Zwischenziel ihrer
Reise. Nur begleitet von einem einheimischen Fuehrer und ihrem Reitknecht
Blochberg, der sich um den Maulesel mit dem Gepaeck kuemmerte, wanderten
sie im November ueber den tief verschneiten Furka-Pass. Erschoepft
uebernachteten sie im Kapuzinerdomizil von Realp, bevor sie zwischen den
Maultierkolonnen der Pilger vom Urserental zum Gotthard-Hospiz aufstiegen.

Kaiser Joseph II. erhob Goethe am 10. April 1782 in den Adelsstand. In
diesem Jahr uebernahm er in Weimar die Finanzverwaltung und mietete ein
Haus am Frauenplan, das er zehn Jahre spaeter von Herzog Carl August
geschenkt bekam und bis zu seinem Tod bewohnte.

1783 und 1784 reiste Johann Wolfgang von Goethe noch zweimal in den Harz.

Der Arbeitsbelastung und der entsagungsvollen Beziehung zu der
verheirateten Charlotte von Stein entzog er sich, indem er in der Nacht
zum 3. September 1786 unter dem Namen Johann Philipp Moeller heimlich nach
Italien aufbrach. In Rom besuchte er Johann Heinrich Wilhelm Tischbein
(1751-1829), der eines der beruehmtesten Portraets des Dichters malte:
"Goethe in der Campagna". Auch mit der Malerin Angelica Kauffmann (1741
- 1807) befreundete sich Goethe, der erst am 18. Juni 1788 nach Weimar
zurueckkehrte.

Seinen frueheren Freunden und Bekannten war er inzwischen entfremdet. Ihre
Missbilligung steigerte sich durch sein skandaloeses Zusammenleben mit
Christiane Vulpius (1765 - 1816), einer einfachen Arbeiterin in einer
Manufaktur fuer kuenstliche Blumen, die am 11. Juli 1788 mit einer
Bittschrift fuer ihren Bruder an ihn herangetreten war. Am 25. Dezember
1789 gebar sie den Sohn Julius August Walther, der als einziges ihrer
fuenf Kinder bis 1830 am Leben blieb. (August von Goethe starb in Rom
an Blattern.) Charlotte von Stein war ueber Goethes Verhalten verbittert
und versoehnte sich erst 1801 wieder mit ihm.

"Egmont", Urauffuehrung: 1789

Auf seinen eigenen Wunsch weitgehend von den staatlichen Aufgaben
entbunden, beschaeftigte Johann Wolfgang von Goethe sich v. a. mit
naturwissenschaftlichen Forschungen. 1790 reiste er ein zweites Mal
nach Oberitalien. Im Jahr darauf uebernahm er die Leitung des Weimarer
Hoftheaters (1791 - 1817).

Als Begleiter des Herzogs wurde Johann Wolfgang von Goethe am
20. September 1792 Augenzeuge der Kanonade von Valmy, die im Rahmen
des 1. Koalitionskriegs (1792 - 1797) stattfand, mit der Preussen und
Oesterreich die Ausbreitung der auch von Goethe abgelehnten Franzoesischen
Revolution verhindern wollten. "Von hier und heute geht eine neue Epoche
der Weltgeschichte aus", sagte Goethe zu den Soldaten, "und Ihr koennt
sagen, Ihr seid dabeigewesen." (Tatsaechlich hielten die Franzosen dem
Angriff stand.)

"Reineke Fuchs": 1794

Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller waren sich (abgesehen
von einer gemeinsamen Teilnahme am Stiftungsfest der Hohen Karlsschule
in Stuttgart am 14. Dezember 1779) am 7. September 1788 erstmals
begegnet. Goethe hatte dem zehn Jahre juengeren Dichter zwar eine
Professur am Lehrstuhl fuer Geschichte der Universitaet Jena vermittelt,
aber naeher kamen sich Goethe und Schiller erst sechs Jahre spaeter,
am 20. Juli 1794, nach einer Sitzung der Naturforschenden Gesellschaft
in Jena, wo Goethe einen Vortrag ueber die Urpflanze gehalten hatte.

"Wilhelm Meisters Lehrjahre": 1795/96 "Hermann und Dorothea": 1797

Am 3. Dezember 1799 zog Friedrich Schiller nach Weimar und traf sich
haeufig mit Johann Wolfgang von Goethe zum Gedankenaustausch. Fuer die
Zusammenarbeit der beiden grossen deutschen Dichter praegte Heinrich Laube
1839 den Begriff "Weimarer Klassik". Leider war sie von verhaeltnismaessig
kurzer Dauer, denn Friedrich von Schiller starb am 9. Mai 1805 an den
Folgen einer jahrelang verschleppten Lungenentzuendung. Sein Tod bedeutete
in Goethes Leben eine traurige und schmerzliche Zaesur.

Friedrich Wilhelm Riemer (1774 - 1845) hatte 1803 eine Dachkammer in
Goethes Haus bezogen. Auch als seine Aufgabe als Hauslehrer von August von
Goethe beendet war, blieb er als Vertrauter und Sekretaer bei dem Dichter.

Bei Jena und Auerstedt wurde die preussisch-saechsische Armee am
14. Oktober 1806 von Napoleon (1769 - 1821) besiegt. Die Franzosen nahmen
Johann Wolfgang von Goethe gefangen, aber Christiane Vulpius gelang es,
ihren Lebensgefaehrten rasch wieder freizubekommen. Daraufhin vermaehlte
er sich am 19. Oktober 1806 mit ihr.

Einige Monate spaeter verliebte sich der Siebenundfuenfzigjaehrige
in Wilhelmine Herzlieb (1789 - 1865), die vierzig Jahre juengere
Pflegetochter des Jenaer Buchhaendlers Karl Friedrich Ernst Frommann
(1765 - 1837). (Wilhelmine Herzlieb wurde das Vorbild fuer die Figur
der Ottilie in Goethes Roman "Die Wahlverwandschaften".)

"Torquato Tasso", Urauffuehrung: 1807

Als Napoleon sich anlaesslich des Erfurter Fuerstentags (27. September bis
4. Oktober 1808) in Preussen aufhielt, traf er sich dreimal mit Johann
Wolfgang von Goethe (Erfurt, 2. Oktober; Weimar, 6. und 10. Oktober)
und lud in nach Paris ein.

"Die Wahlverwandtschaften": 1809

1812 begegneten sich Johann Wolfgang von Goethe und Ludwig van Beethoven
(1770 - 1827) bei einem Kuraufenthalt in Karlsbad. Bettina von Arnim
erzaehlt in einem ihrer Briefe, wie sie bei einem gemeinsamen Spaziergang
in Karlsbad Hoeflingen des Kaisers begegneten und der Dichter zur Seite
trat, waehrend der Komponist stur geradeaus schritt und anschliessend
Goethes Unterwuerfigkeit kritisierte.

Die Zeit vom 12. August bis 17. September 1815 verbrachte Johann Wolfgang
von Goethe mit Marianne von Willemer (um 1784 - 1860), die seit September
1814 mit dem fuenfundzwanzig Jahre aelteren Bankier Johann Jakob Willemer
verheiratet war, in Frankfurt am Main. (Marianne war 1798 als Komoediantin
nach Frankfurt gekommen, und der bereits zweimal verwitwete Bankier
hatte das Maedchen als Pflegetochter in sein Haus aufgenommen.)

Goethes Ehefrau Christiane starb am 6. Juni 1816.

"West-oestlicher Divan": 1819 "Wilhelm Meisters Wanderjahre": 1821

Fuenf Jahre spaeter verliebte sich der inzwischen zweiundsiebzigjaehrige
Dichter in die siebzehnjaehrige Ulrike von Levetzow (1804 - 1899),
die ihre Sommerferien mit ihrer Mutter und ihren beiden Schwestern
in Marienbad verbrachte und Goethe dabei erst kennengelernt hatte,
obwohl er bereits seit laengerer Zeit mit ihrer Mutter Amalie befreundet
war. 1823 liess Goethe ihr durch Herzog Carl August einen Heiratsantrag
ueberbringen, aber Ulrike von Levetzow hielt das zuerst fuer einen
schlechten Scherz und blieb zeitlebens unverheiratet. Ihren literarischen
Niederschlag fand Goethes unglueckliche Liebe zu ihr in der "Marienbader
Elegie".

Der junge Schriftsteller Johann Peter Eckermann (1792 - 1854) half seinem
Idol ab 1823 bei der Ausgabe seiner Werke und veroeffentlichte 1836 bis
1848 "Gespraeche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens". Nikolaus
Lenau (1802 - 1850) verglich Goethe und Eckermann spoettisch mit einer
Floete und einem Blasrohr, aber das ist wohl ebenso ueberzeichnet wie
die Annahme, die beiden haetten eine Freundschaft auf gleicher Augenhoehe
gepflegt.

"Faust. Der Tragoedie erster Teil", Urauffuehrung: 1829 [Verfilmung]
"Faust". Zweiter Teil: 1832 (Urauffuehrung: 1854)

Im Alter von zweiundachtzig Jahren starb Johann Wolfgang von Goethe am
22. Maerz 1832 in seinem Haus am Frauenplan in Weimar.

Literatur ueber Johann Wolfgang von Goethe

Peter Boerner: Johann Wolfgang von Goethe (Rowohlt-Bildmonographie)
Sigrid Damm: Christiane und Goethe (Insel Verlag) Anja Hofer: Johann
Wolfgang von Goethe (dtv portrait) Katharina Mommsen: Kein Rettungsmittel
als die Liebe. Schillers und Goethes Buendnis im Spiegel ihrer Dichtungen
Ruediger Safranski: Goethe & Schiller. Geschichte einer Freundschaft (Carl
Hanser Verlag) Astrid Seele: Frauen um Goethe (Rowohlt-Bildmonographie)
Die Beziehung Goethes zu Charlotte von Stein und Christiane Vulpius
wird in einem Kapitel des Buches "Verfuehrerische Frauen. 11 Portraets"
(Piper Verlag, Muenchen 2012) von Dieter Wunderlich dargestellt.

Philipp Stoelzl drehte mit Alexander Fehling in der Titelrolle den Film
"Goethe!", der am 14. Oktober 2010 in die Kinos kommen wird.

Originaltitel: Goethe - Regie: Philipp Stoelzl - Drehbuch: Alexander
Dydyna, Christoph Mueller - Kamera: Kolja Brandt - Schnitt: Sven Budelmann
- Musik: Ingo Frenzel - Darsteller: Alexander Fehling, Miriam Stein,
Moritz Bleibtreu, Volker Bruch, Burghart Klaussner, Henry Huebchen,
Hans-Michael Rehberg, Axel Milberg u.a. - 2010; 100 Minuten
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (frankfurt-interaktiv-de):

Biographie - Johann Wolfgang von Goethe Johann Wolfgang von Goethe
war ein Universalgenie. Er war gleichermassen Dichter, Schriftsteller,
Kunstkritiker, Philosoph, Naturwissenschaftler, Jurist und Staatsmann.

Goethe ist die Lichtgestalt der deutschen Literatur.

Er praegte Sturm und Drang sowie mit Schiller die Weimarer Klassik.

Er verfasste unzaehlige Gedichte, Dramen und Prosawerke.

Mit der Tragoedie Faust schuf Goethe ein Menschheitsdrama von zeitloser
Gueltigkeit und weltliterarischem Rang.

Goethe hat in seinem Leben viele Frauen geliebt. Sie waren ihm immer
auch Inspiration zu neuen Dichtungen.

Weniger bekannt waren seine naturwissenschaftlichen Taetigkeiten, die
ihm zeitweise wichtiger als die literarische Arbeit erschienen. Goethe
entdeckte 1784 den Zwischenkieferknochen beim Menschen.

Biographie Johann Wolfgang Goethe (das "von" wurde ihm erst 1782
verliehen) wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren und
starb am 22. Maerz 1832 in Weimar.

Der Sohn des Kaiserlichen Rates Johann Kaspar Goethe und der Katharina
Elisabeth studierte ab 1765 auf Wunsch seines Vaters in Leipzig und
Strassburg Rechtswissenschaften.

Nach Abschluss seines Studiums im Herbst 1771 arbeitete Goethe als
Rechtsanwalt in Frankfurt.

Doch Goethe widmete sich lieber seinem ersten Drama und schrieb
einige Gedichte. Er arbeitete auch am kritischen Organ der
Sturm-und-Drang-Bewegung, den "Frankfurter gelehrten Anzeigen" mit.

Mit seinem ersten Roman "Die Leiden des jungen Werthers" und dem Drama
"Goetz von Berlichingen" (beide 1774 erschienen) gelang dem 24-jaehrigen
Goethe der literarische Durchbruch.

1775 folgte er dem Ruf des jungen Herzog Carl August an den Weimarer
Hof, wo er politische Aufgaben (im Finanzwesen, Berg- und Wegebau)
uebernahm. Spaeter bekam er die Leitung des Theaters und die Aufsicht
ueber das Bildungswesen angetragen.

In Weimar freundete Goethe sich mit Charlotte von Stein (1742-1827) an,
der er im Lauf der Jahre mehr als achthundert Briefe schrieb.

1776 erfolgte die Ernennung zum Geheimen Legationsrat, 1779 zum Geheimen
Rat und 1782 wurde Goethe durch Kaiser Joseph II. geadelt.

Im September 1786 unternahm er seine erste Italienreise. In Rom besuchte
er die Maler Tischbein (der eines der beruehmtesten Portraets des Dichters
"Goethe in der Campagna" malte) und Kauffmann.

Erst im Juni 1788 kehrte Goethe nach Weimar zurueck, wo er sich mit
Christiane Vulpius verlobte, die er 1806 auch heiratete.

Von den fuenf Kindern aus dieser Verbindung ueberlebte nur der
erstgeborene August (1789-1830).

Goethe gab alle Staatsaemter bis auf die Leitung des Hoftheaters auf. 1790
folgte seine zweite Italienreise.

Die Zeit danach ist gepraegt durch die Zusammenarbeit mit Schiller. Die
beiden entwickelten einen Stil, der als Weimarer Klassik bekannt wurde.

Nach dem Tod Herders, Schillers und Wielands knuepfte Goethe neue
Freundschaften, u.a. zu Humboldt, und beschaeftigte sich mit Fichtes
Transzendentalphilosophie.

1804 wurde Goethe zum Wirklichen Geheimen Rat ernannt.

Auf dem Erfurter Fuerstenkongress lernte Goethe 1808 Napoleon kennen. Im
gleichen Jahr gab er den ersten Teil des Faust heraus.

1812 begegnete er bei einem Kuraufenthalt in Karlsbad den Komponisten
Beethoven.

1815 unternahm Goethe ausgedehnte Reisen ins Rhein-Main-Gebiet. Die Zeit
vom 12. August bis 17. September 1815 verbrachte er mit der verheirateten
Marianne von Willemer in Frankfurt.

Im Dezember 1815 wird Goethe mit dem Amt eines Staatsministers betraut.

Nach dem Tod seiner Frau Christiane (6. Juni 1816) zog sich Goethe vom
Weimarer Gesellschaftsleben zurueck und wendete sich seinen Werken zu.

Das letzte Lebensjahrzehnt verbrachte Goethe mit der Arbeit an "Wilhelm
Meisters Wanderjahren", der "Italienischen Reise", seiner Autobiographie
"Dichtung und Wahrheit", und vor allem an Faust, der Tragoedie zweiter
Teil, welche er 1831 beendete.

Am 22. Maerz 1832 verstarb Johann Wolfgang von Goethe im Alter von 82
Jahren. Seine letzten Worte sollen "Mehr Licht!" gewesen sein.

Am 26. Maerz wurde er neben Schiller in der Weimarer Fuerstengruft
beigesetzt.

Seine bedeutendsten Werke: Goetz von Berlichingen (1774) Die Leiden
des jungen Werther (1774) Iphigenie auf Tauris ((1786) Egmont (1788)
Torquato Tasso (1789) Wilhelm Meisters Lehrjahre (1796) Faust, 1. Teil
(1806) Dichtung und Wahrheit (Erinnerungen Teil 1-3 1811-13, 1830 Teil 4)
Italienische Reise, erster und zweiter Teil (1816) Westoestlicher Divan
(1819) Wilhelm Meisters Wanderjahre (1829) Faust, 2. Teil (1831) Im
Internet unter Projekt Gutenberg sind viele der Werke Goethes zu finden.

Bei amazon.de finden Sie Buecher ueber Goethe und natuerlich seine
Gedichte, Dramen und Prosawerke.
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (gedichte-xbib-de):

Goethe - Biografie & Lebenslauf
 
 Johann Wolfgang von Goethe (*
28. August 1749 in Frankfurt am Main als J. W. Goethe; † 22. Maerz
1832 in Weimar; auch Goethe) ist als Dichter, Theaterleiter,
Naturwissenschaftler, Kunsttheoretiker und Staatsmann der bekannteste
Vertreter der Weimarer Klassik. Als Verfasser von Gedichten, Dramen
und Prosa-Werken gilt er als der groesste deutsche Dichter und ist eine
herausragende Persoenlichkeit der Weltliteratur.
 
 Herkunft und Jugend
(1749-1765)
 
 Goethes Vater, Johann Caspar Goethe (* 1710; † 1782),
war im kaiserlichen Rat vertreten. Er ging zunaechst auf eine der besten
Schulen des Landes, auf das Gymnasium Casimirianum in Coburg, hatte in
Leipzig Rechtswissenschaften studiert, am Reichskammergericht in Wetzlar
gearbeitet, Reisen nach Rom und Paris unternommen, und sich schliesslich
in seiner Vaterstadt Frankfurt niedergelassen, wo die Familie in einem
geraeumigen Haus am Grossen Hirschgraben lebte. Er ging dort seinen
Neigungen und Interessen nach; so widmete er sich der Zusammenstellung
eines Naturalienkabinetts und der Sammlung von Gemaelden.
 
 
  Goethe (Gedichte)
 Reisezehrung
 Maechtiges Ueberraschen
 Sie kann nicht enden
 Reineke
 Fuchs - VII. Gesang
 Reineke Fuchs - X. Gesang 2
Weitere Texte von Goethe "
 
 Goethes Mutter Catharina Elisabeth Goethe
(* 1731; † 1808) war eine geborene Textor. Die Tochter des Frankfurter
Buergermeisters hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe
geheiratet.
 
 Ausser der am 7. Dezember 1750 geborenen Schwester Cornelia
Friderike Christiana starben alle anderen Geschwister frueh. 1758
erkrankte Goethe an den Blattern (Pocken).
 
 Goethe wurde von seinem
Vater und durch Privatlehrer unterrichtet; auch erhielt er Unterricht
im Reiten und Fechten.
 
 Schon frueh interessierte er sich fuer die
Literatur, wobei er sein Augenmerk zunaechst auf Friedrich Gottlieb
Klopstock und Homer richtete. Mit 14 Jahren bewarb er sich bereits um
die Mitgliedschaft in der Arkadischen Gesellschaft zu Phylandria. Auch
begeisterte er sich fuer das Theater - so besuchte er waehrend der
franzoesischen Besetzung 1759 haeufig das franzoesische Theater im
Junghof. 1763 erlebte er ein Konzert des damals 7 Jahre alten Mozart.
 
Am 30. September 1765 verliess er Frankfurt, um in Leipzig das Studium der
Rechte aufzunehmen.
 
 Studium und Geniezeit (1765-1775)
 
 Von 1765 bis
1768 studierte Goethe in Leipzig. Er hoerte dort die Poetikvorlesung von
Christian Fuerchtegott Gellert und nahm an dessen Stiluebungen teil. Auch
nahm er Zeichenunterricht bei Adam Friedrich Oeser, dem Direktor der
Leipziger Akademie. Er verliebte sich in Kaethchen Schoenkopf und besang
diese Liebe in heiter-verspielten Versen in der Tradition des Rokoko
(Gedichtzyklus Annette).
 
 Auerbachs Keller und die dort beheimatete
Sage von Fausts Fassritt 1525 beeindruckten ihn so sehr, dass er spaeter
Auerbachs Keller als einzigen konkret existierenden Ort in sein Drama
Faust I aufnahm. - Ein Blutsturz zwang ihn, das Studium abzubrechen und am
28. August 1768 nach Frankfurt zurueckzukehren.
 
 Frankfurt/Strassburg
(1768-1770)
 
 Eine eineinhalbjaehrige, von manchen Rueckfaellen
unterbrochene Genesungszeit folgte. Waehrend der Rekonvaleszenz wurde er
liebevoll von Mutter und Schwester umsorgt. Eine Freundin der Mutter,
Susanne von Klettenberg, brachte ihn mit pietistischen Vorstellungen
in Beruehrung.
 
 Im April 1770 verliess er Frankfurt, um dem Wunsch
seines Vaters entsprechend in Strassburg sein Studium zu beenden.
 
 In
Strassburg lernte er Friederike Brion, eine Pfarrerstochter, kennen. Ihr
widmete er einige Gedichte, darunter z. B. "Willkommen und Abschied",
"Sessenheimer Lieder" und "Heidenroeslein".
 
 Frankfurt und Darmstadt
(1771) und dann nach Wetzlar (1772)
 
 Am 31. Aug. 1771 wurde Goethe in
Frankfurt als Advokat zugelassen. Damals stand er in Verbindung mit dem
Darmstaedter Hof, der der Empfindsamkeit huldigte; aus diesem Kreis sind
Schlosser und Johann Heinrich Merck hervorzuheben.
 
 Am 10. Mai 1772
ging Goethe zum Abschluss der juristischen Ausbildung als Referendar
an das Reichskammergericht in Wetzlar. Er war vom 25. Mai desselben
Jahres an Rechtspraktikant am Reichskammergericht. Seine Grosstante,
Frau Hofrat Susanne Cornelia Lange, die in Wetzlar lebte, vermittelte
ihm ein Haus, in dem er zusammen mit Jakob Heinrich Born, einem Bekannten
aus der Leipziger Studienzeit und Sohn des Buergermeisters von Leipzig,
wohnte. Nach der ungluecklichen Liebe zu Charlotte Buff verliess
Goethe Wetzlar am 11. September 1772 wieder.
 
 Er hatte gerade sein
Studium der Rechtswissenschaften abgeschlossen und wollte auf Draengen
seines Vaters Kenntnisse im Kameralrecht und in der Prozessfuehrung
sammeln. Goethes Vater hatte grosse Plaene mit seinem einzigen Sohn:
Sein Ziel war es, ihn zum Schultheissen in Frankfurt zu machen. Daher
hatte er seinen Sohn schon frueh mit Rechtsbuechern vertraut gemacht
und ihn viel auswendig lernen lassen.
 
 Es war nicht so, dass Goethe
das Praktikum am Reichskammergericht unwichtig gewesen waere. Er war
durchaus interessiert am Erscheinungsbild des Reichskammergerichtes,
da er hoffte, sich daraus ein Bild ueber die Zustaende im Reich machen
zu koennen. Er nahm Veraenderungen in der Rechtspraxis wahr und konnte
diese als Ganzes ueberschauen, war sich aber der Lueckenhaftigkeit
seiner Fachkenntnisse beim Studienabschluss bewusst. Goethe wollte
im Sinne von fortschrittlicher, humaner Rechtsprechung und Vollzug und
systematisch strukturierten und philosophisch begruendeten Gesetzen unter
Beruecksichtigung von psychischen und sozialen Faktoren arbeiten. Dies
laesst sich aus den erhaltenen 28 Akten des Advokaten Goethe ableiten.

 Dennoch besuchte er das Reichskammergericht sehr selten und nutzte
es kaum als Ausbildungsmoeglichkeit. Denn zum einen war er gegenueber
der Rechtspraxis skeptisch wegen der Korruption, die er als Ausdruck
der zerruetteten Verhaeltnisse in Deutschland sah. Diese hatte sein
Vater schon, als Goethe noch ein Kind war, angeprangert. Zum anderen
misstraute er dem Reichskammergericht und den Visitationen zwischen
1767 und 1776. Er glaubte wie viele andere junge Juristen, mit denen
er sich im Gasthof "Zum Kronprinzen" traf, nicht, dass diese etwas
verbessern koennten. Ausserdem behauptet Goethe spaeter, als er Dichtung
und Wahrheit niederschreibt, es habe sich schon in seiner Kindheit
gezeigt, dass er kaum aus Interesse an den Rechtswissenschaften Jurist
werden wollte, sondern vielmehr aus Reiselust.
 
 Nach dem Suizid des
Gesandtschaftssekretaers Karl Wilhelm Jerusalem Ende Oktober 1772 kehrte
Goethe vom 6. bis 10. November 1772 noch einmal fuer kurze Zeit nach
Wetzlar zurueck. Jerusalem war ein entfernter Bekannter von Goethe. Sein
Suizid war fuer Goethe der Ausloeser, seinen Roman Die Leiden des jungen
Werthers zu schreiben. Darin verbindet er die eigenen Erlebnisse mit
seiner angebeteten Charlotte Buff mit dem Schicksal Jerusalems, das er
in Gespraechen mit Personen, die kurz vor seinem Tod noch mit ihm zu tun
gehabt hatten, ergruendete. Der Roman wird ein grosser Erfolg und gilt
als literarische Initialzuendung der Empfindsamkeit und der Sturm und
Drang-Literatur. 1774 Lahnreise mit seinen Freunden Basedow und Lavater
nach Ehrenbreitstein. Im Anblick der Burg Lahneck: Geistesgruss.

 Weimar (1775-1805)
 
 1775-1776 betreibt Goethe einen intensiven
Briefwechsel mit Graefin Augusta Louise zu Stolberg-Stolberg, die in
dem adeligen Kloster zu Uetersen lebt.
 
 1776 tritt Goethe als Geheimer
Legationsrat in den Staatsdienst des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach
ein und bekam weitere politische Aufgaben. Er wohnte sechs Jahre in seinem
"Gartenhaus" (Goethes Gartenhaus), das der Herzog ihm schenkte und dessen
umliegenden Garten er als Parkgarten selbst plante und gestaltete. Diesen
"Garten am Stern" bezeichnete er spaeter in seinen Tagebuechern als
"untern Garten". Massgeblich beteiligt war er auch an der Planung des
Landschaftsgartens an der Ilm. Wollte, Gott haette mich zum Gaertner oder
Laboranten gemacht, ich koennte gluecklich sein schreibt er in seinem
Tagebuch.
 
 Er lernte die Hofdame Charlotte von Stein kennen. Zehn
Jahre lang verband die beiden eine innige Beziehung.
 
 1779 wird er
zum Geheimrat befoerdert. Die Entscheidung, das Angebot des acht Jahre
juengeren Herzog Carl August in dem Weimarer Mini-Staat ein wichtiges
Amt anzunehmen, war eine fuer politische Reformtaetigkeit. Goethe war
innerhalb des Kabinetts verantwortlich fuer eine wachsende Zahl von
Zustaendigkeiten. Politik blieb - auch nach seinem Ausscheiden aus dem
Staatsdienst - ein Feld, dem er seine stetige Aufmerksamkeit schenkte.

 In diesen Jahren begann er sich intensiv mit der Naturwissenschaft zu
beschaeftigen.
 
 Am 23. Juni 1780 wird er als Lehrling in die Weimarer
Freimaurerloge Anna Amalia zu den drei Rosen aufgenommen. Der Meister vom
Stuhl, Staatsminister Jakob Friedrich Freiherr von Fritsch, sah Goethe mit
Skepsis und uebergab daher den Hammer an Johann Christoph Bode. Er dachte
sogar wegen Goethes Ernennung zum Geheimrat an Ruecktritt von seinem Amt
als Staatsminister. Zum Gesellen wird Goethe am 23. Juni 1781 befoerdert,
am 2. Maerz 1782 zum Meister erhoben. Wenige Wochen nach dieser
Erhebung musste die Loge Amalia ihre Arbeit einstellen, da es in der
Freimaurerei in dieser Zeit zu Zerwuerfnissen kam.
 
 Der Herzog
vermietete ihm 1782 dann ein Haus am Frauenplan, das er ihm 1792
schliesslich schenkte. Hier lebte Goethe bis zu seinem Tod. Auch den
Garten am Frauenplan gestaltete der Dichter selbst. (1885, nach dem
Tod des letzten Enkels und Erben Goethes, wurde das Haus am Frauenplan
zum Nationalmuseum erklaert. Da nach dem Zweiten Weltkrieg sehr viel
zerstoert wurde, kam Karl Foerster nach Weimar und gestaltete den Garten
neu).
 
 Aufnahme in den Illuminatenorden am 11. Februar 1783 unter dem
Namen "Abaris", geworben von Johann Christoph Bode.
 
 1777 Erste Reise
in den Harz Am 10. Dezember ist er auf dem Brocken; dies gilt als die
erste Winterbesteigung dieses Berges. 1783 erfolgt die zweite Reise in
den Harz, im darauffolgenden Jahr 1784 die dritte und letzte Harzreise.

 1784 entdeckte er den Zwischenkieferknochen am menschlichen Schaedel.

 Reise nach Italien (1786-1788)
 
 Am 3. September 1786 verliess Goethe
fluchtartig die heimischen Gefilde. In Weimar war nur seinem vertrauten
Diener und Sekretaer Philipp Seidel sein Reiseziel bekannt. Goethe
gab sich in Italien unter dem Namen "Filippo Miller" aus. Die ersten
Briefe, welche Goethe nach Hause richtete, waren undatiert. Erst von
Rom aus gab er den Naechststehenden Nachricht ueber seine eigentlichen
Entschluesse und die Absicht, laengere Zeit in Italien zu bleiben.

 Seinen Aufenthalt in Italien beschreibt Goethe in der Italienischen
Reise. In Rom freundete er sich 1786 mit Heinrich Tischbein an, mit dem
er 1787 unter anderem nach Neapel reiste. Im selben Jahr entstand auch das
beruehmte Gemaelde Tischbeins, das Goethe als Reisenden in der roemischen
Campagna zeigt (siehe abgebildetes Detail). Auch Angelika Kauffmann lernte
er dort kennen. Goethe beschreibt seinen 15-monatigen Aufenthalt in der
"Hauptstadt der Welt" als Erfuellung eines Lebenstraumes - als "einen
zweiten Geburtstag, eine wahre Wiedergeburt". Er laesst sich als Kuenstler
von der Monumentalitaet der antiken Bauten inspirieren (Pantheon,
Kolosseum, Kaiserthermen u. a.)und studiert antike Skulpturen (Apoll
vom Belvedere, Herkules Farnese, Juno Ludovisi u. a.). Darueber hinaus
beschaeftigt er sich intensiv mit der italienischen Renaissance-Malerei
und bewundert neben Michelangelo vor allem Raffael als den Gipfel
der abendlaendischen Kunst und wahren Erneuerer der Antike. In den
"Roemischen Elegien" (1795) blickt der Begruender der deutschen
Klassik wehmuetig auf sein Rom-Erlebnis zurueck und aeussert den Wunsch
einst an der Pyramide des Cestius begraben zu werden. Damit macht er
deutlich, dass der Aufenthalt in Rom der entscheidende Anstoss fuer die
Entwicklung einer klassischen deutschen Dichtung war, die an die antike
Groesse anknuepft.
 
 1788 bis 1805
 
 Etwa ab dem 40. Lebensjahr muss
Goethe unbeweglich und steif gewesen sein. Er litt, wie sich spaeter
herausstellte, unter schweren Bandscheibenschaeden und Verwachsungen
mehrerer Brustwirbel.
 
 1795 begann seine Freundschaft mit Schiller, der
zuerst als Historieprofessor nach Jena gekommen war. Ihre Freundschaft
dauerte bis zu Schillers Tod 1805.
 
 1798 schrieb er die Elegie "Die
Metamorphose der Pflanzen".
 
 Nach 1805
 
 Im Jahr nach Schillers
Tod heiratete Goethe Christiane Vulpius, mit der er bereits seit 1789
zusammenlebte und mit der er den gemeinsamen Sohn August hatte.
 
 Am
Rande des Erfurter Fuerstenkongresses 1808 wurde Goethe von Napoléon
I. empfangen, der ihm das Kreuz der Ehrenlegion verlieh.
 
 1814
reiste Goethe in die Rhein- und Maingegenden. 1816 starb seine Frau
Christiane. 1817 begann er die "Geschichte seines botanischen Studiums"
"Zeitschrift Zur Naturwissenschaft ueberhaupt, besonders zur Morphologie"
(bis 1824).
 
 Freundschaft mit Kaspar Maria von Sternberg und Karl
Friedrich Zelter.
 
 Goethe starb am 22. Maerz 1832. Seine beruehmten
letzten Worte sollen "Mehr Licht!" gewesen sein. Er wurde am 26. Maerz in
der Fuerstengruft bestattet. Seine Grabrede hielt Johann Friedrich Roehr,
Generalsuperintendent in Weimar. (...)
 
 Naturwissenschaftliche Arbeiten

 
 In der Weimarer Zeit begann Goethe sich auch naturwissenschaftlich
zu beschaeftigen, vor allem auf dem Gebiet der Geologie und Botanik. Vor
allem in Italien suchte er seine "Urpflanze". Sein wissenschaftlicher
Ansatz als Botaniker: Alles ist Blatt und durch diese Einfachheit
wird die groesste Mannigfaltigkeit moeglich scheint heute allerdings
wissenschaftlich widerlegt. Er selbst betrachtete die Farbenlehre als
sein naturwissenschaftliches Hauptwerk. Aus physikalischer Sicht gilt
seine Farbenlehre heute als wenig naturwissenschaftlich; gerade zu diesem
Werk haben sich aber die bedeutendsten Physiker des 20. Jahrhunderts
geaeussert. In der Zoologie wurde er bekannt durch die Entdeckung des
Zwischenkieferknochens beim Menschenembryo, dessen Fehlen bis zu diesem
Zeitpunkt eines der wichtigsten Argumente gegen die Verwandtschaft des
Menschen mit den Affen war.
 
 Zu den naturwissenschaftlichen Spaetwerken
Goethes gehoert die Spiraltendenz der Vegetation (1831), in welcher er
aufzeigt, dass Lebendiges dazu tendiert, sich in Spiralen zu entfalten.
 
Mehr Beachtung als die Einzelergebnisse in Goethes naturwissenschaftlichen
Arbeiten fand die den Naturstudien zugrunde liegende Wissenschaftsmethodik
(Goetheanismus), die sich, anders als die Naturphilosophie der Romantik,
als empirisch (nicht spekulativ) versteht und die im Unterschied zum
positivistischen Empirismus den Menschen nicht als externen Beobachter,
sondern als innerhalb des Beobachteten und als zu diesem gehoerend
behandelt.
 
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Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (gedichtePortal-de):

Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28.August 1749 in Frankfurt/Main als
Sohn desKaiserlichen Rater Dr.jur. Johann Caspar Goethe und Catharina
Elisabeth geboren. Da seine Eltern grossen Wert auf eine gute Ausbildung
legten, bekam Goethe bereits im fruehen Alter Privatunterricht in
Latein, Griechisch, Englisch, Italienisch und Schoenschreiben. Ein
Jahr nach ihm kam seine Schweser Cornelia zur Welt. Im Jahre 1765
schrieb er sich in Leipzig zum Jurastudium ein und hoerte dort noch
zusaetzlich Vorlesungen in Philosophie und Philologie, unter anderem
auch bei Christian Fuerchtegott Gellert. Im Sommer 1768 erlitt er einen
Blutstur, im Winter gleichen Jahres litt er an einer schweren Krankheit
mit einer lebensgefaehrlichen Krise. 1770 wechselte er den Studienort
und siedelte daher nach Strassbur. Dennoch lag sein Interesse weniger im
juristischen Bereich, vielmehr besuchte er in erster Linie medizinische
Vorlesungen. 1771 promovierte er zum Lizentiaten der Rechte und zog
anschliessend nach Frankfurt, wo er als Rechtsanwalt zugelassen wurde. Im
April 1775 verlobte er sich mit Lili Schoenemann, doch nur ein halbes
Jahr spaeter wurde das Verloebnis wieder geloest. Im Juni 1777 starb
seine Schwester Cornelia, zwei Jahre spaeter wurde er zum Geheimen Rat
ernannt. Im April 1782 erhob Kaiser Joseph II. Goethe in den Adelsstand,
nur einen Monat spaeter starb sein Vater. Im Maerz 1784 entdeckte Goehte
in Jena den Zwischenkieferknochen am menschlichen Obergebiss. Im Jahr
darauf begann er ein Studium der Botanik. Im September 1788 kam es
in Rudolstadt zu einer ersten Begegnung zwischen Goethe und Friedrich
Schiller. Ein Jahr spaeter wurde sein Sohn Julius August Walther geboren,
weitere vier Jahre spaeter folgte die Tochter Caroline, die jedoch
nur kurze Zeit lebte.Im Maerz 1798 kreuzten sich die Wege von Goethe
und Novalis. 1801 erkrankte er an Gesichtsrose. Zwei Jahre danach kam
seine Tochter Kathinka zur Welt, doch wie seine erste Tochter lebte auch
sein drittes Kind nur kurze Zeit. 1804 ernannte man ihn zum Wirklichen
Geheimen Rat mit dem Praedikat Exzellenz. Im folgenden Jahr machte ihm
mehrmals eine Nierenkolik sehr zu schaffen. Im Oktober 1806 heiratete er
Christiane Vulpius. 1808 starb Goethes Mutter. Im Dezember 1815 wurde
er zum Staatsminister ernannt. Ein halbes Jahr spaeter starb seine
Frau Christiane nach schwerer Krankheit. Er selbst erkrankte 1823 an
einer Herzbeutel- und Rippenfellentzuendung. Im Oktober 1830 starb sein
Sohn August, Goethe erlitt nur einen Monat spaeter einen Blutsturz. Am
22.Maerz 1832 starb Goethe nach einwoechiger Krankheit.
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (goethezeitportal-de):

Kuenstler- und Denkerenzyklopaedie
 
 Johann Wolfgang von Goethe
(1749-1832)
 
 
 1749-1765: Kindheit in Frankfurt
 
 Johann Wolfgang von
Goethe wird am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren. Die Jahre
1749 bis 1765 sind Zeiten wohlbehueteter Kindheit und vielseitiger
Ausbildung. Goethe wird als Sohn einer wohlhabenden, lutherischen
Familie in eine Welt der Traditionen hineingeboren. Der Vater laesst
seine Kinder reichhaltig, umfassend, vieles aber nur kurz anreissend
ausbilden. Ziel ist eine universale Bildung, die alle Bereiche der
Kuenste und Wissenschaften, mehrere Sprachen und Musikunterricht
fuer Klavier und Cello umfasst. Spaeter kommt noch Tanz-, Fecht-
und Reitunterricht auf die Kinder zu. Aber es gibt auch Theater-
und Konzertbesuche.
 
 
 
 1765-1768: Leipziger Studienjahre
 
 Im
Oktober 1765 kommt Johann Wolfgang von Goethe zum Jura-Studium nach
Leipzig. Das Studium betreibt er halbherzig. Mit einem stattlichen
Budget von 1000 Talern jaehrlich fuehrt er ein gesellschaftliches
Leben. Gottsched und Gellert lehren zu dieser Zeit in Leipzig. Goethe
befasst sich lieber mit Theologie, Naturwissenschaft und Medizin,
geht ins Theater, lernt radieren, kupferstechen und zeichnen bei Adam
Oeser, einem Freund Winckelmanns. Goethe verliebt sich in Anna Katharina
(Kaethchen) Schoenkopf.
 
 
 
 1768-1770: Frankfurter Intermezzo
 
 Nach
einer schwerer Krankheit kehrt Goethe Ende August 1768 nach Frankfurt
zurueck. Erst im Winter 1769 fuehlt er sich wieder einigermassen
gesund. In dieser Zeit ist Goethe auf der Suche, er besitzt keine feste
Orientierung. Sein Studium ist noch nicht beendet und auch der Wunsch des
Vaters nach einer Promotion noch nicht erfuellt. Insofern kann Frankfurt
nur eine Zwischenstation sein. In diesen Monaten pflegt der kranke und
genesende Goethe nicht nur den Umgang mit Pietisten wie Susanna von
Klettenberg (1723-1774), sondern studiert hermetische Schriften und
setzte alchimistische Versuche an. Ausserdem zeichnet und radiert er
weiter.
 
 
 
 1770-1771: Strassburg
 
 Ostern 1770 zieht der wieder
genesene Goethe zur Fortsetzung des Studiums nach Strassburg. Nach
nur einem Semester legt er das Kandidatenexamen ab, das eigentliche
Studium ist damit abgeschlossen. Im Sommer 1771 beginnt er mit der
Promotion. Diese wird jedoch von der Fakultaet abgelehnt. Er darf sich
danach in einer oeffentlichen Disputation von juristischen Thesen um
den Grad eines Lizentiaten bewerben. Dieser Titel galt eben so viel wie
der Titel eines Doktor juris. Goethe erwarb ihn mit dem Praedikat "Cum
applausu". Mehr interessieren ihn in dieser Zeit jedoch medizinische,
botanische, theologische und philosophische Studien. Vor allem die Chemie
ist seine "heimliche Geliebte".
 
 Anfang September 1770 trifft Johann
Gottfried Herder in Strassburg ein. Goethe besucht ihn oft. Der um fuenf
Jahre aeltere Herder erkennt Goethes Begabung und begeistert ihn fuer
Natur- und Volkspoesie, fuer Homer, Ossian und Shakespeare. "Gross und
bedeutend" nennt Goethe rueckblickend Herders Einfluss. Die beiden sollte
eine lebenslange Freundschaft verbinden. Zur gleichen Zeit verkehrt
der Student mit Heinrich Jung-Stilling (1740-1817) und Jakob Michael
Reinhold Lenz (1751-1792). Gepraegt ist die Strassburger Zeit aber durch
seine Liebe zu Friederike Brion (1752-1813). Goethe schrieb fuer sie
Gedichte, beispielsweise das "Mailied" und "Willkommen und Abschied".

 
 
 1771-1775: Wieder in Frankfurt
 
 Wieder in Frankfurt arbeitet
Goethe als Rechtsanwalt am dortigen Schoeffengericht. Im September
1771 legt der junge Anwalt den Advokateneid und auch den Eid als
Frankfurter Buerger ab. Nun stuende ihm eine Laufbahn offen, die auch
in repraesentative oeffentliche Aemter fuehren koennte. Goethe richtet
sich eine Kanzlei im Hause seiner Eltern ein und fuehrt Prozesse. Ende
1771 wird der "Goetz von Berlichingen" fertig, ein fuer den Sturm und
Drang vorbildliches Schauspiel.
 
 1772 beginnt Goethes eigentliche
schriftstellerische Laufbahn als Rezensent der Frankfurter Gelehrten
Anzeigen, dem bedeutenden publizistischen Organ des Sturm und Drang. Im
Mai 1772 schickt ihn der Vater nach Wetzlar ans Reichskammergericht. Auf
einem Ball in Volpertshausen lernt er Charlotte Buff kennen. Spaeter macht
er auch die Bekanntschaft ihres Verlobten Johann Christian Kestner. Das
Verhaeltnis der Drei wird durch Goethes Annaeherungsversuche getruebt
und im September verlaesst er daraufhin Wetzlar. Auf der Rueckreise
besucht er in Ehrenbreitstein Sophie La Roche und trifft dort deren
Tochter Maximiliane.
 
 Goethe schreibt den "Werther" im Februar und
Maerz des Jahres 1774. Es wird sein groesster internationaler Erfolg und
sein aufsehenerregendstes Buch. Darin eingegangen ist der Selbstmord
des Legationssekretaers Karl Wilhelm Jerusalem in Wetzlar. Dieser war
im Herbst 1772 an der Liebe zu einer verheirateten Frau zerbrochen. Mit
dem Erscheinen des "Goetz" und des "Werther" ist Goethe zur Symbolfigur
des Sturm und Drangs geworden. Unmittelbar nach dem "Werther" schreibt
er das Schauspiel "Clavigo". Ausserdem macht er Plaene fuer "Faust" und
"Egmont"
 
 Im Jahr 1775 verlobt er sich mit der Bankierstochter Anna
Elisabeth (Lili) Schoenemann, zu einer Heirat kommt es aber nicht. Im
Mai 1775 macht Goethe mit Friedrich Leopold (Fritz) und Christian Graf
zu Stolberg und Christian Graf von Haugwitz eine Bildungsreise in die
Schweiz. In Zuerich sind sie zu Gast bei dem Theologen Johann Caspar
Lavater, der Goethe seinerseits im Sommer 1774 in Frankfurt besucht
hatte. Nach der Rueckkehr nach Frankfurt loest Goethe die Verlobung mit
Lili.
 
 
 
 1775-1786: Weimar
 
 1774 hat Goethe Erbprinz Carl August von
Sachsen-Weimar-Eisenach (1757-1828) in Frankfurt kennen gelernt. Er laedt
Goethe an den Hof von Weimar ein und am 7. November 1775 kommt Goethe
dort an. Der Herzog stellt ihn in den Staatsdienst ein und bewilligt
ihm ein verhaeltnismaessig hohes Gehalt. Im Juni 1776 beruft der Herzog
Goethe als Geheimen Legationsrat in den Geheimen Conseil, die Zentrale
der Landesregierung. Drei Jahre spaeter uebernimmt Goethe die Weimarer
Kriegskommission und die Direktion des Wegebaus. Als Dreissigjaehriger
wird er zum Geheimen Rat ernannt. 1782 macht ihn der Fuerst zum Leiter
der Finanzkammer.
 
 Goethe beginnt eine Liebesbeziehung mit Charlotte
von Stein (1742-1827). 1782 zieht Goethe vom beruehmten Gartenhaus in
das Haus am Frauenplan in Weimar. Im gleichen Jahr wird er von Kaiser
Joseph II. in den Adelsstand erhoben. Er entdeckt sein Interesse fuer
Geologie und Mineralogie. In dieser Zeit unternimmt Goethe Reisen
nach Duesseldorf, in den Harz, nach Berlin, Frankfurt, ins Elsass,
in die Schweiz, nach Goettingen und Kassel. Auch dienstlich ist er
mit dem Herzog unterwegs. Nach Leipzig, Berlin, in den Harz und an
andere saechsische Hoefe, nach Schlesien, Krakau und Czenstochowa
geht die Fahrt. Er pflegt Kontakte zu Wieland und Herder, der auf
Goethes Wunsch nach Weimar gerufen worden war.
 
 In den ersten elf
Weimarer Jahren veroeffentlicht er kaum etwas. Den "Wilhelm Meister"
faengt der Dichter an, "Egmont", "Iphigenie" und "Tasso" werden nicht
vollendet. Der "Faust" bleibt ein Fragment. Dafuer entstehen einige
seiner bekanntesten und beruehmtesten Gedichte: "Ueber allen Gipfeln
ist Ruh'", "Grenzen der Menschheit" und "Das Goettliche". Fuer das
Weimarer Liebhabertheater schreibt Goethe zahlreiche Stuecke, fuehrt
Regie und schauspielert.
 
 Im Herbst 1779 reist Goethe mit dem Herzog
in die Schweiz. Sie machen vier Tage in Goethes Vaterhaus in Frankfurt
Station. Auf dem weiteren Weg besucht er auch Friederike Brion in
Sesenheim und Lili von Tuerckheim in Strassburg. Goethe beginnt seine
Naturstudien, die alle auf den Menschen bezogen bleiben, so weit sie
sich auch mit den Gebieten der Botanik und Zoologie, Mineralogie und
Geologie, Farbenlehre und Wolkenkunde beschaeftigen. Er liest Linné's
"Philosophie der Botanik" und schreibt dem schwedischen Naturforscher
spaeter den groessten Einfluss nach Shakespeare und Spinoza zu. Im Maerz
1784 gelingt ihm, wie er glaubt, eine anatomische Entdeckung: das os
intermaxillare.
 
 Im Sommer 1785 begibt sich Goethe zum ersten Mal zur
Kur ins boehmische Karlsbad. Bis 1823 wiederholt er die Fahrt dorthin
sechszehnmal. Waehrend der zweiten Badereise plant Goethe bereits seine
"Flucht" nach Italien. Am 3. September 1786 setzt er den Plan in die
Tat um.
 
 
 
 1786-1788: Italien
 
 Die "Flucht" nach Italien fuehrte
Goethe ueber den Brenner, Trient, den Gardasee nach Verona, dann nach
Venedig, Padua und schliesslich Rom. Dort findet er Kontakt zu deutschen
Kuenstlern wie Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829), Angelika
Kauffmann (1741-1807) und Karl Philipp Moritz (1756-1793). Von Tischbein,
der auch Goethe-Tischbein genannt wird, stammt das Gemaelde "Goethe
in der Campagna" (1786-1788). Vier Monate dauert der erste Aufenthalt
in Rom. Dann reist Goethe am 22. Februar 1787 zusammen mit Tischbein
weiter nach Neapel. Bald darauf geht die Fahrt mit dem Landschaftsmaler
Christoph Heinrich Kniep weiter bis nach Sizilien. Im Mai kehren sie
ueber Neapel nach Rom zurueck. Hier beginnt am 7. Juni 1787 Goethes
zweiter Aufenthalt in Rom, der fast noch ein Jahr dauert. Er studiert die
alte Baukunst und die Bildende Kunst in Museen und Sammlungen. Goethe
ist in Italien aber nicht nur Kunstbetrachter, sondern er versucht,
sich selbst als Kuenstler weiterzubilden. Er zeichnet, aquarelliert und
lernt das Modellieren. Rund 850 Zeichnungen sind aus seiner italienischen
Zeit erhalten.
 
 Ebenfalls in dieser Zeit schreibt er die "Iphigenie"
in Verse um und bringt den "Egmont" zu Ende, arbeitet am "Tasso" und am
"Faust". Am 23. April 1788 bricht er mit Christoph Kayser zur Rueckreise
in den Norden auf. Sie reisen bis Juni ueber Siena, Florenz, Bologna,
Parma und Mailand. Durch die Schweiz und Konstanz, Nuernberg, Erlangen,
Bamberg, Coburg. Seine Darstellung der "Italienischen Reise" verfasst
er erst dreissig Jahre spaeter. Sie basiert auf dem "Reise-Tagebuch"
fuer Charlotte von Stein und auf Originalbriefen und -notizen.
 

 
 1788-1832: Weimar
 
 1788 kommt Goethe wieder in Weimar an. Der
Herzog, nicht boese ueber die Abwesenheit, gibt Goethes Neigungen nach,
entbindet ihn von den Regierungsgeschaeften, laesst ihm aber den Sitz
im Ministerrat und die Bezuege. Goethe ist nun eine Art Kulturminister
mit der Oberaufsicht ueber die Anstalten ueber Wissenschaft und Kunst,
beispielsweise die Universitaet Jena. Ab 1791 leitet Goethe dann auch
das neue Weimarer Hoftheater, ein Amt, das er bis 1817 inne hat.
 
Die Liaison mit Charlotte von Stein wird nicht wieder aufgenommen,
sondern Goethe beginnt ein Verhaeltnis mit Christiane Vulpius.
 
 Der
Minister Goethe verfolgt die Geschehnisse der Franzoesischen Revolution
mit Interesse und setzt sich beispielsweise in den "Revolutionsdramen",
der Novellensammlung "Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten" (1795)
und dem Versepos "Hermann und Dorothea" (1797) damit
auseinander. Zunehmend beschaeftigt sich Goethe mit den
Naturwissenschaften. Sein Interesse gilt der Anatomie, Botanik,
Mineralogie, Optik und der Farbentheorie.
 
 1790 besucht Goethe zum
zweiten Mal Italien. Er reist bis Venedig der Herzogenmutter entgegen,
doch seine Begeisterung fuer das Land ist verflogen. 1792 zieht er mit
Carl August nach Frankreich, um am Krieg Oesterreichs und Preussens
gegen die Revolutionsregierung teilzunehmen. Das Erlebnis wird in der
Schrift "Die Kampagne in Frankreich" erlaeutert.
 
 1794 beginnt die
Freundschaft mit Friedrich Schiller, die beide zu produktiver Arbeit
anregt. 1805 erkranken sowohl Goethe als auch Schiller schwer. Am 9. Mai
des gleichen Jahres stirbt Schiller, Goethe, der selbst unter heftigen
Nierenkoliken leidet, ist erschuettert. Am 13. April 1806 protokollierte
er dann im Tagebuch: "Schluss von Fausts I. teil". Damit erfuellt er
noch einen Wunsch Schillers. Im Januar 1795 kommt der erste Band von
"Wilhelm Meisters Lehrjahre" heraus.
 
 Auf der dritten Schweizer Reise
1797 machte Goethe in seiner alten Heimatstadt Frankfurt Station und
liess auch Christiane und seinen Sohn nachkommen, um sie der Mutter
vorzustellen. Immerhin hat er vor der Reise seine Familie testamentarisch
abgesichert. Diese Reise in die Schweiz war die letzte groessere Reise
Goethes.
 
 Goethe hielt sich nun oft in Jena auf. Dort verliebte er sich
im Winter 1807 ungluecklich in Wilhelmine (Minchen) Herzlieb (1789-1865),
Pflegetochter des Buchhaendlers Frommann. In diese Zeit fallen die
"Sonette", die "Wahlverwandtschaften" und seine "Farbenlehre". Im Oktober
1808 wird Goethe waehrend des Erfurter Fuerstenkongresses von Napoleon
empfangen. Spaeter erhaelt er das Kreuz der Ehrenlegion.
 
 1811 beginnt
er mit der Niederschrift seiner Kindheitserinnerungen, die er "Dichtung
und Wahrheit" nennt. Dazu faehrt er im Sommer 1814 und im Fruehjahr 1815
noch einmal in die Gegenden rund um Rhein und Main, in denen er seine
Kindheit und Jugend verbracht hat. Auf einer dieser Reisen verliebt er
sich in Marianne Jung (1784-1860), die spaeter den Bankier und Geheimen
Rat in Frankfurt, Johann Jakob von Willemer, heiratet. Diese Begegnung
inspiriert Goethe zu den Liebesgedichten im "West-oestlichen Diwan".

 1815 wird das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach durch Beschluss des
Wiener Kongresses Grossherzogtum. Goethe bekleidet damit das Amt eines
Staatsministers. Im Sommer 1821 faehrt Goethe zur Kur nach Marienbad und
lernt dort die 17-jaehrige Ulrike von Levetzow kennen. 1817 verzichtet
Goethe auf das Frankfurter Buergerrecht. Seit dem Wiener Kongress
durfte das Vermoegen bei Aufgabe des Buergerrechts ausgefuehrt werden,
ohne den "Zehnten Pfennig" zu zahlen. Goethe entgeht zudem der gerade
beschlossenen Einkommenssteuer. Zuvor hat er auch ein Stellenangebot aus
Frankfurt ausgeschlagen: Nach dem Tod seines Onkels, des Schoeffen Textor,
wollte man ihm dort die Stelle eines Ratsherrn anbieten.
 
 In den letzen
beiden Lebensjahrzehnten beschaeftigt Goethe die Sekretaere Friedrich
Wilhelm Riemer (1774-1845) ab 1814 und ab 1823 Johann Peter Eckermann
(1792-1854). Dieser spornt Goethe zur Arbeit am zweiten Teil des "Faust"
an, den der Dichter daraufhin zwischen 1825 und 1831 vollendet. Aber
er moechte das Werk zu seinen Lebzeiten nicht mehr veroeffentlichen,
sondern uebergibt es seinen Nachlassverwaltern. In seinem Haus am
Frauenplan kuemmert sich Schwiegertochter Ottilie bis zu seinem Tod um
ihn.
 
 Am 22. Maerz 1832 stirbt der grosse deutsche Dichter und wird
in der Fuerstengruft zu Weimar beigesetzt.
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (johann-wolfgang-goethe-de):

KINDHEIT, JUGEND UND STUDIUM
 
 1749
 Johann Wolfgang Goethe wird
am 28. August in Frankfurt am Main geboren. Mutter Catharina
Elisabeth stammt aus der Juristenfamilie Textor, die ebenfalls
in Frankfurt ansaessig ist. Sein Vater Johann Caspar ist der Sohn
eines vermoegenden Modeschneiders und unterrichtet Goethe spaeter in
Eigenregie. Der als streng geltende Jurist und Privatier besitzt ueber
2.000 Buchbaende und sammelt Kunstwerke und Naturalien, darunter auch
italienische Stiche. Goethes Italien-Faszination laesst sich auch darauf
zurueckfuehren.
 Goethe hat fuenf Geschwister, doch nur Schwester Cornelia
und er ueberleben das Kindesalter. Cornelia stirbt mit 26 Jahren als
Ehefrau des Juristen Johann Georg Schlosser. Goethes Familie ist fromm und
praktiziert den christlichen Glauben.
 1756 - 1763
 Siebenjaehriger Krieg:
Frankfurt wird von den Franzosen besetzt, der ranghoechste Offizier wird
in Goethes Elternhaus einquartiert. Daher hat Goethe sein Faible fuer
den Typus des gebildeten Offiziers.
 
 
 
 1765 - 1767
 Goethe studiert
auf Wunsch des Vaters Jura in Leipzig, damals "Klein Paris” genannt. Er
trifft Adam Friedrich Oeser, Maler und Leiter der "Zeichnung- Malerey-
und Architectur-Academie”, bei dem er Zeichenunterricht nimmt und ueber
den er die Schriften Johann Joachim Winckelmanns kennen lernt, die Goethes
Aesthetik stark beeinflussen.
 1767
 Erste grosse Veroeffentlichung:
"Annette” mit 19 Gedichten ueber die damals 19-jaehrige Anna Katharina
Schoenkopf ("Kaethchen”) mit der er 2 Jahre bis 1768 zusammen war. In
einer psychischen sowie gesundheitlichen Krise verbrennt Goethe einen
Grossteil seiner bisherigen Dichtungen, weil er an seinem dichterischen
Talent zweifelt.
 1767/1768
 "Die Laune des Verliebten”, ein Schaeferspiel
in Versen, entsteht.
 1768
 Im Juli erleidet Goethe einen Blutsturz und
eine Lungenaffektion. An seinem 19. Geburtstag verlaesst Goethe Leipzig
und kehrt nach Frankfurt zurueck, im Dezember wird Goethe sterbenskrank
aufgrund seiner in Leipzig ausgebrochenen Krankheit. Er vertieft sich
in die Religion (auch alchemistische Schriften).
 Zeitgleich entstehen
das erste seiner Mondgedichte namens "An den Mond” (spaeter: "An Luna”)
sowie sein erstes Lustspiel "Die Mitschuldigen”.
 1770
 Goethe setzt
Anfang April sein Jura-Studium in Strassbourg fort und erhaelt den
dem Doktortitel fast ebenbuertigen Grad des Licentiatus Juris. Weil
er in seiner Doktorarbeit ketzerische Aussagen getroffen haben soll,
bleibt ihm der echte Doktortitel versagt.
 Im September lernt er Johann
Gottfried Herder - Kunst- und Literaturtheoretiker - kennen, der ihn stark
beeinflusst.
 Im Herbst lernt Goethe im Elsass in Sesenheim Friederike
kennen, die Tochter des Landgeistlichen Brion, und verliebt sich in
sie. Er verfasst die Sesenheimer Lieder.
 
 STURM UND DRANG
 
 1771
Kurz vor seinem 22. Geburtstag kehrt Goethe nach Frankfurt zurueck und
richtet im Elternhaus eine Kanzlei ein. Vier Jahre lang arbeitet er aktiv
als Jurist, betreut dabei aber nur wenige Faelle.
 Im November/Dezember
schreibt er innerhalb von sechs Wochen das Drama "Goetz von Berlichigen”
(urspr. "Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand”),
ein Werk, das die Normen des Klassizismus sprengt. Unter Ruecksicht
auf die Konventionen entschaerft Goethe die Fassung, die trotzdem als
Revolution empfunden wird. Das gefaellt in erster Linie den juengeren
Poeten, das Stueck gilt somit als dramatisches Gruendungsdokument des
Sturm und Drang.
 1772
 Goethe macht auf Draengen seines Vaters hin ein
Praktikum am Reichskammergericht in Wetzlar und lernt das Paar Charlotte
Buff und Johann Christian Kestner kennen. Er verliebt sich in Charlotte
und verlaesst Wetzlar nach einigen Monaten. Die Liebe zu der Verlobten
seines Kollegen Kestner und andere Erfahrungen sind die Grundlage fuer
Goethes Briefroman "Die Leiden des jungen Werther”.
 Goethe kehrt nach
Frankfurt zurueck und erlebt dort eine kreative Hochphase, in der er
unter anderem "Prometheus” verfasst.
 
 
 
 1773
 Entstehungsphase des
sogenannten "Urfaust”, der von Goethe selbst nicht veroeffentlicht wird.
1774
 Veroeffentlichung des innerhalb von vier Wochen geschriebenen
Briefromans "Die Leiden des jungen Werther”, der als Sinnbild fuer den
durch eine unerfuellte Liebe in den Selbstmord getriebenen, in seinem
Gefuehlsueberschwang an einer widerstaendigen Umwelt zerbrechenden
Schwaermer steht. Der Roman kommt bei der Bevoelkerung sehr gut an,
man kann sich mit Werther identifizieren.
 Im Mai: Veroeffentlichung von
"Clavigo”, "Stella” und "Schauspiel fuer Liebende”. In der urspruenglichen
Fassung von Stella geht die Hauptfigur Fernando ein Dreiecksverhaeltnis
mit Stella und Caecilie ein, was das Publikum so schockiert, dass Goethe
spaeter den Schluss durch ein tragisches Ende ersetzt. "Clavigo” stellt
Goethes erstes zeitgenoessisches Theaterstueck dar.
 
 MINISTERZEIT IN
WEIMAR
 
 1775
 Goethe erschafft die Singspiele "Erwin und Elmire” und
"Claudine von Villa” als Adaption auslaendischer Opernformen.
 Herzog Carl
August von Sachsen-Weimar-Eisenach laedt Goethe nach Weimar ein.
 1776
im Juni wird Goethe gegen den Widerstand von Seiten des Adels Mitglied
des obersten Regierungsgremiums des Herzogs, dem "Conseil” (1815 wird
dies durch das Grossherzogliche Staatsministerium ersetzt) und danach,
um weiteren Schwierigkeiten vorzubeugen, in den Adelsstand erhoben.
Goethe versucht, auf den Herzog einzuwirken, die Staatsausgaben unter
die -einnahmen zu druecken, zum Beispiel durch Reduzierung der Truppen
um die Haelfte.
 
 
 
 1777
 Veroeffentlichung des Gedichts "Harzreise im
Winter”, in dem sich Goethes Spaltung zwischen Dichterberuf und amtlicher
Praxis widerspiegelt.
 In diesem Jahr begegnet Goethe ausserdem Charlotte
von Stein. In der Beziehung zu ihr sieht Goethe das Streben nach in der
Liebe erfahrener Wahrheit.
 1779
 Goethe veroeffentlicht die Prosafassung
der "Iphigenie auf Tauris”, in deren Theaterauffuehrung er selbst den
Orest spielte.
 1780
 Er beginnt seine Naturforschungen, auf die spaeter
Goethes Abhandlungen ueber die Natur folgen.
 1782
 Goethe wird vom Herzog
zum Kammerpraesidenten (Finanzminister) ernannt, in der Hoffnung, den
Staatshaushalt weiter zu konsolidieren. Er foerdert die Landwirtschaft,
ist in der Kriegskommission, der Wege- und Wasserbaudirektion sowie der
Bergwerkskommission taetig.
 1783
 Goethe trifft Herder wieder, eine
Freundschaft entwickelt sich.
 Im Gedicht "Ilmenau” beschreibt Goethe das
Leben des Herzogs Carl August - vom zuegellosen Jugendtreiben zum jetzigen
Wirken im Interesse des Landes.
 1784
 In diesem Jahr entsteht der Aufsatz
"Ueber den Granit in Verbundenheit” zu seinen naturwissenschaftlichen
Forschungen.
 
 GOETHE IN ITALIEN
 
 1786
 Goethe konzentriert sich
mehr auf den kulturpolitischen Bereich, bleibt jedoch Berater fuer den
Herzog. Er beaufsichtigt die Universitaet Jena.
 Goethe resigniert
in Anbetracht des Nichterreichens der gesteckten Ziele in Weimar,
sieht die Preisgabe seines poetischen Talents zugunsten der amtlichen
Taetigkeit als fragwuerdig und fluechtet am 3. September in Absprache
mit dem Herzog nach Rom. Damit leitet Goethe die Weimarer Klassik ein.
1787
 Im Februar 1787 zieht Goethe weiter nach Neapel, setzt im Maerz
nach Sizilien ueber und kehrt im Juni nach Rom zurueck.
 Waehrend seiner
Italien-Reise trifft er Johann Heinrich Meyer und Karl Philipp Moritz,
es entstehen nur wenige neue Werke. Goethe arbeitet an vorher in Weimar
angefangenen Werken, z.B. der Versform der "Iphigenie auf Tauris”,
"Torquato Tasso” sowie "Faust” und schliesst "Iphigenie auf Tauris” und
"Egmont” (Prosa, 12 Jahre der Entstehung) ab. In "Iphigenie auf Tauris”
kommt Goethes Grundueberzeugung zum Ausdruck, dass allein Wahrheit
Friede sei und beides im Weiblichen begruendet sei.
 
 
 
 1788
 Im
Juni kommt Goethe nach zweimonatiger Reise wieder in Weimar an und
erklaert dem Herzog, er haette sich selbst als Kuenstler, als Dichter
wiedergefunden, waere wiedergeboren. Nach seiner Rueckkehr nach Weimar
wird er seiner bisherigen Aemter enthoben.
 Goethe lernt die buergerliche
Christiane Vulpius kennen, Schwester des Schriftstellers Christian August
Vulpius. Aufgrund von Goethes Adelsstand wird die Verbindung von Goethe
zu Christiane Vulpius als Missstand angesehen. In dieser Zeit entstehen
auch die "Erotica Romana”, deren Freizuegigkeit auch von engen Freunden
Goethes wie Charlotte von Stein und Herder kritisiert wird.
 1789
 Im
Sommer 1789, kurz vor Ausbruch der Franzoesischen Revolution, vollendet
Goethe "Torquato Tasso” (klassisches Drama, erstes echtes Dichterdrama).
1790
 1790 folgt eine weitere unfreiwillige Italienreise, bei der Goethe
der aus Italien zurueckkehrenden Herzogin Anna Amalia entgegenreist. Es
entstehen die 1795 publizierten "Venetianischen Epigramme”. Diese
beschreiben im Gegensatz zur ersten Italienreise die Schattenseiten
Italiens und beschaeftigen sich mit der Franzoesischen Revolution.
 Goethe
widmet sich wieder verstaerkt den Naturwissenschaften und schreibt den
"Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren”.
 Goethe glaubt,
die Farbenlehre Newtons widerlegt zu sehen, weil er beim Blick durch
ein Prisma keine Zerlegung in Farben erkennen kann, wie Newton es
beschrieben hatte. Er uebersieht, dass diese Farben sich allerdings auf
weissem Papier wieder zu weiss vereinen. Goethe sieht das Licht als das
Goettlich-Eine, Farben entstuenden durch das Zusammenspiel von hell und
dunkel. Er konzentriert sich auf die subjektive Wahrnehmung der Farben
und beeinflusst mit seinen Theorien die romantischen Poeten sowie
die Maler seiner Zeit.
 1791
 Goethe wird Direktor des Hoftheaters
(bis 1817), Leiter des Freien Zeicheninstituts sowie Mitglied
in verschiedenen Kulturkommissionen.
 
 WEIMARER KLASSIK
 
 1794
Goethe lernt Friedrich Schiller kennen. Beide verbindet die Ablehnung
der Franzoesischen Revolution, beide arbeiten an der literarischen
Zeitschrift "Die Horen”. Sie beeinflussen sich gegenseitig in ihren
Werken (Schiller: "Wallenstein”, Goethe: "Wilhelm Meisters Lehrjahre”,
die er seit 1775 in Bearbeitung hat).
 1795
 In diesem Jahr erscheinen
die "Roemischen Eligien” (auch "Erotica Romana”), die bereits um 1790 als
Gedichtzyklus entstanden waren.
 Durch den Vertrag von Basel erhaelt das
Grossherzogtum fuer 10 Jahre einen neutralen Status bzw. Friedensstatus
- auch aufgrund des Mitwirkens Goethes und Schillers.
 1796
 Der erste
Teil des Musenalmanach erscheint, an dem Goethe und Schiller gemeinsam
gearbeitet haben und in dem sie ihre Kritiker aufs Korn nehmen.
 
 

 1797
 Entstehungsjahr von Goethes Gedicht "Der Zauberlehrling”.
1800
 Erstes Festspiel Palaeophron und Neoterpe anlaesslich des
Geburtstags der Herzogin-Mutter Anna Amalia.
 1803
 Entstehung von
"Die natuerliche Tochter” als einzig vollendeter Teil einer Trilogie zum
Thema Franzoesische Revolution
 Schiller und Goethe arbeiten gemeinsam an
Theaterstuecken, wovon 1803 "Die Braut von Messina” erstmals aufgefuehrt
wurde.
 1805
 Schiller stirbt am 9. Mai, womit die praegende Periode
der Weimarer Klassik zu Ende geht. Goethe wendet sich mehr der Romantik
zu und versucht, Klassik und Romantik in seinen Werken zu vereinen.
 
AUTOBIOGRAPHISCHE ARBEITEN
 
 1806
 Goethe heiratet Christiane Vulpius,
die sich den durch die Stadt ziehenden und pluendernden franzoesischen
Soldaten nach einer verlorenen Schlacht entgegenstellte und Goethe
vor Schlimmerem bewahrte.
 1808
 Zweites Festspiel: "Pandora” (nur
Fragmente).
 "Faust, der Tragoedie erster Teil” erscheint.
 
 
 
 1809

 Goethe beginnt mit seinen autobiographischen Arbeiten "Dichtung und
Wahrheit”, die Teile von Goethes Biographie zwischen zwischen 1749 und
1775 aufgreift. Auch vor dem Hintergrund von Schillers Tod hegt er den
Wunsch, das Gewesene fuer die Nachwelt zu fixieren. Ausserdem erfolgt
die Veroeffentlichung von "Wahlverwandtschaften”.
 1810
 "Opus zur
Farbenlehre”
 1814
 1814 erscheint der dritte und letzte vollstaendige
Teil von "Dichtung und Wahrheit”, der 4. Teil wird unterbrochen durch
"Faust II” und vor Goethes Tod nicht mehr ganz fertig gestellt.
 Die
Franzoesische Revolution endet, Goethe reist danach zu den Orten von
Goethes Kindheit und Jugend im Rhein-Main-Gebiet.
 
 ALTER IN WEIMAR

 1815
 Goethe nimmt seine politischen Arbeiten wieder auf und  wird
zum Staatsminister und Ressortleiter der "Anstalten fuer Wissenschaft
und Kunst" in Weimar und Jena ernannt.
 In seinen letzten Lebensjahren
festigt sich bei Goethe die Vorstellung einer Weltliteratur im Zuge
der Internationalisierung, die Erzeugnisse einzelner Nationen werden
Gemeingut.
 Premiere des Festspiels "Des Epimenides Erwachen” anlaesslich
des Sieges Napoleons und des Endes der Befreiungskriege.
 1816
 Tod von
Goethes Ehefrau Christiane.
 1818
 "Um Mitternacht”
 
 
 
 1819
 Von
1819 bis 1825 schreibt er die "Annalen meines Lebens”. In dieser Zeit
veroeffentlicht er ausserdem den "West-oestlichen Divan”, in dem die
Faszination Goethes an der altpersischen Dichtung zum Ausdruck kommt.
1821
 Goethe lernt als 74jaehriger die 17jaehrige Ulrike von Levetzow
kennen und verliebt sich zwei Jahre spaeter in sie. Ulrikes Mutter lehnt
Goethes Antrag ab, woraufhin die Liebesklagen "Eligie” entstehen.
Der erste Teil des Goethe-Romans "Wilhelm Meisters Wanderjahre”
wird veroeffentlicht.
 1823/24
 "Trilogie der Leidenschaft1824
"Der Braeutigam”
 1825
 Die Arbeiten an "Faust II” beginnen.
 1827

 Goethe veroeffentlicht die "Ausgabe letzter Hand”, eine Sammlung
von Gedichtbaenden, das wichtigste Gedicht ist dabei "Urworte:
Orphisch”.
 1828
 Herzog Carl August stirbt.
 Veroeffentlichung von
"Novelle” (Prosadichtung).
 1829
 In "Ausgabe letzter Hand” (Band
21-23) veroeffentlicht Goethe die Neufassung von "Wilhelm Meisters
Wanderjahre”. "Faust” wird in Braunschweig uraufgefuehrt, wobei Goethe
nicht anwesend ist, weil er das Stueck nicht als fuer die Buehne
geschaffen sieht.
 1830
 Goethes Sohn August stirbt.
 1832
 Goethe
stirbt am 22. Maerz vermutlich an einem Katarrhfieber mit folgendem
Herzinfarkt. Bis heute haelt sich das Geruecht, seine letzten Worte
lauteten "Mehr Licht!”. Goethe wird neben Carl August und Friedrich
Schiller in Weimar begraben.
 In den "Nachgelassenen Werken” erscheint
"Faust. Der Tragoedie zweiter Teil”. Goethe verfuegte, dass diese zu
seinen Lebzeiten nicht veroeffentlicht werden sollte.
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (literaturwelt-com):

Leben
 
 Kindheit, Jugend und Studienzeit
 
 Johann Wolfgang Goethe
wurde am 28. August 1749 als Sohn des kaiserlichen Rates Johann
Caspar Goethe und seiner Frau Catharina Elisabeth in Frankfurt am Main
geboren. Von seinen fuenf Geschwistern ueberlebt nur Cornelia (geb. am
7. Dezember 1750), mit der er seine Kindheit gemeinsam verbringt und ein
enges Verhaeltnis aufbaut. Ab 1752 besucht Goethe drei Jahre lang die
Frankfurter Spielschule. Mit dem Umbau des Elternhauses 1755 erhaelt der
junge Goethe Privatunterricht. In seiner Jugend wird er Zeuge bedeutender
historischer Ereignisse, u.a. die Besetzung Frankfurts durch die Franzosen
1759 oder die Kroenung Josephs des Zweiten 1764. Im Oktober 1765 nahm er
auf Wunsch seines Vaters ein Jurastudium in Leipzig auf. Nebenher besuchte
Goethe auch philosophische und literaturgeschichtliche Vorlesungen,
u. a. bei Gellert und Gottsched. Er beschaeftigte sich ausserdem in
dieser Zeit mit Lessing und der Aufklaerung sowie mit Klopstock und der
Empfindsamkeit. Bei Adam F. Oeser nahm er Zeichenunterricht. Im August
1768 muss er das Studium wegen schwerer Krankheit abbrechen. Goethe
kehrte daraufhin wieder ins Elternhaus zurueck. Seine Genesung verzoegerte
sich durch einige Rueckfaelle bis Maerz 1770. In dieser Zeit wird Goethe
vor allem von religioeser Lektuere beeinflusst, angeregt durch Susanna
Katharina von Klettenberg. Von April 1770 bis August 1771 setzt Goethe
in Strassburg sein Jurastudium fort. Auch Herder hielt sich um diese
Zeit in Strassburg auf. Goethe knuepfte in Strassburg Kontakte zu Jakob
Michael Reinhold Lenz, und Gottfried von Herder und machte Bekanntschaft
mit Friedericke Brion. Ihr widmete er zahlreiche Gedichte, darunter
das Heidenroeslen, Mailied und Willkommen und Abschied. Im August 1771
promoviert Goethe zum Lizentiaten der Rechte.
 Der Stuermer und Draenger

 
 Nach seiner Promotion in Strassburg kehrt Goethe nach Frankfurt
zurueck. Er nimmt seine Arbeit als Rechtsanwalt auf, wandte sich aber
nebenher verstaerkt der Dichtung zu. So konnte er die Urfassung von Goetz
von Berchlingen vollenden, die Geschichte Gottfriedens von Berlichingen
mit der eisernen Hand. 1772 macht Goethe Bekanntschaft mit Charlotte
Buff, als er Praktikant im Reichskammergericht in Wetzlar ist. Ausserdem
arbeitet er an den Frankfurter Gelehrten Anzeigen mit, das den Beginn
seiner schriftstellerischen Karriere markiert. Die unerfuellte Liebe zu
Charlotte Buff regt Goethe zu seinem Briefroman Die Leiden des jungen
Werthers an, der ihn schlagartig beruehmt machte. Es entstanden auch
einige Hymnen, darunter Ganymed, Prometheus und Wanderers Sturmlied. In
der Zeit zwischen 1773 und 1775 arbeitet Goethe an ersten Fassungen seiner
Dramen Urfaust, Prometheus und Mahomet. Dabei orientiert er sich besonders
an den Werken Shakespeares. Auf seinen Reisen im Jahr 1774 nimmt Goethe
Kontakt zu Johann Caspar Lavater, den Bruedern Jacobi und Karl August von
Sachsen-Weimar-Eisenach auf. Im April 1775 kommt es zur Verlobung mit Lili
Schoenemann, die aber ein halbes Jahr spaeter wieder geloest wird.
 Das
erste Weimarer Jahrzehnt
 
 Goethe wird gegen Ende des Jahres 1775 von
Karl August nach Weimar eingeladen. Dort macht er erste Bekanntschaft mit
Charlotte von Stein. Im November siedelt er schliesslich ganz ueber. In
Weimar war die einflussreiche Herzogin Anna Amalia ansaessig, die
bedeutende Persoenlichkeiten des deutschen Schriftstellerlebens um sich
versammelte. Darunter befand sich auch Christoph Martin Wieland. Mit der
Ankunft Goethes nahmen die kulturelle Aktivitaet der Stadt Weimar enorm
zu. 1776 bis 1782 wohnte Goethe in einem Gartenhaus an den Ilmwiesen. Er
wird Beamter der Stadt Weimar und zum Geheimen Legationsrat ernannt. 1776
kommt auch Herder, als Generalsuperintendent, nach Weimar. Mit der
Oberaufsicht ueber den Illmenauer Bergbau und der engen Beziehung
mit Charlotte von Stein verstaerkt sich Goethes gefasster Entschluss,
in Weimar zu bleiben. 1777 stirbt seine Schwester Cornelia. Waehrend
sein Schauspiel Stella (1776) noch vom Sturm und Drang gepraegt war,
setzt sich jetzt der Humanismus-Gedanke in Goethes Werken allmaehlich
durch. 1779 entsteht die Prosafassung von Iphigenie auf Tauris, die
1786 in Blankverse umgeschrieben wurde. Im Januar 1779 wird Goethe die
Leitung der Kriegs- und Wegebaukommission uebertragen, durch die er
viele Dienstreisen mit dem Herzog unternahm. Im September wird Goethe
zum Geheimen Rat ernannt. Die Aufsicht ueber den Bergbau in Illmenau
veranlasst Goethe sich mit mineralogischen Studien zu beschaeftigen. 1782
stirbt sein Vater. Goethe bezieht des Haus am Frauenplan. 1784 entdeckt
er den Zwischenkieferknochen des Menschen. 1785 sind die Arbeiten
an Wilhelm Meisters theatralischer Sendung abgeschlossen. Goethe
haelt sich nun oefters in Karlsbad auf.
 Italienreise und Rueckkehr
nach Weimar
 
 Im Herbst des Jahres 1786 bricht Goethe heimlich in
Karlsbad auf und begab sich auf eine Erholungs- und Bildungsreise
nach Italien. Zu diesem Entschluss brachte ihn die immer drueckender
empfundenen hoefischen und dienstlichen Verpflichtungen. Goethe gab
sich dabei als "Maler Moeller" aus. Am 29. Oktober erreichte er Rom,
das eigentliche Ziel seiner Reise. Dort machte er Bekanntschaft mit
dem Maler Tischbein und dem Dichter Karl Philipp Moritz. Neben der
Beschaeftigung mit antiker Bildhauerkunst und der Malerei arbeitete
Goethe auch an seinen literarischen Projekten Iphigenie, Egmont, Tasso
und Faust weiter. Bereits 1786 konnte Iphigenie auf Tauris in Versform
fertiggestellt werden, 1788 dann Egmont. Am 23. April 1788 brach Goethe
in Rom auf und trat seine Heimreise an. Am 18. Juni traf er in Weimar
wieder ein.
 Goethe wird in Weimar auf eignen Wunsch von den meisten der
hoefischen und dienstlichen Pflichten entbunden. Er wird stattdessen
mit der Leitung kuenstlerischer Anstalten des Herzogtums betraut,
darunter z. B. das "Freie-Zeichen-Institut". Im Juli lernt Goethe
seine zukuenftige Lebensgefaehrtin, Christiane Vulpius, kennen. Noch
im gleichen Jahr kommt es in Rudolstadt zur ersten Begegnung zwischen
Goethe und Friedrich Schiller. Goethe verhalf Schiller zu einer Professur
in Jena. 1789 wird Goethes Sohn August geboren. Die Arbeit am Tasso
sind abgeschlossen. Zur Franzoesischen Revolution verhaelt sich Goethe
ablehnend. 1790 erscheinen Die Metamorphose der Pflanzen und Faust,
ein Fragment. 1791 wird Goethe zum Leiter des Weimarer Hoftheaters. 1792
begleitet Goethe Herzog Karl-August im 1. Koalitionskrieg Preussens und
Oesterreichs gegen Frankreich. Er selbst wird Augenzeuge der Kanonade
von Valmy, am 20. September 1792. Das Schauspiel Der Gross-Koptha
entsteht. 1793 ist Goethe Beobachter bei der Belagerung von Mainz. Der
Buergergeneral und Reineke Fuchs werden veroeffentlicht. Goethe
beschaeftigt sich seit 1793 bis 1798 intensiv mit Studien zu Homer.
Das Jahrzehnt mit Schiller
 
 1794 kann Schiller Goethe zur Mitarbeit
an seiner Zeitschrift Die Horen gewinnen. Daraus entwickelte sich eine
intensive Freundschaft zwischen den beiden, die zunaechst nur aus einem
staendigen Briefwechsel bestand. Seit der Tagung der "Naturforschenden
Gesellschaft" in Jena 1794 ist Schiller haeufiger Gast bei Goethe in
Weimar. 1796 entstehen die Xenien. 1797 erhaelt Goethe die Aufsicht
ueber die Weimarer Bibliothek. Das Jahr 1797 ging als das "Balladenjahr"
in die Geschichte ein, da aus einem Dichterwettstreit zwischen Goethe
und Schiller zahlreiche Balladen hervorgingen, darunter Der Gott und die
Bajadere, Der Schatzgraeber, Der Zauberlehrling, Die Braut von Korinth
und Legende. Beide befassten sich auch intensiv mit der Theorie der
literarischen Gattungen, dessen Ergebnis 1797 in der Schrift Ueber
epische und dramatische Dichtung festgehalten wurde. Goethe setzte
in dieser Zeit auch seine Arbeiten am Faust fort. 1798 erschien die
periodische Kunstzeitschrift Propylaeen, unter der Mitarbeit Schillers
und Humboldts. Im Dezember 1799 uebersiedelt Schiller nach Weimar. Er
draengte Goethe zur Vollendung des Fausts. Aus der Zusammenarbeit der
beiden Dichter ging der Stil der Weimarer Klassik hervor, der sich an
Antike und Renaissance orientierte. 1803 erhaelt Goethe die Oberaufsicht
ueber die naturwissenschaftlichen Institute der Universitaet Jena. 1804
wird er zum Wirklichen Geheimen Rat ernannt. Am 9. Mai 1805 stirbt sein
engster Freund, Schiller. Dieses Ereignis nimmt einen tiefen Einschnitt
in das Leben Goethes, das bis dahin von einer intensiven Freundschaft
und geistigen Beziehung der beiden gepraegt war. Im Epilog zu Schillers
Glocke setze er ihm ein Denkmal.
 Das Jahrzehnt nach Schillers Tod
 
 In
der Zeit nach Schiller, zaehlten Ludwig von Knebel, Carl Friedrich Zelter
und Wilhelm von Humboldt zu Goethes engsten Freunden. Goethe setze sich
ab 1806 intensiv mit der Romantik auseinander. Die Sammlung Des Knaben
Wunderhorn (1806-1808) von Achim von Arnim und Clemens Brentano regten
Goethe an, sich mit dem deutschen Mittelalter und der Volkspoesie zu
beschaeftigen. Im April 1806 wurde Faust, erster Teil abgeschlossen. Im
Oktober kam es zur Schlacht bei Jena und zur Besetzung Weimars. Goethe
heiratete in diesem Jahr Christiane Vulpus. 1807 macht er Bekanntschaft
mit Bettina Brentano, der spaeteren Frau A. v. Arnims. Goethe beginnt die
Arbeit an Wilhelm Meisters Wanderjahre. 1808 stirbt Goethes Mutter. Auf
dem Erfurter Fuerstenkongress kam es zur Begegnung zwischen Goethe
und Napoleon I. 1809 erscheinen Die Wahlverwandtschaften. 1810 kam
es zum Abschluss der Arbeit an der Farbenlehre. Der erste Teil seiner
Autobiographie Dichtung und Wahrheit, erster Teil. erschien 1811. In
Karlsbad kam es 1812 zur Begegnung mit Ludwig van Beethoven, der einige
Gedichte Goethes vertonte. Dichtung und Wahrheit, zweiter Teil. wurde
fertiggestellt. 1813 verlor die Kuenstler-Stadt Weimar einen weiteren
wichtigen Geist, den Dichter Christoph Martin Wieland. Im gleichen Jahr
fand zwischen dem 16. und 19. Oktober die Voelkerschlacht bei Leipzig
statt. Der dritte Teil seiner Autobiographie erschien. 1814 kommt es
zur Begegnung mit Marianne von Willemer und den Bruedern Boisserée.
Die letzten Lebensjahre
 
 1815 unternimmt Goethe ausgedehnte Reisen ins
Rhein- und Maingebiet. Sachsen-Weimar-Eisenach wird durch einen Beschluss
des Wiener Kongresses zum Grossherzogtum. Im September findet die letzte
Begegnung mit Marianne von Willemer statt. Im Dezember wird Goethe mit
dem Amt eines Staatsministers betraut. Am 6. Juni 1816 stirbt seine
Frau, Christiane. 1817 haelt sich Goethe oefters in Jena auf. Von der
Leitung des Hoftheaters wird er entbunden. Mit zunehmenden Alter zog
sich Goethe vom Weimarer Gesellschaftsleben zurueck und wendete sich
nun hauptsaechlich seinen Werken zu. 1819 ist der West-oestliche Divan
abgeschlossen. 1820 beginnt die Arbeit an Wilhelm Meisters Wanderjahren,
die 1829 vollendet wurde. 1821 kommt es zur ersten Begegnung mit
Ulrike von Levetzow, seiner letzten Liebe. 1825 nimmt er seine Arbeit
am Faust, zweiter Teil. wieder auf. Im Januar 1827 stirbt Charlotte von
Stein, im Juni des darauffolgenden Jahres Grossherzog Karl August. 1830
erscheint der letzte Teil seiner Autobiographie, Dichtung und Wahrheit,
vierter Teil. Im November erfaehrt er vom Tode seines Sohnes, der schon
Ende Oktober verstarb. Goethe erlitt einen Blutsturz. 1831 wird Faust,
zweiter Teil. vollendet. Am 22. Maerz 1832 stirbt Goethe in seinem Haus
am Frauenplan. Er wurde neben Schiller in der Weimarer Fuerstengruft
beigesetzt.
          

Query (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung)Seehafer180"
/> des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Anciengime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
          

Reference (wikipedia):

== Leben ==
 [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]

=== Herkunft und Jugend ===

 Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.

 Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".

 Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.

 Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.
 Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.

 === Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
 ==== Leipzig ====

 Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.

 Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].

 Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.

 Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.

 ==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''

 Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.

 Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.

 === Zeit des Sturm
und Drang ===

 Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0

 Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2

 [[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]

 Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0

 Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.

 Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.

 === Minister in Weimar ===
 [[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]

 Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2

 ==== Im Staatsdienst ====
 [[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]

 Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23


 Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
  Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.

 Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.

 ==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
 In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.

 Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung)Seehafer180"
/> des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.

 ==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
 Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.

 Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.

 === Reise nach Italien ===
 [[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
 [[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
 [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]

 1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]]  gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.

 In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.

 Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3

 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.

 === Zeit
der Weimarer Klassik ===
 ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]

 Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.

 ====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
 Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.

 Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.

 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Anciengime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.

 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].

 ==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
 [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]]
 [[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]

 In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.

 Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.

 Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0

 Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.

In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798

 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.

Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.

 Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0

 === Der spaete
Goethe ===
 [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
 [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]

 Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").

 Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.

 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
 Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.

 1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.

 ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
 1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.

 Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.

 ==== Die letzten Werke und Reisen
====
 [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
 [[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]

 1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.

 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0

 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.

 Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.

 ==== Tod ====
 Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].